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Posts Tagged ‘DDR’

schrieb ein Lakai des Realsozialismus‘ über den, der seiner Meinung nach „das Leben beleidigt“.
Natürlich wusste er genau, wer das ist, der da das Leben beleidigt, er wusste genau, worin die Beleidigung des Lebens besteht und er hat keine Sekunde über die theologische Anmaßung nachgedacht, die in einer solchen Diagnose steckt.

Vor allem Angehörige der mittelalten Generation gehen in dermaßen rigider Weise auf die Welt los, dass man oft schlottert vor Angst.
„Da habe ich gar keine Lust drauf“, maulen uns die Totalitären zu, wenn wir uns wieder einmal abweichend verhalten haben. Sie gedenken nicht, irgend etwas zu begründen, patzig wird unser Ansinnen abgewiesen.
Manchmal kommt es mir so vor, als gäbe es in der Altersklasse 50 – 60 Jahre nahezu kein Kontingenz-Bewusstsein. Dass nicht sein kann, was nicht sein darf, ist bei Morgenstern eine hübsche Volte gegen den Idealismus. Unseren saturierten Zivilisationsfreunden, die immer wissen, „wie es gemacht wird“, wird sie zum Wunsch nach Eliminierung; mit Ignoranz des „Dummen“ oder „Schlechten“ möchten sie sich nicht zufrieden geben.
Demnächst werfen sie Demenzkranke wegen Entwicklungsstörungen und kognitiver Defizite aus den Heimen: „Sie passen wirklich nicht zu uns“.

Wer die Diagnose „dumm“ bekommt, weil er irgendeine gerade im Schwange seiende Meinung über Gesellschaft, Kunst, Politik nicht teilt, der muss befürchten, dass seine Therapie im Umerziehungslager stattfindet.

Wer „schlecht“ ist, muss beseitigt werden.

„Genossen, es bleibe dabei!“

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Und noch einmal tempi passati: Zu DDR-Zeiten brachten mir zwei sehr wohlwollende, fortschrittliche Lehrerinnen, keineswegs über die Maßen ideologisiert, bei, dass schwarze Menschen aus Afrika „Neger“ genannt werden sollten. Zu dieser Zeit besuchten unsere Schule zwei Leute aus Guinea-Bissau und das Lehrerkollektiv hielt diesen Anlass für angemessen, auf Diskriminierung in der Sprache hinzuweisen.
Die Bezeichnung „schwarz“ sei herabwürdigend, es wirke, als wolle man eine Anklage aussprechen. Die abergläubische Angst vorm „schwarzen Mann“, der komme, wenn man sich schlecht benehme, schwinge da mit. Manche würden auch die dumme Bemerkung machen, dass diese Leute deshalb schwarz seien, weil sie sich nicht waschen.

Diese dummen Vorstellungen hätten im sozialistischen Staat als pures Relikt einer vergangenen Zeit, die auf Äußerlichkeiten, statt auf den Klassenstandpunkt sehe, selbstverständlich nichts zu suchen. Also bitte in Zukunft: Neger.
Wir waren recht verwundert, sahen wir doch bisher keinen Anlass, uns über Bezeichnungen von Leuten, die wir nicht zu Gesicht kriegten, den Kopf zu zerbrechen.

Der Fortschritt höret nimmer auf: Wir lernen um.

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Die Zivilisationsextremisten: Es ist ihnen unvorstellbar, Geschirr nicht abzutrocknen, sondern an der Luft trocknen zu lassen, undenkbar, keine Gardinen an den Fenstern zu haben. Die Menschenwürde scheint ihnen schwer geschädigt, wenn ihre liebsten Konsumeinrichtungen die Öffnungszeiten ändern. Dinge, die nicht an ihrem Platz liegen, verunsichern sie für Stunden – „Das kann einfach nicht sein…“. Sie haben keinerlei Kontingenzbewusstsein und vermissen es auch nicht.
Nein, kein Psychiater hat ihnen eine Diagnose gestellt; sie leben mitten unter uns und fühlen sich durchaus wohl, solange in der Umwelt keine Abweichungen vorkommen. Leider aber empfinden sie sich auch nicht als spleenig, sondern sind durchaus gewillt, uns ihre Macke als Ordnungssinn aufzudrängen.

Und mir kommt der Gedanke, dass die ganze schlimme Entbehrung von Krieg, Nachkrieg und DDR durchaus nicht völlig nutzlos war. Da musste sich ein bestimmter Menschenschlag einmal umstellen.
Wenn der Schrecken in der übersehenen Dreckecke lauert und jeder luschig gefegte Keller einem Zivilisationsbruch gleichkommt, dann darf ich auch einmal das Stahlgewitter als Zwangstherapie erwägen. Erwägen und dann – verwerfen.

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Nein, schön ist das nicht: Mein Großvater, ein idealistischer Kommunist, in der HVA des MfS beschäftigt, liegt wie gewöhnlich, so auch am 26. Juni 1981 um 3 Uhr im Bett, in seiner Wohnung im Leipziger Süden. Nur wenige hundert Meter davon entfernt hört der damals schon ehemalige Stasi-Offizier Werner Teske in der Alfred-Kästner-Straße folgenden Satz: „Ihre Hinrichtung steht unmittelbar bevor“. Danach tritt ein Mann namens Hermann Lorenz dicht an ihn heran und schießt ihm aus nächster Nähe in den Kopf. Das letzte Todesurteil der DDR ist damit vollstreckt. Man hätte dies damals meinem Großvater nicht schildern können, ohne einen heftigen Wutausbruch seinerseits zu riskieren, der nur deswegen relativ schnell wieder abgeebbt wäre, weil eine solch aberwitzige Phantasie ja irgendwelche gesundheitlichen Störungen, mindestens aber ideologische Diversion durch den Gegner zur Ursache gehabt haben müsse, kurz: ich bräuchte eher Ruhe, ärztliche Aufmerksamkeit und vielleicht ein anderes gesellschaftliches Umfeld.

Wieviele Teilnehmer an einer Demonstration gegen das „Nationale Zentrum“ in der Odermann-Straße interessiert diese Geschichte? Wieviele von ihnen haben die Opfer des DDR-Systems nach ihren Erfahrungen befragt? Wievielen von ihnen ist meine Erfahrung dieser Zeit, von der sie „wissen“, dass man sie keinesfalls mit dem NS vergleichen dürfe, wichtig oder auch nur hörenswert?
Kurz: Wieviele von ihnen wollen das Gute und wieviele wollen sich gut fühlen?

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Immer tue ich Menschen unrecht. Was sei denn „linke Szene“? Das sei doch nur ein Konstrukt für meine Feindbilder, schließlich ist jeder anders; die drogen-hedonistische Lebensweise gebe es doch gar nicht, sicher, sicher, von Zeit zu Zeit würden einige Individuen, die sich auch untereinander durch gemeinsame Gruppenzugehörigkeit kennen, mal Drogen nehmen, doch hätte das nichts mit einer Lebensweise zu tun. Man selbst würde ja auch mal tanzen, mal arbeiten, mal ins Grüne gehen.

Sicherlich gebe es da und dort in einer bestimmten Szene problematische Einstellungen zur DDR, doch könne man nicht alle über einen Kamm scheren. Schließlich kenne man selbst jemanden, der das alles ganz anders sehe.

Thilo Sarrazin verallgemeinere unzulässig bestimmte Erscheinungen, die auch Moslems betreffen, auf den Islam. Er würdigt nicht jede einzelne, sich gesetzestreu und fleißig verhaltende islamische Familie. Die gebe es eben auch, wovon Sarrazin aber nichts wissen wolle.

In der Gesellschaft der Massen soll man also immer und überall den Einzelfall würdigen. Und nicht nur das: Man soll auch nach dieser Würdigung noch auf jegliche nachgeschobene Generalisierung verzichten. Eine Deutung, eine Erkenntnis durch Begriffsarbeit darf nicht stattfinden. Jeder Tag bringt das ganz neue, ganz unbekannte, bunte Leben mit sich. Nichts soll sich durchhalten: Bedürfnis nach Tabula rasa, Infantilität.

Nebenbei: Müsste die Ablehnung „ungerechter“ Generalisierung nicht auch für den sog. Verblendungszusammenhang gelten? Weshalb unterliegen dem denn plötzlich alle, während kurz unterhalb seiner immer nur den „Differenzen stattgegeben“ wurde?
Kurz: Vielleicht gibt es dessen Totalität ja gar nicht, sondern lediglich viele, viele Individualitäten, die rein zufällig das gleiche wollen?
Nun, lieber Kritischer Theoretiker, da würden Sie wohl lieber nicht mehr mittun beim Differenzieren? Da plädieren auch Sie für eine kräftige Generalisierung, was?
Also: Verabschieden wir das Ressentiment gegen Schema und Begriff und versuchen wir am Einzelfall die Berechtigung jeweiliger Generalisierung zu zeigen. So können uns Gegenargumente empirischer Art auch wieder hinreichend verunsichern, denn vielleicht müssen wir ja eine gefundene – in jedem Fall: zuspitzende – Deutung fallenlassen.

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Nein, unsere emanzipatorischen unter den Genossen finden nichts dabei in einer Partei zu sein, die ihnen nicht gefallen kann. Ihre Unlogik, den festen Willen zum Dumm-Sein und Mitmischen tarnen sie als Unverzagtheit, als Verantwortungsgefühl für das Gute, gegen die Finsterlinge. Sie lassen sich nicht unterkriegen – nicht von den verachteten Zonis, den „Arbeitswahnsinnigen“ und von der Logik schon gar nicht. Niemand wütet stärker gegen die eigenen Parteimitglieder, als die „emanzipatorische“ Jugend.
Leicht haben sie´s (mit der Logik) wahrlich nicht: In der Flottenpartei der Höger und Paech sind sie irgendwie für Israel.
Als erklärte Aufklärungsfreunde machen sie eine Veranstaltung mit einem geschworenen Aufklärungsfeind – und finden nichts dabei.
Die Parteiführung gedenkt der Weltkriegstoten, die Splitterjugend bejubelt alliierte Bombardements, scheiß doch drauf, ja, das ist nicht logisch, das ist pluralistisch. (Nebenbei: Nein, das meint Gotthard Günther mit der „polykontexturalen Gesellschaft“ nicht.)
Die Alten loben an der DDR die Abwesenheit von Drogen, die Jungen vertilgen soviel auf einen Ritt, als wollten sie gleich heute DDR-Verhältnisse wieder herstellen.
Werden auf einer Demonstration Polizisten als Bastarde beschimpft, gegen die nur „fight back“ helfe, läuft die Leipziger Bewegungsliese von der Linkspartei vorn mit – ihr doch egal, dass der Ordnungsbürgermeister aus ihrer Partei kommt.
Immer immer geht es irgendwie ums große Ganze, in dem wir uns irgendwie einig sind. Nur worin das besteht, weiß keiner. Dabeisein ist alles.

Kommt vielleicht einer der wenigen noch verbliebenen freischaffenden Freudo-Adorniten mal auf die Idee, diese sehr spezielle Menschengruppe mit psychoanalytischen Mitteln zu untersuchen? Nein? Dacht´ ich mir´s doch – der Psycho-Pathologisierung anheim fallen Leute rechts von der CDU, nicht links von der SPD.

Da fällt mir zum Schluss doch noch eine Gemeinsamkeit der linkssozialistischen Generationen ein: Gelesen wird nicht. Theorie findet nicht statt. Die Alten gehen sammeln und die jungen – layouten. Herrlich – so gibt es immer mehr Geld für immer schönere und dümmere Flyer. „Wunderbar ist das alles“ (Loriot).

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Die Wut des arrivierten Linksradikalismus´ gegen die 89er-Bürgerrechtler (bspw. Hacks´ Vorschlag einer Guillotine auf dem Leninplatz für sie und ihre angeblichen Kollaborateure; auch die Spießer-Begeisterung für den entsetzlich dummen Schernikau gehört hierher) entspringt dem totalitären Impuls des Umerziehers, eines Menschen, der immer schon genau weiß, was jetzt gerade nottut. Im Bunde mit der geschichtlichen Wahrheit wütet man gegen alle, die nicht mitziehen wollen hin zum „ganz Anderen“, sondern die Möglichkeit der Demokratie – zu ihres eigenen Lebens Vorteil – noch ein paar Jahrzehnte zu nutzen gedenken.
Weil man ahnt, dass man als Hamburger Feinschmecker mit Deutschland-Hass und auch als Antifa-Töchterchen glorreicher DDR-Intelligenzija im Vergleich zu einem Menschen, der in der Diktatur des realexistierenden Sozialismus´ gelitten hat und heute von Hartz IV lebt, moralisch nicht die besten Karten hat, hat man als Kerngeschäft „emanzipatorischer Kritik“ die Witzereißerei gegen schlechte Klamotten und dialektbehaftete Sprache gewählt. Antinational, antideutsch oder sonst etwas: – das schlechte Gewissen lässt einen wieder und wieder am Erscheinungsbild oder der mangelnden Sprachkompetenz herum mäkeln. (H. L. Gremliza bspw. hat in den ganzen Jahrzehnten seiner linken Geschichte ja überhaupt nichts anderes gelernt, als Rechtschreibfehler seiner Gegner zu erkennen.) Merkwürdig, wie sehr im Angesicht des Feindes wieder Sekundärtugenden und die Reinheit der Sprache des so tief gehassten Landes hervorgeholt werden.
Die Prügelgruppen der Antifa – gerade die im Osten – kultivieren sowieso schon seit Jahren ihre Verachtung der „Zone“ und seiner Bürger – „Kühe, Schweine, Ostdeutschland“, rufen diejenigen, die außerhalb einer Großstadt längst lebensunfähig sind. Sie verunsichert dabei nicht, dass es dem „meist schnauzbärtigen ostdeutschen Pöbel“ (J. Wertmüller) zu verdanken ist, dass sie heute Musikrichtungen hören können, die auf „-core“ enden. Nicht auszudenken, was mit ihrer heiß geliebten „emanzipatorischen Party“ geworden wäre, hätten sich ihre Gremliza, Hacks und Schernikau durchgesetzt. Nun ja, sie werden das dialektisch sehen. Wie immer, wenn die Logik sie mit der Nase auf eine Erkenntnis stoßen will.

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