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Archive for April 2010

Manchmal möchte man ihn wirklich ein wenig dekonstruieren, den Judith Butler. Beispielsweise jetzt wieder, angesichts einer neuen Ungeheuerlichkeit, die sich Verkleidungs-Judith in ihrem amerikanischen Elfenbeinturm leistet. Sie klingt im Original so:

„Similarly, I think: Yes, understanding Hamas, Hezbollah as social movements that are progressive, that are on the Left, that are part of a global Left, is extremely important. That does not stop us from being critical of certain dimensions of both movements. It doesn’t stop those of us who are interested in non-violent politics from raising the question of whether there are other options besides violence. So again, a critical, important engagement. I mean, I certainly think it should be entered into the conversation on the Left. I similarly think boycotts and divestment procedures are, again, an essential component of any resistance movement.”

(Zit. nach: radicalarchives)

Wenn ich den ersten Satz des Zitats von mir gegeben hätte, hätte ich wieder etwas für mein Image als unmäßig zuspitzender Abdreher getan, bei dem man 90% vom Gesagten abziehen müsse, um eine halbwegs sinnvolle Aussage zu erhalten. Nun, das es die klare, sachte Judith, eine der Gewährsdamen der sog. „emanzipatorischen Linken“ ausplaudert, bin ich doch gespannt, ob unsere einheitsschwarzen, gepiercten Jünglinge und Girlies von der Antifa irgendwelche Bauchschmerzen bekommen. Wahrscheinlich nicht. Sie lesen ja nicht mehr, sie tanzen nur noch.

Und damit hätte ich die, wenn auch holprige, Überleitung geschafft zu einem neuen kulturkritischen Wutausbruch von Robert Kurz. Kurz schreibt erneut eine gnadenlose Kritik der sog. wertkritischen Linken im Dienste einer elaborierten Wert-Abspaltungskritik, wie sie die Zeitschrift EXIT pflegt. Dieses Anliegen ist nicht mehr die Sache des Blog-Schreibers, doch er schätzt die Wucht und die Ehrlichkeit der Kritik. Und allemal gerät mit der postmodernen Variante der Krisen“theorie“ samt Open-source-Anhang das Richtige ins Visier. Leider sieht Kurz nicht, dass die radikale Linke als ganze destruiert gehört und nicht nur ihre allzu lebensweltlichen Vertreter. Beispielsweise kommt eine Kritik der pseudoantideutsch verkommenen Antifa, dieser Speerspitze der Barbarei, nicht vor. Nichtsdestotrotz eine lehrreiche Polemik, die weiterverbreitet werden kann und soll. Zum in diesem Text gegeißelten „Bloggerunwesen“ soll demnächst eine grundsätzliche Stellungnahme erfolgen. Heute nur die persönliche Rechtfertigung: Ich muss diesen Blog hier vollschreiben, weil meine Produkte

  1. niemand druckt, ich aber
  2. sehr gern schreibe und es mag, mit anderen Leuten in einen Austausch zu treten und feed back zu erhalten.

Ich liebe das Bloggen als solches nicht besonders, es ist eben meine einzige Möglichkeit, mich einem breiteren Kreis von Leuten mitzuteilen.

Einstweilen verabschiede ich mich in den vorgezogenen Sommerurlaub. Es wird also in den nächsten zwei, drei Wochen hier nichts Neues geben.

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Eine Verkäuferin am privaten Gemüsestand. Sie hat eine durchdringende Stimme und ein resolutes, doch wohlwollendes Gemüt, wie man es eben haben muss, will man an Leipzigs Stadtrand seine Sachen an die Hartz IV – Klientel bringen. Aufgebaut hat sie ihren Stand vor einem A & V – Laden (für Wessis: second hand shop), der seinerseits draußen ein Büchersonderangebot bereit hält – ein Buch 50 Cent, 6 Bücher 2 €. Ich krame in den Büchern. Die Gemüsetante springt auf mich zu, weist auf die Bücherkisten und meint, dass man bei den Preisen wirklich fast alles mitnehmen könnte, es seien ja schöne Stücke darunter. Ich stimme zu, finde einiges und möchte bei ihr bezahlen. Sie lehnt ab, nein, damit hätte sie nichts zu tun, ich müsste schon in den Laden gehen, ihr gehöre nur der Gemüsestand hier.

Unsere Verkäuferin betreibt Arbeitgebersolidarität in der Form von Arbeitnehmersolidarität. Das wirkt skurril.
Von Marx lernen wir, dass die Kapitalistenklasse als ganze an der Erhöhung der Profitrate interessiert ist und damit alle Kapitalisten als Entität (also auch diejenigen, die im Konkurrenzkampf verlieren und nicht nur die gewinnenden Einzelkapitalisten) an der Ausbeutung der Arbeiterklasse teilnehmen.
Dass die Krise soweit fortschreiten könnte, dass Einzelkapitalisten untereinander kostenlos Werbung machen, hätte sich wohl nicht einmal Marx träumen lassen.

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ist die Frühlingsplatterbse zu bewundern, sondern derzeit auch original im Leipziger Auwald.

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Also, ostdeutsche Rentner,

meistens seid ihr ja noch recht rüstig. Wenn ihr – am späten Nachmittag wohlgemerkt – in der Lidl-Schlange vor euch hinpöbelt, dass es so lange dauert und der Kassiererin vorne schon fast die Arme abfallen, dann wünscht man euch allerdings die eine oder andere Alterskrankheit, einschließlich einer Alzheimer-Demenz, an den Hals. Wie befürchtet, betreibt ihr dann auch noch „konstruktive“ Kritik Marke DDR, d.h. ihr macht Verbesserungsvorschläge zur Perfektionierung des Wahnsinns. Wie beim Schneeschippen im diesjährigen Winter laufen auch diese wieder auf eine Neuauflage des Reichsarbeitsdienstes hinaus. Als eure Lieblingswege nur mangelhaft gestreut waren, habt ihr, altrealsozialistisches Pack, ja ebenfalls ungefragt in die Gegend getrötet: „Als ob wir keine Arbeitslosen hätten!“. Und nun wieder bei Lidl – fünf Leute stehen vor euch und schon schallt´s von hinten: „Als ob wir keine Arbeitslosen hätten!“. Von der Idiotie dieses Satzes in dieser Umgebung mal abgesehen (schließlich ist niemand da, der der Idee des Arbeitsdienstes hier zum Durchbruch verhelfen könnte) – warum reißt ausgerechnet ihr das Maul auf?
Erst ein ganzes Land u.a. durch fortgesetzte Arbeitsverweigerung gegen die Wand fahren und dann, im richtigen Leben – das heißt: in einer gesellschaftlichen Ordnung, in der die Auswahl unter 50 unterschiedlichen Joghurt-Sorten zugelassen ist – große Töne spucken. Die harte Währung, die ihr in der Hand habt, die habt ihr nicht erarbeitet, die hat man euch geschenkt!
Wenn ich noch eine Meckerei von euch hören muss, dann werfe ich eure Einkaufswagen um. Wegen euch muss ich das mit der Milde erst mal vertagen.

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Binnen-I und die Ersetzung des indefiniten Personalpronomens „man“ durch „Mensch“ – weit links werden die Codes von Radikalfeminismus und Queer-Bewegung noch geschätzt. Nicht nur das: Ihre Benutzung, wenigstens die stillschweigende Zustimmung zu ihrer Verwendung durch andere wird geradezu vorausgesetzt.
Dass die diversen Sprachregelungen im normalen Leben unbrauchbar sind, bekommen natürlich die nicht mit, die den Hauptteil ihres Lebens in „geschützten Räumen“ verbringen. Die Alternative lautet: Lächerlichkeit oder Heuchelei. Lächerlichkeit: Man wird nicht verstanden und redet trotzdem so, als sei man klüger als der Adressat. Heuchelei: Man hat gelernt, die Szene-Regelungen „draußen in der Fremde“ nicht anzuwenden. Keine Frage: Unsere Emanzipationsapostel haben´s nicht leicht mit der hässlichen, faktengesättigten Realität. Nur konsequent, dass man gleich ganz gegen sie ist und sich ins Dummschwätzer-Nirwana der Dialektik verabschiedet.
Das „ganz Andere“ – lächerlich oder heuchlerisch. Sie haben die Wahl.

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Alternativ-Schneckchen auf Fahrrädern, große weiße Brillen auf der Nase, die sie bestimmt schon stundenlang wahnsinnig komisch finden. Unüberhörbar schreien sie von Fahrrad zu Fahrrad ihren Sozialbastler-Jargon, der schon geflüstert kaum zu ertragen ist.
Aber, meine Güte, wenigstens fahren sie durch die Natur, produzieren keine Autoabgase…

Am See: Laute Musik aus zwei Boxen, die definitiv Vögel und Kleintiere vertreibt. Ringsherum ein paar Jugendliche mit Bier in der Hand, in die untergehende Sonne schauend.
Es nervt. Warum müssen die hier stehen? Hat man denn nirgendwo seine Ruhe?
Ach je, es ist eben ihre Art von Romantik. Warum freue ich mich nicht, dass sie sie nicht ganz verlernt haben?

Leseecke in der Buchhandlung. Ich lümmle in den Polstern, drei Bücher und einen Kaffee vor mir. Auftritt: Ökolinke Mutti in wallenden Gewändern und mit lautem Sohn im Schlepptau. Mutti will vorlesen, Söhnchen eher herum toben. Mit durchdringender Stimme, doch wohlwollend, wird Söhnchen überredet, sich doch etwas Kindgerechtes über einheimische Laubbäume anzuhören. Er hockt sich neben sie und lässt sich schließlich fangen von den unterschiedlichen Fruchtformen und Blütenständen. Im Umkreis von 20 Metern ist jede Konzentration unmöglich. Meine Güte, soll die doch zu Hause vorlesen! Man kann nur den Kaffee austrinken und gehen. Verdammt.
Nein:- wie schön ist es, dass Mütter überhaupt noch vorlesen und dann sogar etwas über die Natur.

Ich nehme mir vor: ein wenig Milde.

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Und genau dieses Milieu führt vor und nach den beliebten Prügeleien Veranstaltungen über den eliminatorischen Antisemitismus des NS durch! Dort wird dann – kritisch-theoretisch hochgerüstet – zum tausendsten Male hergeleitet, dass das Kennzeichen des Nazifaschismus der unbedingte Vernichtungswille gewesen sei. Und keiner bricht in Lachen aus, wenn er sich die eigenen Flyer zum „Smashen“ der Nazidemo am 27.03. anschaut. Logik? Scheiss drauf, die ist ganz bestimmt – deutsch.

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