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Archive for April 2009

Mann mit Auto am Waldrand. Er öffnet das Heck. Der Hund springt freudig bellend aus dem Auto. Der Mann: Mitte 30, helles Hemd, Khaki-Hose. Er sitzt bei geöffneter Tür im Auto, isst seine Stulle. Mittagspause. Aus dem Auto tönt irgendwas elektronisch Danceartiges. Auch in gehörigem Abstand noch in Disco-Lautstärke. Wie muss es erst vor den Boxen sein.

Endlich mal raus aus der Betonwüste, wird er sich gesagt haben. Raus aus dem Stadtlärm und -gestank, rein in die Natur.
Nun hat er fertig gegessen und steigt aus dem Auto. Er geht um seinen Wagen herum, begutachtet den Lack. Hockt sich hin und tätschelt kurz den Hund, der nach einer seiner Runden vorbeikommt. Dann trollt der sich wieder. Unser Mann entdeckt etwas im Lack, haucht über die Stelle und poliert nach. Dann steigt er wieder ein und macht die Musik noch ein wenig lauter.

Nach weiteren 5 Minuten wird der Hund heran gepfiffen und es geht wieder los. Wie gut es doch tut, mal in freier Natur durchatmen zu können.

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Der allerneueste Schrei ist es nicht, was der Kommunitarist Prof. Amitai Etzioni in diesem Film über die Grundlagen der guten Gesellschaft sagt.

Doch der ehemalige Kommunist, der diesen Blog hier voll schreibt, ist recht beeindruckt davon, die Möglichkeit, eine der freien Entfaltung des Menschen zuträgliche Gesellschaft zu schaffen, an die Verteidigung einer „moral order“ geknüpft zu sehen.
Die communitarians bzw. die Verfechter einer „responsive community“ wollen von allem das Beste retten:
Von der liberalen Gesellschaft würde eine als solche gute Sache, der Individualismus, gerettet (der Egoismus aber verworfen), Konservative bringen die Gestaltungskraft gegebener Werte und Gemeinschaften ein (jedoch nicht die anti-demokratische Haltung); die kommunistische Utopie steuert das freudige „Geben und Nehmen“ bei (keinesfalls aber die Auflösung der Marktwirtschaft). Hinsichtlich des letzten würden Etzioni und Mitstreiter wohl von „Responsivität“ sprechen. Und dass dies wörtlich gemeint ist, wird klar am Golfkriegsbeispiel: Patriotischer Stolz sollte schon auf der Bereitschaft beruhen, in der Armee auch zu dienen. Das Übel der vergangenen Gesellschaften scheint in der Übertreibung guter Dinge gelegen zu haben, man müsse einen „goldenen Mittelweg“ finden, um eine „gute Gesellschaft“ zu schaffen, die freiheitlich, moralisch und stabil ist. (Dass dies keine Despektierlichkeit ist, zeigt der Originaltitel seines u.a. Buches: „The New Golden Rule…“).

Dennoch: Es bleibt der Eindruck, dass das Problem, das der Professor hier relativ locker „löst“, etwas härter ist.
Seine „goldene Mitte“ zwischen Individualismus und totalitärem Tugendterrorismus hat wenige substanzielle Kriterien und muss so immer nach empirisch vorfindbaren Extremen schielen, von denen man sich tunlichst fern zu halten habe. Dass so die Maßstäbe des Kommunitären völlig vom Status quo (= Gegenwart unter Einschluss der jüngsten Geschichte) abhängig werden, scheint er nicht zu merken.

Mit der „kommunitären Gesellschaft“ ist es wohl wie mit dem „herrschaftsfreien Diskurs“ – beide funktionieren „nur“ als regulative Idee. Unter den habermasianischen Diskursteilnehmern darf niemand sagen: „Ich sehe es aber trotzdem nicht ein!“ und Prof. Etzioni muss die Ansichten „Ich will aber weiter individualistisch agieren.“ bzw. „Ich will aber in einer Theokratie leben.“ verbieten.

Schwierig das.

Etzioni, Amitai: Die Verantwortungsgesellschaft: Individualismus und Moral in der heutigen Demokratie, Campus Verlag, Frankfurt/New York, 1997

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KuNsT! prOvokAtioN!!

Ein Vorschlag für angehende Leipziger Kunststudenten: Mit Spachtel, Wassereimer und Wischlappen bewaffnet durch Leipzig ziehen und sämtliche Spuren früherer Kunstaktionen (Schablonensprühereien, Pappfiguren am Straßenrand, geklebte Gedichte, verteilter Müll auf Straßenbäumen) vormaliger Erstsemester beseitigen.

Maximaler Provokationsfaktor garantiert. Und meine wieder erwachte Sympathie für die moderne Kunst gibt´s noch gratis dazu.

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Man habe sich die Nation bzw. den Ort an dem man geboren sei nicht ausgesucht, demnach könne man keinen Stolz empfinden, sagen einem die Antinationalen. So weit so logisch. Also keinen Stolz. Aber vielleicht doch Freude, Entdeckergeist, Spannung? Unter welchen Bedingungen, in welchen kulturellen Verarbeitungsformen haben unsere Vorväter und -mütter ihr Leben gelebt? Nein? Keine Freude? Höchstens solle man diese Bedingungen als Fetisch-Gefängnis auffassen, aus dem die Leute nicht auszubrechen vermochten? Soll denn wirklich alles immer selber gemacht werden, soll denn gar kein Bezug auf Tradition mehr stattfinden?

Der anti-nationale Linke teilt das Verständnis von Volk und Nation mit dem des Nazijuristen Carl Schmitt: Wenn das Volk als politisch handelnde Einheit die Nation darstellt und das Wesen des Politischen Feindbestimmung durch Treffen der Unterscheidung Freund/Feind ist, dann ruht jede Nation auf dem Bewusstsein über den Feind. Schmitt findet das unumgänglich, also zu bejahen, der Linke schlecht, weil individueller Selbstbestimmung entgegen stehend.

Die Position eines Weicheies und Langweilers wie mir ist dagegen: kein Problem mit Deutschland als solchem haben, aber sehr wohl eins mit Gewalt und Ausgrenzung. Die Nation als Aufspeicherungsquelle der aus früheren Reproduktionsformen gebildeten Tradition nutzen, ohne den Zutritt zum Volk anderen zu verwehren, die sich bewusst in diese Traditionslinie stellen und in ihr bleiben wollen.

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Lebe wild und gefährlich, sagte sich Friedrich Nietzsche, blieb dann aber lieber sitzen und schrieb die „Fröhliche Wissenschaft“ zu Ende.

Lebe wild und gefährlich, sagte sich Jutta Ditfurth und bereitete sich auf die Wahrnahme ihres Abgeordnetenmandats im Frankfurter Römer vor.

Lebe wild und gefährlich, sagte sich die Gendertheoretikerin und klebte sich für die abendliche Queer-Party im Studentencafé einen extra dicken Schnurrbart an.

Lebe wild und gefährlich, sagte sich der jugendliche Radikale, sprühte im Schutz der Nacht etwas Krasses gegen´s System an eine Hauswand und war noch die nächsten Stunden ganz hingerissen von seinem Mut.

„Wo ist das Problem?“, fragte die katholische Nonne Hannelore, die in Berlin AIDS-Kranke betreut und von einem zukünftigen Schützling hörte: „…ick bin schwul, trinke zehn Dosen Bier am Tag, bin Atheist und habe einen Hund.“

„Wir wollen uns weigern, das zu sagen, was wir nicht denken“, sagte Alexander Solschenizyn und nahm jahrelange Zwangsarbeit im Gulag des sowjetischen Terrorsystems in Kauf.

„Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.“ (Lk 22,42), betete Jesus von Nazareth und ging zu seinen Jüngern zurück.

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I.

Du musst noch etwas lesen, Dir fehlt aber die Konzentration?

Folgendermaßen gehst Du vor:
– Buch weglegen
– Laufschuhe und -klamotten anziehen
– 30 – 45 min. eher langsam laufen (eine Unterhaltung muss jederzeit ohne Hecheln möglich sein!)
– nach dem Ankommen: kurzes Dehnen, denn danach muss alles schnell gehen:
– 1/4 l. Wasser trinken (evtl. mit Vitamin-Tablette)
– fetten Espresso machen und schütten
– ca. 3 min. kalt (!) duschen
– 1/4 l. und mehr Wasser trinken

Damit sind ein paar weitere Stunden konzentrierter Lektüre gerettet.

II.

Was Du brauchst:
– eine Lieblingsübung wie Liegestütze, Kniebeugen, Klimmzüge o.ä. (keine Sache mit Gewichten!),
– Dich selbst mit aufgewärmter Muskulatur, ca. 50 % trainingsermüdet,
– IX. Symphonie von Anton Bruckner

Höre evtl. vorher den ersten Satz durch. (Aufdrehen!) Kurz vor Schluss gibt es einen kurzen Moment völliger Stille, dann melden sich kaum hörbar die Pauken. Wer Noten lesen kann: das ist ab Takt 519 (Vorsicht: 28 MB).
Hier kannst Du Dich in die leisen, absteigenden Geigen gleiten lassen und wagst weitere Wiederholungen. Richte es so ein, dass Du bei Takt 551 mit fast völliger Erschöpfung ankommst. (Du hörst das schon, es ist der Kulminationspunkt der Angelegenheit ab Takt 519.) Ab jetzt sind, geradezu von den Blechbläsern nach vorn gepeitscht, ca. drei weitere Wiederholungen drin, die Du nicht für möglich gehalten hättest und die Dir von diesem alten, gottesfürchtigen und immer etwas vertrottelt gewirkt habenden Mann hier geschenkt werden.
Bedanke Dich bei ihm.

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Antinational I

Liebe antinationale Linke, warum wollt ihr in andere Länder fahren, wenn nicht deswegen, um dort von dem was für das Land spezifisch ist, überrascht zu werden?
Neue Eindrücke erwartet man doch nicht nur von einer geänderten Landschaft, sondern auch und gerade von Menschen, von denen man annimmt, dass ihr von ihrer Tradition geprägtes Leben (Kultur) sich in für uns spannenden Hinsichten von unserem unterscheidet. Über Anerkennung oder Ablehnung ist damit noch nichts ausgesagt.
Ohne diese Unterschiede, die letztlich -soviel muss Marx zugestanden werden- durch örtlich verschiedene Prägungen der Reproduktion zustande kommen, wäre unser Leben ärmer, weniger menschlich und liebenswert. „Die Kritik der Nation hat nichts als Unheil gestiftet.“ (Justus Wertmüller)

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