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Archive for Juni 2010

Grundvernünftige Leute halten mich an, bessere, d.h. teurere Kleidung zu kaufen. Man hätte mehr davon, die Qualität sei besser: „Ich bin nicht so reich, dass ich so billig kaufen kann“, sei ihr Motto.
Aber es sind exakt die, die ihre Kleidung halb so lange tragen, wie ich meine angeblich unsolide. Sie machen von der grandios verbesserten Haltbarkeit gar keinen Gebrauch. Ihr Mitgehen mit den neuen Kollektionen lässt sie die alten schnell vergessen.

Das nur Gebrauchbare, nicht anderweitig mit Sinn aufladbare, das die meisten als langweilig bis schlampig empfinden, hält ewig. Hinzu kommt: Als nicht Nachnutzbares, weil von anderen Ungewolltes ist es unweigerlich individualisiert. Kein second-hand-shop kann mit meinen Lieblingsklamotten noch irgend etwas anfangen. Ein am Computer ausgedrucktes Buchexemplar ist nicht verkäuflich, somit nicht aus dem eigenen Leben mit Entschädigung entfernbar; es bleibt bei mir – bis ich es loswerden will, weil ich mich gegen es (nicht: weil ich mich für Geld) entschieden habe.

Die guten Dinge sind unindividuelle Massenware. In ihnen ist Geschichte von vornherein entwertet, ihr Verlust lässt keine Spur der Erinnerung zurück.

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Judith Butler hat den Zivilcourage-Preis des großen CSD in Berlin abgelehnt. Der CSD sei ihr zu kommerziell und außerdem zu wenig anti-rassistisch.

Die Literaturwissenschaftlerin an zwei Universitäten, die nebenbei noch mit unglaublichem Geschwurbel in Buchform ihre an sich schon üppigen Einkünfte aufbessert, wünscht offenbar, nur armen (also innerlich bereiten) Leuten ihr links-islamisches Evangelium zu verkündigen. Doch die findet sie an diesem Tag nicht – nur ein paar wenige Leute vor der Bühne applaudieren.
Die geistlich wie pekuniär Armen, denen Butlers Solidarität gilt, veranstalten vielmehr seit einigen Jahren immer wieder einen sog. Transgenialen CSD, das alternative Rühr- und Gegenstück zum bösen, bösen Kommerz der schwul-lesbischen „RassistInnen“. Einer seiner Organisatoren stellt klar, was noch wichtiger war, als das anti-kommerzielle Ressentiment der Großverdienerin und es gibt keinen Grund, ihm zu misstrauen:
„Butler habe abgelehnt, weil der CSD mit Organisationen zusammenarbeite, die aus Sicht der Kreuzberger Aktivisten rassistisch – sprich: islamfeindlich – sind…“.

(Hier der O-Ton des Wahnsinns.)

Diese Gaga-Tante nun, die mit dem Dekonstruieren der Geschlechtsidentität leider Gottes nicht bei den bärtigen Männern ihrer geliebten Hisbollah beginnt, dient einer nicht geringen Anzahl von Linken zur Ikone – der Kreuzberger Transgeniale CSD, in der Vergangenheit immer wieder durch antizionistische bis antisemitische Ausfälle auf sich aufmerksam machend, ist in der Tat ihr Milieu. Auch dieses Jahr gibt es wieder ein Verbot von Nationalfahnen und auch dieses Jahr hat man dabei weniger Burundi und Norwegen im Blick, als vielmehr den einzigen Staat im Nahen Osten, in dem Schwule und Lesben unbehelligt leben können.

Auf dem Mini-CSD in Kreuzberg kommt alles zusammen, was zusammen gehört:
Der maoistische Aktivist,
die anti-zionistische Fummeltrine (die ganz genau so aussieht, wie die im großen CSD und sich lediglich durch ihren Hass auf Israel von ihr unterscheidet),
der abgerissene Wagenburg-Hippiepunker, der der Zivilisation schon rein lebensweltlich wenig abgewinnen kann
und auch die diversen Profi-NGO-Antirassisten, immer bereit, anti-muslimischen Rassismus zu wittern.

Die Linke in ihrer ganzen abstoßenden Hässlichkeit. Und Judith Butler mittendrin.
Endlich ist sie angekommen – im Reich des Islamfaschismus und seiner deutschen Fans.

Fight radical Left!

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Die Kundgebung für Israel und gegen das Agieren der Linkspartei in der Leipziger Innenstadt war ein schöner Erfolg. In besten Zeiten waren über 100 Leute anwesend. Von wenigen versprengten PI-Lesern und Offensivchristen abgesehen, ist deren politische Heimat das ex-antideutsche Spektrum einerseits und der von den Stalinos so genannte (jugendliche) Rechtsflügel der Linkspartei andererseits. Diese Leute aus Bundes- und Landesarbeitskreis „Shalom“ sind Gutmenschen im besten Sinne des Wortes: Für Israel, gegen den islamistischen Wahnsinn, aber irgendwie auch fürs Soziale an sich, gegen Arbeit, für herrschaftsfreien Drogenkonsum und emanzipatorisches Ficken. Es gab gewiss schon Schlimmeres in der deutschen Politik – dennoch: Die Shalom-Leute bilden das wohlgestaltete Feigenblatt für einen miesen, vermufften Antisemitenhaufen wie er die Linkspartei nun mal ist.
Und so haben die meisten von ihnen keinen Draht für die Bizarrerie, dass sie sich durch ihr eigenes Bündnis zum Parteiaustritt auffordern – und den dann doch lassen.
Liebe Leute, bitte nochmal drüber nachdenken! Eure Entgegnung, „die Linkspartei nicht den Antisemiten überlassen“ zu wollen ist kindisch – ebenso könntet ihr die NPD den Rassisten, die FDP den Neoliberalen und die CDU den Christen wegnehmen wollen.

Die coolsten Säue waren unbestritten die Hallenser Jungs von „No Tears for Krauts“. Die Einleitung ihres ansonsten knackigen (wenn auch recycelten) Redebeitrags bildet ein wenig Genöle darüber, dass kein Leipziger zur obligatorischen Demo des antideutschen ZK nach Berlin gekommen sei. Geschenkt. Wer so gut aussieht und so wunderbar autoritär rüberkommt wie der Redner, kann es nicht schlecht mit einem meinen.
Ein wunderbares Transparent haben sie auch mitgebracht: „Den linken Konsens brechen!“ – das ist nicht nur passend zur Linksparteidominanz im Osten, sondern auch ein schöner Spott gegen das Geseier vom „rechten Konsens“ hinterwäldlerischer Linker, die im Jahr 1995 stecken geblieben sind.
Leider verlassen NTFK (wie sie ihren Gruppennamen abkürzen) schon in der Mitte der Kundgebung die Szenerie und ziehen grußlos ab – wahrscheinlich reagieren sie allergisch auf Konsens jeder Art und das ist ja nicht nur unsympathisch.

Was bleibt? Keine islamischen Störer, wohlwollende Aufmerksamkeit der Leipziger Passanten und eine klare Ansage an die Leipziger Linkspartei, ihr totalitäres Treiben nicht unwidersprochen zu dulden.

P.S.: Ausführlich genug, Harki? 😉

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Gustav Mahler – III

Mahler ist einer der wenigen Komponisten, die uns nicht Abstrakta vorsetzen. Bei ihm gibt es keine edle Sättigung zu hören, nie ist der Fanfarenklang ungetrübt, immer wird wenige Takte nach der „Eindeutigkeit“ die Rechnung für den Aufschwung präsentiert. Es treten nicht Typen auf, sondern kaputte Menschen.
Halten wir fest:
Mahler führt Formen nicht als feste oder zerbrochene, sondern als zerbrechende vor. Das, was zerbricht, ist nicht Idee oder Typ, sondern Individuum.
Schon der flüchtige Blick auf ein musikalisches Mittel zeigt, wie Mahler in dieser Hinsicht arbeitet. Dieses Mittel sind die installierten symphonischen „Booster“ – in der

I.: das an der Großen Trommel befestigte Becken, um den Eindruck einer Blaskapelle zu erzielen. (Nebenbei: „Ungewöhnliches“ gilt immer als Ausweis, auf der Höhe der Zeit zu sein),

II.: das vorgeschriebene Anschwellen „bis zur höchsten Kraft“ im letzten Satz,

III.: der Einsatz eines Knabenchors zur Simulation von Glockenschlägen (all das, wofür eine Glocke steht, ist – ein Mensch!),

IV.: die höher gestimmte Sologeige im zweiten Satz, um den Eindruck einer Fidel zu erzielen,

V.: das ganze Schmachtfetzen-Adagietto (Streicher und Harfe), das alle nur „Tod in Venedig“ nennen,

VI.: der wuchtige Hieb auf einen Hammer mit Holzklotz, das „Fällen“ des Helden,

VII.: die virtuos zu spielende Pauke im Finale, die den ganzen Satz wie die Musik zu neumodischen Ritterfestspielen erscheinen lässt,

VIII.: die Ausmaße der Besetzung – mehrere Chöre und Orchester (angeblich über tausend Mitwirkende bei der Uraufführung),

IX.: die Lautmalerei stockender Herzschläge im ersten und letzten Satz (in der ganzen Symphonie geht es um den Tod).

Demnächst mehr zur Deutung dieses Subjektivismus´.

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Am 17.06. wird in Leipzig für Israel demonstriert.

Free Gaza from Hamas! Gegen die Auslandseinsätze der Linkspartei

heißt es dann. Ich schließe mich an und wünsche gutes Gelingen.

Bleibt noch, die Hoffnung auszusprechen, dass das keine der üblichen linken Trash-Manifestationen wird, bei denen harmlosen Fußballfans die Deutschland-Fahnen entwendet werden. Vielleicht kann ja auch das Umfeld der moralisch verwahrlosten Linksjugend mal einsehen, dass Deutschland einer der letzten verbliebenen Freunde Israels ist. In ihrer Partei gäbe es genug gegen Rassismus und Antisemitismus zu agitieren, aber nein: Sie wollen ja lieber in Antifa machen. Wie auch immer:

Kundgebung am 17. Juni von 17 bis 21 Uhr auf dem Leipziger Augustusplatz

Hier gibt es den Aufruftext zu lesen.

Linkspartei raus aus den Köpfen!
Wer „Linkspartei“ wählt, wählt Hamas. Wer Hamas wählt, wählt den Krieg!

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Neulich wurde ich gefragt, wie es komme, dass Gustav Mahler in einer bestimmten Szene so gern gehört werde. Gemeint war der eher lose Zusammenhang der enttäuschten, erwachsen gewordenen Linksradikalen, die sich – einst gegen Alles, also „das falsche Ganze“ – nun, da man seinen Lebensunterhalt selbst finanzieren kann/muss, ganz dem Lesen Kritischer Theorie und der Umerziehung derjenigen, die sie nicht lesen, widmen. (Kritische Theorie heißt ja überhaupt immer Umerziehung, brain washing.) In den vergleichsweise luxuriösen Rückzugsquartieren wird das Leiden an der Welt nicht mehr sub-, sondern hochkulturell abreagiert.

Nun denn – was hören wir bei Gustav Mahler?
Die gängigen Mahler-Topoi – diffuses Unbehagen, Zerstörung von Formen, Krisenbewusstsein, Spätbürgerlichkeit, Endzeitlyrismus – sind alle nicht falsch.
Doch wenn man es auf Katastrophen und deren Darstellung abgesehen hat, wäre man bei der Zweiten Wiener Schule eigentlich besser bedient. Was ist bei Mahler anders?
In seiner Musik werden uns die Formen vorgeführt – und dann zerstört. Die Melodie wird gesungen – und danach zerfetzt. Die Stimmung wird perfekt ausgemalt – und dann ins Gegenteil gedreht. Wir werden zum Tanz aufgefordert – und dann „mit Keulen zu Boden geschlagen“ (Mahler über seine II. Symphonie).
Wir werden (abgesehen vielleicht vom Fragment der X. Symphonie) nicht durch Trümmer geführt, wie beim frühen Schönberg, nein: jemand versucht, uns die Zerstörung schmackhaft zu machen, ohne auch nur den kleinsten Verlust, den sie bringen wird, zu verschweigen: Die ganze alte Welt wird dahin gehen. Wir haben sie so geliebt – wie gut, dass sie zusammenkracht.

Demnächst mehr über die musikalischen Mittel.

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Dass man nichts stur auswendig lernen solle, sondern verstehen, durchdringen, sich alles auf ganz persönliche Weise aneignen müsse, ist eine der vielen Ausdrucksformen neoliberaler Kreativitätsverordnung. Früher, in der bösen alten Zeit, in der Hexen verbrannt wurden und die Menschen ohne elektrisches Licht dumpf vor sich hin vegetierten, da eben musste man Gedichte, Deklinationen, Konjugationsformen und allerlei Ausnahmen auf allen Gebieten – pauken. Stumpfsinnig, gar nicht „selbstbestimmt“, hintereinander weg, bis man sie konnte – so konnte, dass sie jederzeit für den eigenen Gebrauch zur Verfügung standen und das leisteten, was sie leisten sollen, nämlich ihrem Verwender die Welt zugänglicher zu machen.

Heute, da so viel geschrieben wird wie nie zuvor, verkommt mit der Form auch der Inhalt. Immer schneller wechseln die Erscheinungsweisen des Schwachsinns und immer ungeduldiger wird Kreativität angemahnt. Wobei Kreativität heute nur das beflissene Aufsuchen von Beispielen für den, vom wem auch immer diktierten, Stoff meint. Kein wirkliches Ausscheren wird geduldet. Um das Beispiel von Heinz von Foerster zu variieren:
3 x 2 darf weiterhin nicht „grün“ sein, doch die Antwort 3 x 2 = 2 x 3 würde man heute wohl durchgehen lassen. Sie ist so – gewohnt anders, vertraut gewitzt. Sie ist wie – Geldverdienen mit Kapitalismuskritik.
Man hat zu wählen: Kreativitätssimulation oder Rückschritt hin zu wirklicher Aneignung und persönlicher Eingemeindung des Bildungsgutes, was freilich meist fehlerfreie Reproduktion voraus setzt.

In der Katholischen Kirche beansprucht die fest stehende heilige Handlung ihren Vorrang vor der Homilie. Nicht wegen der Schriftauslegung durch den Priester solle man die Messe besuchen, sondern um die Kommunion zu empfangen.
Eines der vielen Dinge, die man schätzen kann bei den Katholiken: Sie haben verstanden, dass Kreativität überschätzt ist.

P.S.: Natürlich sind hohe Zugriffszahlen schmeichelhaft. Und doch: Nein, mir passen meine neuen alten Leser, die seit Tagen diesen Blog überschwemmen, überhaupt nicht. Sie kommen von sehr eindeutigen Google-Suchbegriffen, die viel mit „Hedonismus“, „Kommunismus“ und „antideutsch“ zu tun haben; kaum dass man mal Reklame für eine Demonstration macht, hat man die ganze Bagage wieder am Arsch.
Kurze Ansage: Das hier ist nicht eines eurer Heftchen, in denen ihr für die entfesselte Zivilisation, oder gar „den Kommunismus“ schwärmen könnt und in denen ihr so tun könnt, als ob nicht „Hedonismus“ die Welt verwüstet hätte! Wenn ihr euch für nichts anderes interessiert, als den immer gleichen Trash der ach so mondän-modernen Fanta-Zivilisation, dann könnt, ja sollt ihr hier fernbleiben. Es gibt ja noch viele schöne Ecken, die ihr zurichten könnt, mit eurem Elektropunk-Müll und den ungenießbaren Elaboraten linksszenischer Blödelstunden.

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