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Archive for September 2009

Lebenswelt IV

Zwei Damen, jede mit einer Französischen Bulldogge versehen, kommen mir beim Joggen entgegen. Da der Weg hart ist, laufe ich auf dem Rasenstreifen neben ihm. So werden die Gelenke geschont. Ich komme näher und lächle die beiden Damen an. Beider Augenpaare funkeln wütend zurück. Auch ein freundlicher Blick auf die beiden angeleinten Hunde hilft da nicht. Ich renne weiter. Sagt die eine zur anderen, so laut, dass ich es garantiert höre:
„Manche Leute muss man nicht verstehen.“
Was habe ich falsch gemacht? Ich habe durch die Wahl meiner Laufstrecke abseits des eigentlichen Schotterweges maximalen Abstand zu den Hunden gehalten. Das aber darf man wohl keinem Hundebesitzer antun. Man darf nicht nur keine Angst vor riesigen Schäferhunden haben, die auf einen zugaloppiert kommen, man muss auch offensiv an den immer ungefährlichen Liebling heran treten. Obwohl ich mich überhaupt nicht despektierlich gezeigt habe und ja diese Rasse auch kein so rasend gefährliches Äußeres hat, findet Herrchen, das sonst alle naselang Entspanntheit einfordert, etwas an mir auszusetzen. Nun ja:
„Manche Leute muss man nicht verstehen.“

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Man hält es kaum für möglich, aber es gibt linke Leute in diesem Land, die sich dem besinnungslosen Anti-Wiedervereinigungstaumel ihres Milieus verweigern.

Da wäre einmal Angela Marquardt, ehemalige Polit-Punkerin der Linkspartei, als diese noch PDS hieß, heute linke Sozialdemokratin. In einem Artikel für die Jungle World stellt sie fest:
„Doch auch im Wissen um all diese Entwicklungen [rund um den „deutschen Opfermythos“ – Holger] bedaure ich es trotzdem nicht, dass die Mauer 1989 gefallen ist, und bereue auch nicht meine damals empfundene Freude.“ Zur Einschätzung des Mauerfalls resümiert sie: „Es war eine Befreiung“.

Besonders aber möchte ich auf Hannes Gießler hinweisen, der – im Gegensatz zum Autor dieses Blogs – eher unaufgeregt und spitz gegen die Kampagne „Still not lovin‘ Germany“ argumentiert.

Anders als Frau Marquardt, deren Vokabular und Diktion man anmerkt, dass sie sich von liebgewordenen sog. „Essentials“ nicht lösen mag, entfernt sich H. Gießler konsequent vom antideutschen Linksradikalismus. Die Frage aller Fragen stellt er an den Anfang: „Die Frage ist, wo ich stünde, hätte es die Wiedervereinigung nicht gegeben. Könnte ich mich frei informieren?“. Das ist gute alt-antinationale Tradition – nicht in Stellvertreterpolitik zu machen, nicht immer schon genau zu wissen, was anderen frommt, nicht mit dem Weltgeist im Bunde zu sein, sondern sich selbst wichtig zu nehmen und keinen Menschen für die lichten Höhen des Sozialismus´ zu verheizen, indem man ihm das Recht auf irdisches Glück abspricht. Am Ende seines Artikels pocht er auf einen „ernsthaften, verantwortungsbewussten und wachen Humanismus“.
Ja, darum sollte es gehen. Nur: Mit links macht man so was nicht.

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Ich war auf dem Weg vom Schulhort nach Hause. Es war kalt und also hatte ich einen von Mutti gestrickten Schal um den Hals. Der Schal war zweifarbig, hellbraune und weiße Quader wechselten sich ab.
Mich Zweitklässler hält ein Halbstarker, ca. 14 Jahre alt, an, verlangt, dass ich den Schal zeige und belehrt mich wichtigtuerisch, dass er mich „verkloppt“ hätte, wäre das hellbraun ein grün. Ich gucke verständnislos und lasse mir am nächsten Tag erklären, dass das wohl ein Fußballfan von Lok Leipzig gewesen sein müsse, der Chemie Leipzig nicht leiden könne. Denn wie jeder weiß, hat Chemie Leipzig die Vereinsfarben grün/weiß. Ich nicke und finde die Erwachsenen entsetzlich kindisch.

Seitdem bedauere ich, dass Fußballfans als ganz normale Menschen angesehen werden. Irgendjemand müsste sich doch um sie kümmern, damit sie keinen allzu großen Unsinn anrichten.

Heute glaube ich: Männliche Fußballfans in ihrer irrationalen Hingabe an etwas komplett Belangloses, weil zufällig Zusammengewürfeltes, ihrem Hass auf falsche Farben und den Gegner, der genauso aussieht und ebenso dummes Zeug schreit wie man selbst, sind ein größeres Problem für die Demokratie, als sämtliche politische Extremisten zusammen.

Vollkommen gaga – der linke, antinationale Fußballfan. Es gibt nichts, was es nicht gibt: Die Nation ist ein Konstrukt – der Verein allerdings sein Leben. Kulturelle Prägungen aus langer Vergangenheit bedeuten gar nichts, sind nur eingeredet, künstlich, bloß dazu da, Menschen in anti-individueller Unfreiheit zu knechten. Chemie Leipzig aber ist von jeher das Allergrößte, ist doch klar. Schäääääämiiiiieee, Schäääämieeee……

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Ich höre den Einwand der von mir Kritisierten: Wir wollen die DDR gar nicht zurück haben, wir sind gegen Deutschland und seine Ideologie. Wir schreiben doch ganz klar: Die DDR war ein repressives System. Warum sollten wir das tun, wenn die Verhältnisse so durchgängig DDR-nostalgisch wären, wie du sagst und als würde auch die radikale Linke und damit wir, keinerlei Berührungsängste mit dem DDR-System haben?
Meine Erwiderung:
Die Küche liefert zwei Essen – A und B. Sicherlich – andere Essen sind möglich, es ist sogar denkbar, dass gänzlich anders als in Küchen gekocht wird. Denkbar jedoch nur von Menschen, die nicht gerade an quälendem Hunger leiden. Hier und heute haben Menschen Hunger und müssen sich entscheiden. Hunger lässt sich nicht vertagen und auch durch einen noch so guten Lesekreis kaum eindämmen. Essen A bleibt hinter allem zurück, was entfaltete Kochkunst schaffen kann. Doch man wird halbwegs satt davon. Essen B ist ein schleichend wirkendes Gift, dessen Ernährungsbestandteile sich jedoch eignen, Menschen mittelfristig arbeitsfähig zu halten. Was macht die antideutsche Linke? Sie besteht darauf, Essen A wegen mangelnder Exotik abzuschaffen und gibt zu, dass sie sich durchaus vorstellen kann, Essen B könnte am Geschmack einiger Leute vorbeigehen: „Die staatliche Überwachung, Gängelung und Repression mag vielen DDR-Bürgerlnnen ein Dorn im Auge gewesen sein.“ Schlimm, elend, finster, widerwärtig waren Überwachung, Gängelung, Repression nicht, aber es mag Menschen gegeben haben, die sie so empfanden. Ist das schon die Sprache zukünftiger Propagandachefs zukünftiger Folterrepubliken? Ich will es immer noch nicht glauben.

Vor zwanzig Jahren haben die einfachen Menschen der DDR diesem Wohlstandskinder-Zynismus eine Absage erteilt. Die Demonstrierenden haben 1989/90 nachdrücklich für die Freiheit plädiert. Für die Freiheit, sich für seine Gedanken nicht rechtfertigen zu müssen, für die Freiheit eines Privatlebens abseits von paramilitärischem Drill und ja, auch für die Freiheit, die Verfasstheit der eigenen Gesellschaft grundlegend kritisieren zu dürfen. All das ist für die antideutsche Linke eine Farce.

„Nie wieder Deutschland!“ heißt heute immer auch „Cuba Sí“ und „Denkt, sprecht und handelt wie Kim Il Sung und Kim Jong Il…“.

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Junge Menschen weht in der Gegenwart Älterer oft die Dialektik an: Das, wovor sie sich fürchten, ist für ihre Erleichterung zuständig. Die Freude darüber, wie weit man noch vom Tod entfernt ist, ist genau dann zu haben, wenn im Alten neben einem anschaubar wird, wie jener sich unaufhaltsam vorarbeitet.

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Zum Lobe der deutschen Einheit ist auch an die Freundschaft der Bundesrepublik mit dem Staat Israel zu erinnern. Nahezu alle Rechtsextremen und viele Linksextreme prangern wieder und wieder die finanzielle und militärische Hilfe für den Staat der Juden an. Zudem verteidigt Deutschland Israel vor der verhetzten Diktatoren-Weltöffentlichkeit der UNO und gegen die latent antisemitischen Bedenkenträger in der EU. All diese Hilfe nun ist nicht, wie dumme, linke Correctness-Heinze meinen, Einbildung, sondern eine Tatsache und zwar eine, mit der ich sehr zufrieden bin.
Konservative Kommentatoren der keineswegs verkappt deutschnationalen Jerusalem Post wissen es, Rafael Seligmann in der BZ weiß es und der damalige israelische Botschafter in Berlin wusste es schon 1998: Deutschland ist einer der besten Freunde Israels. Nur durchgedrehte linksradikale Geisterfahrer analysieren wild in der Gegend herum, statt das Offensichtliche anzuerkennen.
Und die DDR? Der Staat von „Entnazifizierung,Bodenreform und antifaschistische(r) Erziehung“ kämpft auf der Seite Syriens gegen Israel, Pardon, gegen die „imperialistisch-zionistische Aggression“. Wer jetzt interpretiert, die DDR hätte für ein judenreines Palästina Krieg geführt, ist für die Meisterdialektiker vom antideutschen Bündnis mit Sicherheit ein finsterer Totalitarismustheoretiker. Denn die Antideutschen sind der Meinung, der Antisemitismus spielte in der NS-Aufarbeitung der DDR keine Rolle, weil eben der NS anders interpretiert wurde als heute – die DDR hatte also ein kognitives Problem. In der BRD allerdings existierten weiter „antisemitische(n) Denkmuster und Positionen“.
Wann immer diese Leute eine Israel-Fahne schwenken, lügen sie.

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Gerechtigkeit – Gnade

Logisch: Die umfassende Universalität des Christentums wird möglich durch die Tatsache, dass das zentrale religiöse Geschehen vergangen ist. An den Früchten können alle teilhaben. Schließlich wachsen sie immer wieder nach. Im Judentum wird ein noch völlig unbekannter Messias erscheinen; er verlangt, dass für sein Kommen etwas getan wird – billigerweise kann er nur diejenigen verpflichten, die von Anbeginn auserwählt sind. Zwei schöne Prinzipien stehen hier nebeneinander: Gnade auch und gerade den Unfähigen, Verdienstlosen und Gerechtigkeit (diejenigen, die sich mühen, sollen auch etwas davon haben).

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