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Archive for September 2013

Eine Abwandlung der Hemmung ist zu langes Halten. Hier ist nicht im Ganzen das Durchlaufen der Bälle durch die Hände gestört, sondern speziell das timing beim jeweiligen Abwurf.
Natürlich geht es um Sicherheit – alle Ängstlichen jagen ihr das ganze Leben nach: Den hab ich schon mal, wenn ich werfe, muss ich bloß wieder fangen, also: besser den Ball in der Hand, als in der Luft. Beim Jonglieren geht’s schließlich ums Gefangen-Haben, oder?!
Nein, würde nicht nur Oswald Spengler einwerfen, darum geht es eben nicht: Es geht ums Fangen, für das die Voraussetzung ein Ball in der Luft ist, wofür die Voraussetzung das Werfen ist, wofür…
Ein vernünftig jongliertes Leben findet in der Luft statt, nicht in der Hand. Ein Ball in der Hand ist dort nicht richtig, wenn man ihn nicht bewusst hin befördert hat. Eine Gänsehaut als kurzer Schauer ist nicht die Gänsehaut, die eine zärtliche Berührung verursacht, sondern eine Zumutung.
Wie sollten die Bälle in der Luft liegen? So sicher, als wären sie in der Hand – wenigstens annähernd. Der Ängstliche ist immer noch ängstlich, wenn er darauf achtet, dass viele Bälle möglichst lange in der Luft sind. Ein ängstlicher Systemtheoretiker jongliert so.

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Mit den Jungs im allzu engen Märchenwald.
Es war schwer, sie mal zusammenzubringen, immer stromern alle an unterschiedlichen Enden herum. Man glaubt gar nicht, wie weitläufig so ein enger Wald sein kann. Ein großer Graben taucht auf. A bemüht sich, B und C, die etwas schwach auf den Beinen sind, zu überreden: „Dahinter wird’s erst richtig schön. Das schafft ihr schon. Ist doch für uns alle besser, wenn wir hinter dem Graben vereint die liebliche Landschaft erkunden können. Dieses ewige Klein-Klein hier, das haben wir innerlich doch längst hinter uns gelassen.“
D, der alte Schwarzseher, warnt: „Jeder sieht doch, dass der Graben zu breit ist. Hört doch auf mich! Was um Himmels willen ist denn hier so unerträglich, dass es einen solchen Sprung ins Ungewisse rechtfertigt? Habt Ihr hier drüben schlecht gelebt?“ A schimpft ihn einen Reaktionär, der einfach nicht weiterdenken könne und wolle, der die Zeichen der Zeit nicht erkannt habe, der den Menschen ihr Recht auf eine liebliche Landschaft vorenthalten wolle.

B zögert, tritt auf der Stelle, C richtet den Blick auf die liebliche Landschaft hinter dem Graben, der jetzt wie ein Abgrund wirkt. „Natürlich – Vorwärts! Schluss mit mit dieser Beschränkung auf unseren Wald, wir müssen nur alle Kräfte anspannen!“ B springt und landet im Graben, C ihm nach, er kann sich mit den Händen am gegenüberliegenden Rand festkrallen und strampelt aus Leibeskräften. Beide schreien herzzerreißend. A, der Macher blickt um sich und sucht, alle verfügbaren Kräfte zu sammeln. Merkwürdigerweise kommt er auf D. Der rodet gerade ein Stück des Waldes, wer weiß, was der damit schon wieder will.

„Wir müssen helfen. D, was ist?! Mach mit! Du kannst Dich doch nicht verweigern. Ja, ja, sicherlich, der Sprung war falsch. Aber jetzt sind doch wir alle gefordert! Es geht doch um uns, als Gemeinschaft, die Gemeinschaft aller Waldbewohner! Wenn einem der Sprung nicht glückt, geht Dich das genauso an, wie ihn selbst! Wir, wir …. wir alle sind doch der Märchenwald….“

D kratzt sich verwundert am Kopf und überlegt, ob es in diesem Wald vielleicht noch ein paar andere, weniger verrückte Bewohner geben könnte.

***

Am 22. September ist Bundestagswahl. Im Gegensatz zu früher gibt es diesmal keine Wahlempfehlung. Vielleicht nur eins: „Alternativlos“ ist in der Politik überhaupt nichts. Wer Alternativlosigkeit für eine eigene politische Entscheidung reklamiert, will sie als gottgegeben verkaufen; er handelt im schlimmen Sinne anti-politisch und will das, was Politik ausmacht, die Suche nach Alternativen, ihre Implementierung, Prüfung, Verwerfung oder Weiterverwendung, suspendieren. Es kann nie schaden, nach Alternativen Ausschau zu halten.

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Neulich: Erinnerung an einen, der die Schlechtigkeit der Welt um ein erhebliches Quantum vermehrte.

Er war ein linksradikaler, arroganter Vollpfosten; immer schwer systemkritisch angezogen, steckte er doch bis zum Hals im akademischen Sumpf. Sein Antifa-Gerümpel hat ihm schon vor Jahren an der Universität genützt, nicht geschadet. X war ein queerer Akademiker der hardcore-Sorte, salbaderte von Diskursen, dass es nur so rauchte, kannte die Philosophie rauf und runter, widerlegte schon seit Jahren Adorno. Der Glanz seiner Klugheit wurde durch das Bekenntnis zu ökonomischer Ahnungslosigkeit nur noch strahlender.
(Damit wir hier nicht ins Ressentiment abdriften: Es gibt sympathische Linke, sympathische queere Menschen und sympathische Akademiker und wahrscheinlich gibt es auch sympathische linke, queere Akademiker – er gehörte zu den üblen, unsympathischen, scheußlichen, schlechten).
Dieser Mensch nun war merkwürdigerweise auf dem Tripp, er könne und müsse Mitglied der Arbeiterklasse sein. Sein Lebtag hatte er nur unverständliche Bücher gelesen und die übrige Zeit darauf verwendet, sich abwechselnd als Frau, Skinhead und Punk anzuziehen. Eigenartigerweise war seine Lieblingsbeschäftigung, anderen vorzuwerfen, zu gewählt zu sprechen, zu abgehoben vom Volke zu sein, was er mit einem ungeheuren, unverdaulichen Wortschwall, indem es von Diskursen und Narrativen nur so wimmelte, belegte.

Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob er nicht lediglich eine sehr gelungene, sehr böse Parodie auf diese ganzen universitären Knallchargen sein wollte. Vielleicht wollte er sein bewusstes Leben dazu verwenden, eine einzige große Performance in postmoderner Verarschung aufzuführen und sich so zu reproduzieren? Doch „rum wie ’num“: Eine grandios stabile Gesellschaft ist das, die Typen wie X verkraftet und eine unglaublich späte Zivilisation (spengleristisch gesprochen) ist es, die sein Zeug auch noch drucken lässt.

Christliche Einflugschneise: An solchen Leuten hat sich Verzeihung, Barmherzigkeit, Geduld zu bewähren. Wir versuchen, unseren Blutdruck im Zaum zu halten, ihm seine scheußlichen Traktate nicht übelzunehmen. Dass linke Stiftungen ihm Geld geben, ist ihr Problem, dass er es geschlechtlich uneindeutigen Veganer_innen in der dritten Welt wahrscheinlich nicht spendet, sondern für weitere dumme Bücher verbrät, seins.

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Man bekommt gesagt, dass gutes Werfen fast wichtiger ist als das Fangen, das sich schon von selbst einstellen würde, wenn die Bälle gleichmäßig oft und gleichmäßig hoch fliegen. Nun gut, also werfen wir so konstant wie möglich. Und wie alles, worauf wir uns in der Absicht bester Ausführung konzentrieren, wird auch das Werfen sofort problematisch und fehleranfällig.
Flutschen die Bälle anfangs noch locker in halbwegs richtige Höhe und wird mir so der eine oder andere längere „Lauf“ geschenkt, bin ich nach einiger Zeit zunehmend gehemmt und der Ball will nicht mehr aus der Hand.
Komisch: Man lässt mit zunehmender Übungszeit nach? Allzu merkwürdig ist das nun wieder nicht. Auch der Bodybuilder wird von Einheit zu Einheit schwächer. Sein Training ist die Voraussetzung dafür, dass er nachts stärker werden kann.
So auch hier: Der Übungsfortschritt zeigt sich beim Beginn der nächsten Session – eine kleine Hürde, die der liebe Gott eingebaut hat.
Er wird mir verzeihen, wenn ich über seine Gründe spekuliere:

  • Abschreckung der nur kurz Interessierten,
  • Vermeidung von Überforderung für zu stark Interessierte,
  • Austarieren der Fertigkeiten „Werfen“ und „Fangen“ gegeneinander (wer „zu gut“ für seine jeweilige Fertigkeitsstufe fängt, stolpert über das Werfen).

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man weiß ja nie genau, wann die Krise zurückkehrt, ob und wenn ja wann sie so richtig schlimm wird, dass Ihr noch einmal etwas zu tun kriegt.
Wenn Ihr also anfangt zu planen, könntet Ihr es da so einrichten, dass alles ein wenig nach Porto aussieht?

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Ich würde mich verpflichten, meine subversive Tätigkeit gegen Eure Gesellschaft auf ein kaum mehr wahrnehmbares Minimum zu beschränken, wenn Ihr mir diese hübsche blau gekachelte Hütte da im Vordergrund mit dem durchgehenden Balkon anweisen würdet.
Ach, Ihr hattet gar nicht vor, neue Sachen zu bauen, sondern gedachtet, vielmehr alles so zu übernehmen, wie es ist? Und dieses Häuschen da habt Ihr auch schon für Euch und die verdientesten Genossen der Revolution reserviert? Dachte ich’s mir doch.

„Der Kampf geht weiter.“

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