Dass ich in diesem Blog meist unter-, selten übertreibe, belegt die gestrige “junge welt”.
Auch in meinem Artikel über den Luxuskommunisten Ronald M. Schernikau war dies wieder so.
Der – nachdem er jahrelang im Westen gelebt hat! – findet die DDR “sehr unterhaltsam”, seine Lieblingsgestalt in der Geschichte ist “lenin” und die am meisten bewunderte militärische Leistung “die sicherung der grenze der ddr am 13. august 1961″.
Zwei einfache Fakten: Ernst Jünger vermisste am NS die Größe, den harten Zugriff, den Willen unpopulär zu sein – Schernikau kritisierte an der DDR die “gruselige(n) neubauviertel” und “mißglückt(e)… dauerwellen” der “jungmütter”.
Die spezifische Schlechtigkeit, Hundserbärmlichkeit eines Menschen, der sich von Peter Hacks (sie wissen schon: der abgedrehte Stalino-Dichterfürst mit dem Klassik-Sparren) für seine “Emigration” in die DDR loben lässt, ist kaum zu überbieten.
Schernikau, der prügelnde und vergewaltigende Jugendwerkhofserzieher nicht kennen gelernt hat, der nicht wusste und auch nach 1989 nicht wissen wollte, was ein Stasi-Verhör bedeutet hat, der die wunderbar fortschrittliche Kultur des Menschen-Zerbrechens in der NVA nicht erfahren hat, der hüben die schwule Sub erkundete, während drüben die Stasi-Knäste überquollen – so einen Typ heute zu feiern, ist geschichtsvergessen, kalt gegen die Opfer der DDR.
Mir bleibt noch, Biermann abwandelnd, zu rufen: Ronald Arschloch.
[...] – Erstaunlich! Zum Schernikau-Geburtstag stellt sich heraus: Nicht alle sind begeistert! « Zu Heidi Urbahn de [...]
Was bezwecken Sie mit der Erwähnung des Ernst-Jünger-Faktums?
Prügelnde und vergewaltigende Erzieher gibt es doch bspw. in der BRD auch, oder nicht? Das kommt nicht nur in den schlechtesten, sondern sogar in den besten Schulen vor. Verhöre und einen Geheimdienst gibt es in der BRD wie in jedem anderen Staat auf der Welt. Und wenn Sie eine “Kultur des Menschen-Zerbrechens” vermissen, setzen Sie sich doch einmal mit Abschiebeknästen auseinander oder schalten Sie einfach den Fernseher ein. Die BRD kriegt das in ihrer Armee hin, aber auch täglich vor aller Augen in der Bild-Zeitung etc.
Schernikau hat die DDR ja auch nicht für diese Dinge gelobt (für das Fehlen der BILD und ähnlichen Drecks natürlich schon).
Und: Die Sicherung einer Grenze ist ja zunächst einmal militärisch defensiv; das übliche Abschlachten, das die meisten Leute auf die entsprechende Frage angeben dürften, finden Sie wohl besser? Ein Mauerbau löst Probleme natürlich nicht für die Ewigkeit und ist eine Notlösung; nehmen Sie z.B. die israelische Mauer: Die ist für viele sehr ungerecht, aber ist sie so brutal wie die Kriege, die andere Staaten so führen? Und nicht politisch durchaus sinnvoller und angemessener?
Und so weiter … Sie müssen ihn ja nicht mögen, aber ich finde ihre Einwände kindisch.
Diese Einwände kenne ich aus Diskussionen mit meiner Mutter – auch dort ist es nicht möglich, etwas gegen die DDR zu sagen, ohne sofort Relativierungen zu hören, hier und heute sei es auch nicht besser – was insgeheim impliziert: es sei noch schlechter.
Der Ernst-Jünger-Vergleich kommt hier, um zu zeigen: Jünger war im selben Maße ein überzeugter NS-Schweinehund, wie Schernikau ein DDR-Quäler, nämlich gar nicht. Beide kritisieren an ihren Systemen absolut läppische Dinge (die ich anführte und die Sie nachlesen können, wenn sie mögen). Nebenbei: Schernikau hat die DDR nicht für die Jugendwerkhöfe gelobt und Jünger den NS nicht für Auschwitz – ich danke Ihnen für eine weitere Parallelisierungsmöglichkeit.
Die “Sicherung der Grenze” (Schernikau übernimmt hier hoch ideologisch den Parteijargon und spricht nicht vom “Mauerbau” – worauf Sie mit ihrer Defensiv-Bemerkung herein fallen) war im Falle der DDR höchst offensiv – sie können die Toten durch Googlen mit Sicherheit selbst heraus bekommen.
Ihren Einwand bzgl. der israelischen Mauer finde ich nun kindisch nominalistisch – diese und die Berliner Mauer verbindet das Aus-Beton-Gemacht-Sein, nichts weiter.
Wissen Sie, ich habe in der DDR gelebt, vielleicht reagiere ich deswegen so leidenschaftlich ablehnend auf übersättigte, arrivierte schwule Linksradikale, die jetzt wieder einmal Lust haben auf einen neuen Kick, die es wieder einmal so richtig krachen lassen wollen. Sie wollen ein System beseitigen, in dem – trotz aller Fehler – Debatten geführt werden können und nicht Friedhofsruhe herrscht, wie in Schernikaus geliebter DDR.
“Schernikau hat die DDR nicht für die Jugendwerkhöfe gelobt und Jünger den NS nicht für Auschwitz – ich danke Ihnen für eine weitere Parallelisierungsmöglichkeit.”
Wenn Sie so etwas parallel nennen, haben Sie einen Knick im Blick. Sie loben die BRD ja auch nicht bspw. für die Odenwaldschule, für das, was die Priester sonst so treiben oder für Massaker, die die Armee an Zivilisten in anderen Ländern begeht – eine weitere “Parallele”?
Auschwitz ist, wie Primo Levi sagte, die Realisierung des Faschismus. Ein Jugendwerkhof ist aber nicht die Realisierung des Sozialismus, sondern irgendein Scheiß, der dort passieren kann wie sonstwo auch. Das ist der inhaltliche Unterschied.
Die Realisierung des Kapitalismus übrigens sind neben der BILD und anderen Leitmedien, in denen gerne über Sozialeuthanasie, den Einsatz der Armee im Innern, einen neuen Reichsarbeitsdienst und andere Möglichkeiten der Refaschisierung nachgedacht wird (Sie nennen das “Debatten führen können”; gute Nacht) durchaus auch die Arbeitslager imperialistischer Unternehmen in Bangladesh, Indien, China usw., in denen zu Hungerlöhnen die Klamotten, Computer und Tomaten zusammengebaut werden, die Sie benötigen um ihren Dünnpfiff zu verzapfen (Sie sehen, ich will darauf hinaus, den Satz “Das Sein bestimmt das Bewusstsein” zu erläutern: Sie sind ein Kleinbürger, dem von den Surplusprofiten der bundesdeutschen Unternehmen ein relativ flotter und anstrengungsloser Wohlstand finanziert wird. Das war in der DDR nicht der Fall, weswegen Sie zum Dank dort ständig nach kleinen Auschwitzen suchen)
Ich wohne ja auch in der BRD, wo ich mir ständig sowas anhören muss; deswegen reagiere ich ablehnend.
Sie kennen mich und meinen sozialen Status nicht – was Sie nicht daran hindert, haltlos drauflos zu pathologisieren. Das ist Ihr Recht – der Ton, in dem dies geschieht, ist aber nicht der, in dem ich Debatten führe. Deshalb lasse ich das zu Ihrer Schande hier einfach kommentarlos stehen.
Naja. Man ist so, wie man sich äußert.
Viele Verwerfungen, insbesondere soziale, lassen sich in der kapitalistischen Welt finden – aber hier kann man immerhin gegen sie demonstrieren und agitieren. Sogar gegen die böse Programmzeitschrift der BRD, Die Bild, darf Laura demonstrieren und agitieren.
Diese politische Freiheit gab es in der DDR kaum. Das ist der Unterschied. Einen Unterschied, den Schernikau nicht erkennen wollte. Vielleicht, weil er sich als schwuler, poppiger, westdeutscher Leumund der DDR in der DDR mehr herausnehmen durfte als ein ordinärer DDR-Bürger.
Ich war bei der Lektüre von Schernikaus “Tage in L” auch verwundert und enttäuscht. Soviel Halbgares und schlecht Tendenziöses. Schernikaus Beliebtheit kann ich mir nur dadurch erklären, dass seine Biografie nahezu grotesk ist – und dadurch, dass er den westdeutschen Linken, die die DDR von außen verklärt haben, aus dem Herzen schrieb. (Der Film “Lenin kam nur bis Lüdenscheid” ist hier zu empfehlen.)
Dass politische Freiheiten die Voraussetzung ihrer Politik ist, verstehen die Linken und Radikalen Linken anscheinend nicht, sofern ihnen diese Voraussetzungen niemals fehlten. Marx, der ja wohl der scharfsinnigste Kritiker der sozialalen Verwerfungen in der kapitalistischen Gesellschaft war, bedeuteten die politischen Freiheiten hingegen viel. Deswegen floh er, deswegen begrüßte er die Wahl Lincolns in der USA, deswegen ist seine Einstellung zum Kolonialismus mindestens differenziert, usf.
Hätte Schernikau zehn Jahre in der DDR gelebt, er hätte sich wieder in den Westen zurückgesehnt. So weit darf man ihm dann doch vertrauen.
Seh es ähnlich wie Hannes – auch wenn ich, als Westler, die DDR nicht miterlebt und Schernikau nicht gelesen habe (dafür mit Vergnügen Willi Bredels Schwarte “Verwandte und Bekannte”
).
Bei Lauras Kommentaren scheint mir einiges durcheinander zu gehen. Wie ich es verstanden habe, geht es bei Holgers Ernst-Jünger/Schernikau-Vergleich in erster Linie um die Absage an eine bestimmte menschenverachtende Haltung, die gewisse Intellektuellen- und Künstlertypen pflegen. Nicht darum, die DDR, so übel sie war, in demagogischer Absicht dem Nationalsozialismus anzuverwandeln. Natürlich fordert auch die heutige Gesellschaftsform Opfer – weshalb ich sie wenig liebe – gegen die man nicht “kalt” sein darf, um den Ausdruck mal zu übernehmen. Auch birgt sie bekanntlich, so schlecht sie schon ist, eine Menge Möglichkeiten, noch schlechter zu werden. Die Überwindung des Kapitalismus erhoffe ich mir aber von einem Sozialismus (oder meinetwegen Kommunismus, solang es nicht mit “C” geschrieben wird, wie es neuerdings bei altklugen Internetjugendlichen eine Mode zu sein scheint) über den man wirklich Besseres sagen kann, als dass, was hier für die DDR vorgebracht wurde: dass ihre verbrecherischen Aspekte nicht typisch für sie seien – was im übrigen ja auch nicht unstrittig ist.
Opportunistische Heraushalter wie Holger, Hannes oder “j.” sind in ihrem grün-demokratischen Reform-Idealismus natürlich immer brav Nazi- und Extremismus-kritisch, aber letztlich hindern sie die Faschisten auch nicht daran, an die Macht zu gelangen. So erfährt der Nationalsozialismus seine passive Unterstützung durch wohlwollende Demokratie-Romantiker und Wert-, Waren- oder Konsum-Kritiker, die sich in ihrer elenden, verlogenen, geschichtsfälschenden antikommunistischen Hetze gegen entschlossene Antifaschisten und Sozialisten (wie in diesem Falle den Genossen Schernikau) so sehr gefallen, dass sie schon gar nicht mehr mitbekommen, wem sie damit als Zuträger dienen. Da muss dann eigentlich auch gar nicht mehr betont werden, dass “Diesseits-von-gut-und-böse”- (also auf dem Breitengrad der Barbarei herumluschende) Holger zu Lenin und DDR die Auffassung der NPD teilt.
Sehnsucht nach Stalin.
PS: Dass hier suizidale Nazis, die in der DDR ganz bewusst und zum Schaden des Sozialismus den Weg über die mit Selbstschussanlagen ausgestattete und bewachte Grenzlinie (es waren zum Großteil Stacheldrahtzäune, daher ist das Wort “Mauer” nachweislich falsch), und somit also ihren sicheren Tod wählten, jetzt auch noch als Opfer der SED etikettiert werden, ist natürlich die größte Faschisten-Schweinerei.
Wenn in der BRD jemand von einem Hochhaus springt, sagen Sie dann auch, er sei “Opfer des CDU-Regimes” geworden?
Bei linken Freunden und Bekannten führt meine Behauptung, wir lebten in einer “linken Republik” immer zu Kopfschütteln und verlegenem Lächeln. Das sei doch nun wirklich übertrieben, schließlich: die Dorfnazis, der Neoliberalismus, die NPD.
Hier, liebe Leute, in den Kommentarspalten dieses Blogs, könnt ihr sie wieder in Aktion sehen: die linken Schreibtischstrategen, diejenigen, die “Kämpfen” mit “Schreiben” identifizieren (wie in Schernikaus Fall), diejenigen, die nie in einem Stasigebäude mit den Schergen des DDR-Wahnsinns sich abgeben mussten, die Verkleinerer, Beschöniger des realexistierenden Sozialismus´. Langweiler, Zauderer, wie der Hannes, j oder Holger, die erst fünfmal nachdenken wollen, bevor sie etwas an der Gesellschaft ändern, weil sie deren Verschlechterung befürchten, werden mit den allerschalsten Adorno-Zitaten abgebügelt. Insgeheim wird auf die Revolution gehofft, die solche Kleinbürger einfach hinwegfegt.
Wir drei kennen das seit einiger Zeit wohl zur Genüge; ich jedenfalls kann mich bei der Fülle der Nazivorwürfe, die ich in der radikalen Linken gehört habe, darüber kaum mehr erregen. Der Umgang mit dem Neffen von Ulla und auch mit Laura ist nicht Pflicht, den Rest regelt der Rechtsstaat. Worum ich allerdings bitte: Die Behauptung nachweislich unwahrer Dinge zu unterlassen, sonst müsste ich hier doch moderieren. Denn über die “Auffassung der NPD” zur DDR, können Sie sich, Neffe von Ulla, hier orientieren.
Also, bitte.
Holger, Sie sind schon so weit runter gekommen in Ihrem Demokratensumpf, dass Sie die NPD-Propaganda für voll nehmen.
Ansonsten kann ich Sie beruhigen: es gibt keine kommunistische, noch nichtmal eine linke oder auch nur linksliberale Hegemonie in der BRD. Wir paar übrig gebliebenen, noch nicht zu Tode verfolgten, ermordeten, zensierten Kommunisten tun allerdings unser Bestes.
Und wir werden natürlich aus der Geschichte zu lernen wissen.
Stalinismus, das ist die im Dienste der Vernunft und Gerechtigkeit stehende Abwesenheit der Freiheit für Andersdenkende – soviel hat sich seit Rosa Luxemburgs idealistischer Verkündigungen herausgestellt.
Holger: “Bei linken Freunden und Bekannten führt meine Behauptung, wir lebten in einer „linken Republik“ immer zu Kopfschütteln und verlegenem Lächeln. Das sei doch nun wirklich übertrieben, schließlich: die Dorfnazis, der Neoliberalismus, die NPD.
Hier, liebe Leute, in den Kommentarspalten dieses Blogs, könnt ihr sie wieder in Aktion sehen: die linken Schreibtischstrategen”
Allerdings: Die Blog-Sphäre (samt Kommentarspalten) steht zur Republik in keinem besseren Verhältnis wie die dritte Halbzeit zum Fußballspiel. Hier können sich Idioten austoben, die es mangels Qualitäten niemals auf den Platz, ja nicht mal auf die Auswechselbank geschafft haben.
Wenn man selber hier hängen geblieben ist, trifft man halt auf solche Rummelboxer wie den Neffen von Ulla.
Das erinnert mich daran, dass ich mich hier einmal rechtfertigen wollte – fürs Bloggen. Kurz möchte ich jetzt aber doch sagen, dass ich nicht hier hängen geblieben bin, sondern mich bewusst eingeklinkt habe, weil ich dort, wo ich früher geschrieben habe, nicht mehr gedruckt werde und auch ansonsten mit längeren Texten zu mir wichtigen Sachen, nirgendwo landen konnte. Und allzu viele Nazitrolls habe ich auf meinem Blog übrigens noch nicht gehabt – eine “rechte” Republik mindestens scheint´s nicht zu sein.
@ Holger
Bewohner der Blogosphäre:
- Sagen wir: die hängen Gebliebenen und Verstoßenen.
Dein Blog, rechte oder linke Republik:
- So oft, wie du dich an linken Themen abarbeitest… kein Wunder, dass sich hier Linke einmischen. Ich glaube, es gibt auch einen Zusammenhang zwischen der DIY-Mentalität der Linken und der Blogosphäre.
>>die Dorfnazis, der Neoliberalismus, die NPD.<<
Zwischen dem "Neoliberalismus" und 90 % von dem, was heutzutage unter "linker Politik" verstanden wird, besteht nicht der geringste Widerspruch; ja, gerade die antinationalen und antideutschen Elemente der heutigen "Linken" (aber keineswegs sie allein) sind nützliche Hilfstruppen des globalistischen Marktradikalismus. Die seltsame Affinität, die zwischen dem publizistischen Antideutschtum und den Medien des Springerkonzerns besteht, ist dafür nur ein Symptom. Von ein paar verstreuten Traditionssozialisten abgesehen, hat sich die "Linke", ob sie`s wahrhaben will oder nicht, in einen systemkonformen Linksliberalismus aufgelöst. Dieser bildet das rosarote Fluidum, in dem selbst Leute wie Lafontaine oder Wagenknecht zu schwimmen gezwungen sind. Außerhalb sektiererischer Konventikel kann es unter solchen Umständen keine Traditionslinke mehr geben. Bei jüngeren Leuten, die das Ende des Realsozialismus nicht mehr als Erwachsene erlebt haben, ist der positive Bezug auf die DDR oder die Sowjetunion vollkommen illusorisch oder – um ein Wort Schillers zu gebrauchen – sentimentalisch. Mit jedem Wort, das sie zu Gunsten des untergegangenen Realsozialismus aussprechen, erweisen solche Leute sich als typische Produkte der bundesdeutschen Gesellschaft und ihrer neurotischen Gesamtbefindlichkeit.
[...] Leninplatz für sie und ihre angeblichen Kollaborateure; auch die Spießer-Begeisterung für den entsetzlich dummen Schernikau gehört hierher) entspringt dem totalitären Impuls des Umerziehers, eines Menschen, der immer [...]