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Archive for November 2011

nach der Mahler II. sich vor Jubel überschlagen, aber nicht an die Auferstehung glauben! Die hab´ ich gerne….
Ihr rennt auch gern in Dome und Kirchen, zeigt Euch schwer beeindruckt von prächtig illustrierten Bibeln und kichert fünf Minuten später schon wieder über die übrig gebliebenen Verrückten, die darin eine Substanz zu erkennen meinen, gar eine, die etwas von ihnen fordert.

Wenn ich kurz mal „realistisch“ werden darf: Ihr werdet zu Staub zerfallen, in die Mühle Eurer Evolutionsmaschinerie geraten und in alle Ewigkeit = auf Nimmerwiedersehen verschwinden. „Sterben werd´ ich, um zu leben“ … – nix da, reiner Aberglaube. Nichts, gar nichts wird Euch „zu Gott tragen“, denn den gibt es für Euch nicht. Euch Glaubenslosen scheint Euer Standort ja keineswegs so wichtig zu sein wie den geschätzten Atheisten ihr Standpunkt. Deshalb rufe ich ihn Euch noch einmal ins Gedächtnis: Ihr habt keinen Gott! Am Ende bleibt nichts, gar nichts übrig!
Die größten Anstrengungen der Menschheit, die schönsten Werke der Bildhauer und Musiker – für die Katz! Das Gute, Schöne, Große, Eure erste Liebe – ein Furz des Kosmos´.

Eure Schwärmerei für die Humanität beruht auf Etikettenschwindel: Die angestrengte Arbeit in Klöstern, die Schufterei auf Dom-Baustellen, das Abschreiben, Komponieren, Dichten bei eisiger Kälte und karger Kost, das Harren auf Erkenntnis in Einsiedeleien – all das soll nicht Gott gegolten haben, sondern irgendwie dem großen Ganzen der Menschheit. Irgendeiner Idee also, die wieder vergeht.

Jeder aufklärerische Atheist, der mit mir über die Gefährlichkeit (Homophobie, Frauenfeindlichkeit, Machtgier, Antisemitismus…) der katholischen Lehre streiten will, ist mir lieber als Ihr, die Ihr einfach kein Problem sehen wollt.

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Nein, schön ist das nicht: Mein Großvater, ein idealistischer Kommunist, in der HVA des MfS beschäftigt, liegt wie gewöhnlich, so auch am 26. Juni 1981 um 3 Uhr im Bett, in seiner Wohnung im Leipziger Süden. Nur wenige hundert Meter davon entfernt hört der damals schon ehemalige Stasi-Offizier Werner Teske in der Alfred-Kästner-Straße folgenden Satz: „Ihre Hinrichtung steht unmittelbar bevor“. Danach tritt ein Mann namens Hermann Lorenz dicht an ihn heran und schießt ihm aus nächster Nähe in den Kopf. Das letzte Todesurteil der DDR ist damit vollstreckt. Man hätte dies damals meinem Großvater nicht schildern können, ohne einen heftigen Wutausbruch seinerseits zu riskieren, der nur deswegen relativ schnell wieder abgeebbt wäre, weil eine solch aberwitzige Phantasie ja irgendwelche gesundheitlichen Störungen, mindestens aber ideologische Diversion durch den Gegner zur Ursache gehabt haben müsse, kurz: ich bräuchte eher Ruhe, ärztliche Aufmerksamkeit und vielleicht ein anderes gesellschaftliches Umfeld.

Wieviele Teilnehmer an einer Demonstration gegen das „Nationale Zentrum“ in der Odermann-Straße interessiert diese Geschichte? Wieviele von ihnen haben die Opfer des DDR-Systems nach ihren Erfahrungen befragt? Wievielen von ihnen ist meine Erfahrung dieser Zeit, von der sie „wissen“, dass man sie keinesfalls mit dem NS vergleichen dürfe, wichtig oder auch nur hörenswert?
Kurz: Wieviele von ihnen wollen das Gute und wieviele wollen sich gut fühlen?

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Die Kritik an der Personalisierung ist älter als die Wertkritik. Diese popularisierte den Gedanken: Die Kapitalisten sind auch nur Ausgeburt der ohne ihr bewusstes Mitwirken zustande gekommenen Verhältnisse, auch sie müssen aus ihrem Fetischgefängnis befreit werden. Das Copyright für diese Figur liegt bei einem der bekanntesten Kirchenväter: „Die Sünde hasse, den Sünder liebe!“. Die nicht-personalisierende Gewaltkritik hat in der Una Sancta immer gegolten – Liebt Eure Feine und dennoch: Bekämpft das Unrecht! (Dass dieser postulierte Anspruch oft nicht beachtet wurde, muss hier nicht diskutiert werden.)
Ganz rechts sieht man das ähnlich: Arne Schimmer von der NPD weiß gut zu unterscheiden zwischen dem System und den Einzelnen: „Die NPD ist sehr wohl bestrebt, politische Probleme auf eine politische Ebene zu heben und in ihrer Jugendarbeit deutlich zu machen, daß politisch motivierte Gewalt für uns keine Option ist. Konkret heruntergebrochen auf die Zuwanderungsfrage bedeutet dies, daß wir jungen Leuten deutlich machen, daß der Döner-Verkäufer um die Ecke weder unser Feind noch unser politischer Gegner ist, sondern daß wir uns gegen die völlig verfehlte Ausländerpolitik der politischen Eliten politisch wehren müssen.“

Kirche, NPD und der theorieaffine Linksradikalismus sind sich einig: Nicht der unrecht Handelnde ist das Problem, sondern die Tatsache, dass schlecht/böse/unangemessen gehandelt werden kann. Schafft durch Euer Beispiel die Möglichkeit dieses Tuns aus der Welt, bzw. entzieht ihm die Legitimation!, rufen sie uns zu.

Bei soviel Einigkeit kann ich kaum zurück stehen: Die Kritik des Kommunismus´ als eines menschenfeindlichen Systems darf nicht die Bekämpfung des einzelnen Kommunisten sein. Der ist nur Erscheinungsform utopischen, also falschen Denkens, nur Agent der Emanzipation, nicht diese selbst. Er ist in der Lage, durch Reflexion sich der Ideologie zu entwinden.

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Ich jogge gern zur Auslüftung des Kopfes. Weniges erfrischt vor oder nach der Arbeit so gründlich wie eine Runde im Park und die anschließende kalte Dusche.
Alle 1000 km benötige ich neue Laufschuhe. Die jetzigen sind von Nike. Sie sind bequem, sehen gut aus und scheinen einiges auszuhalten.
Oben jedoch haben sie nur ein fein durchlöchertes Stück Stoff – wie der ganze Mensch, soll auch der Fuß nicht atmungspassiv sein und so durch dauernde Frischluftzufuhr vor plötzlichem Abfaulen bewahrt werden. Na fein. Er hat zwar nichts, womit er atmen könnte, aber sei´s drum.
Meine Schuhe bewirken das nicht, was noch die unbequemsten Treter aller Zeiten gewährleisteten: Schutz vor Wind und Wetter. Dieses reaktionäre Überbleibsel ist abgeschafft. Meine Schuhe sind dafür gemacht, auf geraden, harten und trockenen Strecken bei Temperaturen von ca. 0 bis 40°C Erschütterungen auszugleichen. Für die Bedürfnisse von Leuten also, die keinerlei andere Erfahrungen, als die des zweckfreien Vorankommens machen wollen. Dies jedoch ist selbstverständlich keinerlei Einschränkung, für die sich irgendein Hersteller Verständnis heischend entschuldigen würde. Nein, dieser Mangel wird vom Kunden heutzutage gefordert, er kauft ja die Schmalspurigkeit des Gebrauchs mit einem Aufschlag als Produktoptimierung. Und zwar in einem Spezialgeschäft, in dem es zwar kaum eine größere Schuhauswahl, dafür aber sehr wohl Boxhandschuhe gibt.

Ich renne über eine regennasse Wiese und prompt weicht eiskaltes Wasser meine Strümpfe auf. Mir wird klar: Ich trage überhaupt keine Schuhe, sondern Spezialanfertigungen für eine Luxusbeschäftigung.
Bei soviel Erbärmlichkeit will ich wenigstens die Strafe genießen – frieren sollen meine Füße…

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Als Katholik soll man ja nicht zetern – aber Sie sind eine von Haus aus komplett verachtenswerte Lebensform. Doch wissen Sie, was das Schlimmste an Ihnen ist? Dieses Pseudo-Luftholen, nach dem Sie wieder einen echten Schenkelklopfer gegen den dummen George W., die unattraktive Angie oder die „Ganoven der Wallstreet“ losgelassen haben; Sie schnappen nach Luft als könnten Sie nicht anders und wollen doch nur die riesige Sportpalast-Pause auskosten. Nach etwas besonders Dummem verlangen Sie auch den größten Applaus, schon klar. In diese Pause hinein rufen Sie dann – hohe Schule! – möglicherweise noch: „Ja, wirklich!“, „Ist doch wahr!“ oder „Na, ist doch so!“. (Eine Auswahl aus dem Propagandakabinett: hier.) Dass Sie damit die Selbstbestätigungsfloskeln des von Ihnen so verachteten Stammtischs kopieren – Ihnen doch egal!
Ebenso verhält es sich mit den von Hildebrandt und Schneyder popularisierten unbeendeten Sätzen und dem gespielten Verhaspeln. Das Volk soll selbst auf den Trichter kommen und zur gerechten Tat schreiten. Nicht gezwungen soll es werden, die Exekution sprachlicher Logik durch eine Pointe soll die Richtigkeit der eigenen Sache fraglos stellen.
Sie haben lediglich schwer gescheit angedeutet, bloß dem Pöbel die Happen zum Fraß vorgelegt. Den Rest besorgt der „spontane Volkszorn“.
Die Kabarettisten sind der faschistische Impulsgeber der linken Republik.

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Im Altenheim. Frau R. ist mittelschwer dement. Sie buchstabiert eine Illustriertenüberschrift: Gran Ca-na-ri-a. Sie blickt mich an, zwickt mich gutmütig in die Wange und meint einigermaßen triumphierend: „Groß Kanarien“.
Ich staune und lobe sie erfreut: „Groß Kanarien, genau!“.
Frau R. reagiert abweisend.

Ich habe unpassend agiert. In ihrem früheren Leben war sie Kindergärtnerin; sie hat mich gerade belehrt. Es wäre an mir gewesen, nachzufragen und nicht über richtig/falsch zu befinden.

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Was sei denn heute noch Natur? Ist doch alles menschengemacht hier!
Die angebliche Buchenwald-Idylle, die knorrigen Eichen – Ergebnisse menschlicher Eingriffe. Lieblich duftende Deichgräser, sanfte Hügelchen, weidende Schafe – Hochwasserschutz und Landwirtschaftsindustrie. So unisono die Heimatschützer alten Schlags und die abgewichsten Lautsprecher des Fortschritts.
Nachdem diese und ihresgleichen wieder und wieder Natur diskreditiert und dann ganz real zerrüttet haben, soll es sie plötzlich gar nicht mehr geben. Und jene ergeben sich den Träumen an die gute alte Zeit, als es noch keine Computer gab und Jugendliche noch einen Sinn für die sprechende Natur hatten; doch heute sei ja sowieso alles herunter gekommen und dem Untergang geweiht.
Aus dem Blick gerät, dass Natur uns nach wie vor betrifft: Der Orgasmus – nur ein naturwissenschaftlich zu erhellendes Hormondurcheinander? Die Tränen bei ergreifender Musik – nichts als menschliche Projektionen von Schnickdibumm in irgendwelche Schwingungen hinein, groteske Missverständnisse?

Die Frage ist: Woran tobt sich denn dann heute die Landschaftsverschandelung aus, was ist das Material unguter, weil bedrückender, beengender Atmosphären?
These: Man wird im guten wie im bösen von Natur nicht mehr reden können, wenn man sich selbst (hier: das Betroffen-Sein des eigenen Leibes) aus der Erörterung ausschließt. Wie ich mich in Umgebungen befinde (dies erfahre ich durch eigenleibliches Spüren), ist nicht restlos auf etwas zurückführbar, was meinesgleichen gemacht hat. Es muss etwas hinzu kommen, was dadurch seine Qualität (bzw. darin sein Wesen) hat, dass es gegeben ist, ja sogar: geschenkt wurde.
Wer mag, kann sich über diesen Komplex in den Schriften von Hermann Schmitz und Gernot Böhme informieren.

Und weil ich gerade bei Empfehlungen bin:
Eine christlich geprägte Kritik am Szientismus vom atemberaubend klugen Philosophen Robert Spaemann können Sie in diesem Video erleben. Spaemann erklärt wunderbar klar und anschaulich die Probleme von Materialismus und Naturwissenschaftsgläubigkeit.
Im Interview fällt der Satz: „Das Normale hat einen normativen Status.“ Ich stimme zu, auch und gerade weil ich es nicht so schön sagen kann.

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