Links wird die Leitdifferenz des Deutschen als “Ergebung/Vernichtung” ausgemacht. Beides läuft auf den Tod hinaus, der den Deutschen immer Lösung sei. (Diejenigen mit philosophischen Aspirationen rühren hier noch gern Heideggers “Sein zum Tode” hinein, obwohl das nun gar nichts damit zu tun hat. Doch davon demnächst mehr.)
Die Kontrastposition werde durch das “Leben als Kampf” gehalten, Vorbild: das Alte Testament. Von hier ist es nur noch ein Katzensprung zur Ableitung, dass es prima und immer zu begrüßen sei, wenn israelische Heranwachsende mit der Waffe in der Hand gegen die “antisemitische Internationale” kämpfen. (So zumindest die Hinzufügung der carhartt-behosten Zivis deutscher Mittelschichtsherkunft, die auch gerne gegen irgendetwas kämpfen würden, wenn auch nicht in echt.)
Mag sein, dass die anprangernde Rede vom “unheilvollen alttestamentarischen Prinzip” und der “Spirale der Gewalt” antisemitisch ist. Fakt ist, dass die ganze anti-israelische Bagage irgendwelcher Friedenskreise sich dieser Topoi bedient. Doch m.E. sollte man sich nicht so pseudo-aufgeklärt verteidigen, wie die o.g. Jünglinge tun – an der Gegengewalt ist doch nicht zu loben, dass durch sie die Geschichte offen gehalten wird. Und die Verteidigung eines Landes gegen Terror kann doch auch nicht Gegenstand von philosophisch getöntem Lob oder Tadel sein.
Vielmehr ist es doch in sich ungemein tröstlich, dass Gewalt immer Gegengewalt erzeugen könnte, die Gewalt also eben nicht triumphieren muss, dass der Gewalttätige vielmehr bis zuletzt vorm Stärkeren zu zittern hat.
Christoph Türcke: “Andererseits ist Gegengewalt auch gegen Gewalt.”
Können Sie, lieber Leser, jetzt ermessen, wie groß die Liebe desjenigen sein muss, der auf die ultimative Gewalt nie gewalttätig antwortet, sondern den Gewalttäter gleich mit erlöst?