Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for Juli 2009

meistens habt ihr ja eine gewaltige Portion Stroh im Kopf: Ihr sitzt an dummen Spielecomputern, hoert selten bekloppte Musik, bruellt euch in atemberaubender Lautstaerke an, tanzt zu Maschinenlaerm, lauft schwachsinnig feixend gegen Laternenpfaehle, weil euer Blick auf das Display eurer Handies gerichtet ist und kommt im Leben nicht darauf, etwas Laengeres, beispielsweise ein Buch zu lesen.

Doch dann stellt man euch ein paar Wellen, einen Sonnenuntergang, ein paar kuehle Biere und, wo es sich machen laesst, eine/n Geliebte/n zur Verfuegung und tatsaechlich – ihr verhaltet euch wie ganz normale Menschen. Ihr taucht in die Wellen, trinkt die Biere aus und knuddelt die/den Angebetete/n. Na, geht doch…

Read Full Post »

Uff! Jetzt aber endlich mal an den Strand. Den hab ich mir schwer verdient durch meine Umschulung. Seit heute darf ich mich „Pflegeassistent zur Betreuung von Demenzkranken“ nennen. War ganz schön anstrengend. Andererseits mussten meine Mitumschüler sicherlich mehr kämpfen als ich, fehlt ihnen doch die langjährige Erfahrung der radikalen Linken. Wer sich dort auch nur einige Zeit herum getrieben hat, ist ja geradezu prädestiniert für den Umgang mit demenziell veränderten Menschen.
Orientierungsschwierigkeiten, Anfälle von Depression, Zwangsschreien, Verschlechterung des Sozialverhaltens, Wahrnehmungsstörungen, Gedächtnisverlust – das kenne ich doch längst, freilich meist von jüngeren Menschen…

Ich verabschiede mich in die Sommerpause. Bis Anfang August gibt es höchstens ein paar sporadische Einträge aus einem israelischen Internet-Café.

Read Full Post »

Es gibt Leute, die uns unbeabsichtigt erziehen. Eine sehr unangenehme, extrem ostzonal wirkende Frau, laut, vermännlicht, DDR-nostalgisch (sie würde sich wohl als „patent“ bezeichnen) diskutiert über Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen und seine Verhinderungsmöglichkeiten. Sie redet wie eine DDR-Unterstufenlehrerin dafür, dass die Discos früher schließen und der Dorf- bzw. Stadtteilpolizist nach Mitternacht angetroffene Jugendliche zwangsweise nach Hause bringt. Es sei ja klar, dass exzessiver Alkoholgenuss in der Jugend schlimme Folgen haben müsse. Außerdem sollten unter der Woche irgendwelche Clubs für Leute unter 21 Jahren gänzlich tabu sein. Schließlich schlafe man in der Nacht und Ausgehen sei eine Besonderheit.

Nun finde ich das an sich recht vernünftig. Nicht wenige Jugendliche gehen jeglichem Lernen aus dem Weg, bleiben so menschlich unreif. Dadurch, dass Parties immer später beginnen und damit später enden, sehen die Feiernden nahezu nichts mehr vom Tag, wissen kaum noch, wie schön die Mittagssonne sein kann, weil sie die Tagzeiten ihrer Wochenenden fast komplett verschlafen.

Der Kontext jedoch, in dem diese Ansicht vorgebracht wird, macht mich misstrauisch und unsicher. Die Frau ist so erschreckend vernünftig und zupackend, ihr kommt gar nicht in den Sinn, dass es zu ihrer Ansicht evtl. überlegenswerte Einwände geben könnte. Sie drängelt sich in den Vordergrund mit ihren Reformideen und alle, alle Ostzonenmuttis nicken betroffen mit ihren Köpfen.

Wie würde die Gesellschaft aussehen, in der es über ihre Position keine Diskussionen mehr gibt? In der jedes Verständnis für die Schlamper abgetötet wäre? Wie sähe die Schmerzbilanz dieser Gesellschaft aus? Wögen die durch Regelmäßigkeit Geretteten die durch Arbeit Gebrochenen wieder auf?

Einstweilen bin ich der genannten Frau dankbar, um meiner Erziehung willen.

Read Full Post »

meinte, etwas schnippisch grinsend, ein Bekannter aus der linken Subkultur zu mir. Die Bemerkung liegt lange zurück und bezog sich auf eine lokale Band, die ich damals gern hörte und die er für ungeeignet hielt, linke Agitation voran zu bringen oder auch nur als korrekte Entspannung für Antifas zu dienen. Er hatte überhaupt kein Bewusstsein davon, dass Musik etwas anderes als ein Kampfmittel sein könnte. Lieder können so gar nicht mehr für als „für mich gemacht“ empfunden werden und so individuelles Hingerissen-Sein rechtfertigen, sondern wurden einzig dazu erdacht, als Auslöser für die Manipulation von Menschen zu fungieren – Musik als Arbeitsmaterial subkultureller Hegemoniestrategien.
Heute ist eben dieser Mensch Protagonist einer ex-linken Theorie-Splittergruppe samt subkulturellem Drogensumpf drumrum. In dem wird „Breakcore“ gehört (was immer das ist, es geht mich nichts an), mit ausgebreiteten Armen eine Bomberstaffel simuliert und vermutlich beim Gedanken ans Nichtidentische masturbiert. Das tun die schwarz gekleideten Jungs und Mädels wohlgemerkt in ihrer Freizeit, hauptberuflich wollen sie Individualität und „verrückteste Künstlichkeit“ entfesseln! Meine Güte, was die nehmen, möchte ich nicht geschenkt…

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: