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Archive for Juni 2011

Von Zeit zu Zeit wird mir bedeutet, es sei ja zuweilen ganz lustig, wie ich den Linken hinterherschimpfe und sicherlich, meistens hätte ich auch recht, doch nun ja, ein wenig peinlich sei es auch, sich so geradezu manisch wieder und wieder an seinem einstigen Milieu abzuarbeiten. Ob ich mich nicht mal substanziellen Sachen jenseits von subkulturellem Gezänk zuwenden wolle? Quasi erwachsen werden?

Nun steht im Untertitel dieses Blogs „Exit-Programm“. Hier wurde und wird weiterhin Psychotherapie betrieben – durch eine Selbsthilfegruppe mit nur einem Mitglied; hier wird solange weitergezetert, bis ich den ganzen Wahnsinn klein gearbeitet haben werde, der die radikale Linke für mich war. Ich denke, die zeitliche Ausdehnung und das Textaufkommen sind durchaus angemessen für einen Lebenslauf mit den Etappen: Studium der Betriebswirtschaft, Antifa, Wertkritik, neu-antideutscher Islamexperte…
Nicht wenige Leute kennen eine ähnliche Abfolge von Stationen – einst sollte sie im Kommunismus münden, doch sie sind an der Station „Ideologiearbeiter“ abgesprungen. Während der Zug auf den Abgrund zurast, wird am neuen Heimatort schon wieder radikal getönt – freilich etwas partizipatorisch-demokratisch-emanzipatorisch abgemildert – und auf die eingeredet, die das Allerneueste und nun wirklich Richtige noch nicht begriffen haben.
Niemals haben unsere Agitatoren etwas falsch gemacht – Heuchelei, Gesinnungslumperei so weit das Auge reicht. Es gibt für sie keine Eingeständnisse des Irrens – es gibt immer nur die Zeit, die sich geändert hat.

Übelzunehmen wäre nun wirklich unerwachsen. Aber noch kindischer wäre es, keine Folgerungen zu ziehen. Beispielsweise die, sich fürderhin durch kein radikales Getue gängeln zu lassen. Sämtliche Alternativlinken, die bei der Einführung des Handys wutschnaubend höhnten (die Wendung gegen telefonierende Leute lautete damals: „Ah, wieder einer der ‚wichtig‘ ist“), können heute keine technische Neuentwicklung auslassen. Alle, die dartun konnten, dass man Autos in der Stadt nicht brauche, haben nun eines, niemand der Chemieverächter von einst verzichtet heute auf Medikamente.

Einstweilen ist ein gutes Gegengift gegen solche Leute das unschlüssige Sich-Arrangieren. Lavieren im Dienste des Guten. Damit können es unsere 150%-igen, diejenigen, die gegen Staaten sind, solange sie nicht von einem bezahlt werden, die links sind, solange sie nicht in rechten think tanks arbeiten, überhaupt nicht aushalten.

In der Tat, das Problem ist nicht, dass Menschen ihre Meinung ändern – der Punkt ist: Sie ändern ihre Meinungen und behalten einzig die Attitüde des notorischen Recht-Habens bei. Ohne die Attraktivität solcher Attitüde wäre es für vernünftige Menschen bspw. unmöglich, in staatlich finanzierten Anti-Rassismus-Projekten die Umerziehung der Jugend ins Werk zu setzen. Nichts soll oberhalb der Tagesaktualität Bestand haben – nur das eigene Ich wird fingiert als immer schon allem adäquat.
Sich nicht erschüttern und erbittern zu lassen, nicht einzugestehen, wie grässlich falsch man mit seinem Engagement lag, keine 180°-Wendung zu vollziehen (von der man immer ahnen kann, dass man sie wieder bereuen wird), sich nicht angreifbar zu machen – all das ist nicht nur läppisch, kindisch, anmaßend, sondern auch trostlos gotteslästerlich. Schließlich ist nur SEINE Haltung zu den Dingen der Zeit zeitlos, weil ER sie schöpft und immer schon geschaffen hat…
Wir anderen alle müssen Lügner sein, wenn wir nicht gefehlt haben.

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Er nervt. Redet zu laut, zu schnell, zu insistierend.
Sie wird gemieden. Denn sie ist hinterhältig, patzig, widerspenstig.
Gerade dieses polternde Ekelpaket und diese unhöfliche Ziege brauchen unser Verständnis. Möglicherweise gehören diese beiden (und wer weiß das schon vorher?) tatsächlich zu jenen, die nicht anders können? Oder aber sie verhalten sich – ganz angemessen – fies zu einem grässlichen Gegenstand, den wir in seiner ganzen Scheußlichkeit nur noch nicht erkannt haben? Wie auch immer, wir tun gut daran, uns auf die beiden einzulassen. Ihr Leben lang sind sie, die so sensibel waren, das Üble des von ihnen Gehassten zu bemerken (im Gegensatz zu uns Abgebrühten), auf Abneigung gestoßen. Schließlich haben sie sich vollständig im Ekel eingerichtet und überziehen ihre Umgebung mit übelriechender Stimmung. Doch vielleicht findet sich ja jemand, der ihnen nicht Vorträge hält über ihre Änderungsbedürftigkeit, allgemeine Normen in zwischenmenschlichen Beziehungen, der sie verschont von Sprichwörtern („Was Du nicht willst, dass man Dir tu…“, „Wie man in den Wald hinein ruft…“) und statt dessen mit Liebe und immer schon gewährter Verzeihung dem Rauhbein vorlebt, was Liebenswürdigkeit vermag.
Sie sind auch (!) deformiert von ihrer Umgebung, die sie seit langem als Widerlinge behandelt. Sollten sie im Laufe der Zeit ihre Ausfälligkeiten weniger böse meinen, wird ihnen das ebensowenig gutgeschrieben, wie der Schlange im Trickfilm. Selbst wenn die mal auf der Seite der Guten hilft, kann sie nicht aus der für sie angepassten Haut. Sie muss wenigstens verschlagen quiekend sprechen.

Wenn die Widerwärtigen uns mögen, zeigen sie es dadurch, dass sie uns etwas weniger übel behandeln als sonst. Darüber sollten wir uns freuen. Schließlich sind wir stärker als sie.

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Leidenschaft(lichkeit), die heute von den Protagonisten radikaler politischer Meinungen – früher nur links, heute auch rechts – so gern eingefordert wird, ist nichts anderes als Unbarmherzigkeit gegen etwas, was einen in einer materiellen Position hält, die man im Moment nicht ändern kann. Es wird erklärt, man würde das, was einem kurz zuvor die Feindschaft erklärt hat, von Herzen hassen.
Keine große Leistung, ja geradezu erbärmlich, möchte ich da – ganz leidenschaftlich – rufen…

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Meine Güte, liebe Konservative, Rechtskatholiken, Preußenfans, müssen Sie wirklich in diesem Ton reden?
Wozu um Himmels Willen diese geopolitische Attitüde, dieses Feldherrengetue und das Liebäugeln mit dem Menschenverbrauch vergangener Schlachten, wenn es doch nichts anderes einzuschätzen gibt, als eine poplige Demo? Tun Sie doch nicht so, als ob auch nur die einfache Mehrheit in Ihren Reihen schießen könnte – Zivilisten sind Sie durch die Bank und Ernst Jünger lesen Sie, weil Sie sich dabei so schön gefährlich fühlen können.
Natürlich haben Sie meistens recht mit Ihrer Kritik an dem elenden Emogeschwurbel der linken Republik, natürlich ist es widerwärtig, gesellschaftlich die Schmerzvermeidung für alle als obersten Wert zu setzen. Sie aber, die Sie nichts zu verlieren haben, als Ihr „Sezessions“-Abo, sehen gar nicht ein, weshalb Sie sich in diejenigen hinein versetzen sollten, über die Sie disponieren; christliche Barmherzigkeit, Mitleid mit den Opfern einer von Ihnen formierten Gesellschaft passt Ihnen so wenig wie dem Linksextremisten die Uniform.
Sie planen lieber die großen Schlachten, denn Sie sind zu schwach für´s Durchwursteln.
Sie setzen nichts, aber auch gar nichts des eigenen Lebens aufs Spiel: Wenn man gegen die „Homo-Lobby“ wütet, macht man es – als Heterosexueller; wenn man gegen die Zuwanderung demonstriert, tut man´s als Alteingesessener.
Sicher, das alles ist legitimes Wahrnehmen eigener Interessen. Aber – ganz wie die linke Gegenseite – all das wird aufgeladen mit Menschheitsbeglückung. En passant wird Europa, gar das Abendland („in Christenhand“) mit gerettet – dabei hatte und hat man doch nur die sichere Umgebung für´s Eigenheim und gefüllte Supermarktregale im Sinn.
Ernst Jünger würde nicht einmal spucken auf Sie, nur maliziös lächeln.

Arbeitshypothese:
Nur von links lässt sich aus rechtem Denken was rechtes machen.

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„Systemüberwindung und Widerstand“ – der Wille zur Gewaltherrschaft kann recht unterschiedlichen Ausdruck finden, bspw.: so, so, so und auch so.
Die zukünftigen Tyrannen sind diejenigen, die in guten Zeiten darauf verweisen, dass die schlechten kommen werden (die jetzigen also gar nicht wirklich gut sein können, wenn sie in schlechten münden) und in schlechten darauf, dass man sich nur mal mit offenen Augen umschauen müsse, um das ganze Elend zu sehen. Sie treibt die Lust am Ausnahmezustand. Wenig Schöneres kennen sie, als Destabilisierung. Sie wollen es krachen lassen. Alles sei besser als der Status quo.

Unsere Systemüberwinder von rechts und links haben ihre Widersacher nicht in den Spiegelgestalten der Gegenseite, sondern in folgender Position:
Man müsse in guten Zeiten nur ehrlich die Wirklichkeit betrachten, um einzusehen, wie gut im Grunde die Welt eingerichtet sei, wohingegen die schlechten Zeiten nicht eigentlich schlecht sein können, wenn sie von sich aus (Gleichgewichtstheorie) wieder zu guten führen. Man müsse halt auch mal Pause vom Angenehmen machen – „alle Tage ist kein Sonntag, alle Tag´ gibt´s keinen Wein“. Arbeitslosigkeit wird irgendwann abgebaut. Das Weltklima pendelt sich nach einer gewissen (wenn auch längeren) Zeit wieder auf für Menschen erträgliches Maß ein. Kriege werden nicht nur geführt, sondern auch beendet.
All das findet man bspw. bei der „Achse des Guten“ oder im Wirtschaftsteil der FAZ – Lust an und Vertrauen auf Ruhe und Ordnung.

Ist nun Ordnung oder Ausnahmezustand das Problem? Offensichtlich ist weder alles schlecht, noch alles gut. Vielleicht liegt das Problem auch in der Lust? Die Unerschütterlichkeit, das unbedingte Festhalten, ohne die Lust eben keine Lust, sondern Behagen ist, verträgt sich hier u.U. schlecht mit ihrem Inhalt.

Wahrscheinlich verkraftet die Demokratie nur schwer Begeisterung, Liebe und Lust (die das ewige Darüberhinaus will) und viel besser das Sich-Abfinden. Ihr dient man besser nicht mit Feuer und Flamme, sondern unaufgeregt herum wurstelnd. Die Einrichtung des Herumwurstelns aber ist auf Dauer gestellt – in der Institution.

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Hat es Sie jemals gefreut, wenn jemand an Ihnen eine allgemein wenig beliebte Eigenschaft bemerkte? Und was, glauben Sie, lag Ihrer Freude zugrunde? Distinktionsgewinn unter Gutmenschen? Originalitätssucht?
Oder fühlten Sie sich durch diese Entdeckung nur ein wenig lebenskräftiger? Ahnten Sie, dass Sie von dieser Eigenschaft beschützt werden?

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Kennen Sie noch Else Kling aus der Lindenstrasse? Die notorisch neugierige, klatsch- und streitsüchtige Alte, die weder mit noch ohne ihre unzuverlässigen Hausbewohner konnte?

Die modernen Elsen sitzen heute bei „Gamma“, dem „antifaschistische(n) Newsflyer für Leipzig und Umgebung“. Ihr aktuelles Heft bringt einen Artikel über „Johnny, das trojanische Pferd“. Es geht da um Sebastian – genannt „Johnny“ – Ristau, einen Nazi, der – laut Blatt – das Wissen über seine Freunde dem Verfassungsschutz steckt. Der Artikel erklärt sich selbst für überflüssig, denn er beginnt damit, dass das Berichtete „kein Geheimnis“ sei und endet – sprachlich holprig – mit der Versicherung, dass man den Grund des Ganzen „nicht erraten (braucht)“.
Wie müsste die Haltung von Antifaschisten zum eigentlichen Tatbestand sein? Im Text wird über Werdegang, Aufenthalt, Outfit von Ristau berichtet, aber nichts vom Nutzen bzw. Nachteil von all dem für Antifaschisten bzw. Nazis. Vielmehr lässt der Artikel spüren, dass man es dem Verräterschwein von der Gegenseite einigermaßen krumm nimmt, wenn der, recht flexibel, von der Volksgemeinschaftsideologie des eigenen Haufens innerlich Abstand nimmt – und mal was ohne, wenn nicht gegen die Kameraden macht. Kein Wunder: Einzelgänger – denn „zu Veranstaltungen … fährt er am liebsten ganz alleine“.
Nein, so sieht der gewünschte Gegenpart nicht aus. Er ist wohl kein Gruppentier wie es die radikale Linke kennt und schätzt, ein brutaler Rassenkämpfer ist sicher nicht an ihm verloren gegangen. Johnny „agiert … zurückhaltend“. Weichei.

Ein Antifaschismus, der nicht klar als Gewinn verbuchen kann, wenn das diesbezügliche „anhaltende Interesse bei amtlichen Stellen“ befriedigt wird, sondern der die Quelle beschädigt, ist Teil des extremistischen Problems.
Wozu immer man „Gamma“ benutzt, mit Antifaschismus hat es nicht zu tun. Die Fotoqualität ist durchaus befriedigend. Wer hübsche Nazis gucken will, kommt diesmal auf seine Kosten.

Mit „Good bye, Johnny!“ endet der Artikel. Wie recht unsere „Gamma“-Leute haben:

Uns´re Fahne haben wir getragen
und mein Johnny trug sie uns voran …
Good bye, Johnny, Good bye, Johnny, warst mein bester Freund,
eines Tages, eines Tages
– mag´s im Himmel sein, mag´s beim Teufel sein –
sind wir wieder vereint.

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