Mein Zugeständnis an die Zusammenbruchstheorie: Eine Gesellschaft, in deren Reproduktionszusammenhang Produkte als “mild im Geschmack” erfolgreich (also wirklich verkaufsfördernd) angepriesen werden können, ist zum Untergang verurteilt.
Nur, damit auch ich es verstehe: Für (!) das Produkt spricht also, dass es kaum oder gar nicht nach dem schmeckt, was es anderen Produkten gegenüber charakterisiert. Gut ist also, dass ein Unterschied keinen Unterschied mehr macht, der Käse bspw. so mild ist, dass er kaum mehr käsig ist. In dieser Gesellschaft steuert die Entwicklung des Geschmacks in Richtung einer süßen Einheitspampe ohne weitere Substanz oder Eigenart. Demenzkranke bevorzugen so etwas. Es muss nur noch der Löffel gehoben (nichts mehr geschnitten und geschoben werden), man braucht nur noch zu schlucken, nicht mehr zu kauen. Die Routinen sind klar.
Nicht zuletzt: Auch “Queer” ist mild. Verweichlichte Jungs, vermännlichte Mädchen malen sich unterschiedslos an und stellen einander ihre von geschlechtsspezifischen Formen abgeschliffenen Körper zur Verfügung. Körperliche und seelische Eigenarten, Vorzüge, Unzulänglichkeiten werden verwischt. Verlieben kann man sich in jeden, der aussieht, wie man selbst. Was bleibt, ist mildes, unaufgeregtes Aneinander-Rummachen, bis man genug hat und zurückkehrt zu emanzipatorischem Herunterwürgen der letzten chemischen Realitätsvernichter.
Sollen sie doch auf die Fresse fliegen – auf ihren Straßen aus Zucker!
Schöne und zutreffenden Beobachtungen! Wie so oft bei Dir klingt’s vielleicht ein bißchen arg verzeifelt, aber in der Substanz ist das sicher alles richtig gesehen.
Ich mußte sofort an die “Smoothies” denken, die ihre Scheußlichkeit im Sinne des Gesagten nun auch noch explizit in ihrem Namen kundtun.
Und das hier:
… wird mein Zitat des Tages!
Bitte um Aufklärung: was ist das Problem an Smoothies? Das gleiche wie bei Softeis?
Nun, ich würde sagen: Eis ist per se ein bißchen soft, aber Obst ist nicht per se ein Breichen. Und ich weigere mich, als Erwachsener Babynahrung zu mir zu nehmen. (Nebenbei: ein in der Öffentlichkeit eislutschender Mann ist ein völlig peinlicher Anblick. Absolut deklassierend.)
Und wenn schon im Namen mir seimiger Weichlichkeit geworben wird…
Andererseits, es sei zugegeben, finde ich es auch schlimm, in der Öffentlichkeit frisches Obst zu essen – keineswegs nur, aber vor allem wegen der dabei entstehenden Geräusche.
Eigentlich sollte man gar kein Obst essen. Ich darf mir erlauben, Werner Bergengruen zu zitieren:
“Absolut deklassierend.”
Fine with me – I’m classless.
Und ich bin Klaas.
“Verweichlichte Jungs, vermännlichte Mädchen malen sich unterschiedslos an und stellen einander ihre von geschlechtsspezifischen Formen abgeschliffenen Körper zur Verfügung. Körperliche und seelische Eigenarten, Vorzüge, Unzulänglichkeiten werden verwischt.”
Wo hab ich das denn schon mal gehört? Achja, Makss Damage.
@Required Name
Makss Damage? Kenne ich nicht. Ich nehme an: Irgendetwas, was man nicht liest, nicht hört oder was nicht cool ist. Ich bin hier aber – deutend – auf eigene Kosten unterwegs.
@Harki
Danke schön. Nun, vielleicht kann man das eine oder andere Prozent abziehen
Ich würde aber meinen, man kann auch süße Breichen um ihrer selbst willen schätzen. Das Problem ist aber, dass alles süßes Breichen wird.
Ne, hören sollte man das wirklich nicht, und cool ist auch anders. Trotzdem entdecke ich gewisse Parallelen in der Argumentation, trotz anderer Wortwahl. Ich zitiere:
Und ich hau’ sie mit’nem Hammer tot.
Trenn sie mit’ner Sichel durch.
Fick’ erst ihre Mädchen durch!
Ist das nicht verwegen?
Fick’ dann ihre Jungs durch… Warte!
Ist das nicht ein und dasselbe bei denen?
Eben!
(aus “Antideutsche Hurensöhne”)
Erkläre mir doch bitte, was an geschlechtlicher Eindeutigkeit so toll ist, dass du sie bei anderen Menschen einforderst. Was ist verkehrt daran, sich dagegen zu wehren?
Ansonsten stimme ich “hi” zu.
Hm, die Parallelenentdeckung ist Deine Sache, aber wo ist für Dich da die Erkenntnis? Ich bin Phänomene deutend! (und das heißt immer: Kontingenz) unterwegs. Ich fordere keine Eindeutigkeit ein, sondern mache mir Gedanken darüber, warum es unter einer bestimmten Gruppe von Menschen so ungemein beliebt (geradezu uniform beliebt!) ist, uneindeutig sein zu wollen. Und warum diese Uneindeutigkeit dann immer so verteufelt eindeutig aussieht. Im übrigen:
1. Mit dieser Art Antideutschen-Hassern habe ich nix am Hut. 2. Es gibt bürgerliche Freiheiten. Niemand soll sich von mir zu irgendeiner Eindeutigkeit gedrängt fühlen.
Auweia. Also wenn DAS nun das ist, was dich an der Warengesellschaft, queerer Theorie oder an Strassen aus Zucker stoert, dann passt du ja ganz gut in die von dir aufgemachte Gleichung hinein: milde Kritik, milde Logik, milde Argumentation -fuer diejenigen, die mit allem anderen entweder zufrieden oder ueberfordert sind.
Na, da gibt es schon noch etwas mehr. Aber ich kann ja nicht alles auf einmal schreiben. Etwas ist allerdings schon da: Guck mal bei den Stichwörtern “Kapitalismus” und “Kommunismus”.
Ich befürchte allerdings, Du vermisst die “Evergreens”: Arbeitskritik, Kampf gegen “Repression”, Gender-Dingens, Hedonismus, revolutionärer Antifaschismus.
Ja, da kann ich Dir nun nicht helfen, diesbezüglich wirst Du sicher woanders fündig.
Einstweilen viel Spaß weiterhin beim Stöbern auf diesem Blog,
Holger
[...] der Lektüre eines FAZ-Artikels von Robert von Lucius erinnern wir uns eines Blogartikels von Holger vor einigen Wochen. Ja, „mild im Geschmack“. Zum Zersägen reicht es nicht mehr, [...]
[...] eines FAZ-Artikels von Robert von Lucius über die Camps im Wendland erinnern wir uns eines Blogartikels von Holger vor einigen Wochen. Ja, “mild im Geschmack”. Zum Zersägen reicht es nicht mehr, und [...]