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Archive for Oktober 2009

Putzig die atheistischen Rationalisten, die glühenden Auges behaupten: „Niemals darf man die Errungenschaften der Aufklärung verraten!“ Woher beziehen sie ihr „niemals“ und ihr „darf“?
Beide sind immer schon von Gott. Wären unsere Religionskritiker fern von ihm, würden sie sagen: „Mag sein, dass einmal die Aufklärung, samt rationaler Wissenschaft dran gegeben werden muss, doch wir können nicht sagen, ob und wenn ja wann dies sein wird.“ Doch macht ihr Werturteil, das sich gar nicht tarnen will als wissenschaftliche Folgerung oder auch nur als deskriptive Äußerung, klar, dass Unableitbares im Spiele ist. Empirisch nicht Ableitbares aber, dem man nicht volle Kontingenz zugesteht, kann nur von Gott sein.

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Ich bin nicht bereit, an anderen die Arbeitskritik so zu exekutieren, wie die Arbeitsagentur den Arbeitszwang an mir.

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Adornos Warnungen vor dem Entwerfen von Modellen tragfähiger Gesellschaften (als „Auspinseln“ von Utopien lächerlich gemacht), Horkheimers als philosophischer Königsweg verkaufte Marotte, nur zu sagen, „was falsch ist, aber […] nicht [zu] definieren, was richtig ist“, beider Weigerung, auch nur den Versuch zu machen, Kunst, Leiden, Mensch, Glück begrifflich konsistent zu erfassen – das ist in philosophischer Sprache die Kaputt-Ästhetik radikaler Jugendgruppen von rechts und links, die Lust am Aufruhr. Mit Verantwortung kann man beiden nicht kommen, sie haben ja nur darauf hingewiesen, dass es falsch laufe. Jeder – durch geschulte Therapeuten verhinderbare – Selbstmord wird so zum Fanal der Anklage gegen den mächtigen Verblendungszusammenhang.

Ich halte es mit Edmund Burke: „Indem sie [die neuen Gesetzgeber der Französischen Revolution – Holger] sich an solche Führer [Satyrenschreiber – Holger] halten, betrachten sie alle Dinge bloß von der gehässigen und fehlerhaften Seite, und unter den Farben der lächerlichsten Uebertreibung. Es ist unumstößlich wahr, ob es gleich äußerst paradox klingt, daß im Ganzen die, welche ihr beständiges Geschäft daraus machen, Fehler aufzusuchen und zu schildern, untauglich sind, Reformen auszuführen; nicht allein darum, weil die Modelle des Schönen und des Guten in ihren Köpfen seltner sind, sondern auch, weil die Gewohnheit sie zuletzt dahin bringt, in der Anschauung derselben kein Vergnügen mehr zu finden. Indem sie zu sehr die Laster hassen, fangen sie an, zu wenig die Menschen zu lieben. Es ist daher nicht zu verwundern, daß sie nicht sonderlich aufgelegt, und nicht vorzüglich geschickt sind, ihnen zu dienen. Hieraus entsteht die Neigung, alles in Stücke zu zerreißen…“
(Burke, 78)

Burke, Edmund: Betrachtungen über die französische Revolution. – Auszug in: Langendorf, Jean-Jacques: Pamphletisten und Theoretiker der Gegenrevolution (1789 – 1799), Matthes & Seitz, München, 1989

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Menschenrassen seien eine soziale Konstruktion, wird gesagt. Doch es gibt Forscher, die glauben, dass bestimmte Genverteilungen zwischen Menschengruppen in einer Weise differieren, dass sie von Rassen sprechen können. Amerikanische Genetiker und Mediziner forschen seit einiger Zeit so an einer rasseadäquaten Medikation. Siehe dazu etwa den Artikel von Hubertus Breuer in der Zeit (27. September 2002) „Andere Rasse, andere Pille“. Es gibt zudem Studien, die nachweisen, dass Frauen afroamerikanischer Herkunft häufig aggressiveren Brustkrebs (gemessen an den Überlebensraten) entwickeln. Mit dem schlechteren Sozialstatus hänge dies allerdings nicht zusammen (vgl. FAZ 02.09.09).
Wer ist jetzt der Menschenfreund – der abstrakte Antirassist, der mit seinem Gleichheitsfimmel Menschen u.U. eine ihnen besser bekommende Arznei versagt (was nicht passt, wird passend gemacht) oder eben o.g. Genetiker, der Leid vermindern hilft? (Ähnlich: Die unterschiedlichen Medikamentenbedürfnisse von Frauen und Männern. Hier hat der etablierte Feminismus glücklicherweise sich nicht mit Konstruktionsgequake abspeisen lassen, sondern das Bewusstsein für den körperlichen Unterschied produktiv genutzt. Ginge es nach der Gender-Linken, würden alle das gleiche fressen. Nämlich das, was Frauen nehmen. So, wie die rasseübergreifende Medikation die von Weißen ist – in den „weißen“ Ländern schließlich findet die Pharmaforschung statt.)

Der heutige Lesebefehl: Henryk M. Broder will Präsident des Zentralrates der Juden werden.
Ich drücke die Daumen.

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Als ich sozialisiert wurde, hörte man die Musik gern und oft, die man gut fand und mied die, die man verabscheute oder bei der das Herz still blieb. Heute ist das anders. „Kult“ ist vom bedauerlichen Einzelfall fast zur Regel geworden. Man besucht Parties, auf denen „schlechte Musik“ gespielt wird, wie alle Beteiligten wissen. Mit meist recht schönen 80er-Jahre-Hits lassen sich enorm viele „bad-taste-parties“ bestreiten. Die Schlechtigkeit liegt allerdings bei den Besuchern solcher Veranstaltungen. Auch der letzte Depp erhascht etwas vom Duft der großen weiten Postmoderne, wenn er Kultur konsumiert, „die so schlecht ist, dass sie schon wieder gut ist“, wie die immer und immer wieder gehörte Dumpfnasen-Beschreibung dafür lautet. Mit Verlaub – das lässt sich über jede Goebbels-Rede sagen.

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Die Bundestagswahlen 2009 bescherten uns eine „Tigerenten-Koalition“. Diese Wortschöpfung stammt von der früher sympathischen Maybritt Illner und soll hier als ein Mini-Indiz für die Linke Republik Deutschland angeführt werden. Die Tigerente ist eine Kinderbuchfigur des grundgütigen Janosch, die es mittlerweile auch als Holzspielzeug gibt. Doch begegnet sie uns v.a. als Button an den Rucksäcken linksalternativer Mädchen bis weit in deren Pubertät hinein. Sie ist dort Symbol für Harmlosigkeit, verschmitzte Putzigkeit und ein kindliches Gemüt, das sich gerade so etwas wie Ironie erobert und dennoch auf der Machbarkeit von „Anarchie“ beharrt – gleich neben der Tigerente prangt das schwarze „A“.
Wieso Tigerente? Sie ist gelb-schwarz gestreift, trägt also – entenuntypisch – die Farben des Tigers. Und das ist der Punkt – denn die neue Regierung aus CDU/CSU/FDP hätte man durchaus „Tiger-Koalition“ nennen können. Sie wissen schon: Kraft, Jagd, Schnelligkeit, Ausdauer, Zupacken, Durchsetzungsvermögen. Doch nein – die linke Republik schätzt das Infantile, die zur Schau getragene Niedlichkeit, das Spielerische; niemand will hier irgend etwas wollen.
Der Tiger ist ein eher weniger geeignetes Symbol für den herrschaftsfreien Diskurs – der Tiger ist Nietzsche („Fürchtet den Zurückgezogenen! Zum Springen bereitet sich der Tiger!“) und damit – NS.
Maybritt Illners Gefühl hat nicht getrogen. Die geistige Verfasstheit dieses Landes ist mit roten Söckchen, dem Kifferparadies Jamaika und Janoschs Tigerente zureichend beschrieben.

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Ratespiel

  • Der Tod gehört nun mal zum Leben dazu, man muss sich mit ihm beschäftigen.
  • Bungee-Jumping ist ein ganz besonderer Kick, gerade in der Gefahr meldet sich das Hochgefühl des Lebens – muss man mal mitgemacht haben…
  • Im Krieg wächst der Mensch über sich hinaus, er entwickelt ungeheure Kräfte, die ihm ermöglichen, sogar intensiver zu leben, als im Frieden.
  • Ich nehme überhaupt keine Antibiotika mehr, das verschlimmert nur alles; der Körper muss selber mit seinen Krankheiten fertig werden.

Was verbindet all diese Sätze miteinander?

Man sagt sie auf, wenn man zufrieden ist.
Kuschlig weich sitzt man in einem geheizten Zimmer, hat gerade gut gegessen und erfreut sich seiner Gesundheit. Jetzt ist die Zeit für Grenzerfahrungs-Dummschwätzerei. Das erfrischt und belebt das zivile Weichei.

Hat jemand weitere Beispiele?

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