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Archive for März 2011

sagen geknickt die, die merken, dass sie sich bei langfristigen Verpflichtungen finanziell verhoben haben und ein gutes Einkommen zur Deckung ihres speziellen Bedarfs nicht mehr ganz ausreicht. Man möge Mitleid, wenigstens Verständnis zeigen für ihre Probleme des gehobenen Lebenswandels. Fortlaufende Ratenzahlungen, gestiegene Benzinpreise, Öko-Aufschläge – die Anschaffung des Drittwagens oder der Zweitgarage ist dadurch akut gefährdet. Man ist so unfroh mit den eigenen Beinklötzen, dass man die zu ihrer Refinanzierung notwendigen Zuflüsse innerlich schon als Abgaben oder Strafgeld bucht. Geld gilt ihnen als Spaßgenerator, der eingesetzt werden könne, wenn alle anderen Lebensbedingungen, man weiß nicht wie, gesichert sind.
Müssen für´s tägliche Klein-Klein des großen Fußes etwas mehr Mittel aufgewendet werden, stellt sich schlechte Laune ein. Und flugs sind die „kleinen Leute“ zur Hand, diejenigen, „um die sich die Politiker sowieso nicht kümmern“ und die „auf das Auto nun einmal angewiesen sind“. Eine Gemeinheit sei das, „uns so zu schröpfen“.

Kosten, liebe Wohlstandsopfer, sind Preise, Preise, die ihr zur Aufrechterhaltung eures völlig irrsinnigen Konsums einst gerechtfertigt und also bezahlbar fandet. Für die Anschaffung eurer Telekom-Aktien, Eigenheime und ohrenbetäubenden Dreckschleudern kann niemand anderes, außer ihr selbst.
Wer solcherlei äußert, gilt als unerwachsen, als jemand, der die wirklichen Probleme des Lebens noch nicht kennen gelernt hat, der also gar nicht mitreden sollte, wenn´s ums Geld geht, unfähig, wirtschaftliche Zwangslagen nachzuvollziehen. Mitreden jedoch muss er wieder, wenn der Empathieteil eingeläutet wird. Hier gilt es, sich hinein zu versetzen in die von allzu relativer Armut Gebeutelten, auch wenn man selbst ca. ein Drittel ihres Einkommens zur Verfügung hat.

Mal gar nicht relativ: Gemessen am ökologischen Zerstörungspotenzial von 500 € pro Monat und Person ist unser aller Lohn entsetzlich hoch. Wer immer hier von „zivilisatorischen Standards“ schwafelt, ist nichts als obszön.

Bitte, liebe Konsumheinis, natürlich dürft ihr im Kapitalismus kaufen, kaufen, kaufen dass die Schwarte kracht.
Und klar ist auch, dass es nicht in meiner (oder der ähnlich regressiver Leute) Macht steht, die Marktwirtschaft plötzlich stationär werden zu lassen, das ist wahr. Von der Kapitallogik selbst ganz abgesehen, könnten entsprechende Bewegungen keinen Tag das ideologische Trommelfeuer der Neoliberalen („fortschrittsfeindlich!“), Adorniten („verkürzte Kapitalismuskritik!“) und Alt-Linken („kein Verzicht auf die ganze Bäckerei!“) aushalten.

Nur:- Jammert nicht auch noch, wenn jemand Geld sehen will.
Das wäre schön.

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Wo wollen Sie sitzen?
Hier, an der Spitze des Durchschnitts? Der erbärmlichste Platz überhaupt – dem, was sich von selbst bewegt, vorsitzen und diese Tätigkeit „aktiv gestalten“ nennen. Peinlich, den kann ich Ihnen gar nicht empfehlen.
Aber wie wäre es mit dem hier: Der Platz für den Verursacher einer Entwicklung? Oder noch besser: Der für die mutige Gegenwehr gegen das Verhängnis?
Und auch dieser hier hinten ist durchaus respektabel: Sie sehen nicht ganz so gut, können sich aber wunderbar hinter den mit dem geistlosen Vorankommen wohl Zufriedenen verstecken. Machen Sie da halt nicht so laut, sonst müssen Sie nach vorne.

Haben Sie sich entschieden?
Gut, dann kann auch ich wieder meinen Platz einnehmen.

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Mit diesem oder jenem Statement „möchte ich Eure Sensibilität für dieses Thema einfordern“ – das hat einen ähnlichen logischen Status wie die Aufforderung „Sei spontan!“, nämlich den eines Paradoxons (eines Paradoxons, nicht: eines Widerspruchs!). Wenn man der Aufforderung nachkommt, sabotiert man sie.
Sie wird geäußert von Leuten und für Leute, die sich vor anderen, nur durch ähnliche politische Vorstellungen mit einem selbst Verbundenen, über Inneres zu reden trauen. In diesem Zirkel sind Gefühle standardisiert, Ehrlichkeit und Reflexion so pseudo wie leidenschaftliche Ausbrüche kalkuliert.
Kein Wunder, dass ihnen Logik Repression ist und jeder gefundene Widerstand der Realität gleich ein gesellschaftlicher Widerspruch.
Das Einfordern von Sensibilität zielt lediglich auf die Einhaltung bestimmter Sprachregelungen. Der kritisch Angesprochene hatte sich allzu lebensweltlich, spontan geäußert und wird nun zurück gepfiffen von einem x-beliebigen Agenten der Gesamtlinken, demjenigen, der weiß, wann Sensibilität mit aller Härte durchzusetzen ist und der sie also – „einfordert“.

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Der Gedanke an Heimatboden und Verwurzelung ist nicht widerlegt und er hat sich auch nicht geschichtlich blamiert; er wird lediglich von der Globalisierung lächerlich gemacht. Was sie zu Recht als Hemmschuh erkannt hat, soll verschwinden – schnell und geräuschlos. Scholle und Ländlichkeit werden heute nur noch von verrückten Fortschrittslinken als faschistisch gebrandmarkt, bei allen Übrigen gelten sie – was schlimmer ist – als uncool und von vorgestern, zu nichts als zur Tempoverzögerung taugend.
Merkwürdig: Beim Wein schätzen die linken und die hardcore-liberalen Theoretiker-Parvenüs doch auch Boden, Erde und Herkunft – als Terroir.

Nichts soll sich dem Betrieb – Theorie, Geldverdienen, Weltrevolution – entgegenstellen dürfen. Althergebrachtes gehört weg gefegt, Tradition ist Repression, oder schlimmer: Ineffizienz.

Was sonst als Heimaterde könnte heute der Inhalt von Adornos Flaschenpost sein?

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Einigermaßen ungeduldig warte ich auf Forschungsergebnisse, die besagen, dass der Geschmack von Obst und Gemüse konventioneller Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten nicht schwächer, sondern im Gegenteil stärker geworden ist. Sie liegen vielleicht schon in den Schubladen der Fortschrittler dieses Landes und bei ihrem Auftauchen werden die ganzen neo-, post- und was weiß ich noch Linken auf ihren Sesselfurzer-Arsch plumpsen vor Begeisterung darüber, wie es die Wissenschaft den regressiven Bioladen-Fuzzis wieder einmal gegeben hat. Sie sind bereit, noch chemisch verseuchte Pappe zu fressen, wenn sie dadurch im Diskurs gegen die „erdverhafteten“ Heideggerianer ein paar Punkte auf der nach oben offenen Fortschrittsskala machen können.

Weil wir gerade dabei sind: Maxeiner, Miersch, sagen Sie mal, ist Radioaktivität überhaupt so schlimm? Könnte Radioaktivität nicht vielleicht die Ernährungsgrundlage der Zukunft werden? Ist in Japan ein Atomkraftwerk außer Kontrolle geraten? Gibt es dort überhaupt Atomkraftwerke? Gibt es Japan?
Räumen Sie halt mal auf mit den ganz und gar regressiven Bekenntnissen der Fortschrittsfeinde! Und scheuen Sie bei Ihrem Einsatz für den Fortschritt auch nicht die dickste Lüge, Sie sind ja auch sonst nicht zimperlich.

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Demente im Heim. Den ganzen Tag tappern sie durch die Gänge. Eine kaum nachvollziehbare Unruhe treibt sie und die Angst sitzt ihnen im Nacken, dass sie immer weniger zurechtkommen. Sie müssen sich wieder und wieder aufraffen, doch Wände stürzen auf sie ein, der Fußboden rutscht, Abgründe klaffen vor ihnen – expressionistische Malerei ist putzig dagegen. Warum merken sie nicht, dass ihnen im Stuhl oder auf dem Sofa die Ruhe sicher ist? Doch dort bleiben sie lediglich solange sitzen, bis die akute Erschöpfung vorbei ist – und weiter geht es in den nächsten Gang hinein.

Sie wollen so gerne etwas klein arbeiten (eine Distanz), an etwas mitwirken (Geländegewinn), sie wollen schaffen, „erwerben, um es zu besitzen“- doch der Geist steht ihnen kaum noch zur Verfügung. Es wäre eigentlich sein Job, die Anhäufung von Einheiten zu besorgen, auf dass es mit ihnen besser geht als ohne sie. So wie ein gesunder Mensch nicht nicht denken kann, so können viele Demenzkranke nicht nicht laufen. Also ackern sie – laufend. Und plappernd. Plappern ist die zweite Möglichkeit, einen laufenden Unterscheidungsstrom zu produzieren, ohne Geist gebrauchen zu müssen.

Nachtrag: Ab heute wird hier die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. verlinkt.
Schauen Sie sich doch bitte ihren wunderbaren Spot an:

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sin 1/2 + sin 1/2 = sin 1

Falsch, klar. Doch die obige Gleichung lässt uns auch schmunzeln, weil uns intuitiv anfällt, wie da irgendwer einem anderen, (noch) nicht Bewanderten, eine Falle stellen wollte. Wir „sehen“: 1/2 + 1/2 = 1. Und auch der Sinus hält sich ja auf allen Seiten durch, kein Cosinus hat sich darunter gemogelt oder gar fehlt irgendwo etwas – wohl alles in bester Ordnung. Das Argument nach dem atmosphärischen Eindruck: Stimmte die Gleichung, hätte der Sinus nichts zu tun. Das, was dem flüchtigen Blick als Sich-Durchhalten, somit als Symmetrie, somit als Harmonie vorkommt, wäre ja nichts anderes, als ein Null-Unterschied, d.h. eine „1“: 1*1/2 + 1*1/2 = 1*1. Das Sinus-Sein ist aber ein Unterschied (der einen Unterschied macht – Bateson) und nicht keiner. Also ist die angegebene Formel falsch.
Sind so viele Worte darüber hilfreich oder nicht?

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