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Archive for März 2010

In Katholischen Internaten wurden von Geistlichen heranwachsende Jugendliche missbraucht.
Die Häme, ja der Hass, der in diesem Zusammenhang der Katholischen Kirche als ganzer entgegenschlägt ist oft kaum kaschierte Schwulenfeindlichkeit. Pädophilie und gewalttätiger Missbrauch werden vielfach in eine Linie mit Homosexualität gestellt – als ob das Vergehen der Jesuitenpatres „in den besten Jahren“ das versteckte Zusammenleben mit einem ebenso älteren Herrn gewesen wäre.
Unausgesprochene Überzeugungen bei unseren ach so aufgeklärten, modernen Kirchenkritikern:

  • Gewalt ist normal und gehört irgendwie zum Heranwachsen.
  • Veranlagung ist Veranlagung, da kann man nichts machen, der eine ist eben pervers, der andere nicht.
  • Die katholische Kirche begünstigt das Ausleben der perversen Anlage durch Abhalten von der regulären Ausübung des Geschlechtstriebs – schuld ist nie der einzelne Pfarrer, sondern eine rückständige Institution, die ihm die Heirat verweigert.

Die katholische Gegenpartei glaubt, die Toleranz gegenüber einer abweichenden Konstitution verteidigen zu müssen. Das geht auch auf schlecht konservativ:
In der Harald-Schmidt-Show vom 25.03.10 wird ein Ausschnitt einer anderen Fernsehsendung gezeigt, in der bayerische Kirchgängerinnen auf die Verfehlungen ihres Pfarrers H. angesprochen werden:

Erste Dame: Pfarrer H. war beliebt…

Reporter: Aber er hat ja Kinder missbraucht.

Zweite Dame: Und machen das andere nicht?

Erste Dame: Vor hundert Jahren, hören´s auf…

Zweite Dame: Wie viele Schwuchteln gibt´s denn? Geh, hört´s doch auf…

Sie glauben ihren Pfarrer gegen die heuchlerischen Angriffe, seine Homosexualität betreffend, in Schutz nehmen zu müssen und wollen die von ihm ausgeübte Gewalt nicht sehen.

Allgemein wird als Lösung die Abschaffung des Zölibats präsentiert. Nichts anderes als Schwulenfeindlichkeit ist das Motiv: – Wenn die erst eine richtige Frau (!) im Hause haben, lassen sie auch die kleinen Jungs (!) in Ruhe.

Diejenigen, denen die Gewalt gegen Frauen und heranwachsende Schwule in islamischen Familien nicht halb so viel Zeitungsraum wert ist, wie die Vergehen katholischer Geistlicher schätzen am Thema das „Milieu“ – sie schrieben im Falle von Moshammer vom „Homosexuellenmilieu“ und berauschen sich heute wieder an schwitzigen Vorstellungen aus dem „Internatsalltag“, die ihnen die Groschenhefte ihrer eigenen sexuell verkorksten Jugend eingegeben haben. Strenge Pfarrer, schmuddlige Soutanen, keine Frau weit und breit, nur heranwachsende knackige Jungs in altmodischen Unterhosen um sich herum, die dunkle Abgeschiedenheit hinter hohen Mauern – das alles, verbunden mit einer als naturgegeben angesehenen Gewalt, führt dazu, das Problem in der Fixierung des männlichen Pfarrers auf Jungen zu sehen und die skandalöse Gewalt kaum zu registrieren.
Ob linksliberale Medienmeute oder ultra-konservative bayerische Katholikinnen – alle wissen sie: die Schwulen sind pervers und in der heutigen Zeit ist Perversion nun mal weit verbreitet, dagegen kann man nichts machen. Diese Haltung befähigt dazu, den beliebten Pfarrer am Ort zu verteidigen, die Gewalt zu verharmlosen und bei all dem Schwule nicht als normale Menschen anzusehen. Sie bleiben die putzigen Exoten, die in der Medien- und Kunstbranche gut aufgehoben sein mögen, von unseren unschuldigen Knaben aber tunlichst fern zu halten sind. „Sie haben wohl menschliches Angesicht,
aber Menschen wie wir, das sind sie nicht.“ (W. Krumbach)

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Falls Ihnen mal wieder ganz kulturpessimistisch zumute werden sollte und Sie verzweifeln wollen an dieser und dieser dümmlich quatschenden, hornochsigen und doch gar nicht mehr so ganz jungen Jugend, dann hören Sie doch bitte die Lieder von Philipp Poisel (Dank an Micha für den Tipp). Er erfindet zauberhafte Melodien, sieht gut aus, spricht schön, singt von echten Empfindungen und ist bei all dem so ruhig und selbstverständlich, im guten Sinne normal, dass man sich fragt, wo er bis jetzt überwintert hat, dass nahezu kein moderner Dreck an ihm klebt.
Frau Lot, drehen Sie sich ruhig um, es kann ihnen nichts passieren…

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Es ist durchaus selbstwidersprüchlich, in einem Blog, dem Medium der Zivilisation par excellence, für dieses Buch zu werben. Blogs stehen für das Meiste von dem, was Lisson gern beendet sähe: das Geschwätz (in) der Demokratie, Umerziehungsgelüste durch moral suasion, Schnelllebigkeit, Abfalltexterei. Doch auch Lisson weiß, dass er sich nicht voll den Auswirkungen der modernen Gesellschaft entziehen kann, auch er kennt Namen und Inhalt von besonders widerwärtigen Fernsehprodukten, auch er – „angry young man“ – zitiert „Rammstein“ (481), auch ihm ist bewusst, „daß es das ‚eine‘ Staatsvolk nicht mehr gibt“ (132). Eben aus dieser neuen Situation – dass es einem Konservativen, Rechten nicht einmal mehr möglich ist, sich umstandslos auf ethnische Homogenität und Althergebrachtes zu beziehen – entwickelt er ja das Konzept „Homo Absolutus“.
Soweit so einleuchtend.
Doch hält er das geistige Eremitentum nicht durch. Frank Lisson ist noch jung, doch schon sehr enttäuscht und wütend, nicht zuletzt über seine Wut, die ihm hin und wieder seine Predigten über Abgeklärtheit zunichte macht. Auf dem Gebiet der (Post-)Politik wird er zum Mitmacher. Das schwächste Kapitel des Buches ist das vierte („Nach der Politik“), das kein rechtsradikales Klischee auslässt und dessen Gerede über das alliierte Bombardement auf Dresden oder über den angeblich allmächtigen Zentralrat der Juden nicht nur widerlich, sondern Lissons anderen Gedanken auch unwürdig ist. Auch sonst wird keine Verrücktheit ausgelassen – so kann er, der einsame, dichtende Philosoph, der keine Zustimmung will und nötig hat, sich erregen über die „Autonomen“ und über die unterschiedliche Behandlung von „Links- und Rechtsrock“ (254 f.). Das darf vielleicht der Autor dieses Blogs, aber keiner, der Gültiges über den gegenwärtigen kulturellen Stand des Mitteleuropäers beitragen will.
Die wenigen interessanten Gedanken (bspw. der, dass die Freiheit von einem Rechtsstaat und nicht von der Demokratie garantiert wird, 231 f.) gehen unter in einem Schwall von Gegreine über die Allmacht der linken Mediendemokratie. Demokratiekritik hart am Feind, d.h. philosophiefern, liest man besser bei Carl Schmitt bzw. den Wertkritikern.
Der Leser muss erkennen, dass ein Leben hart am lunatic fringe auch den stärksten Geistern nicht bekommt. Ressentiment macht dumm. Goethe jedenfalls hatte dort keine Wohnung. An dessen Haltung zur Französischen Revolution könnte sich Lisson schulen – es würde ihm gut bekommen und ihn vielleicht etwas Abstand gewinnen lassen von seinen neuen Freunden.

Denn wann immer er nicht „im Handgemenge“ sein will, schreibt er großartige Prosa. Die todtraurigen „Splitter“ am Ende des Buches, besonders die Geschichte eines entgleisenden Flirts an der Bar, treffen weit schmerzhafter als das ganze Geschimpfe über erbärmliche 68er.

Überhaupt sollte man sich durch den prätentiösen Ton (über den sich der Autor dieses Blogs besser nicht aufregt) keinesfalls die Wirkung der zahlreichen kernigen Einsichten verderben lassen:

Die Wartezimmer der Therapeuten sind gefüllt mit ‚freien‘ Menschen, wie die Kirchen einst mit Gläubigen.

(124)

Wir reiben uns an den Menschen, weil sie nicht so sind, wie wir selbst zu sein wünschen. Wären sie es es, wir würden uns wiederum an ihnen reiben, diesmal jedoch, weil wir nicht wären wie sie.

(395)

Die Stillosigkeit auf deutschen und europäischen Straßen darf als Zustimmung zur allgemeinen Politik verstanden werden.

(410)

Der Ehrgeiz, etwas Eigenes abseits des Vorgemachten zu denken, schwindet bald, wenn klar wird, daß man damit alleine ist und bleibt, weil niemand anderes von der eigenen Standfestigkeit erfährt. Gerade in Zeiten, in denen persönlicher ‚Ehrbegriff‘ oder Stolz als desavouiert gelten und demgemäß keinen Einfluß mehr auf Gewissensentscheidungen haben, ist der Geist über die Eitelkeit korrumpierbar.

(443)

Wegen dieser Perlen – und es gibt sehr viel mehr zu entdecken – die aus gründlichem Nachdenken jenseits der Politik entstanden, lohnt die Lektüre allemal.

Lisson, Frank: Homo Absolutus: Nach den Kulturen, Edition Antaios, Schnellroda, 2008

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Die früheren Geschäftsführer der Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) haben durch undurchsichtige Finanzgeschäfte das Unternehmen und damit die Kommune um 290 Mio. € erleichtert. Irgendjemand wird irgendwann dafür zahlen müssen – einstweilen hat die Stadt eine Bürgschaft übernommen. Wie der Tag der Abrechnung aussieht, ist noch unklar – die Abschlagszahlung wird in krasser Einengung des Ausgabenspielraums der Stadt bestehen. Soweit so klar, so naheliegend, so unschön.
Wie beschreibt Herr Volkmar Müller, einer der neuen KWL-Geschäftsführer, die Situation? So: „Es wird immenser Kraft und Unterstützung von allen Seiten bedürfen, aus dieser Talsohle wieder herauszukommen“. (13) Sein Gewerkschaftspendant redet ganz ähnlich – der Vorsitzende der IG BCE-Ortsgruppe Sebastian Speer meint: „Wir sind uns bewusst, dass die Bewältigung der Folgen nur durch gemeinsames, verantwortungsvolles Handeln erfolgen kann.“ (13)
Gehandelt wird also – mit immenser Kraft und hoffentlich mit Unterstützung aller. Wir sehen vor uns: Freiwilligeneinsätze, schweißglänzende Stirnen und nach einem absehbaren Zeitraum harter Arbeit erscheinen die lichten Höhen – nun, vielleicht nicht des Sozialismus´, aber doch der Schuldenfreiheit.
Natürlich ist all das Folklore, hart an der Lüge.
Im Gegensatz zu früher, als arbeiten noch geholfen hat gegen den Mangel, ändert sich im täglichen Geschäftsgang nahezu nichts. Weder müssen die Reinigungskräfte der KWL-Zentrale in Zukunft ganz besonders stark schrubben, noch werden Rohrleitungsbauer verpflichtet, ganz besonders schnell oder tief zu schippen, noch werden Normzeiten für Entstörungen eingeführt. Die KWL-Buchhalter werden nicht engagierter tippen und die Zählerableser nicht schneller Treppen steigen. Und auch nachfrageseitig bleibt alles beim alten – die Leipziger Bürger werden nicht wegen fehlender 290 Mio. € demnächst ganz besonders viel (oder wenig?) Wasser trinken müssen.
Kraft, allseitige Unterstützung, Verantwortung und gemeinsames Handeln meint nicht anderes als – finanziellen Verzicht: Jemand wird bluten müssen. Der neue Boss und sein Gewerkschaftsheini meinen lediglich: Ihr alle werdet dran sein, stellt euch darauf ein. Doch sie sprechen, als gäbe es in der Tat sachliche Möglichkeiten helfenden Handelns einsichtiger Subjekte und nicht lediglich den stummen Zwang der Verhältnisse. „Subjektlose Herrschaft“ nannte das einer der anregendsten Theorieproduzenten der Linken einmal.

aqua.L: Kundenmagazin der Kommunalen Wasserwerke Leipzig, Ausgabe 1/2010

Kurz, Robert: Subjektlose Herrschaft: Zur Aufhebung einer verkürzten Gesellschaftskritik, in: Krisis 13 – beiträge zur kritik der warengesellschaft, Horlemann, Bad Honnef, 1993

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Holger Hövelmann, Innenminister in Sachsen-Anhalt und schon in dieser Eigenschaft lupenreiner Demokrat, meint anlässlich des Aufmarsches von Nazis in Dessau, die er – wie üblich in der linken Republik – als „Rechte“ bezeichnet:
„Wenn wir uns den Rechten nicht entgegen stellen, dann werden sie Mehrheiten organisieren und das muss verhindert werden.“
Das Organisieren von Mehrheiten durch Rechte muss also in einer Demokratie verhindert werden.

„Hövelmann (forderte) auf, gegen rechtes Gedankengut in jeder Form und an jedem Ort aufzutreten und dafür zu sorgen, das Rechte bei den nächsten Wahlen nicht wieder in die Parlamente einziehen. ‚Wir wollen sie da nicht haben und sie gehören da auch nicht hin‘, so Hövelmann.“ Der Webseite „Mut gegen rechte Gewalt“ gilt dieser Satz als „klares Bekenntnis zu Demokratie“.

Jetzt mal ernsthaft: Verstehe ich die aristotelische Logik nicht, wenn ich aus dem Statement, dass Rechte nicht in die Parlamente gehören, folgere, dass in ein Parlament nur Linke oder nicht am Gegensatz von rechts/links Interessierte gehören?

Und geht es hier wirklich nur um das terminologische Problem der Gleichsetzung von Rechten mit Nationalsozialisten? Oder verbirgt sich hinter dieser notorischen Praxis – die keiner unserer linken Psychoanalytiker je einer ernsthaften Betrachtung für wert halten wird – nicht auch das schlechte Gewissen gegenüber einem ausgewiesenen Rechten wie Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der aus komplett unlinken Motiven sein Leben gegen die Barbarei einsetzte? Jemand, dem die heutige Verfallsform der Demokratie zwar lobhudelt, der aber deren postmoderne Buntheit einigermaßen abstoßend gefunden hätte, weil er das „ganz Andere“ wollte? Jemand, der etwas so erlesen Widerliches wie die „Clowns Army“, deren behinderten- und schwulenfeindliches Getue wieder und wieder von irgendwelchen bunten Bürgern als „fantasievoller Protest“ goutiert wird, mit einiger Geschmackssicherheit bunt lackierte Faschisten geschimpft hätte?

Quellen:
mdr-aktuell, Abendausgabe vom 13.03.10
Mut gegen rechte Gewalt

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Lissons Zivilisationsverachtung rekurriert in jedem Fall nicht auf Natur (Zivilisation als „Trojanisches Pferd der Natur“, 13), die greift nach den Kulturen schon von selbst nach den Menschen, steht also wohl gegen die Anstrengungen des Homo Absolutus, eine neue Ausgangsbasis für die Schaffung von Bindungen zu erkämpfen.
Wenn es denn überhaupt Aussicht auf Erlösung gibt, kommt diese Rettung durch den Einzelnen – eben Homo Absolutus, also nicht durch eine faschistische Masse, oder durch Zwangskollektivierung. Lisson pflegt einen Kult der Persönlichkeit, des Einzelnen und seines Eigenen. Alles muss der Einzelne aus sich heraus schaffen, „nach den Kulturen“ hat er keine Hilfe mehr.
Linke Ideologiekritik hätte es leicht, all das aufs Konto „Faschisierung des Einzelnen“ zu buchen und den Homo Absolutus mit dem Selbstmordattentäter identifizieren. Das aber wäre zu kurz gegriffen. Denn ein Grundbedürfnis des Homo Absolutus ist, in Ruhe gelassen zu werden – das verbindet ihn mit seinem Vorläufer, dem „Verweigerer“, vgl. 47 f. – und unter herab gesetztem Leidensdruck seine Rettungsstrategien in einem Meer von Dummheit zu entwickeln.

Lissons Stärke ist phänomenologischer Art, der Dichter in ihm – sein Buch sei „philosophische Dichtung“ [16], steht am Ende des 1. Kapitels – der genau hinsieht, ist weitaus begabter, als der Deuter. Die Beschreibung der Banalisierung des Alltagslebens durch Massenproduktion, Mediendemokratie, Atomisierung ist so genau, wie man nur wünschen kann, geht es an die Erklärung, spricht Lisson – trotz aller verzweifelten Radikalität – dann eben doch wieder wie das von ihm doch so verachtete Personal des Neoliberalismus´: das erste x-beliebige Beispiel aus der Arbeitswelt über eine Gewerkschaftsfunktionärin, die mit ihrer Forderung nach Arbeitszeitverringerung ein Unternehmen aus Deutschland vertreibt, bringt ihm den „Sinn für die Realitäten“ (368) bei.
Klang Lisson im philosophischen Teil noch „fortschrittlich“, weil optimistisch – merkwürdigerweise dann, wenn er nietzscheanisch spricht (wir wollen das Abenteuer Mensch… das Wagnis…, wir wollen Veränderung, Wechsel, wollen Bewegung“, 164) – so sind seine Tipps für die Lebenswelt doch immer wieder nur Textbausteine aus dem Wirtschaftsteil der FAZ. Wozu diese Niederungen, möchte man dem philosophierenden Rechten zurufen, wenn man doch das spengleristische „Wissen, unrettbar zu sein“ (95) hat?
Als Radikalkonservativer kann er nicht wollen, dass der Einzelne, gänzlich Ungebundene, keiner Partei Verpflichtete (330) triumphiert. Doch er bleibt mit Spengler starrsinnig: Es gibt keine andere Wahl, kein Zurück in die Welt der Kulturen (163 f.). Der Homo Absolutus ist einfach historisch dran, ohne dass seine edle Variante eine Chance hätte.

Lisson, Frank: Homo Absolutus: Nach den Kulturen, Edition Antaios, Schnellroda, 2008

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Kleinere Kinder kennen nahezu nur das Heute, Einsicht in die Endgültigkeit – und das heißt zunächst einmal: Fortgültigkeit über den heutigen Tag hinaus – einer Entscheidung ist für sie nur mühsam zu lernen. Aufstieg, Höhepunkt, Verfall nachzuvollziehen, zurückzublicken, in Erinnerungen zu schwelgen oder sie zu durchleiden, ist klarerweise nicht ihre Sache, jede Angelegenheit des Tages fasziniert entweder, oder ist langweilig. Die Erwachsenen nähern sich heutzutage dieser Ungeschichtlichkeit wieder an. Wehmut, bspw. bezogen auf abgeschlossene Perioden ihrer eigenen mittelfristigen Geschichte, kennen sie immer weniger. Das neoliberale „In-Bewegung-Bleiben“ der Erwachsenen wird immer mehr zur Verleugnung alles Gewordenen, wird zur Verabschiedung der Gelegenheit, von irgendetwas oder irgendwem zu lernen, wird zur Absage an Verbindlichkeit. Vom Daytrading zum Dayliving – alles, was wir brauchen, stammt von uns selbst, lernen müssen wir nicht, geschenkt wollen wir nichts.

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