Manchmal möchte man ihn wirklich ein wenig dekonstruieren, den Judith Butler. Beispielsweise jetzt wieder, angesichts einer neuen Ungeheuerlichkeit, die sich Verkleidungs-Judith in ihrem amerikanischen Elfenbeinturm leistet. Sie klingt im Original so:
„Similarly, I think: Yes, understanding Hamas, Hezbollah as social movements that are progressive, that are on the Left, that are part of a global Left, is extremely important. That does not stop us from being critical of certain dimensions of both movements. It doesn’t stop those of us who are interested in non-violent politics from raising the question of whether there are other options besides violence. So again, a critical, important engagement. I mean, I certainly think it should be entered into the conversation on the Left. I similarly think boycotts and divestment procedures are, again, an essential component of any resistance movement.”
(Zit. nach: radicalarchives)
Wenn ich den ersten Satz des Zitats von mir gegeben hätte, hätte ich wieder etwas für mein Image als unmäßig zuspitzender Abdreher getan, bei dem man 90% vom Gesagten abziehen müsse, um eine halbwegs sinnvolle Aussage zu erhalten. Nun, das es die klare, sachte Judith, eine der Gewährsdamen der sog. „emanzipatorischen Linken“ ausplaudert, bin ich doch gespannt, ob unsere einheitsschwarzen, gepiercten Jünglinge und Girlies von der Antifa irgendwelche Bauchschmerzen bekommen. Wahrscheinlich nicht. Sie lesen ja nicht mehr, sie tanzen nur noch.
Und damit hätte ich die, wenn auch holprige, Überleitung geschafft zu einem neuen kulturkritischen Wutausbruch von Robert Kurz. Kurz schreibt erneut eine gnadenlose Kritik der sog. wertkritischen Linken im Dienste einer elaborierten Wert-Abspaltungskritik, wie sie die Zeitschrift EXIT pflegt. Dieses Anliegen ist nicht mehr die Sache des Blog-Schreibers, doch er schätzt die Wucht und die Ehrlichkeit der Kritik. Und allemal gerät mit der postmodernen Variante der Krisen“theorie“ samt Open-source-Anhang das Richtige ins Visier. Leider sieht Kurz nicht, dass die radikale Linke als ganze destruiert gehört und nicht nur ihre allzu lebensweltlichen Vertreter. Beispielsweise kommt eine Kritik der pseudoantideutsch verkommenen Antifa, dieser Speerspitze der Barbarei, nicht vor. Nichtsdestotrotz eine lehrreiche Polemik, die weiterverbreitet werden kann und soll. Zum in diesem Text gegeißelten „Bloggerunwesen“ soll demnächst eine grundsätzliche Stellungnahme erfolgen. Heute nur die persönliche Rechtfertigung: Ich muss diesen Blog hier vollschreiben, weil meine Produkte
- niemand druckt, ich aber
- sehr gern schreibe und es mag, mit anderen Leuten in einen Austausch zu treten und feed back zu erhalten.
Ich liebe das Bloggen als solches nicht besonders, es ist eben meine einzige Möglichkeit, mich einem breiteren Kreis von Leuten mitzuteilen.
Einstweilen verabschiede ich mich in den vorgezogenen Sommerurlaub. Es wird also in den nächsten zwei, drei Wochen hier nichts Neues geben.