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Archive for August 2013

Wir sollen den fliegenden Bällen nicht hinterhersehen, so würde man sie erst recht nicht fangen, lautet ein Tipp an Anfänger. Und er stimmt; also schauen wir irgendwie in ihre Richtung, aber eben nicht hin.
Ich jongliere vorm Bett, um mich nicht allzu oft bücken zu müssen. Das Auge sucht nach Abweichungen, denn nur die Abweichung ist „the difference that makes a difference“ (Bateson), kann somit dem Auge Halt bieten.
Und es findet sie -: Das, wohin die nichtgefangenen Bälle fallen, stimmt in vielerlei Hinsicht nicht: Es hat hier eine Falte, dort eine andere Farbe oder ein besonderer Gegenstand liegt auf ihm herum. Das darf nicht sein, das macht einen verrückt. Also unterbreche ich, beseitige Störendes, zerre die Decke zurecht und darf mich jetzt schon auf zwei Dinge nicht konzentrieren: Die Bälle und den Untergrund.
Die Unordnung darf keinen Bestand haben, alles muss von gleichbleibender Qualität, durchgängig plan bleiben.
„Ohne Ranküne“ schreiben wir Klaus Theweleit einen Punkt gut: Der Ängstliche ist Ordnungsfanatiker – auch beim Jonglieren holt ihn das soldatische Bedürfnis ein: in der Form des entleerten Platzes.
Doch auch der Psychoanalytiker würde geistig zum Freikorpssoldaten, gäben wir ihm drei Bälle in die Hand.

Ich verabschiede mich in die Urlaubspause. Bis Anfang September wird hier nichts Neues zu lesen sein.

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Der Anfänger wirft die Bälle weit von sich weg. Seine leibliche Eindrucksfähigkeit geht davon aus, so Platz und Zeit zum Fangen zu gewinnen, was natürlich nicht glückt. Die Bälle fliegen aus seiner Reichweite heraus. Vertagen, verschieben: Aus den Augen aus dem Sinn, schon, nur eben auch aus der Hand.
Als Abhilfe wird empfohlen, sich vor eine Tür zu stellen, so trickse man sein auf Sicherheit bedachtes Gehirn aus. Man schafft sich eine Enge, die die trügerische Hilfe verhindert. An sich sollte man jetzt wirklich Angst haben, denn Platz und Fangzeit haben sich tatsächlich verringert.
„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!“ (Hölderlin), was schön und doppeltgemoppelt ist, denn nur wo Gefahr ist, kann es überhaupt Rettendes geben. Und siehe da: „Fordern und fördern“ hilft – die Gefahr, Bälle in die Weite zu verlieren ist sehr viel höher als die, dass sie für uns Anfänger zu schnell wieder unten ankommen. Wir hatten noch keine Gelegenheit, diese sehr spezifische „Bewegungssuggestion“ (Hermann Schmitz) einzuüben, doch bald schon werden wir die Bälle so wenig verfehlen wie eine uns zum Gruß hingestreckte Hand.

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natürlich können Sie nichts für die Projektionen, die die Bagagen von ganz links und ganz rechts mit Ihnen veranstalten. Freiheitskämpfer, Hochverräter … In Wirklichkeit sind Sie ein Computerbastler, der auch so aussieht und vermutlich schwer darunter litt.
Die Mädchen wollten keinen mit der Ausstrahlung „gut in Mathematik“ und so beschlossen Sie, Gernegroß, ein bissel mitzuspielen in der weiten Welt der hohen Politik, die für Sie wie für jeden Dummbratz hüben und drüben aus ganz, ganz viel undercover besteht. Über ihren Geheimnisverrat haben Sie einen größeren Haufen humanitäre Soße gekippt. Nun ja, wer’s mag. Nun aber ist dieses ganze Spiel nicht so gelaufen, wie Sie sich das vorstellten und man ist Ihnen auf die Schliche gekommen. Sie wollten weg und hofften auf die Solidarität der Welt, die ebenfalls annehmen sollte, dass Geheimdienste keinerlei geheime Sachen machen, sondern Musterbeispiele basisdemokratischer Transparenz abgeben müssten. Zumindest die Computerknallos aus aller Herren Länder mit ihrem aufgeblasenen Individualitätspathos und dem Graswurzelgedöns „viele Kleine gegen mächtige Apparate“ sind ja tatsächlich auf Ihrer Seite:- sie haben so gar nichts zu verbergen und das darf um Gottes Willen niemand wissen.
Und jetzt kommt der Übergang von lächerlich-naiv zu scheußlich-erbärmlich.
Unter anderen diese Länder der so richtig freien Welt kamen in die engere Wahl für Sie, nachdem die finstere USA und der Polizeistaat UK die Freiheit so übel aufs Spiel gesetzt hatten: China, Polen, Kuba, Venezuela, Ecuador. Schließlich wählten Sie Russland, das Land, in dem ein albernes Präsidentenfake pro Tag vier Wunder mit freiem Oberkörper vollbringt und im Übrigen drei mal pro Woche Schwule von der hernach dreckig grinsenden Polizei zusammengeschlagen werden. Das wird Ihr demokratisches Bedürfnis befriedigen – für freien Datenverkehr und den Schutz elementarer Bürgerrechte ist Russland seit Jahren, was sag ich, seit Jahrzehnten bekannt.

Sie armer Irrer haben mir gefühlte fünftausend NSA-Witze beschert, einer schaler als der andere. Das können Sie nicht wieder gutmachen.
Aber versuchen, Snowden, könnten Sie’s.
Wissen Sie was? Geh’n Sie kacken auf dem dreckigsten Klo, das Russland zu bieten hat und kommen Sie da möglichst lange nicht mehr raus. Lassen Sie den Laptop vor der Tür und nehmen Sie sich halt ein wenig Lektüre mit: Carl Schmitt würde ich vorschlagen oder Oswald Spengler.

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