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Archive for Juli 2010

hält das Wort eines Linksradikalen, wenn es um Krieg und Frieden geht. Am 8.12.02 kündigt der wertkritische Publizist Robert Kurz seine Mitarbeit bei der „Jungle World“ wegen des dort herrschenden „Bellizismus´“ auf – „selbstverständlich definitiv„.
Am 29.07.10 erscheint dort sein Text „Robotik und Arbeit“. Von der Semantik des Wortes „definitiv“ einmal abgesehen: Die Blattlinie hat sich inzwischen mitnichten geändert. Noch mehr Queergedöns, noch mehr Konsum-Blödeleien – das war´s aber auch.

Wann dürfen wir Justus Wertmüller mit Palästinenser-Tuch, Jürgen Elsässer mit um den Leib geschlungener Israel-Fahne erleben? Wann wird Maria Mies BP-Krisenmanagerin und wann Herr Torsun clean?
Wann werden sie den Kommunismus Marktwirtschaft nennen und den Nationalsozialismus „Versuch einer besseren Gesellschaft“?

Ich warte. Doch überraschen können sie mich nicht mehr.

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Leute, die ihr Geld für gute Sachen ausgegeben haben, fühlen sich oft ärmer, unglücklicher, als relativ wohlhabende Knauser. Sie haben ja nichts – die schönen teuren Cafébesuche zählen plötzlich nicht mehr, sie sind ja nur Vergangenheit. Ihre Genüsse waren keine souveräne Verschwendung, nur Gedankenlosigkeit und Abneigung gegen das Rechnen. Das Unvermögen, Geld guten Gewissens nur als Mittel zu gebrauchen, also als das, was es sein will, führt dazu, dass sein Besitz oft mehr Verdruss bereitet, als Freude – denn ganz offensichtlich hat man den falschen Kauf getätigt, wenn man sich hinterher so schlecht fühlt, hat man versagt auch in seiner Konsumentenfunktion.

Der Geizhals kann jeden Tag x-mal seinen Kontostand abrufen und freut sich immer wieder. Er, der guten Gewissens das Geld in seinem Selbstverständnis missachtet, schätzt es erst wirklich – als Geld.

Eigenartig, dass es das Klischee genau umgekehrt sieht.

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Definitiv zu lange haben sie sich in der radikalen Linken aufgehalten, wenn sie in der Zeitung lesen: „Adorno verwüstet Kleinstadt“, wo doch nur mitgeteilt wurde: „Tornado verwüstet Kleinstadt“.

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Adressabilität

So nennt der Systemtheoretiker Peter Fuchs im Anschluss an die Luhmannsche Theorie das Infragekommen von „Menschen“ für Mitteilungen, ihre grundsätzliche Einbindungsfähigkeit in Kommunikationen. (Genau genommen werden nicht Menschen eingebunden, mit allem was zu ihnen gehört, sondern nur Kommunikationen, denn nur die kommunizieren. Autopoiesis: der Anschluss von Kommunikation an Kommunikation.)
In der Demenz geht Menschen ihre Teilnahmefähigkeit an Kommunikation zunehmend verloren. Erst schließen sie unpassend an vorangegangene Aussagen an, danach werden Äußerungen von ihnen nicht mehr als sinnbehaftet kenntlich, bis sie schließlich keine erkennbaren Mitteilungen mehr produzieren. In allen Stadien der Krankheit nerven Demente ungemein. Zunächst enttäuschen sie unsere Sinnerwartungen, dann stören sie durch die Produktion von „noise“ unseren normalen Ablauf, bis sie schließlich durch rein körperliche Anwesenheit und rein geistige Abwesenheit unsere volle Aufmerksamkeit verlangen, ohne diese Aufmerksamkeit durch Produktion von Kommunikationsunterschieden zu rechtfertigen.

Das Nervende: Sie geben nicht auf. Sie selbst (später dann: ihre Natur) verlangen nach – „Gesellschaftlichkeit“. (Gesellschaft systemtheoretisch hier verstanden als: Gesamtheit aller Kommunikationen. Gesellschaftlichkeit: Einbindung in Kommunikation.)
Ihre Äußerungen hin bis zur puren biologischen Existenz in den letzten Stadien der Krankheit drängen auf – Antwort. Wieder und wieder kommen sie an, fragen, schreien, rudern mit den Armen, werfen Tassen hinunter oder blinzeln nur etwas schneller mit den Augen, als sonst. Sie meinen immer – uns.
Soviel Energie sollten wir belohnen und sie unter allen Umständen
ihn ihrer Gesellschaftlichkeit bestätigen. Wir müssen antworten, auch wenn kaum mehr geantwortet werden kann. Das Maximalziel ist erreicht, wenn unser Gegenüber mit dem guten Gefühl eines gelungenen Kontakts weiter zieht bzw. zurück bleibt. Dieses gute Gefühl könnte sich speisen aus freudigen Reaktionen seines Gegenübers (also: unsererseits). Und es könnte auch sein, dass Demente ihre letzte Aufgabe auf Erden sehr gut spüren: uns das Engagement ihrer Einbindung zu erleichtern. Sie fühlen: Auch uns ist eine Kommunikation gelungen, wenn sie nach dem Vorsingen eines Liedes – lächeln.

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Mahlers Leitdifferenz heißt: übertreiben/untertreiben. Selten finden wir adäquate Ausdrücke in seiner Musik.
Der Triumph ist überdreht, leicht melancholische Naturszenen werden blitzschnell zu Traurigem und ebenso schnell zur Todessehnsucht. Seine Scherzi sind jedes für sich eine einzige Farce.
Oft haben sie die Drastik von Filmmusik – so wirkt das Scherzo in Mahlers III. wie die Illustration zu einem Märchenfilm (nicht: zu einem Märchen). Wir kennen die Effekte aus dem Film: den dunklen Wald, das Böse kommt, Flucht im Mondschein, Liebesschwüre am Balkon.

Auch auf der formalen Ebene ist die Leitdifferenz an der Arbeit: große Einfälle versacken, oder werden niedergemacht, Billigstes (Marschfetzen, Leierkastenmelodien) wird thematisch aufgeblasen und als Lösung eines verwickelten Geschehens präsentiert.

Doch es gibt eine Form, der Über-/Untertreibung selbst – adäquat ist: die Parodie.
Zusammen mit „zerbrechenden Formen“ und dem Drehen von Stimmungen „um 180°“ steht v.a. die Parodie für den Einsatz des Unernsten im Dienste eines anspruchsvollen, ernsten Ziels – der Lösung des Symphonieproblems an der Schwelle zur Moderne. Wenn die Form „Symphonie“ die Mahlerschen Strapazen nicht übersteht, dann, so ist klar, hat sie im 21. Jahrhundert nichts mehr verloren.

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Heutige jüngere bis mittelalte Leute sind oft vollkommen ungebremst, auf eine rücksichtslose, autistische Weise sich auslebend. Ihr weit ausladendes Agieren – Armrudern, Wedeln, Schubsen, betont heftiges Niesen – macht deutlich: Die Welt ist nur für mich da; andere Menschen werden maximal als sinnlos herum stehende Gegenstände wahrgenommen. Wie viele von unseren Selbstverwirklichern würden mit einem MG alles sie störende aus dem Weg mähen wollen? Sie bewegen sich so unzivilisiert wie Kämpfer einer Eliteeinheit auf unbekanntem Terrain. Nur lauter.
So brüllen sie Drogeriemärkte zusammen, als wären sie bei einer Techno-Disco – und doch argwöhne ich, dass eben sie es sind, die Ruhe und Gelassenheit anmahnen, wenn jemand in einer leidenschaftlichen Diskussion die Stimme hebt, wenn sie gewahr werden, dass es jemandem wirklich um eine Sache zu tun ist. Nur das permanente, hochgezogene Plärren ohne Stärkeunterschied in der Stimme, ein geistloses Plappern über dieses und jenes soll um sie sein.

Welcher Unterschied zum in sich ruhenden Bauernburschen vergangener Tage, zur gutmütigen Souveränität, mit der er sich sein Liedchen pfiff…

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Dass ich in diesem Blog meist unter-, selten übertreibe, belegt die gestrige „junge welt“.
Auch in meinem Artikel über den Luxuskommunisten Ronald M. Schernikau war dies wieder so.
Der – nachdem er jahrelang im Westen gelebt hat! – findet die DDR „sehr unterhaltsam“, seine Lieblingsgestalt in der Geschichte ist „lenin“ und die am meisten bewunderte militärische Leistung „die sicherung der grenze der ddr am 13. august 1961“.

Zwei einfache Fakten: Ernst Jünger vermisste am NS die Größe, den harten Zugriff, den Willen unpopulär zu sein – Schernikau kritisierte an der DDR die „gruselige(n) neubauviertel“ und „mißglückt(e)… dauerwellen“ der „jungmütter“.

Die spezifische Schlechtigkeit, Hundserbärmlichkeit eines Menschen, der sich von Peter Hacks (sie wissen schon: der abgedrehte Stalino-Dichterfürst mit dem Klassik-Sparren) für seine „Emigration“ in die DDR loben lässt, ist kaum zu überbieten.
Schernikau, der prügelnde und vergewaltigende Jugendwerkhofserzieher nicht kennen gelernt hat, der nicht wusste und auch nach 1989 nicht wissen wollte, was ein Stasi-Verhör bedeutet hat, der die wunderbar fortschrittliche Kultur des Menschen-Zerbrechens in der NVA nicht erfahren hat, der hüben die schwule Sub erkundete, während drüben die Stasi-Knäste überquollen – so einen Typ heute zu feiern, ist geschichtsvergessen, kalt gegen die Opfer der DDR.

Mir bleibt noch, Biermann abwandelnd, zu rufen: Ronald Arschloch.

Hier der Artikel in der „jungen welt“

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