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Archive for November 2009

Grausame Rache

Ja, es ist ein Fluch, liebe alte Demente. Jahrzehntelang habt ihr, Mütter und Väter der heute um die 60-Jährigen, euren Kindern zu einem veritablen Waschzwang verholfen: Nicht die Sachen schmutzig machen, dauernd Hände waschen, in einer Tour fegen, wischen, scheuern, bis alles blitzblank ist. Und nun sitzt ihr im Heim am Abendbrotstisch, Alzheimer-geschädigt, mit schweren Bewegungsstörungen. Ihr bekommt eure Schnitte nur mit Mühe in die Hand und schon habt ihr vergessen, dass ihr essen wolltet. Doch kaum ist der Finger etwas fettig geworden, treibt es euch zum Waschbecken, zur Not fünf Mal hintereinander. Verzweifelt zeigt ihr auf die kaum sichtbare Verschmutzung. Was für eine Strafe. Und am Schlimmsten: Niemand kann Genugtuung empfinden.

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Die linke Gesellschaftskritik: eine Veranstaltung grenzenloser Hochnäsigkeit. Ihre Theorien – Marx / Kritische Theorie und Psychoanalyse – bringen Sektenanhänger hervor. Den marxistischen Kritiker verbindet mit dem Psychoanalytiker, dass jeder Einwand gegen sie nur ihrer Bestätigung dient. Freuds totalitärem Satz „Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt“ („Das Unbehagen in der Kultur“) entspricht Adornos Gerede vom totalen Verblendungszusammenhang. Zwar wurde dies von vielen Seiten schon als „performativer Widerspruch“ bemerkt (Was befähigt Freud, den Wahn zu erkennen, Adorno, die Totalität des Verblendungszusammenhangs zu durchschauen?). Doch daran schloss sich immer nur die Forderung nach dessen – möglichst noch dialektischer! – Entfaltung an. Herausgekommen ist Unsinn. Mit diesen Leuten zu diskutieren bringt nichts. Sie schauen einen mit dem Blick des Therapeuten an bzw. dem des abgewiesenen Zeugen Jehovas. Gegen ihr Mitleid lässt sich nicht einmal anlächeln.

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Nein, das ist ausdrücklich nicht der Versuch, meinem kleinen Blog durch das Stichwort „Tokio Hotel“ Lesermassen zuzuführen. (Nebenbei: Die Besucherzahl hat sich gut entwickelt in den letzten Monaten.) Sondern ganz 1:1 der empfehlende Hinweis auf die neue CD einer wunderbaren Schlager-Pop-Band, die immer noch Mädchen und Schwule verzückt, obwohl ihre Mitglieder alle jenseits der 18 sind.
Die Stimme von Bill Kaulitz ist – obwohl tiefer geworden – immer noch ein wenig quäkig. Immer noch ist viel Nena in ihr, was man aber auch mögen kann. Ansonsten: Viel Gedröhne, schöne Melodien, schiefe Bilder, die einen aber gerade deswegen oft rühren.
Großartig: In „Automatisch“ die schöne Ironie, über den Verlust des Echten mit elektronisch verzerrter Stimme zu singen.

Hier folgt der Gastbeitrag eines Autors, dessen politische Ansichten ich zwar durchaus wirr finde und von dessen geäußerten Ansichten über Deutschland und das Deutsche ich mich klar distanziere, der aber nichtsdestotrotz eine sehr schöne Apologie der Band als Kritik ihrer Kritiker geschrieben hat.

***

Engel in der Hölle

Aus der Zone, wo sie am zonigsten ist, kommen vier junge Streiter gegen das Deutsche: Bill und Tom Kaulitz, Georg Listing und Gustav Schäfer. Diese vier nennen sich „Tokio Hotel“ und sind der nicht nur bei Popkultur-Geschmackshubern, sondern bei der männlichen deutschen Jugend insgesamt meistgehasste Musikact. Etwas Wesentliches müssen sie also richtig gemacht haben. Warum der Hass auf die Jungs eine deutsche Angelegenheit ist, wieso sie also -im sympathischen Sinne- antideutsch sind und was das alles mit Leipziger Polit-Unsinn zu tun hat, klärt die folgende Polemik, die angesichts der rasenden Vernichtungswut gegen die derzeit beste deutschsprachige Band auf „Gegenidentifikation“ nicht verzichtet. – Mausebär.

Gibt’s nichts Wichtigeres, als sich über eine deutsch singende Nachwuchsband auszulassen? Schaut Euch mal die linke Lokalpublizistik der letzten Monate an. Und?! Gibt’s Wichtigeres? Na also.

Vier Klarstellungen

1. Damit wir es hinter uns haben: Bill und Tom sind atemberaubend schön, ihr Lächeln schmerzt in den Augen. Wer Kinderfickerbedürfnisse unterstellen will, soll es tun. Er wird nur eben vom folgenden Text nichts haben. So wird es auch dem-/derjenigen ergehen, der/die Bill und Tom sooooo süüüüüß findet und daraufhin das Denken eingestellt hat.
2. Aussehen, Geschlecht und Alter sollten kein entscheidendes Argument für irgend etwas sein. Manchmal aber müssen die drei zum Gegenstand von Überlegung werden, dann nämlich, wenn um sie ein herrschender Diskurs kreist, in dem sich die ideologische Verfasstheit einer Gesellschaft zeigt.
3. Diese Szene ist schwulenfeindlich, war es immer und wird es auf absehbare Zeit bleiben. Die Tatsachen, dass der heterosexuelle Szenemensch mittlerweile jede „Queer Party“ mitnehmen muss, dass es mittlerweile en vogue ist, dass Männer Männer küssen, dass so gar niemand mehr Probleme mit schwulem Sex hat, sind kein Gegenargument. Im Hass auf Tunten und der Verachtung von weiblichem „Getue“ zeigt sich täglich aufs Neue, wie dünn das Eis ist, auf dem sich Schwule bewegen. Homosexualität ist dieser Szene ein Fall für „political correctness“ oder ein Argument gegen Islamismus, mehr nicht. Wenn’s mal wieder anders kommt, wenn zum Kampfe wieder harte Arbeiterfäuste benötigt werden und in der Popantifa der Islamismus zum Nebenwiderspruch herabsinkt, werden uns Schwule deutsche Polizei und Staatsanwaltschaft gegen den linksradikalen Mob –egal, welcher Strömung oder theoretischen Ausrichtung- schützen müssen.
4. Man muss „Tokio Hotel“ ganz und gar nicht mögen. Man kann die vier so Scheiße finden, wie man Michel Friedman als Talkmaster Scheiße fand. Dem einen passt die sehr spezielle Stimme von Bill Kaulitz nicht, die andere hört nur HipHop, der nächste fragt sich verwundert „Muss ich mir jetzt zu jeder dahergelaufenen Teenie-Band eine Meinung bilden?“, wieder andere sehen nicht ein, weshalb sie sich über Schul- und Liebesprobleme von ostdeutschen Heranwachsenden berichten lassen sollten. Das alles geht in Ordnung.
Doch nicht guter Geschmack, Klugheit und Menschenfreundlichkeit haben Friedman abgesägt, sondern Antisemitismus. Und ganz gewiss nicht die Kritik an der Kulturindustrie treibt Tausende, gegen eine Teenie-Band zu fighten.

Deutsches Personal von links bis rechts

Lassen wir die kritische Kritik aufmarschieren. Untergehakt und dümmlich grinsend ziehen durch die Straßen ihres Kiezes all die, die nicht „mainstream“ sind, d.h. diejenigen, die in den großen Unterhaltungselektronikmärkten sofort das riesige Independent-Regal ansteuern und mit finsterer Miene und schwarzer CD wieder abziehen. Wir erkennen:

– die alten Herren einer Heavy-Metal-Combo,
– den Popkulturtheoretiker,
– den mode-antideutschen Antifabollo,
– die BWL-Studentin –erstes Semester- mit Buttons irgendwelcher Gröl-Bands am schweinchenrosa Schneckchen-Täschchen (ab dem dritten Semester müssen allerdings Konzerte mit klassischer Musik besucht werden, will man später wenigstens halbgebildet mithalten),
– die Feministin aus dem benachbarten Kulturprojekt (Aufgabengebiet: DJ-Kurs für Mädchen),
– den sonst immer schlecht gelaunten Philosophiestudenten (heute ohne Pali-Tuch wegen der Verbündeten aus der Antifa),
– die Sozialpädagogin aus dem Beratungsladen (die im Moment viel zu tun hat mit einer Kampagne „Dealer raus aus dem Kiez“),
– den Hooligan-Nazi von nebenan (man kennt und schätzt sich von diversen Fußballprügeleien),
– den Gymnasiastenpunk aus dem Jugendzentrum (heute ohne „Fuck Bush“-Shirt, wegen … na, ihr wisst schon)

und hinter ihnen seit langem endlich wieder einmal – die Masse.

Die Metal-Band trägt ein Schild, auf dem steht: „Mit dem Erhalten dieser Nachricht hast du soeben einen TOKIO-HOTEL Fan getötet. BRAVO!!! Bitte unterbreche diese Kette nicht und nimm an der Aktion ‚Saubere Welt‘ teil. Danke.“

Es tönt aus voller Kehle und mit falscher Melodie:
„Wir brauchen Drogen, ganz schön viel / Weed und Hasch und Kokain / Ich muss leider auf den Strich gehen. /
Wir sind Krüppel und schwul / hässlich und fett / Spermaflecken – überall im Bett / Mutter auf Koks, Vater auf Crack / Wir kommen von den Drogen nicht mehr weg.

Irgendwann koksen wir zusammen! / So was ist cool, wir sind Krüppel und schwul!

Ich bin die kleine LSD-Wachtel / adoptiert aus ’ner Schachtel / Ich wurd‘ früher nur in den Arsch gefickt

Ich bin ja so dicht geknallt / mit den Eiern aus’m fünften Stock aufgeprallt / das tut ja so weh, Schmerzen, ich kann nicht mehr!

Wir koksen uns durch die Nächte / wir sind immer noch hier / kauf‘ mir erst mal neues Koks / und zieh den Scheiß bis ich krepier‘.

Es wird alles gut, dann wird alles gut. / Dicht sein ist gut – ist gut.“

Das ist eine von ca. fünf „Tokio Hotel“-Parodien, die derzeit im Internet kursieren. Absender ist eine „Asiatische Jugendherberge“. (Der Name ist so unkomisch, unoriginell wie nur möglich. „Osaka Motel“ und „Shanghai Bordell“ sind gängige Abwandlungen. Die Band selbst hat diese Art „Witze“ vorweggenommen, als ihr Sänger meinte, sie hätten sich auch „Berliner Rasthof“ nennen können .) Niemand weiss zwar, wer sich hinter ihr verbirgt, aber sie singt dem grölenden Mob aus der Seele. Dieser Text, eine 1:1-Kopie von „Stürmer“-Karikaturen, der wie ostdeutscher Nazi-Trash klingt und vielleicht auch welcher ist, könnte problemlos von linken Traditionskabaretts, einer ach so unpolitischen Hooligan-Meute, Straßentheatergruppen, HC-Aktivisten oder irgendwelchen Provinzpunks stammen. (Ein weiterer Fake-Song nennt sich „Durch die Betten“, ist aber so unterirdisch, substanzlos, dass der Kritiker hier nichts findet, woran er sich halten kann; erzählt wird lediglich die schwitzige Altherrenfantasie eines deutschen Jungmannes, der Arschficken irgendwie böse findet.)
Denn das ist ihr Ideal: eine drogenfreie Welt gesunder, kraftstrotzender Männer mit tiefen Stimmen, keine Schminke, kein Arschficken, jeder trägt intakte Eier und seinen Ariernachweis bei sich (wird also nicht „adoptiert aus ’ner Schachtel“), Sperma versenkt man ins cleane Mädel, das neben einem in den weißen Linnen liegt; doch erst wenn der letzte Verderber der deutschen Jugend an seinen Drogen „krepiert“ ist, „wird alles gut“.

Ganz offensichtlich treibt die Hasser von „Tokio Hotel“ ein faschistisches Bedürfnis.

Ist das nicht übertrieben? Schließlich müssen sich auch andere Bands, andere Sparten Häme gefallen lassen. Wer sich auf Bühnen stellt, wird wohl damit leben müssen. Niemand schließlich zwingt Menschen, vor anderen Menschen, die das im Grunde nichts angeht, über die eigene zu Bruch gegangene Liebe zu singen. „Hamburger Schule“-Bands werden wohl auf längere Zeit noch „blöde Studenten“ nachgerufen kriegen, weil sie komplizierte Texte machen, komische Brillen aufhaben und sich zu ihren Konzerten eine Menge dummschwatzendes Uni-Pack einfindet. Wer A sagt, muss auch B sagen. Doch das beantwortet nicht die Frage, warum ausgerechnet diese Band diese Heftigkeit der Angriffe hervorruft. Schließlich wurden Legionen von Boybands vernutzt, ohne dass ihre Gegner in Folterfantasien geschwelgt und zu Todesdrohungen gegriffen haben. Woher diese Entmenschung, fragen sich die letzten, die sich nicht einlassen wollen auf die postmodernen Nazis von links bis rechts, also nur weibliche Teenager und sehr wenige geschmackssichere Schwule?

Da fällt zunächst Bill Kaulitz auf, der Sänger, der die sexistische Wut des deutschen Mannes anzieht, wie selten ein Popmusiker zuvor. „Der sieht ja aus wie ein Mädchen“ hat noch jeder meiner Freunde, nahen und fernen Bekannten (fast durch die Bank „Queer Party“-Besucher) gesagt. „Und dann singt er auch noch so komisch.“ Die Art des Umkippens der Stimme hat Bill offensichtlich von „Nena“ abgekupfert und es gibt auch noch ein Lied, das „Rette mich“ heisst. Deutlicher geht’s nicht mehr. Ein männlicher Teenager, der wie eine Frau klingen will, der das –leider leere- Versprechen von Perversion und Exzess verkauft, unglaublich artifiziell agiert, ein niedliches Püppchen von heftiger Expressivität, das sowohl Schlager-, als auch HipHop-Gestik benutzt – das ist definitiv zuviel. „Der ist auf alle Fälle schwul, der schminkt sich wie ’ne Schwuchtel“, meint auch der naseweise Hanswurst von nebenan, der bisher noch nicht mitgekriegt hat, dass ihn sein Kumpel in der Berufsschule immer etwas länger anguckt. (Es ist menschlich verständlich, dass weibliche Teenager, die ca. 50 Bill-Poster an den Wänden haben, sich schwer mit diesem Gedanken arrangieren können. Die Verteidigung ihres Idols bleibt dennoch problematisch: Sie merken an, dass man, nur weil man sich schminkt, noch nicht schwul sein muss. Nicht nur, dass dieser Einwand zeigt, wie weit man selbst sich schon auf das Feld des Heterosexismus´ begeben hat – es ist auch absehbar, dass er bei der männlichen Jugend nicht durchdringen wird.) Und, möchte ich hinzufügen, er trägt zu kurze, zu enge Jacken, was ihm ausgesprochen gut steht. Wie auch immer: Offensichtlich entspricht dieser Typ nicht dem Idealbild des Sängeraufreissers. Doch da nun mal v.a. die Mädchen kreischen und ansonsten neben dem Herrn Andrack und dem Mausebär höchstens noch eine Handvoll Schwule, gehört es zur PR, dass diese Rotznase mit dem umwerfenden androgynen Charme pflichtschuldig versichert, nur auf Mädchen zu stehen. Aber das ändert nichts daran, dass Bill Kaulitz Coming-Out-Hilfe für nicht wenige Jungs werden wird. Und das ist auch gut so.

Was war passiert?

Eigentlich nichts weiter, als dass ein paar junge Menschen zusammen in einer Band Musik machen. Das taten und tun viele und werden weiterhin viele tun. Zwei Zwillinge aus der Pampa und zwei weitere von einem Produzententeam vermittelte Jungs werden „Tokio Hotel“. Die sehen für ihr Alter (16-18) verdammt jung aus, was auch der TAZ auffällt, denn die nennt sie „die vier Halbgaren“ . Und vielleicht ist da auch was dran, vielleicht sind sie noch nicht völlig weichgekocht und abgebrüht, wie man es eben sein muss als TAZ-Journalist, wenn man jede Schweinerei deutscher Krisenverwaltung mit „Bauchschmerzen“ und „innerer Zerrissenheit“ gutheißen muss.
Ihr Erscheinungsbild selbst ist ein schnuckliges Patchwork gegen alles, „was deutsch ist“. Die Gemeinschaft aller Authentischen, aller gründlichen Kenner und tief empfindenden Kritiker erbittert vor allem die fehlende Szeneanbindung, die Wurzellosigkeit. In keinem Genre, nirgendwo, sind sie zu Hause. Nichts Vorherbestimmtes, kein Schicksal, keine Mission leitet sie und natürlich wollen sie von allem viel zu viel (das verbindet sie mit dem Modemacher Rudolph Moshammer). Und so werden munter die Zielgruppen durcheinander bedient. In unserem Fall durch: den HipHop-Proll, den Braven, den Schillernden und den easy-going-Kumpel-wie-Sau.
Genau das ist ihr Verbrechen, auf das die Todesstrafe steht, vollstreckt durch alle wahrhaft, redlich Fühlenden, all diejenigen, die sich nicht mit „Oberflächlichem“ begnügen. Die Musik: poppig-krachiger Neopunkschlager, etwas überproduziert, die Stimme ziemlich rauchig für Bills Alter, die Texte, die er und ein Produzententeam geschrieben haben, sind hin und wieder einigermaßen holpriges Kunsthandwerk („hinter die Welt“, „wo ’s am Horizont zu Ende ist und alle Träume schlafen geh’n“), aber oft durchaus poetisch, Alltagslyrik, die in ihren stärksten Momenten an Kästner erinnert. (Bei einer deutsch singenden Band immer sympathisch: Es fehlt jeder Bezug zur Tagespolitik.)
Ist folgender Text, den schon etwas ältere, vom Leben schwer gezeichnete Männer darbieten, wirklich eine Alternative (zu bspw. „Schrei“):
Go to work, go to school / Get an education, so you won’t be a fool / Be a doctor, PHD, / all that shit, that’s not for me / All my life people tell what to say / This is my life live it my own way. („Sick of it All“)?
Oder folgende Zeile: „Der Exportschlager aus Deutschland heisst für immer Leitkultur“, für die –ebenso wie für einen Song namens „heimatschutzbund anticastorbewegung“ (sic!)- die Band (ihr kennt sie ja alle) „Egotronic“ verantwortlich ist. Gequirlter Schwachsinn -Wieviel kostet eigentlich welche Menge Leitkultur?-, für den sich vermutlich sogar die „Phase 2“ zu schade wäre, ein Angriff auf Gefühl, Verstand und Geschmack wie es ihn seit Beginn der Karriere von Herrn Westernhagen nicht mehr gegeben hat. (Übrigens, Nervsäcke: Schlechte Musik wird nicht dadurch besser, dass sie zusätzlich auf billig und mies getrimmt wird. Und wer alte Computer benutzt, verweigert sich dem zivilisatorischen Fortschritt. Falls ich mal irgendwann Lust habe, bastle ich euch daraus einen Islamismus-Vorwurf. Na egal, das versteht ihr ja sowieso nicht.) Doch weder sie, noch ihre Hörer kommen sich in irgendeiner Weise peinlich berührt vor, auch nicht bei der Begrüßung: „Das ist die neue Platte von Egotronic und auf dieser Platte werden einige Leute gefickt.“ So klingt der Ton der neuen deutschen Lockerheit – wie die 40jährige Verkäuferin im Laden meint, dass man in irgendeinem Kleidungsstück „geil“ aussieht, so „fickt“ eine politisch sein wollende Band eben Leute. Nun sollte man meinen, dass Menschen, die „Egotronic“-Lieder für Musik halten, sowieso einen an der Waffel haben und bezüglich ihres Geschmacks gut ignoriert werden können (nicht weinen, liebe „incipito“-Klientel, das bleibt die einzige Bemerkung in dieser Richtung). Doch rekrutieren sich eben auch aus dieser Fangemeinde die grundsoliden Kommerzverächter mit dem fanatischen Willen zur Originalität. Und so wächst zusammen, was zusammen gehört: Ein „connewitzchaot“ (mit Link zu „Chemie Yid Army“) empfiehlt neben „Aggro Berlin“, die er nicht als Nazis, sondern als „sexistisch“ kennzeichnet, natürlich – „Egotronic“. Wo er das tut? Im Hooligan-Forum http://www.hooligans.de .

Nicht echt

Im Familienkreis wird einem „Brief und Siegel“ gegeben, dass es die Band nach zwei Jahren nicht mehr gibt. (Als ob es Verdienst und Qualitätsausweis sei, dass Pur, Phil Collins und Chris de Burgh schon seit mehreren Jahrhunderten Musik machen!) Bei „Tokio Hotel“ sei „es .. nur noch eine frage der zeit, bis die musik industrie sie nicht mehr kaut und total ausgelutscht wieder auspuckt…“, „sie sind leider nur unterhaltungs marionetten“ . Das musste mal gesagt werden! Ich füge eine weitere Enthüllung hinzu und keine gesellschaftliche Tabuisierung wird mich davon abhalten: Die Kassiererin an der Supermarktkasse ist wirklich und wahrhaftig nur die Marionette des Einzelhandelskonzerns und hat sich ihre Tätigkeit –Teufel noch mal!- gar nicht echt (also „irgendwie authentisch“, so von innen heraus) ausgesucht. (Über die Gleichsetzung Kassiererin-Musikband kann man sich nur dann aufregen, wenn man annimmt, im Kapitalismus würde es unverseuchte Zonen geben – Chillrooms quasi, in denen Kraft gesammelt wird für das Laufrad und in denen eine völlig andere Logik herrschen müsse, als im Laufrad selbst. So falsch kann man sowohl als Anhänger der Kritischen Theorie, als auch als Antifa-Bollo denken. Die sog. Wert-Abspaltungs-Theorie von Roswitha Scholz hat –wenn auch unbeabsichtigt- dieses Missverständnis in der Theorielinken weiter gefördert.)

Waren viele meiner Verwandten, Freunde und Bekannten anlässlich des Irakkriegs plötzlich Geopolitiker geworden, so geben sie sich heute wie Leute, die sich seit Jahrzehnten im Musikbusiness herumtreiben. Sie alle „wissen, was läuft“, sie alle lassen sich nicht mehr täuschen über die üblen Machenschaften der Unterhaltungskonzerne. Und alle müssen sie mich Naivling, der ich irgendwelche Chartsongs vor mich hinpfeife, wieder und wieder belehren über meine Blauäugigkeit im Umgang mit Retortenbands. Außerdem sei die Musik nicht wirklich Rock, sondern eben nur weich gespültes Zeug für Teenies, die gerade von Hormonen überschwemmt werden.
„Was zur Hölle ist daran Rock? Rock ist der Sound, wenn Rost aus der Gitarre bröckelt. Rock sind stark schwitzende Männer mit Bärten und langen Haaren und massiven, extrem haarigen Eiern, die es nach ner Flasche Hochprozentigem auf der Bühne richtig krachen lassen.“, meint da bemüht witzig ein „MindlessGenius“ im Internet . Dass „Tokio Hotel“ u.U. so gar nicht sein und eben keinen peinlichen Unsinn auf der Bühne treiben wollen, nur um dem Begriff „Rock“ zu entsprechen, darauf kommt er nicht. Doch mit der Beschreibung hat er recht: Diese grunzenden Rock-Blödiane, die Menschen mit Geschmack schon immer gehasst haben, sehen ja wirklich so aus – ein ekelhaft reales Klischee auf zwei Beinen, das seit Jahrzehnten von einer gigantischen Musikindustrie extra für Idioten wie diesen „MindlessGenius“ am Leben gehalten wird. Auf dass die Verblödung weiter fortschreite.

jung und nicht mehr jugendfrei

Angesprochen auf eine etwas ausufernde Party, bei der auch Alkohol geflossen sein soll, meint Tom Kaulitz: „Wir sind halt so, wie wir sind. Wir genießen die Zeit.“ . In Deutschland führt das zu Stirnrunzeln. Denn hier zählen der in seiner Dachkammer vegetierende „arme Poet“, der Selbstmörder aus Überzeugung und der Held – Leute also, die sich ums Leben nicht kümmern wollen. Hier mag man sich nicht vorstellen, dass auch in diesem Leben noch „alles gut (wird)“. Mindestens aber hat man schwer verzweifelt zu sein – spätestens seit der Romantik wird das depressiv-schwitzende, unrasierte, aus den Tiefen seiner schwarzen Seele heraus wirkende, ewig gültige Werke schaffende Künstlergenie verehrt.
Nun besteht die Mehrzahl der Menschen nicht aus solchen durchgeistigten Führerpersönlichkeiten, ganz im Gegenteil – zeit ihres Lebens bekommen sie nichts Intelligentes zustande, geschweige denn, dass sie das Zweitbuch anschaffen würden. Und doch werden gerade von diesen Menschen massenhaft Weblogs zugesülzt mit der Feier jener Werte, mit dem Hass auf die Oberfläche, dem Einklagen von Ernsthaftigkeit. Allen ist dabei wichtig, dass sie selbst mindestens fünf Jahre älter sind, als die Bandmitglieder, alle sind Stolz darauf, etwas zu besitzen, wofür sie nichts, aber auch nichts getan haben (tiefe Stimme, Haare am Sack).
Das Laut-Magazin empfiehlt der Band eine „Barbiepuppe zum Spielen“ , genau das richtige also für viel zu junge Mädchen und eben das, was sexistische Männer, die schon die schweinischen P18-Filme sehen und saufend abends lange aufbleiben dürfen, so verabscheuen. Damit trifft man mehrere Fliegen mit einer Klappe: Die neu-rechte, den Evangelikalen nahestehende US-Lobbygruppe „Concerned Women For America“ (CWA) beklagt, dass „Barbie“-Produzent Mattel auf seiner Website vier- bis achtjährige Kinder danach befragt, ob sie ein Junge oder ein Mädchen seien oder die Frage nicht beantworten könnten („I don’t know“). „Da steckt die Idee dahinter, dass Menschen nicht in ein bestimmtes Geschlecht hineingeboren werden, sondern ihre Geschlechtsidentität selbst auswählen könnten“, meint der (männliche) CWA-Chef Knight. Und weiter: „Dahinter steckt System, um die homosexuelle Agenda in den Köpfen zu verankern.“ Diese Agenda solle vor allem bei Kindern verwirklicht werden: „Jedes Kind, das nicht sicher ist, wer es ist, soll davon überzeugt werden, sexuelle Handlungen durchzuführen.“ Der Einfluss von Barbie wirke sich zudem verheerend auf junge Mädchen aus. „Barbie bringt Mädchen davon ab, die Idee der Weiblichkeit als christliches Konzept zu verstehen“, so Knight. „Das heißt, dem Herrn zu dienen, zu heiraten, Kinder zu kriegen und ein Haus zu bauen. Das sieht man nicht bei Barbie. Es geht nur um materielle Dinge.“ .
Die Anrufung von „Barbie“ steht somit für: besessen vom Geld, Familien zerrüttend, zu jung, schwul, dennoch nicht wissen, ob man männlich oder weiblich ist und zu allen sexuellen Handlungen immer bereit. Ein ganz ähnliches Signalwort hatte Dr. Goebbels zur Verfügung: Jude.

Erwachsene Leute, die partout nichts anderes zum Beweis ihres Erwachsenseins vorweisen, als den Hass auf Musik machende Jugendliche ahnen wohl, dass sie kaum etwas trennt von denen, die noch keinen Alkohol trinken dürfen, dass sie, gänzlich unsouverän, gegängelt vom stummen Zwang des Geldes, im Umgang mit ihrer Realität exakt soviel Geisteskraft aufwenden dürfen wie die, um die sich im Zweifel das Jugendamt kümmert. So bleibt ihnen nur das erbärmliche Niveau von Schwanzvergleichen – „wir sind älter als die“. Und doch: Meist schwärmen Hanswürste dieser Art ja für „Genies“, für das Mozart-Kind, oder ein niedliches, kurzberocktes japanisches Mädchen im Vorschulalter, das irgendein sterbenslangweiliges Violinkonzert auswendig spielen kann, normalerweise also hat der deutsche Familienvater den Kinderfickerblick recht gut drauf (Das „Wolferl“ war immer schon eine pädophile Projektion. Vgl. auch die starke Popularität, die die „Mini Playback Show“ hatte). Nur: Geliebt werden Kinder, die auf gar keinen Fall Anspruch auf die Freiheiten des Erwachsenseins anmelden, deren virtuose Fingerfertigkeit anzeigt, dass sie jederzeit von Sugardaddies zu Perversestem abgerichtet werden können. All die, die noch nicht volljährig sind, haben lediglich zur Verfügung der Erwachsenen zu leben. Eine Gesellschaft der Erwachsenen, die sich über Kinder lustig macht, weil die erwachsen sein wollen, ist infantil. Man muss sich das vorstellen: Menschen im Erwachsenenalter, die sich freudig einen miesen Kinderfilm nach dem anderen reintun (ob „Star Wars“, „Harry Potter“ oder „Herr der Ringe“ ist da ganz gleichgültig), fühlen sich bemüßigt, die Nasen über Liebesschnulzen-Teenies zu rümpfen. Doch manchmal ist selbst ihnen ihre Vorliebe peinlich und sie helfen sich mit einem verdrucksten „Einfach Kult!“ weiter (im Dummsprech altkluger Antifarotzer heisst das heute: „Groß!“). Und daran wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern: Die H&M-Punker und alle anderen nicht-mainstreamigen Arschgesichter, die einen wesentlichen Teil ihrer Rabaukenidentität aus dem Hass auf „Tokio Hotel“ beziehen -ähnlich wie sich Zweitklässler erwachsen dünken, wenn sie einen Weihnachtsmann auf der Straße verspotten- verfolgen heute alle die, die zuviel lachen, die sich nach Genuss und Wohlleben sehnen oder die sich auch nur unangemessen kleiden – so findet „Dritte Wahl“-Fan Daniela „Tokio Hotel“ deswegen „zum kotzen weil sie sich so stylen als ob sie in irgendeiner weise eine ‚linke Einstellung‘ hätten. Dabei hat das Lied, welches ich vor ein paar Tagen gehört habe, keinerlei politsche Aussage und auch vom Sound her, hört es sich nicht nach Punk an…“ . Da isst unsere Daniela nun einen Apfel nach dem anderen und sagt sich bei jedem: „Schmeckt gar nicht nach Birne!“ Mit sauertöpfischer Miene -jeder Zoll ihrer Gestalt schreit: Scheiss Leben!- stapft sie mit ihren schwer linken Freunden durch eine Welt, über deren schlimme Verfasstheit man insgeheim sehr zufrieden ist. Denn ließe sich in ihr etwas verbessern, müsste man ja die attraktive Depri-Attitüde aufgeben. Bald schon werden Daniela und ihre Freunde die würdigen Repräsentanten einer im Ganzen regredierenden Gesellschaft der Erwachsenen sein, die den Teeniemädchen weder zu Herzen gehende Musik, noch gar schnucklige Jungs gönnt, weil jede Art Lebensbejahung als Verrat an der Fundamentalopposition gilt. (Vielleicht auch werden sie mit ihrer abgeklärten Miesepeter-Haltung demnächst im Umfeld der sog. „Wertkritik“ auftauchen und –wie der Autor dieses Textes allzu lange Zeit- in „Fundamentalkrise“ und „Zusammenbruch“ machen.)

es gibt kein zurück zum glück

Dass diese Zeile –der kürzeste Ausdruck der Zwickmühle, in der sich Gesellschaftskritik immer findet- von den bildungsfernen Schichten, die da das Web mit ihrem Hatespeech vollsabbern, nicht bemerkt wird, war zu erwarten. (Auch 50% der „incipito“-Leser wird man wohl erklären müssen, inwiefern da ein Problem verborgen ist. Zeichensetzung!) Und auch dass die Band präzise und so gar nicht dümmlich ironisch gebrochen, wie es bei dieser Seuche der neudeutschen Bands Mode ist, feststellt: „Ich bin dagegen“.
Doch auch diejenigen, die von Kritischer Theorie immerhin das bildungsbürgerliche Kulturindustrie-Gegreine goutiert haben, sind wieder lediglich präsent, um gegen eine viel zu bekannte Band zu hetzen. Und „Tokio Hotel“ sind allzu bekannt, als dass distinktionsbesessene Jünglinge einmal genauer hinhören. Die bekennenden Fans der ach so kultigen 80er-Hits haben plötzlich Probleme, dass die vier viele CDs verkaufen. Es ist nicht zu verstehen – Stört die gestandenen Fleischfresser, dass die von ihnen doch angeblich so gehassten Deutschen Riesenmengen Fleisch und Wurst verzehren? Die meisten essen Fleisch, immer und immer wieder, in schöner Regelmäßigkeit und weder die exorbitanten Umsätze der Tierindustrie, noch die weltweite Berühmtheit von Schnitzel und Thüringer Bratwurst können sie davon abbringen. Nur Musik soll immer nur für sie allein gemacht werden und so widerwärtig anzuhören sein, dass kein harmoniebedürftiger weiblicher Teenager sie auch nur länger als eine halbe Minute aushalten kann.
Apropos „nicht länger aushalten“: Jimmy Pop von der „Bloodhound Gang“ meint auf „Tokio Hotel“ bezogen: „Ihr seid arm dran in diesem Land“ . Wieso, weshalb, warum? Weil man Angst vor dem Moment hat, in dem vielen klar wird, dass vier ostdeutsche Jungs den geleckten Sound der „Bloodhound Gang“ auch ein paar Jährchen jünger zustande gekriegt haben (wenn auch mit „Nena“ und „Greenday“ verrührt), beide Bands also Musik machen, gegen die man schon wegen ihrer Aseptik wenig haben kann, dass der einzige Unterschied somit darin liegt, mit wie tiefer Stimme man wie oft von „Titten“ singt? Überhaupt wird an „Tokio Hotel“ die Wahrheit über alle radikal klingen sollende Musik deutlich. Der muskelbepackte Zickenbartträger kann sich ja mal „Gegen meinen Willen“ anhören: Hinter seiner Härte, seiner zur Schau getragenen Wut, dem erbitterten Kopfschütteln steckt nicht mehr, als die coole Performance eines androgynen ostdeutschen Schülers.

Festzuhalten bleibt: Postmodernisierung und oft segensreiche Amerikanisierung haben es bislang nicht geschafft, aus bekloppten Deutschen erträgliche Menschen zu machen. Im Land der Trachtenvereine und Traditionsumzüge, im Land der Scheusale von „Aggro Berlin“ (die „Tokio Hotel“ bekennend nicht interessieren ), hier, wo engagierte Fußballfans Kongresse veranstalten, auf denen sie sich sowohl über Nazis im Stadion, als auch über Schikanen gegen Fußballfans empören (als ob mit diesen Schikanen jene nicht prima bekämpft werden können) – in diesem Land kommt einer Band wie „Tokio Hotel“ automatisch mehr emanzipatorische Kraft zu, als allen Grunzcombos, die da für Tiere und/oder gegen Deutschland unterwegs sind. Nun ist das nicht schwer, muss aber einer Szene gesagt werden, die sich immer noch nicht von der deutschen Liedermacher-Illusion verabschiedet hat, der fleißige Besuch von Konzerten irgendwie politischer Bands könne vor gesellschaftlicher Umwälzung bewahren. Nebenbei: Radikale Musik –also bspw. Anton Weberns „Fünf Sätze für Streichquartett“- werden unsere Verächter des mainstream und der unechten Retortenbands dennoch niemals hören. Sie sind der ausgelutschten Dur-Moll-Tonalität volkstümlicher Musik, deutscher Klassik, der „Toten Hosen“, von „Oxymoron“, „Egotronic“ und jeder x-beliebigen Naziband weiterhin innig verbunden. Radikal wird für sie auch in Zukunft nichts weiter heißen, als: laut und im Marschtakt.

„Unterdrückte Wahrheiten“

Eine Ähnlichkeit zum Irakkrieg: Auch hier hatten die Meisten sich bemüßigt gefühlt, ein „wahres“, doch angeblich permanent verschwiegenes Motiv der USA zu entlarven. Damals hieß es: Es geht „nur um eigene Interessen“! Wer sich ernsthaft darüber erbittern konnte, dass es den USA wohl nicht um bessere Lebensbedingungen für die Menschen im Irak ging, hat damals bewiesen, dass er fanatisch an die Form „Politik“ glaubt, dass er davon ausgeht, Staaten wären zum Wohl der Menschen eingerichtet. Jeder Zeitungsschreiberling konnte „vor Kühnheit zittern“ (Martin Walser), als er das tat.
Im Falle von „Tokio Hotel“ geht es also ums – Geldmachen. Nein, wirklich?! Und vermutlich ist die Spekulation auf Umleitung nicht geringer Revenuemengen in die Taschen von Plattenfirmaeignern und Produzenten aufgegangen. Schlimmer: Auch die Band wird noch was abbekommen haben. Und schon stehen die Verfechter des „Wahren, Schönen, Guten“ auf der Matte – schließlich habe man jetzt selbst zugegeben, dass diese Band ein Kunstprodukt sei, in die Spur gesetzt von einem skrupellosen Produzententeam zum einzigen Zweck, unschuldigen Teeniemädchen das Taschengeld abzuluchsen.
Nun hat „Tokio Hotel“ den „Sex Pistols“ mindestens voraus, nicht komplett gecastet zu sein (unser Gruß geht an Mr. McLaren). Den Anwälten des Authentischen reicht natürlich nicht, dass die Zwillinge schon seit längerem zusammen Musik gemacht haben – die Tatsache, dass es vermittelnde Produzenten gibt, reicht völlig aus für ihr Urteil: unecht. Casting ist für sie das Allerschlimmste. Es ist normalkapitalistischer Masochismus, der sich hier zeigt: Das, was man muss, nämlich Geld verdienen, soll man als freiwillig gewählt, authentischen Ausdruck seiner Persönlichkeit darstellen. Dieser Masochismus wird vom Alternativmilieu geteilt: Niemand hat dort Probleme mit Arbeitengehen und Geldverdienen, Hauptsache es geschieht „selbstbestimmt“. Und das heisst dort meist: Als Sozialpädagoge die von dieser Gesellschaft Ausgekotzten mit irgendwelchen Muntermach-Parolen von Freiheit und kreativer Selbstverwirklichung zu schurigeln, die man vorher in zahllosen Plena irgendwelcher Kulturprojekte eingeübt hat. Bandmitglieder sollten also die Weltprobleme erklären wollen, wenigstens aber jahrelang zusammen am Biertisch Unsinn geredet haben, ehe sie anfangen, ihre Küchenphilosophie auch noch zu singen – alles andere sei Manipulation, gezielte Verdummung durch Produzenten, die jeden Geschmack bedienen könnten.

Merkwürdig nur, dass auch Menschen, die dachten, das mit dem Antisemitismus einigermaßen verstanden zu haben, sich dem Enthüllungswahnsinn anschließen. Antisemitismus? Das war doch das, wo den Juden etwas Böses unterstellt wurde, was sie aber gar nicht gemacht hatten? Ganz gefährlich so was! (Weil ich gerade dabei bin: Diese Sündenbocktheorie als Antisemitismuskritik war schon immer falsch. Sie trägt in sich, Auschwitz hätte seine Berechtigung gehabt, wenn die Juden wirklich die Auspresser der ehrlichen Arbeit gewesen wären – damit wäre die Shoa nicht mehr als ein Justizirrtum.) Seit der ersten Boyband ist bei den Bescheidwissern der Topos der schwulen, fetten Producer, Handlanger geldgieriger Konzerne, etabliert: Leute, denen wirkliche, tiefe Kunst, echtes Gefühl völlig abgehen, die jeden noch so verrückten Markttrend durchsetzen können, die, wie die schmierigen, geilen Wucherjuden aus dem „Stürmer“ die Verbreitung von Verderben und Perversion zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben. Wer sich von ihnen einfangen lässt, muss an der Zersetzung der Unschuld mitwirken und folgerichtig wird im eingangs zitierten Lied die Band selbst zum Träger des Bösen. Auf auch nur ein Mindestmaß logischer Konsistenz kann verzichtet werden: Den nahezu magersüchtigen Jungs wird dort vorgeworfen, fett zu sein; es wird ihnen unterstellt, schwul und eine Kinderband zu sein; einmal sind sie hemmungslose Drogenkonsumenten, zwei Minuten später meint der von diesem Lied noch belustigte Mob, sie als Weicheier bezeichnen zu müssen, weil sie keinen Alkohol vertragen. Leute, die in dieser Weise die banale Alltagslogik verraten, sind jederzeit psychisch bereit für den „Kampf als inneres Erlebnis“. Sie verzichten –ganz im Geiste Ernst Jüngers- auf rationale Argumentation; wichtig allein bleiben der Wille und die Anbetung jedes Gefühls ohne Unterschied, auch des Hasses. Jüngers „Nicht wofür wir kämpfen, ist das Wesentliche, sondern wie wir kämpfen“ und sein „… so kämpft nicht einmal der umsonst, welcher für Irrtümer ficht.“ übersetzen sie sich in: „Nur dass wir mit aller Kraft gegen etwas sind, zählt, nicht, ob wir Gründe haben“. Die Verve der Wut ersetzt Überlegung und Selbstbesinnung – genau darauf ist jeder Faschismus angewiesen. Damit der totalitäre Wahnsinn sich entfalten kann, bedarf es des totalen Krieges gegen die Liberalität, muss man jede Anwandlung von Toleranz, ja auch nur Duldung und erst recht die Möglichkeit eines vernünftigen Gesprächs zwischen denkenden Menschen von vornherein ausgeschlossen haben. Das Gegenüber darf niemals in einem aufzuklärenden Irrtum befangen sein, sondern muss immer das Allerfinsterste im Schilde führen, so dass nur sein endgültiges Verschwinden Erlösung bringt.

nein! – weil es so weh tut

Neue (anti)deutsche Härte überall: So wie sich das Erscheinungsbild der Post-Pop-Antifas („Du bist der Geilste unter Vollidioten“) nur wenig von „Aggro Berlin“ unterscheidet -teure Survival-Klamotten, harter Blick auf den Horizont geheftet, wenig Haare, immer einen dummen Spruch auf den Lippen- so ähnlich ist ihre Psyche beschaffen. Gewaltgeil, wo sie gehen und stehen, Parolengequatsche ohne jede Rücksicht auf innere Logik, zur Schau getragene Schnoddrigkeit, fußballbesessen und selbstverständlich schwer gegen das Böse in Deutschland. Man wird jedesmal ein bisschen schlechter, wenn man sich mit dieser Bagage irgendwo sehen lässt. Moralisch immer auf der richtigen Seite – in der Terminologie des „Bündnisses gegen Realität“: gegen Nazis (= Deutsche) und Nazi-Nazis (= Nazis) , meint „Antifa“ heute überhaupt kaum anderes mehr, als mit gutem Gewissen andere Menschen misshandeln zu können. Das intellektuelle Fundament der ihr Zugehörigen ist erschöpfend damit beschrieben, sie würden davon ausgehen, „viele“ und „krass“ zu sein, weshalb bei ihnen „noch was geht“.
Die linken Verfechter frei flottierender Gewalt (so sind unter unseren Anti-Nazis ja nicht wenige, die Hooligan-Prügeleien brauchen, wie andere Menschen Luft zum Atmen) können sich immer noch darüber wundern, dass die Testosteronbomben von der Gegenseite den selben Stil pflegen wie sie, dass Transparent-Anglizismen, Kleidung, bevorzugte Schriftarten, Mackergetue, Trinkgewohnheiten, Redewendungen und Musikgeschmack (nicht immer auch die Texte) sich gleichen. Nicht einmal kommen sie auf die –ganz vulgärmaterialistische- Idee, dass sich in ihrem Erscheinungsbild eine innere Verwandtschaft mit „denen“ spiegeln könnte, kurz: dass sowas nun mal von sowas kommt. Aber nein: Wieder und wieder fallen sie aus allen Wolken, wenn sich herausstellt, dass doch wieder ein paar Nazis mit ihnen Party gemacht haben. Sie haben sie nicht erkannt. Wie konnte das nur passieren? Ja, wie nur?

Auch gegen diese Härte steht das zerbrechliche Bandprodukt „Tokio Hotel“. Wie gezeigt, unterscheidet sich dessen Musik intellektuell in keiner Weise von der bevorzugten Musik derjenigen, die sich für radikal gesellschaftskritisch und der Mehrzahl der Leute überlegen halten. Auch daran wird kenntlich, was die „Kritik“ jener immer war: Attitüde. Denn wer bemängelt, dass ihm eine bestimmte Unterhaltungsmusik keine Auskunft über das Leben im Großen und Ganzen gibt, kann das nur tun, weil 1. er davon überzeugt ist, dass Musik dies grundsätzlich tun müsste und 2. er weder mit der prallen Realität, noch mit klugen Büchern über die Realität in Berührung zu kommen wünscht. Er hält Geschmäcker für weltbewegend und gehört wahrscheinlich auch zu denen, die meinen, man dürfe nicht an Bonusprogrammen des Einzelhandels teilnehmen, damit dieser nicht die eigenen Konsumgewohnheiten herausfindet, kurz: der überschätzt seine kleinen, dummen Alltagsverrichtungen maßlos, weil er Angst vor Kritik hat. Ihm bleibt nur das Argument der Popularität: Die Band wird von sehr vielen deutschsprachigen Menschen gehört. Doch wer je Gänsehaut bei einer „machtvollen Demonstration“ bekam oder mit anderen bei einem x-beliebigen Konzert irgendwelcher Schrammelbands die Arme hoch gerissen hat, wer jemals mit den widerwärtigsten Bollos in Fußballstadien herumstand und für oder gegen dies und das gegrölt hat, der hat nun mal kein Recht gegen die begeisterten Teenies bei „Tokio Hotel“ zu hetzen.

Kritik

Allerdings gibt es etwas durchaus Unsympathisches an „Tokio Hotel“. Die Zwillinge haben ein schwer gestörtes Verhältnis zur ersten Natur: „… der Videodreh war schrecklich. Wir sind nämlich totale ‚Drinnis‘ – das ist unser Wort für Leute, die unberührte Natur einfach nur hassen. Tom und ich leben lieber in Häusern und Städten statt spazieren zu gehen oder zu zelten. Und ausgerechnet das Video zu ‚Durch den Monsun‘ war total ‚Draußi‘-mäßig: In freier Natur stehe ich an einem See in Brandenburg im Regen und singe – ekelhaft. Von morgens um acht bis abends um elf nur Laub und Viehzeug, keine Teerstraße in Sicht.“ Der gemeine Pop-Antifa mag sich jetzt zwar sagen: „So blöd sind sie nun auch wieder nicht“ – vom emanzipatorischen Standpunkt aber ist daran zu erinnern: Auch in Städten und Häusern muss man frische Luft atmen, braucht man sauberes Wasser und könnte es bald wichtig werden, wenigstens ein paar landwirtschaftliche Grundkenntnisse zu besitzen. Vielleicht sollte man sachte beginnen: Erst nur hin und wieder mal spazieren gehen und dann später vielleicht durchs Unterholz toben. Ich jedenfalls kann mir ausgesprochen gut vorstellen, mich mit Kaulitzens -ein paar Wodka-Red-Bull im Bauch- im verschlammten Auewald… Aber lassen wir das.

Ich wünsche ihnen, dass sie im Geld schwimmen und einen Riesenbatzen davon für lauter schöne Sachen ausgeben (Vorsicht mit den Drogen!).
„Tokio Hotel“ nerven genau die Richtigen und solange das so bleibt, kann der Mausebär ganz gut in Deutschland relaxen.

bitte lass uns keine freunde bleiben

Der bunte Aufzug ist mittlerweile vorüber. Nach der rituellen Verbrennung von „Tokio Hotel“-Postern gab´s nichts mehr zu tun. Die Metalband pfeift müde, weil chancenlos der BWL-Tussi hinterher. Sozialpädagogin und Feministin plazieren ein paar Anti-Dealer-Aufkleber an Laternenmasten, Antifa und Hool gehen noch auf ein Bier in die Alternativkneipe an der Ecke. Dort freut sich der Punker auf Unterhaltung, denn das Gesülze von Philosophiestudent und Poptheoretiker ging ihm schon gewaltig auf die Nerven. Man feixt über ein paar Fakebildchen aus dem Internet, auf denen Bill Kaulitz von Osama Bin Laden gefickt wird. Die Masse hat sich längst zerstreut.

Jedem und jeder Einzelnen von ihnen sei klar gesagt:

Du bist Scheisse.
Du hast nichts begriffen.
Du bist Deutschland.

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… sind Kalauer so recht nach dem Geschmack der Naturwissenschaftsfreaks: „Unsere Sinne haben unrecht, ätsch; ich kann sogar beweisen, dass alles ganz anders ist.“ Was „eigentlich“ ist, sagen uns Messgeräte – als ob es wichtig sei, wie lang genau eine Strecke ist!
So vorlaut und abgebrüht wie ihre eigenen Sinne beurteilen sie auch eine der ältesten Großartigkeiten der Menschheit, die Religion. Kirchen und Theologie geraten unter immer heftigeren Beschuss. Über etwas nachzudenken und zu sprechen, was es nicht gibt, müsse ja nach der Aufklärung wirklich nicht mehr sein, nicht wahr?! Und bitte – Jungfrauengeburt, dass ich nicht lache…
Das alles gibt es also nicht?! Aha, ihr Schlaumeier, und wem ist mit dieser „Einsicht“ geholfen? Wohl nur denen, die bei jedem einzelnen Sonnenuntergang am Strand froh sind, dass das heliozentrische Weltbild sich durchgesetzt hat. Und vielleicht noch denen, die das Konzertpublikum gern darüber aufklären würden, die gehörte Symphonie sei nichts als ein paar dumme Schwingungen in der Luft gewesen.
Man möchte nicht unter diese wandelnden Kategorienfehler fallen, die es „dann zuletzt so herrlich weit gebracht“.

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Wie kaum jemand anders regt sich die (Antifa-)Linke über den Kleidungsstil der von ihr Verhassten auf.
Ob es die dicke, schlecht angezogene (und deswegen dumme, böse, rassistische?) Mandy aus Marzahn ist oder der Trachtenjumper-Schnauzbartträger, den man vom Nazi überhaupt nicht mehr unterscheiden will – beide können und wollen die Codes der kritischen Coolness nicht befolgen. Der eine kann schlicht nicht mehr über den Schatten des peinlichen Konservatismus´ springen, die andere hat den Kleidergeldsatz von Hartz IV längst ausgeschöpft.
Die jugendliche Revolten-Schnöseligkeit ist so anziehend, dass der heutige Rechtsextreme, der dynamische rassistische Straßenkämpfer, sich die Kleiderordnung der Antifa komplett zueigen gemacht hat. Die Kameraden mit der unterschiedlichen Feldpostnummer eint die tiefe Befriedigung darüber, dass man im Geiste anders ist als die Langweiligen und Loser – Trendsetter eben und dass man sehr bald das nötige Kleingeld zur Verfügung haben wird, um das eigene Auserwählt-Sein auch darstellen zu können.
Hochnäsigkeit, Standesdünkel, Menschenhass – daraus bestehen sowohl die Verfechter von Rassenkrieg und nationalem Sozialismus, als auch die von sog. Antifaschismus und Gesellschaftskritik.

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Jeder Mensch muss sich heute ausdrücken, auch und gerade dann, wenn er keine Ahnung hat, oder bereits etwas falsch gemacht hat. Beides wäre an sich Anlass zum Schweigen und Zuhören. Besser noch: Versuchen, aus der Situation, in der man gescheitert ist, heraus zu gelangen! Wenn man von einer Welle überrollt wird, sollte man doch zunächst den Kopf aus dem Wasser bekommen, dann in Sicherheit schwimmen, dann das schmerzende Bein untersuchen, dann vielleicht beurteilen, ob die Schürfwunde den eigenen abendlichen Auftritt in der Disco beeinträchtigt. Aber nein, jede eigene Fehlleistung ist heute Anlass zum feixen, sich erklären und nochmaligen Nachspielen durch den Beteiligten selbst. (Das war in diesem Blog schon einmal Thema.) Nicht nur alle Umstehenden halten sich die Bäuche, auch man selbst kann über die eigene blutige Nase nur lachen.
Überhaupt wird m.E. heute tendenziell mehr gesprochen, geschrieben, gespielt, als zugehört, gelesen, angesehen. Stimuliert wird das dadurch, dass nahezu alles kommunikabel geworden ist, Tabuzonen kaum mehr existieren.
Im Umgang mit geistig Behinderten (auch Demenzkranken) wird der Mitteilungsaspekt gegenüber dem Informationsaspekt der Kommunikation (systemtheoretisch: die Einheit dreier Selektionen – Information, Mitteilung, Verstehen) wichtiger. DASS etwas und WIE es mitgeteilt wird, gewinnt für die Welt des Dementen zunehmend mehr Bedeutung als der Inhalt der Information selbst (Peter Fuchs).

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Es muss vor einiger Zeit einen Skandal im Umfeld der Herrnhuter Mission gegeben haben, betreffend vom Standpunkt bürgerlichen Rechts fragwürdige Missionierungsmethoden. Afrikanischen Missionsschäfchen seien angeblich Lebensmittel vorenthalten worden, um die Annahme des Christentums attraktiver zu machen. Das nennt man wohl Erpressung. Schließlich wäre da noch die „Jugend mit einer Mission“, die im Stile amerikanischen christlichen Fundamentalismus´ zum Einsatz des eigenen Lebens bei der Missionierung aufruft.

Die Details interessieren mich hier nicht, ich stehe auf dem Standpunkt des Rechtsstaates und bin zufrieden, wenn eine von der Kirche getrennte staatliche Gewalt Straftaten verhindert bzw. aufklärt.
Darüber hinaus hat die Katholische Kirche für alle klar gestellt, wie sie es mit der Religionsfreiheit und mit gewalttätiger Missionierung hält:

„Das Vatikanische Konzil erklärt, daß die menschliche Person das Recht auf religiöse Freiheit hat. Diese Freiheit besteht darin, daß alle Menschen frei sein müssen von jedem Zwang sowohl von seiten Einzelner wie gesellschaftlicher Gruppen, wie jeglicher menschlichen Gewalt, so daß in religiösen Dingen niemand gezwungen wird, gegen sein Gewissen zu handeln…
(…)
Man muß sich jedoch bei der Verbreitung des religiösen Glaubens und bei der Einführung von Gebräuchen allzeit jeder Art der Betätigung enthalten, die den Anschein erweckt, als handle es sich um Zwang oder um unehrenhafte oder ungehörige Überredung, besonders wenn es weniger Gebildete oder Arme betrifft. Eine solche Handlungsweise muß als Mißbrauch des eigenen Rechtes und als Verletzung des Rechtes anderer betrachtet werden.“ (ERKLÄRUNG DIGNITATIS HUMANAE)

Mich interessiert die Unlogik der aufgeklärten Rationalatheisten meines Umfeldes. Sie können Gottesglauben nicht nachvollziehen und erregen sich doch heftig darüber, wie man jemandem ein Bekenntnis zu Gott gegen Lebensmittel abnötigen könne.
Liebe Leute, wenn es keinen Gott gibt, kann doch der Eingeborene jedem daher gelaufenen reaktionären Pfaffen aus dem Westen die Taschen voll hauen, nicht wahr?! Oder ist der Eingeborene gar weniger vernunftbegabt, als ihr? Oder sind für euch Darwin-Fans vielleicht die Götter der Eingeborenen eine zu schützende autochthone Eigenheit, während der christliche Gott zwangsläufig – nach Inquisition und Kreuzzügen – das westliche Anspruchsdenken und den „gewalttätigen Zugriff auf die Welt“ generiert, die ganze zauberhafte, bunte Eingeborenenkultur zugunsten so hartherziger Dinge wie Logik und Vernunft also beseitigt hat? Ihr Urknall-Anbeter und Evolutionstheologen seid doch auch sonst ganz aus dem Häuschen, wenn irgendein unbedarfter amerikanischer GI in irgendein Mikrofon verkündet, der Prophet Mohammed sei ein Kinderficker gewesen. „Schande!“ und „Beleidigung!“ ruft ihr dann. Es gibt Gott also plötzlich doch? Beleidigen kann man ja nur, was existiert.

Worauf ich hinaus will: Eure strenge Durchführung von Religionskritik ist nichts anderes als Selbsthass auf die eigene Lebensweise bei anhaltendem Unvermögen für das Gute, gegen das Schlechte einzutreten.

ERKLÄRUNG
DIGNITATIS HUMANAE
ÜBER DIE RELIGIONSFREIHEIT

DAS RECHT DER PERSON UND DER GEMEINSCHAFT
AUF GESELLSCHAFTLICHE UND BÜRGERLICHE FREIHEIT
IN RELIGIÖSEN BELANGEN

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