Was, Du hast kein Handy? Und auch kein Auto?
Also, ich könnte das nicht. (Folgt Aufzählung, wie wichtig es sei, erreichbar zu sein, mit xy täglich 4x zu telefonieren bzw. jederzeit in ganz Deutschland mobil zu sein und “außerdem brauche ich das Auto für die Arbeit”). Meine Antwort: Ich mache lieber einen guten, langen Urlaub (durchaus auch gern mit dem gar nicht so umweltfreundlichen Flugzeug), trinke schönen Wein, esse gern auch mal etwas aus dem Öko-Feinkostkaufhaus und möchte beim Erwerb von Musik-CDs und neu heraus gekommenen Theorie-Schinken nicht allzu lange überlegen müssen. Und das alles mit einem nicht wirklich armutsfesten Lohn.
Mein Gegenüber: Das mit dem Bio-Zeug ist ja alles nicht erwiesen. Hm, und Rotwein kriegst Du auch bei “Penny”. Du könntest Dir ja auch einen anderen Job suchen, da wäre Dein Lohn von der Armutsgrenze weiter entfernt. Na ja, Du kannst Dir das leisten, Du hast ja keine Kinder.
Ein kurzes Gespräch, das mit meinem Konsum-Defizit begann, endet mit der Feststellung meines Snobismus´ und mit sanfter Missbilligung der Prahlerei. Neun von zehn Gesprächen zu diesem Thema verlaufen so.
Es soll nicht sichtbar werden, dass in einer marktwirtschaftlich verfassten Gesellschaft Wahlmöglichkeiten bestehen. Zwang und Vorbestimmung sollen regieren – so will es das Alltagsbewusstsein. Der “stumme Zwang der ökonomischen Verhältnisse” (Marx), der ihnen unbarmherzig die Spielkonsole in den Einkaufskorb drückt, scheint sich aber an meiner Uneinsichtigkeit bzgl. der Jobwahl zu brechen. Das wird als Ungerechtigkeit beobachtet. Ich soll ebenso wollen müssen wie die anderen.