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Archive for März 2013

Nichts stößt auch gutwilligen, intelligenten Lesern dieses Blogs so auf wie die Rede von der „linken Republik“. Mehr oder weniger deutlich wird mir gesagt, dass ich hier, bei evtl. vorhandener Stimmigkeit beschriebener Details, doch über´s Ziel hinaus geschossen hätte. Deutschland – von Linken beherrscht? Oder soll gar behauptet werden, alle würden oder seien – Linke? Und schließlich: Was ist mit der Ausländerfeindlichkeit in ostdeutschen Dörfern? Sei die etwa Ausdruck eines linken Antirassismus´? Mitnichten.

Wir beginnen heute, wie so oft, mit einer Binsenweisheit: Links gibt es nur mit Rechts zusammen. Man muss den Differenzenkalkül von Spencer Brown nicht studiert haben, um das einzusehen.
Nun können wir die Differenz durch das Beibringen von Indizien entfalten: In den letzten 10 Jahren hat sich kein einziges konservatives Thema durchgesetzt: Energiewende, Homo-Ehe, Multi-Kulti und Dialog der Kulturen, Agenda 2010 als Integrationsprojekt für Unterschichten, Finanztransaktionssteuer, Gender mainstreaming, Managergehälter…
Nirgendwo ist die vereinigte Linke gescheitert. Der Weg in die totale Gleichheit bis hin zur Aufweichung der Währung ist längst beschritten.
Man kann diese Diagnose treffen unabhängig davon, wo die eigenen politischen Präferenzen liegen. Ich bspw. wäre der Letzte, der nicht zugeben würde, dass ihm einiges in dieser Aufzählung sehr gut passt.

Nein, der NSU ist kein Gegenargument.
Auch die Rechten werden links. Der Sympathisantensumpf des NSU betreibt Selbstverwirklichung, Party, frönt der Zerstörungslust im Schutze der Nacht; Anarchie, Grenzverwischung allerorten.
Im Sinne eines verquasten Verständnisses von Volk und Nation werden alle Autoritäten (erzieherische, rechtliche, polizeiliche) lachend verachtet. Nicht nur in den angestammten Revieren der Herrschaftsfreiheit ist man gegen – Zwänge.

Wenn rechtsradikale Gewalttäter heute linken Sozialarbeiterslang sprechen und ihre Taten schwer existenzialistisch in die Nähe ultimativer Selbstbestimmung rücken, dann hat hier ganz offensichtlich nicht der Nazi-Opa mit schnarrender Stimme gesiegt, der dem Enkel den blonden Scheitel nochmal mit Spucke befestigt. Wenn die anabolika-dicken Ostzonenjungs und ihre breitmöpsigen Schneckchen im HipHop-Ningelsound darüber klagen, wie groß die soziale Kälte hierzulande sei, dann hat das mit „rechts“ nun einmal nichts zu tun. Ein ganzes Land dudelt wohlfrisierten AntiRa-Punkrock – und nichts wird besser, menschenfreundlicher.

Wieder und wieder höre ich: Das sei doch nur die Form, die Nazis hätten sich all das eben camouflagemäßig angeeignet, ihre Ideologie sei nach wie vor Ausgrenzung und Vernichtung. Wenn die Antifa sprüht: „Wir kriegen euch alle“ und auch gleich dazu sagt, was sie, nachdem sie die Bösen gekriegt hat, mit ihnen zu tun gedenkt: „Unser Sport – Nazimord“, dann gilt das dieser Republik als Dummerjungen-Streich, dann kann man beim besten Willen Ideologie nicht entdecken. Ausgrenzung, Vernichtung? Na, wer wird denn gleich…
Ja, was um Himmels willen soll denn der Inhalt dieses NSU sein? Traut man denn bspw. den zugepiercten, nicht wirklich durchalphabetisierten Freien Kräften allen Ernstes zu, eine Volksgemeinschaft mit Disziplin, Autorität, harter Arbeit, Blut und Boden, „deutscher Mutterschaft“ usw. usf. zu schaffen? Traut man ihnen auch nur – Landwirtschaft zu? Und wer jetzt mit ihrer körperlichen Gefährlichkeit kommt: Alle Kriminellen sind gefährlich. Und als solche sollten sie bekämpft werden, nicht als Monster irgendeiner Vergangenheit. Die scheitern doch daran, sich ihr eigenes Essen zu kochen! Sie sind zur Volksgemeinschaft so unfähig wie linke Lesekreisler zum Kommunismus! Wenn die Leistungen kapitalistischer Globalisierung (McDonalds, Fertigpizza, Red Bull, Unterhaltungselektronik), die man hüben und drüben so wortreich verabscheut, spärlicher tröpfeln, gehen die doch alle in die Knie und bauen eben keine schwer arische Selbstversorgung mit eigener Viehhaltung auf. Sie werden sich mit den lokalen Punks verbünden, Supermärkte plündern, die nächste Woche verschlafen und darauf hoffen, dass in der kommenden irgendjemand wieder irgend etwas herstellt. Meine Güte!

Vielleicht können sich einige meiner Kritiker mit mir so einigen: Nicht die Linken haben gesiegt, auch nicht die Linke, wohl aber: das Linke. Und zwar flächendeckend = total = auf ganzer Linie.
Wer heute vernünftig links sein will, sollte sich bemühen, nicht dadurch zu verblöden, dass seine Umgebung ihn immer schon versteht. Er sollte Ausschau halten nach substanziellen Widersprüchen. Technik: All das, was zweifellos gerecht und humanistisch ist, in Frage zu stellen und sich dann an die Widerlegung der Gegenargumente zu machen.
Ein Beispiel: Gehört eine erkämpfte Lohnerhöhung von 5 +x % bei einer Inflationsrate von 1,8% auf die Seite linker Emanzipation oder auf die Seite des liberal- bzw. rechtskonservativen „Weiter so“? Aufgabenstellung: Bringe je vier Gründe pro und contra bei und wichte sie gegeneinander! Gehe insbesondere auf die Komplexe „Dritte Welt“ und „Ökologie“ ein!
Eine solche Erörterung wäre allerdings substanzieller als alles, was auf den ideologischen Verschiebebahnhöfen dieses Landes bereit gestellt wird.

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Da wird ein junger Deutscher von einer türkischen Gang ins Koma getreten.
Was veranstaltet der Ort Kirchweyhe, in dem das geschehen ist? Eine Mahnwache im Stil der üblichen Gegen-Rechts-Veranstaltungen – „Weyhe ist bunt, nicht braun“; es fehlt auch nicht der übliche Emo-Trash, den diese Betroffenheitsbagage so liebt – es wird mit bunten Zetteln gewedelt. Ein runder Tisch gegen Rechts steht kurz vor der Einberufung.
Das ist auf eine Weise schäbig, dass einem die Spucke wegbleibt. Ein ganz unpolitischer Mann ist Opfer der geballten Pöbelwut migrantischer Jungmänner geworden – nein, die Herkunft ist nicht unerheblich. Der Zusammenhalt dieser Meute (Leute herbei telefonieren, mit Brüdern und Cousins drohen, rabiat raumnehmend auftreten, immer mit der selben Masche provozieren) trägt ethnischen Stolz gegen Opferdeutsche selbstbewusst zur Schau. Die Täter wollen ethnisch wahrgenommen werden – u.a. deswegen verhalten sie sich so.

In den Pressemeldungen wird penetrant die Streitschlichterhaltung des Getöteten betont – so, als hätte eine Art Streitschlichterfeindlichkeit auf der Gegenseite geherrscht.
Die linke Republik, die sonst alles und jeden politisiert, der ihr nicht in den Kram passt, macht auf klare Sachte. Tragisch, tragisch das alles, aber nur ja jetzt nichts den Rechten überlassen.
Man stelle sich vor: Eine Horde ostdeutscher Widerlinge mit Kurzhaarfrisuren, in Thor-Steinar-Klamotten und schweren Schuhen pöbelt in einer Straßenbahn einen Menschen dunkler Hautfarbe an. Nach kurzem Wortgefecht wird der Mann zusammengeschlagen. Die Horde zieht jolend ab. Naziparolen werden nicht gerufen.
Ist auch nur denkbar, dass hinterher von tragischem Zwischenfall gesprochen und wieder und wieder ermahnt würde, die Tat nur ja nicht zu politisieren, schließlich hätte es ja jedem passieren können; auf keinen Fall sei zu verallgemeinern oder auch von einem bestimmten Kleidungsstil auf irgendeine Gesinnung zu schließen?

In Kirchweyhe ist das Gedenken „still“, ein Zeichen gegen Gewalt soll gesetzt werden. Von Wut und Trauer, gar Widerstand wird nicht die Rede sein. Die werden nur mobilisiert, wenn es gegen Drecksdeutsche geht, Opfer eben…

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schrieb ein Lakai des Realsozialismus‘ über den, der seiner Meinung nach „das Leben beleidigt“.
Natürlich wusste er genau, wer das ist, der da das Leben beleidigt, er wusste genau, worin die Beleidigung des Lebens besteht und er hat keine Sekunde über die theologische Anmaßung nachgedacht, die in einer solchen Diagnose steckt.

Vor allem Angehörige der mittelalten Generation gehen in dermaßen rigider Weise auf die Welt los, dass man oft schlottert vor Angst.
„Da habe ich gar keine Lust drauf“, maulen uns die Totalitären zu, wenn wir uns wieder einmal abweichend verhalten haben. Sie gedenken nicht, irgend etwas zu begründen, patzig wird unser Ansinnen abgewiesen.
Manchmal kommt es mir so vor, als gäbe es in der Altersklasse 50 – 60 Jahre nahezu kein Kontingenz-Bewusstsein. Dass nicht sein kann, was nicht sein darf, ist bei Morgenstern eine hübsche Volte gegen den Idealismus. Unseren saturierten Zivilisationsfreunden, die immer wissen, „wie es gemacht wird“, wird sie zum Wunsch nach Eliminierung; mit Ignoranz des „Dummen“ oder „Schlechten“ möchten sie sich nicht zufrieden geben.
Demnächst werfen sie Demenzkranke wegen Entwicklungsstörungen und kognitiver Defizite aus den Heimen: „Sie passen wirklich nicht zu uns“.

Wer die Diagnose „dumm“ bekommt, weil er irgendeine gerade im Schwange seiende Meinung über Gesellschaft, Kunst, Politik nicht teilt, der muss befürchten, dass seine Therapie im Umerziehungslager stattfindet.

Wer „schlecht“ ist, muss beseitigt werden.

„Genossen, es bleibe dabei!“

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Junge hübsche Punks, geschlechtlich nicht geradezu überbestimmt, die auf das Cover jedes neumodischen Hochglanzmagazins passen. Weder Schulschwänzer, noch Arbeitsbummelanten, nein: Studienanfänger. Recht bald wird etwas mit Medien gemacht. Ihre Praktikumsarbeit: Eine Reportage über die Punks ihrer Heimatstadt. Multimedial.
Heute versichern sie sich gegenseitig darin, wie hässlich, abgeranzt und fertig sie sind. Morgen engagieren sie sich gegen Ausgrenzung von irgendwem – wenn sie rechtzeitig aus den Federn finden. Sie sind lieb zueinander und umarmen sich viel, schubsen ist schwierig wegen Sexismus. Bestimmt haben sie schon mal ein hässliches Wort zu irgendeinem Polizisten gesagt. Am herrschenden System ist schlimm, dass sich nicht alle alles kaufen können. Deswegen muss es weg, weil: Alles für alle und zwar sofort.

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Woher kommen Melodien? Letztlich aus der Erfindungskraft des Volkes. Auch und gerade im Absetzen von Volksmelodien kann der Volkston erhalten bleiben. Es gibt noch eine volksspezifische Art, sich anti zum Volk zu verhalten.
Luhmannisch gesprochen: Volk hat fast die Besonderheit von „Welt“ und „Sinn“, nämlich unterscheidungslos gebaut zu sein, keinen Gegenbegriff zu haben. Und das verweist auf die krasse Tragik, wenn man von jeder Volkszugehörigkeit ausgeschlossen ist; dies entspricht dem Sinnverlust in der Demenz, bzw. dem Weltverlust eines Menschen in Isolationshaft. Der Demente und der durch Isolationshaft Gefolterte sind darauf angewiesen, dass jemand „da draußen“ mit großer Anstrengung Sinn bzw. Welt für ihn wiederherstellt oder auch nur fingiert. Der aus dem Volk Gefallene oder Gestoßene muss sich jede einzelne Selbstverständlichkeit, ohne die Alltag nicht lebbar ist, neu erfinden.
„Im Begreifen des Todes tritt das Medium Sinn in Widerspruch zu sich selbst“ sagt Niklas Luhmann irgendwo in „Die Religion der Gesellschaft“ (erwähnt bei Bardmann/Baecker, 11).

Zurück zu den Melodien: Man spürt -immer noch, trotz allem!- intuitiv, was die Melodie meint, dass sie auf etwas und nicht selten sogar: worauf genau sie in uns zielt. Das naive Volkslied mit den wurschtigen Dreiklängen hält die einfachen und starken Gefühle bereit; der Kunstliedkomponist präsentiert uns eine Beobachtung zweiter Ordnung: Was, wenn alles ganz anders wäre?, so nervt er uns durchaus berechtigt. Dieses Nerven führt zu Kunstgenuss. Auch seine Parodie des Volkstons muss eben dieses Volksmelodiematerial und nicht irgendetwas parodieren; wenn sie gut ist, hat ihr Schöpfer den ganzen Geist der Melodie in sich aufgenommen und nimmt erst hernach -wie immer kritisch- Stellung zu ihr.
Selbst heute noch hört man der Melodie meist an, ob sie reine Überlieferung ist, von Künstlern schon verarbeitet wurde oder direkt vom Fließband der Musikindustrie kommt. Noch der antinationalste Kritiker in unseren Breiten wird sich spontan auf tonale Melodien (laut Alban Berg wird „tonal“ von den Meisten nur im Sinne von Dreiklangsmelodik verstanden, 306) und einfache, geradttaktige Rhythmen beziehen und nicht auf Fernöstliches, Pentatonik, Vierteltöne oder nicht taktgebundene Musik. Er ist so aufgewachsen, das heißt: nicht anders. Er fühlt den Volkston.

Bardmann, Th. M. und D. Baecker: „Gibt es eigentlich den Berliner Zoo noch?“: Erinnerungen an Niklas Luhmann, UVK, Konstanz, 1999

Berg, Alban: Was ist atonal?, S. 297-306 in: Glaube, Hoffnung und Liebe: Schriften zur Musik, Reclam, Leipzig, 1981

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Einiges gäbe ich dafür, einmal für 5 Minuten aus einem Alzheimer-Patienten heraus zu schauen.
Details: Logisch unverträgliche Gesprächsteile werden als aufeinander reagierend empfunden und behandelt; die Äußerungen anderer Leute in der Nähe können den Abschluss des eigenen „Gedankens“ bilden; die abrupte Handlung des Nebenmannes wird als Gegenargument des von einem selbst Geäußerten interpretiert. Eine Frau kommt zu dem Schluss, dass die Leute dumm sind, weil es so kalt ist.
Diese Überlagerung von Raum und Zeit und die Vermischung unterschiedlicher Motivlagen, nicht irgendein Vergessen, ist für Gesunde am schwersten nachzuvollziehen. (Für Systemtheoretiker: Alle drei Sinndimensionen brechen zusammen: Sach-, Zeit- und Sozialdimension.)

Manchmal aber macht man blitzartig bizarre Erfahrungen: Da fährt man – in Gedanken wütend – Fahrrad. Die Kreuzung nähert sich, man sieht zwei Autos sich nähern. Man muss sie vorlassen. Oh Mann, hab‘ ich eine Wut, ich fahre einfach. Mir doch egal, Scheiss Autos! Die eigene Wut hat mit den Autos nichts zu tun:
Unangemessenes Verhalten, eingeschränkte Alltagskompetenz, keine Frage. Individuell jedoch plausibel.

Alle Naselang erkennen Demenzkranke etwas wieder. Die, die sich kaum noch an irgendein Faktum der jüngeren Vergangenheit erinnern können, wollen mit Macht die ihnen verloren gegangene Fähigkeit betätigen. Was man ihnen auch zeigt, was man ihnen auch sagt: Sie waren schon da, haben da auch schon gearbeitet, kennen es ganz genau. Sie können und wollen nicht ohne Sinn leben, ohne die Fähigkeit, etwas vor dem Horizont anderer Möglichkeiten zu beobachten. Wenn der Horizont längst vollständig zerlöchert ist, wird er immer wieder fingiert – die letzte geistige Leistung des Dementen.

Randnotiz zur Bosheit: Bosheit setzt die intakte Arbeit des Universalmediums „Sinn“ (Sach-, Zeit-, Sozialdimension) voraus. Boshafte wissen immer was sie wollen, also was sie nicht nicht wollen, wissen immer, dass und wie es anders möglich wäre. Demenzkranken steht dieses Medium kaum zur Verfügung – Demenzkranke können nicht böse sein, auch wenn sie sich schwierig verhalten.

Liebe Leser, die Ihr hier sehr oft nach „Demenz und Bosheit“ sucht und offensichtlich recht verzweifelt seid auf Grund persönlicher Erfahrungen: Schreibt bitte Kommentare, damit man mal in eine Diskussion kommt!

Siehe auch:
Die weiß das ganz genau!
Böse Demenzkranke?
Demenz – Krankheit des Vergessens?

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Im 2. Band seines Hauptwerkes (261 ff.) vergleicht Hermann Schmitz den Hypochonder mit dem Besitzer eines chaotischen Hühnerstalls. Die einzelnen Leibesinseln werden nicht mit einer durchgehenden Spannung im Spannung-Schwellung-Verbund (= vitaler Antrieb) versorgt, sondern stieben mal hierhin mal dorthin. Der Hypochonder will sie mit aller Macht einfangen, stürzt mal dieser, mal jener Leibesinsel nach und hat keinen Erfolg: Ist eine eingefangen, toben die anderen um so wilder.

So weit so einleuchtend. Nur: Spürt der Hypochonder das reale Nachlassen des vitalen Antriebs (ist seine Angst also abgeschwächte Todesangst?) oder bildet er sich das ein?
Wahrscheinlich würden die Hühner kaum aufgeregt umher flattern, würde sie nicht jemand immer wieder einfangen wollen – die Hektik, die das Einfangen mit sich bringt, führt erst recht zum Auseinanderstieben. Ein Teufelskreis. Und noch merkwürdiger: Dieser Jemand muss davon ausgehen, dass der normale Umgang von Menschen mit Hühnern das Einfangen derselben ist, statt deren entspannte Aufzucht und Nutzung.

Unser Mann sieht sich um: Die Hühner anderer Leute flattern nicht dauernd umher (wenn sie sich auch durchaus weiter vom Hof entfernen als seine eigenen). Das müssten sie aber, meint er und kontrolliert sich in Rage. Keine Leibesinsel darf längere Zeit unbeobachtet bleiben und so findet sich ein Weg, ein paar Kontrollgänge einzuschieben: Bluthochdruck. Alles muss intensiv durchstreift, durchströmt werden – überimpulsiv stürzt sich die Aufmerksamkeit auf jedes Zucken im Körper. Dem Hypochonder fehlt die Toleranz, auch bei Wohlverhalten aller Beteiligten muss er Abweichler finden. Und so erschreckt er die Braven bis sie die Nerven verlieren.

Schmitz, Hermann: System der Philosophie, Bd. II, 1. Teil: Der Leib, Bonn, 1965

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