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Archive for Mai 2012

Sagen Sie mal, Mely Kiyak, trifft Sie sowas eigentlich? Die Profi-Migrantenschnepfe mit „extrem wenig Ahnung“ und unförmiger Brille um die große Meise, die da hinter Ihrer hübschen Stirn nistet, nicht auffallen zu lassen?
Eine, die Thilo Sarrazin eine „lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur“ genannt hat, die sich also der untersten Kategorie der NS-Euthanasiesprache bedient, kann man die noch beleidigen?
Selbstverständlich steht die linke Republik zu Ihnen – auch und gerade nach Ihrem wunderbaren Entschuldigungscoup: „Wenn ich den physiologischen Hintergrund gekannt hätte, hätte ich das Bild nicht gewählt. Ich bedauere das sehr!“ Das ist großartig. Wer also erkennbar anders spricht, nur schwer lachen kann und ein Auge halb zugekniffen hält, darf dann und genau dann in Nazimanier nicht beleidigt werden, wenn dies Folgen einer Tumoroperation sind. Handelt es sich um psychische Tics, angeborene Schäden oder Ergebnisse schlimmer Erfahrungen im Laufe eines Lebens, ist jemand, der in Migrations- und wirtschaftspolitischen Fragen mit Ihnen, Kiyak, nicht übereinstimmt, selbstverständlich immer noch eine „lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur“.

Als „flachgewichst“ beschimpften Sie übrigens einen Ihrer Leser, der ebenfalls mit Ihnen nicht einer Meinung war. Und diese Vokabel kennen wir aus der Schulhofsprache migrantischer Jugendlicher. Von denen und nur von denen beziehen Sie Ihre Vorstellungen von gesellschaftlicher Auseinandersetzung. Und deswegen „bedauere ich“ meine Formulierung in der Überschrift „sehr“. Sie, Kiyak, haben kein Format, Sie sind ja doch nur eine gewöhnliche Radauliese der linken Antira-Republik.

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Im Pflegeheim: Eine Bewohnerin, nennen wir sie Monika, noch jünger, nicht dement, aber offensichtlich mit geistiger Behinderung. Sie spricht laut aber nuschelnd, hat keinerlei Distanzgefühl, ist schwer neugierig, steht immer im Weg herum und bemüht sich erfolglos um das Image des Faktotums. Neulich sitzen die älteren Dementen im Garten in gemütlicher Runde. Eine Wiese weiter gießt Monika mit einer Gießkanne eine bestimmte Stelle auf der Wiese. Es ist sinnlos: Warum gießt sie nicht die Blumen? Warum schwenkt sie die Gießkanne nicht wenigstens, damit eine größere Rasenfläche Wasser bekommt? Die Dementenrunde kichert: „Schön machst du das, Monika. Ja, gieß´ fein! Da freut sich aber die Wiese!“. Sie wenden sich einander zu, verdrehen die Augen und fällen einhellig das Urteil: „Die ist ja plemplem.“ Zum Mittag werden die alten Leutchen wieder hoch gebracht, einige protestieren, schließlich wollen sie so kurz nach dem Aufstehen erst mal Frühstück, einige möchten ins Bett, es sei ja spät am Abend. Auch Monika geht essen. Ich sehe mir die Stelle im Rasen an, die Monika gegossen hat: Eine kleine Vogeltränke aus Ton ist dort eingelassen, zwar ein wenig von Gras überwachsen – doch ein Sperling hat sie entdeckt und tut sich gütlich an Monikas Wasser.

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Soviel Krise war selten. Demnächst fangen sie im Feuilleton an, über Profitmasse und Profitrate zu diskutieren. Sogar ein paar notorische Antifa-Schläger aus Berlin widmen ihr eine Zeitung.

Die Wertkritik, meine theoretische Heimat zu linksradikalen Zeiten, war damals lebensweltlich schwer vermittelbar. Ein paar Früh-Prekarisierte hatten Lunte gerochen und von denen wieder ein paar gingen zum Bücherlesen über. Ermutigt von ein paar wenigen Studenten und Hängengebliebenen, zu denen ich gehörte. Unser linksradikales Umfeld konnte herzlich wenig damit anfangen: Gut gepolstert von bildungsbürgerlichen Eltern, hin und her pendelnd zwischen einem hingeschlamperten Studium und diversen Lesekreisen konnte man von Krise wenig spüren. Jetzt aber ist das Studium irgendwie abgeschlossen oder abgebrochen – ein paar Leute retten sich in einschlägige Umerziehungsinstitute, ein paar trinken weiter im Glauben an eine respektable Karriere in der Politik-/Medien-/Kulturwissenschaft. Wieder andere werden Kunden der Agentur – aus Phlegma, nicht aus Widerstand. Und treten dort – nach den ersten unhöflichen Behandlungen – relativ schnell dem Gedanken an die finale Krise näher. Schadenfreude ist meine Sache nicht. Sie würde angesichts meines Lohnzettels auch von selbst verfliegen. Und zudem trifft mich peinlich die Erinnerung an eigene geistige Ausfälle und selten dumme Formulierungen – und da ist es kein Trost, dass ich nahezu der Einzige bin, der zugibt, damals vollständig falsch gelegen zu haben. All das, von dem wir annahmen, es hinge der Zusammenbruch daran (Wertmasse usw.), ist für das reale Leben der Menschen relativ gleichgültig. Und all das, was tatsächlich zunächst klein geschossen, danach vollständig verwirrt und schließlich abgeräumt wird, lässt sich kaum mit polit-ökonomischen Mitteln analysieren (bspw. die Stellung von Menschen zur Natur, die sie selbst sind und die Haltung zu Konsum und Verzicht).

Es wäre gut gewesen, wenn ich damals ein paar intelligente Argumente gegen die Kurzsche Krisentheorie gehört hätte. Leider waren nur Gemeinplätze im Angebot (immer wieder gern erinnere ich mich an den Spruch eines mit street creds nur so überhäuften Szene-Hansdampfs: „Börse ist zu 98% Psychologie.“).
Und immer, immer wieder die Leute, die „die Partei“ ersetzt haben und für´s „immer Recht“ haben zuständig sind: Thomas Ebermann bspw., linksradikales Urviech und Kasperkopp, dessen einzige Fähigkeit ist, eine Zeitung richtig herum zu halten und aus ihr mit Brummbär-Stimme vorzulesen. Solche Leute, die ihre Ignoranz als Standfestigkeit verkaufen, wird es immer geben. Klüger wird man durch sie nicht – nur verbohrt.
Die Griechenland-Krise lässt ganz links immer wieder die selben Bilder sehen: Alle fühlen sich bestätigt. Alle verweisen auf dieselben Nachrichten und niemand blickt durch. Nur Lautstärke und die Wucht des Auftretens eigener Anhänger beschert einem die süße Illusion eigener Relevanz. Revolution, Transformation, Aufhebung des Kapitalismus werden nicht kommen – die Linke hat ihre Schuldigkeit längst getan und dieses Land in eine antirassistisch-multikulturelle Konsumrepublik verwandelt, in der alles Abstruse erlaubt ist, sofern es vor „unser aller Wohlstand“ halt macht. Und das können Genderaktivist_innen und die Markenfetischisten der Antifa durchaus garantieren.

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Das fordert in ihrer sattsam bekannten Menschenfeindlichkeit die radikale und wohl auch die weniger radikale Linke in Erfurt. Darauf angesprochen, werden sie´s bestimmt „nicht personalisierend“ gemeint haben, sondern mehr im großen Ganzen, kein Rassismus und so, die Verhältnisse gehörten abgeschafft, der „rassistische Normalzustand“…
Und weiter geht´s zur nächsten Veranstaltung über „eliminatorischen“ (sic!) Antisemitismus. (Auch der hatte ja ein recht „kategorisches Programm der Abschaffungen“).
Zu allem Überfluss verkünden die Jusos – Jugendorganisation der SPD -, dass das SPD-Mitglied Thilo Sarrazin nicht ihr Genosse sei.

Hier bleibt festzuhalten:

1. „Abschaffen“ meint etwas vollkommen anderes als „eliminieren“.
2. Die Nennung eines Namens hat nichts mit Personalisierung zu tun.
3. Als Juso-Mitglied hat man selbstverständlich mit SPD-Mitgliedern nichts zu schaffen.

Wer anderes behauptet, ist undialektisch, latent rassistisch, wahrscheinlich rechtsoffen. Logik? Abschaffen!

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Meine Güte, was für eine Theorie:- Das identifizierende Denken beklagen und dann auf jeder dritten Seite „in Wahrheit“ schreiben! (Ist die mit dem Zeitkern gemeint? Also die, die irgendwann auch mal falsch ist?) Man führt die „Wirklichkeit“ im Munde, als hätte man direkten Draht zum Schöpfer. Was das falsche, was das wahre ist, ist seit Hegel keinem mehr so klar gewesen, wie den Frankfurter Meisterdialektikern. Angesprochen auf diesen recht robusten Zugriff auf die Realität, geben ihre heutigen Adepten zu, man selbst käme ja auch nicht aus dem identifizierenden Denken heraus („Denken heißt identifizieren.“) – müsse dies nur eben dialektisch gegen sich selbst wenden. Ach was. Darauf muss man erst einmal kommen: Wie man das Zugeben eines schlechten Gefühls in den Dienst vollendeter Hemmungslosigkeit beim Theoretisieren stellen kann. Dem bombastischen Wortgeklingel lässt sich bestenfalls der Ratschlag entnehmen, sich der Grenzen des eigenen Denkens bewusst zu sein. Das aber beherzigten die Klugen schon vorher. Und schlossen daraus, dass sich in dieser Welt „die Wahrheit“ wohl keinem ganz schenkt. Diese ganzen rhetorischen Verrenkungen, dieses Vorführen bizarrer Denkfiguren, die Selbstgeißelung darstellen, überdecken, dass Wahrheit die Erfindung eines Lügners ist (Heinz v. Foerster). Wahrheit allein führt zu Folterung und Massenmord. Wer nicht irrt, hat alles Recht, die Gegner müssen „dumm oder schlecht“ sein, wie der gar nicht mal so kluge Bertolt Brecht schreibt.

Doch was können wir tun? Wir Unsicheren?
Ich schlage vor: Geschichten erzählen und Vertrauen dadurch schaffen, dass unser Leben auf irgendwie menschenfreundliche Weise zu unseren Geschichten passt. In dieser Hinsicht brauchen wir auch die Wahrheit – als regulative Idee: Streben nach dem, was man als vernünftig und gut ansieht, was nicht Täuschung ist. So bleibt uns unbenommen, wenn Wahrheit und Barmherzigkeit wie so oft kollidieren, uns auf die Seite der Barmherzigkeit zu schlagen.
Gegen den Wahrheitsterror zu sein, heißt nicht, Bezüge auf eine (wie immer selbst konstruierte) Wirklichkeit mit Richtigkeitsunterstellung fürderhin zu unterlassen. Die Geschichten des Lebens werden erst dann richtig gut, wenn sich alle nach Kräften um das kümmern, was sie für Realität halten. Das totalitäre Gefasel vom „unwahren Ganzen“ überlassen wir den „ganz Anderen“.

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Demente strecken all ihre Sinne und ihre Aktivität nach uns aus und wollen eingebunden werden (dauerndes Fragen, Nachlaufen, lautliche Äußerungen, Anfassen, Blick auffangen). Dass für sie so etwas wie „wechselseitige Einleibung“ (Hermann Schmitz) nicht mehr selbstverständlich ist, wird gespürt. Und zwar als Angst, im Sinne eines gehinderten „Weg!“ (Schmitz). Wenigstens ist das in einer bestimmten Phase der Demenz so. Wir werden von Dementen quasi mit der Nase auf die Wichtigkeit des Mitteilungsaspekts gestoßen. Ihr Nachlaufen und ihr Weglaufen, ihr Schreien und demonstrativ scheinendes Verstummen, ihr dauerndes Fragen und ihre Geschäftigkeit sind Unterschiede, die einen Unterschied machen (Bateson) sollen – den nämlich, einem potenziellen Pol „solidarischer“ oder „antagonistischer Einleibung“ (wiederum Schmitz) aufzufallen.
Wahrscheinlich geht es nicht nur um „schaffen“ (als einer über Fremdes vermittelten Erfahrung) bzw. „klein arbeiten“, sondern oft auch schon um pure Selbsterfahrung. Auch höchst privates eigenleibliches Spüren scheint zu verkümmern, wenn allzu lange keine Form der Einleibung geglückt ist. (Selbst die Einleibung von Gegenständen ist für Demenzkranke ja nicht selbstverständlich.)
Das Verhalten von Demenzkranken dieser Phase ist kaum subtil, fast immer betont. Die Einschränkung von Sinneswahrnehmungen und kognitiver Fähigkeit scheint durch eine erhöhte Auszeichnung ihrer Individualität kompensiert werden zu sollen. Vielleicht verstärkt sich auf diese Weise die angelegte Lebensstimmung. Wenn der Sinn (ganz systemtheoretisch: die Beobachtung mittels der Differenz: Aktualität / Potenzialität) schwindet, bleibt das, was uns vor jeder Bewusstseinstätigkeit bleibt, das Spüren (und Spüren-Lassen, um zu spüren). Und wenn dies Spüren immer mehr eindampft, werden Menschen weiter und weiter in die Richtung „privativer Engung“ (erneut: Hermann Schmitz) gedrückt. Bis sie vielleicht in einem letzten Schreck vom Tod erfasst werden. Die Demenz zeigt uns, woher der Mensch seine Identität letztlich bezieht: vom eigenen Leib und dessen absoluter Erfahrung in primitiver Gegenwart (ein letztes Mal: Schmitz).

Die theoretische Ausarbeitung einer Leib-Phänomenologie findet sich in den Publikationen der Gesellschaft für Neue Phänomenologie; der Begründer der Theorie ist Hermann Schmitz.

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Wie viel Aufwand sie treiben für die ultimative Bequemlichkeit, wie hart sie arbeiten für eine kurze Weile Luxuskomfort. Vor mir im Überlandbus ein Mädchen, das für höchstens fünf Minuten perfekte Lage und optimalen Sonnenschutz durch den Vorhang den Rest der Fahrt damit beschäftigt ist, den Sitz zu verstellen, ihren Nebenmann bzgl. der Armlehnenbenutzung zu ermahnen, den Vorhang halb auf- und wieder zuzuziehen und seine Falten zu ordnen. Dabei wirft sie Dinge herunter, kraucht suchend auf dem Boden umher, findet sie wieder. Allerdings nur, um festzustellen, dass der Vorhang jetzt verschoben und der Sitz wieder verstellt ist. Und damit beginnt alles von vorn.

Höchstwahrscheinlich gibt es keinen Psychiater, der sich ihres offensichtlichen Problems annimmt. Die Spaßgesellschaft wird zur fahrigen Gesellschaft. An etwas so Banales wie zapplige Teenager hat Adorno sicher nicht bei „Fun ist ein Stahlbad“ gedacht, doch das Bestehen auf unbedingter Erfüllung, der Ungeist der Perfektion wird auch und gerade im Kleinen eingeübt. Nervöses Gekicher und dauernde Unlust, die daher rührt, dass man einsehen muss, dass dauernde Lust unmöglich ist, sind vorerst die Folgen. Später wird sie alles wollen und entweder von sich oder von anderen alles fordern.
Weite, Locker-Lassen, das Bewusstsein davon, dass es weder immer nur nach oben, noch immer nur nach unten gehen kann, dass Leben in der Bewegung zwischen Polen (des vitalen Antriebs, würde Hermann Schmitz hinzu fügen) statt findet – all das weiß die jüngere Generation immer weniger. Leben als „Action!“.

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