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Archive for Juni 2012

Der Kommunismus scheitert am Kreisverkehr. Die Menschen sind nicht erst überfordert mit der Regelung gesamtgesellschaftlicher Produktion und Verteilung. Es genügt, diese Mischung aus Dummheit, Überraschung und Frechheit am Kreisverkehr wahrzunehmen, um jegliche Hoffnung auf Ausgleich, Abstimmung, Rücksichtnahme fahren zu lassen. Sie wollen sich nicht damit belasten, wer wann blinken, wer wann warten muss und wer fahren darf. Im Zweifel fährt man selbst und hofft auf die Bremsen der anderen.

Sollten dennoch ein paar kommunistische Inseln entstehen, wird deren Bevölkerung allerdings recht bald ertrinken, wie schon einmal gezeigt.

Wir brauchen eine Gesellschaft, in der der Mensch im Mittelpunkt steht? Ja, wo steht er denn heute?! Von der „übermenschlichen“ Wissenschaft ist dem Menschen nicht nur der Kontakt, sondern schon der Blick zu allem ihn Übersteigenden (um nicht von Transzendenz reden zu müssen), verstellt worden. Er ist nun Maß aller Dinge geworden und verwüstet seitdem das, wovon er lebt.

Wer seine ausrangierten Möbel in die Natur wirft, verfolgt sein Bedürfnis nach angenehmem Wohnen; er hat es mit ihnen nicht mehr ausgehalten und entledigt sich ihrer. Die mit Emanzipation Befassten können damit schlicht kein Problem haben, sie müssten nämlich die Freiheit unseres Entsorgers böse beschneiden. Keine Frage: Er hat Wohnungskultur nie nötig gehabt, er würde besser in einer – meinetwegen beheizten – Höhle wohnen. Doch er hat sich selbst verwirklicht, die Dinge ohne Hilfe einer knechtenden Staatsmacht geregelt.
Wir spitzen zu: Der Mensch ist in genau dem Zeitpunkt ganz zu sich und seinen Bedürfnissen gekommen, in dem er wieder zum Tiere wird. Wenn keine höheren Mächte mehr „halluziniert“ werden, wenn „klar“ ist, dass es Gott mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht gibt, wenn Nationen und Geschlechter „Konstrukte“ sind und jede Einengung (= Formgebung im Sinne von Spencer Brown) zugunsten von Emanzipation und „Selbstbestimmung“ abgeschafft werden muss, dann tritt die Barbarei die Tür ein.

P.S.: Wir reden weiter für die Reform: Wem nach „Gutes tun“ zumute ist, der unterschreibt diese Petition gegen die Verschandelung des Leipziger Auwaldes durch Motorboote.

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Wir können Zimmer auf B(ed) & B(reakfast)-Basis mieten, in Jobs auf 400-€-Basis arbeiten. Man sagt den Bezug lieber dazu – in Zeiten, die keine natürlichen Bezüge mehr kennen.
Die Basis ist zwar Grundlage, Fundament, aber eben auch Ausgangspunkt, hinter den man nicht mehr zurück fallen kann und auch das, was einen zur Not auffangen muss. Wenn ein Politiker schon keinen Rückhalt in irgendwelchen Gremien auftreiben kann, sollte er wenigstens einen an der Basis haben. Doch deren Stimmung wechselt schnell: Was heute Basis ist, ist morgen Feind, übermorgen Mob. Wenn sich die Basis nicht mehr von selbst versteht, wird alles unsicher. Die Subjektkarikatur der Postmoderne kennt Funktionsmodi, nichts Selbstverständliches mehr. Jede Basis trägt einen Zeitindex.
Nach der new economy müssen wir erwähnen, dass wir lieber auf Lohnbasis arbeiten wollen, anstatt etwas „zu bewegen“, „neue Wege zu gehen“ oder „Probleme als Chancen zu begreifen“. Nach queer und Polyamorie erwähnt man besser, dass man auf Liebesbasis zu heiraten gedenkt. – Höchstwahrscheinlich wird man auf Ekelbasis sterben.

Off topic: Wer wie ich die wunderbaren Wasserarme des Leipziger Auwalds vor Lärm und Verschandelung durch Motorboote bewahren will, unterschreibt hier eine Petition. Weitersagen!

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Tod, Hass, Liebe

Tod: Du kannst nicht anders, als Dein Ergehen vom Anderen abzuhängen und ins ganz Andere einzuhängen.

Hass: Du suchst Dein Ergehen im Abhängen des Anderen.

Liebe: Du kannst nicht anders, als Dein Ergehen an das des Anderen zu hängen.

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In spät-postmodernen Zeiten gibt es mehr Comedians, denn gesellschaftlich werden auch noch die Reste des Unverfügbaren kontingent gesetzt, nahezu alles wird grundsätzlich denkbar. Auch Geringverdienern öffnet sich der Zugang zu extrem heterogenen Lebensplanungen (bzw.: er wird ihnen zugemutet), auch sie können jetzt den Duft der großen, weiten Postmoderne schnuppern. Die neuen Späße der Comedians bestehen lediglich aus noch selten gehörten Verknüpfungen von bis vor kurzem als unverknüpfbar geltenden Sachverhalten. Das alte Kabarett war aufs Rechthaben abonniert und wird folglich heute nur noch von Leuten konsumiert, denen es aufs Rechthaben ankommt. Auch wenn seine Themen und Durchführungen entsetzlich (dumm, geschmacklos, peinlich) sind:- Diese Schnarchnasigkeit hat auch etwas sympathisch Reaktionäres. Diese Leute machen sich Gedanken um Politik und können sich dabei richtig erregen. Putzig findet das der abgeklärte Geldmensch und nimmt seinen Wohlstand zur Rechtfertigung eigener Bornierung.
Das aber, was Kabarettist und klassischer Humorist nicht leisten können, bietet uns der Comedian. Seine nahezu einzige Methode ist die Selbstreferenz – es gäbe ihn ohne die elektronischen Medien und ihre Pseudo-Nachrichten nicht.
Selten kann man so deutlich sehen, dass die Weise, in der sich Gesellschaft heutzutage selbst beschreibt, vollständig auf eine Beobachtung zweiter Ordnung (eine Beobachtung von Beobachtungen) gegründet wurde. (So ein Befund der soziologischen Systemtheorie.) Fragen nach der Realität, der inneren Stimmigkeit von Sachverhalten, nach Teleologien gar, müssen nicht mehr mit theoretischem Aufwand beseitigt werden. Der Comedian gibt immer mehr von dem, was sich um diese gruppierte, zum Abschuss frei. So wertfrei wie möglich formuliert: Er trainiert mit uns das Zurechtkommen ohne Vorgegebenes, Umgreifendes (Jaspers), Unhinterfragtes. Er will ja nur spielen. Und gleich morgen probieren wir alle aus, wie das in Wirklichkeit ist, nicht von einer Wirklichkeit auszugehen.

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Und trotzdem komisch: Bad-Taste-Parties werden – gegen die Intention der Veranstalter – meist von Leuten mit schlechtem Geschmack besucht; andererseits sind die Liebhaber von Retro-Diskos meist Fortschrittler, in jedem Fall Leute ohne irgendein gestörtes Verhältnis zur unmittelbaren Gegenwart. Solange sie eine wohldefinierte Zeit des Tages von ihr ausruhen können.
Im wirklichen Leben lesen die gebildeten unter unseren Disco-Mäusen mausetote Theorien und hören wild sein sollende Musik stumpfsinnigster Tonalität.
Wiederum predigen konservative Philosophen und Soziologen, dass es gilt, Anschluss zu finden an avancierte Theorieentwicklungen, die Erkenntnisse moderner Naturwissenschaft mit aufnehmen und sie hören Kunstmusik, die die Tonalität schon lange hinter sich gelassen hat.

Wollen wir eine Heuristik daraus machen: Die wenigsten scheinen bereit, sich nur mit dem abzugeben, was sie für grundsätzlich richtig halten. Links werden dann „Widersprüche ausgehalten“, rechts findet man sich mit dem Weltlauf ab, fügt sich in den Betrieb des Fortschritts. Im ersten Fall werden Abweichungen jedoch idealisiert, im zweiten anthropologisiert.

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Wer Volksmusik hört, hat höchstwahrscheinlich recht erwachsene Probleme. Er ist ausgelastet mit der Fahrt auf den rutschigen und dreckigen Bahnen des Lebens und genießt jeden Unterwegshalt in noch so kargem Gelände.
Trägt man noch als Erwachsener die „Minima moralia“ vor sich her, scheint man einigermaßen unterbeschäftigt, psychisch belastet, vielleicht retardiert zu sein. Schließlich ist das ein Buch für Jugendliche. Als Pubertierender aus intellektuellem Milieu benötigt man für das Leiden an der Welt eine kräftig sprudelnde Verhängnis-Quelle. Man hat ja sonst alles – reiche Eltern, jugendliche Kraft, frisches Aussehen und viel Freizeit. Später wird all das vom Weltlauf konsumiert, um nicht zu sagen: kassiert.

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