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Archive for Juli 2012

Es versteht sich nicht von selbst, in all seinen sozialen Vollzügen einzukalkulieren, dass es Zu- und Abneigungen zwischen Menschen gibt. In der funktional differenzierten Gesellschaft lässt sich von Rollen nicht mehr absehen. Kommunikationen docken an wohl definierten Schnittstellen an, rufen Verarbeitung in einer black box hervor und die Ergebnisse werden an ebenso wohl definierten Schnittstellen wieder zurückgeliefert. Rollen werden dann und nur dann benötigt, wenn das Gegenüber nicht mehr als solches, in seiner ganz persönlichen Eigenart, in Betracht kommt. Für den Umgang mit Zu- oder Abneigungen als Atmosphärischem (im Sinne von Gernot Böhme: Bezug von Umgebungsqualitäten auf das Befinden) am Menschen ist eine Stelle in der modernen Gesellschaft ausdifferenziert – das Intimsystem.
Betreuungsberufe müssen mit dem Paradox zurecht kommen, dass ihre Rolle darin besteht, nicht rollengebunden zu kommunizieren. (Das ist weit mehr, als nur vorzuspiegeln, es ginge den Betreuern ums Intime.) Für die Behandlung dieses Paradoxes, hat Peter Fuchs das Konzept der Amicalität entwickelt:

… daß Freundschaft wie die Liebe nicht verlangbar und nicht bezahlbar ist. Amicalität soll aber genau eine Verlangbarkeit bezeichnen, die auf der Basis von Gehaltszahlungen (sozusagen als
Merkmal des Stellenprofils) ermöglicht wird. Ebendies, die Transformation von Unverlangbarkeiten in amicale Verlangbarkeiten, ist der Ansatzpunkt einer Professionsethik für Inklusionssysteme.

Die Systemtheorie mag mit der Behandlung von Paradoxa (Stichwort: Form) kein Problem haben. Doch die Praxis hat nun mal eins: Wie gut kann die Lieferung sein, wenn das Geld im Hinterkopf spukt, wenn der zu Betreuende selbst so gar keine sympathischen Qualitäten mitbringt, wenn das eigene amicale Angebot immer wieder zurück gewiesen wird?
Jede Hure kennt ein paar Kunden, die „nur reden“ wollen – aber die kommen wenigstens freiwillig und müssen von ihr nicht zwangsbeglückt werden.

Die Produktion der Betreuungsberufe liegt im zielgenauen Bereitstellen von Emotionen, ja weiter: im Schaffen zuträglicher Atmosphären (bspw. leiblichen Behagens). Kann es überhaupt gut gehen, wenn wir gegen Geld Leistungen verrichten, die nur dann als vollgültig anerkannt werden, wenn sie nicht gegen Geld erlangt wurden?

Sind wir bloß Nutten, oder gar die Drückerkolonne der Amicalität?

***

Ich verabschiede mich in die Urlaubspause. Etwa Mitte August geht es hier weiter. Einen schönen Sommer der Freundin und dem Gegner!

Böhme, Gernot: Atmosphäre, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1995

Fuchs, Peter: Inklusionssysteme: Vorbereitende Überlegungen zu einer Ethik der Amicalität

Schmitz, Hermann: Der Leib, De Gruyter, Berlin/Boston, 2011 (s. dort besonders: 89 ff.)

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fragt die Initiative gegen jeden Extremismusbegriff (INEX).

Heute antworten für Sie Josef Schüßlburner und Hans-Helmuth Knütter.
Ich überlasse es dem Antifarecherche-Trieb der Gruppe, herauszubekommen, wer die beiden sind:

… einseitige Darstellungsweise der amtlichen VS-Berichte wird durch den bei amtlicher Verwendung rechtsstaatswidrigen Begriff des „Extremismus“ herbeigeführt, der vermittels seines primär gegen politische Ideologien gerichteten Charakters unterstellt, daß etablierte politische Kräfte aufgrund ihrer weltanschaulichen Position, die stillschweigend von Staats wegen als gut und positiv eingestuft wird, von vornherein nicht verfassungsfeindlich sein können.

(Quelle: Sezession im Netz)

INEX fasst zusammen: Erlaubt ist, was nicht stört.

Fragen Sie doch die Gruppenmitglieder gelegentlich nach ihren neuen Gewährsleuten.

Was ist falsch am Extremismusbegriff? Ja, was eigentlich?!

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so, Heitmeyer, fragten Sie in einem Materialienband gegen Rechtsextremismus.

Wir wollen nicht so flapsig sein und die erstbeste gültige Antwort geben: Damit wenigstens nicht von Leuten wie Ihnen erfolgreich darüber verfügt wird, welche Interessen Menschen zu haben haben. Denn dass Sie so etwas nur von Leuten fragen, die Ihren, Heitmeyers, Interessen, zuwider handeln und eben so gar nicht von ihr Leben verpfuschenden Drogenpunks, von der Masse alkoholseliger linker Biertischstrategen und Identitätskritiker, die vor lauter queering schon nicht mehr wissen, wo oben und unten ist, das, Heitmeyer, liegt ja auf der Hand. So lange sich alle einordnen in die friedlich-bunte-phantasievolle Multikulti-Republik, ist alles geritzt. Da will ja niemand ausbrechen aus dem crazy tolerance-camp.
Wie gesagt: So wollen wir nicht antworten.

Wir wollen die richtige Antwort geben: Weil sie an etwas Höheres glauben, als ihr eigenes Interesse. Wie immer problematisch jenes auch ist. Leute wie Sie, Repräsentanten der linken Republik, können so etwas nicht begreifen, natürlich nicht. Schließlich kommen Sie wunderbar damit zurecht, die Übernahme der Gestehungskosten Ihres guten Lebens anderen, schlichten Gemütern als moralische Pflicht anzudrehen.

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1. Wie die Abdankung Thilo Sarrazins als Bundesbankvorstand mit dem wieder erstarkenden deutschen Nationalismus zusammenhängt,

2. welchen Einfluss die erstarkende rassistische Alltagskultur, der Extremismus der Mitte in Deutschland auf die Gestaltung der Trauerfeier (einschließlich der Wortwahl der Kanzlerin) für die Opfer der NSU-Morde geübt hat,

3. worin genau der humanistische Impetus (um von Antifaschismus nicht zu reden) von Mely Kiyak bestand, als sie Thilo Sarrazin eine “lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur” nannte und ein Foto der Berliner Piraten so beschrieb: „Das Bild war eine Ansammlung von zotteligen Typen. Schwammige Figuren, ungesunder Teint, hässlich, mein Gott, da ist ja nix dabei! Man roch die vermieften T-Shirts regelrecht.“ (Nein, liebe Frau Kiyak, Sie wären nicht wegen „Sexismus“ aus der linken Szenehöhle geflogen – mit Ihrem Namen wäre Ihnen der Kanakenbonus regelrecht aufgedrängt worden.),

4. warum die Dummen nicht alle werden und ständig mehr Scharfsinn auf die Begründung des Abscheulichen aufgewandt wird.

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Griechenland muss weniger sparen. Mit dem Sparen hat es zwar noch gar nicht angefangen, doch was macht das schon. Vom wahrscheinlich schon völlig demoralisierten Jörg Asmussen wird hinzugefügt: Die erhofften Erleichterungen dürften nicht zur Abweichung von den „grundsätzlichen Zielen“ führen.
Ach was?!
Ich für meinen Teil weiche von meinem „grundsätzlichen Ziel“, Tennō von Japan zu werden, nicht ab. Nun ja, ich möchte in Deutschland bleiben, habe mit Japan nichts am Hut und werde wohl auch nicht ganz unkompliziert in die kaiserliche Familie der japanischen Erbmonarchie aufgenommen werden. Doch das Ziel bleibt. Ich werde mich anstrengen. Versprochen.

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