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Posts Tagged ‘Faschismus’

Wir sollen den fliegenden Bällen nicht hinterhersehen, so würde man sie erst recht nicht fangen, lautet ein Tipp an Anfänger. Und er stimmt; also schauen wir irgendwie in ihre Richtung, aber eben nicht hin.
Ich jongliere vorm Bett, um mich nicht allzu oft bücken zu müssen. Das Auge sucht nach Abweichungen, denn nur die Abweichung ist „the difference that makes a difference“ (Bateson), kann somit dem Auge Halt bieten.
Und es findet sie -: Das, wohin die nichtgefangenen Bälle fallen, stimmt in vielerlei Hinsicht nicht: Es hat hier eine Falte, dort eine andere Farbe oder ein besonderer Gegenstand liegt auf ihm herum. Das darf nicht sein, das macht einen verrückt. Also unterbreche ich, beseitige Störendes, zerre die Decke zurecht und darf mich jetzt schon auf zwei Dinge nicht konzentrieren: Die Bälle und den Untergrund.
Die Unordnung darf keinen Bestand haben, alles muss von gleichbleibender Qualität, durchgängig plan bleiben.
„Ohne Ranküne“ schreiben wir Klaus Theweleit einen Punkt gut: Der Ängstliche ist Ordnungsfanatiker – auch beim Jonglieren holt ihn das soldatische Bedürfnis ein: in der Form des entleerten Platzes.
Doch auch der Psychoanalytiker würde geistig zum Freikorpssoldaten, gäben wir ihm drei Bälle in die Hand.

Ich verabschiede mich in die Urlaubspause. Bis Anfang September wird hier nichts Neues zu lesen sein.

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Nachts auf dem Weg nach Hause. Vorbei an einer Kleingarten-Siedlung. Hinter der sauber geschnittenen Hecke: laute Party; eine lustig bunte Lampionkette ist an der Laube befestigt.
Einige der Gäste werden tanzen, andere über Arbeitsscheue wettern, die dritten fordern, dass man bei Nazis und Kinderschändern kurzen Prozess machen sollte. Wieder andere werden einander bestätigen, dass sie in der DDR jedenfalls genug zu essen hatten (obzwar sie auch jetzt keinen gänzlich unterernährten Eindruck machen) und die Gruppe da hinten ist schon bei Trinkspielen mit kleinen Flaschen angekommen.
Musik: „Die Toten Hosen“. Ah, das passt.

Der Zurückgebliebene kratzt sich am Kopf: Die „Toten Hosen“ sehen sich noch heute als Punks, mithin als Leute, die „ihr eigenes Ding machen“, Konventionen gering schätzen und ein eher lockeres Verhältnis zu Recht und staatlicher Gewalt pflegen. Ganz so „fast“ leben sie nicht und „young“ sterben können sie auch nicht mehr, dennoch: Sie sind gegen Nazis, deutschen Ordnungssinn, trinken durchaus Bier und spielen schnellen, gepflegten Deutschrock, in dem sie die üblichen Wahrheiten der „Progressiven“ verkünden: Saufen gut, Nazis schlecht, Vorurteile blöde, Liebe ’ne gute Sache, Jugendgewalt Reaktion auf soziale Probleme, Heuchelei echt übel, Fußball olé olé olé, oft geht’s im Leben schief, aber wir steh’n immer wieder auf….

Kleingärtner als inkarniertes Spießigkeitsklischee müssten mit der Unterminierung ihrer Ordnung der Dinge ein Problem haben, Wühlmäuse sollten nichts gegen es sein. Haben sie aber nicht. Sie müssten linksradikale Umtriebe wittern, tun sie aber nicht. Wenigstens einer von ihnen könnte doch das Gesungene mit dem eigenen Leben vergleichen und gewisse Diskrepanzen feststellen?! Aber warum sollte er, bloß weil irgendein Verrückter des vergangenen Jahrtausends nicht mehr mitkommt, sich dafür aber schwer reaktionär vorkommt, wenn er in der Postmoderne der Moderne nachtrauert.
Ja, auch die Postmoderne kennt Gärten in der Stadt und deren Pächter sind – im Rahmen der guten Sitten – genauso ausgeflippt wie die Ehemals-Punks, sie schätzen den Suff, die Partyübertreibung, bunte Haare und sexuelle Freizügigkeit.

Wer jetzt irgendwen auf irgendwas festlegen will -bspw. darauf, dass das zustimmende Gegröhle von der Schönheit des In-den-Tag-Hineinlebens sich doch auch irgendwie in der eigenen Lebensführung niederschlagen müsste- wird, wenn er überhaupt noch verstanden wird, sicherlich mit dem Kult-Einwand abgespeist: Alles so schön verrückt hier, aber eigentlich sind wir anders; das Peinlichste ist das Beste, hier lacht der Linke über den Judenwitz und der Konservative singt Ernst Busch. Das ist doch das Tolle, mach dich locker, guck mal über’n Tellerrand, sind hier nicht alle so verbiestert logisch wie Du!

Nun denn, um den Wahnsinn auf den Begriff zu bringen, reden wir – systemtheoretisch – von „Ausdifferenzierung“; Spenglerianer dürfen Oswalds Kulturen-Tafeln zu Rate ziehen und an deren jeweiligen Enden nachlesen, wie es Zivilisationen (= den Verfallsformen der Kultur) so ergeht: „starrer Formenschatz“, „Ohnmacht“, „Massenwirkung“, „provinziales Kunstgewerbe“, „geschichtsloses Erstarren“, „langsames Heraufdringen urmenschlicher Zustände in eine hochzivilisierte Lebenshaltung“ (ab S. 70).
Alles geht deshalb so wunderbar glatt und andererseits herrlich durcheinander, weil alle Beteiligten die Technik des geschmeidigen Systemreferenzwechsels gelernt haben. Sie wissen nicht nur, wann sie gezwungen sind, sich unterzuordnen und wann, wo sie locker sein dürfen, sondern – viel wichtiger – wo und wann Übertreibung geregelt geboten ist und wann es cool ist, gehorsam zu sein.

Je starrer die Lebensführung wird, desto mehr will man sich von einst nicht-traditionalen Kulten ausborgen. Würde man sich Existierendes, noch Fremdes nicht aneignen wollen, hieße das ja, Grenzen anzuerkennen, zu wissen, wo der eigene Bezirk aufhört, der des anderen beginnt. Doch jede Grenze wird hier einfach verlacht, nicht einmal angegriffen. Wer Grenzen zieht, will anderen etwas verbieten, ist mindestens Spaßbremse, wahrscheinlich aber Faschist.

Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes: Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte, dtv, München, 1988 (9. Auflage)

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Man darf diesen Gedanken in diesem Land nicht vorbringen, er findet sich auch in keinem Feuilleton, kein Musikwissenschaftler traut sich, ihn zu äußern. Unreflektiertes Feiern überall.
„Zitternd vor Kühnheit“ möchte ich ihn dennoch aussprechen:

Der Antisemitismus Wagners lässt sich nicht von seiner Musik trennen.

Das ganze Land schwelgt in Walkürenritten, ventiliert Leitmotivtechnik und Tristanakkord – doch: Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Vom NS will man in diesem Staat ja nichts mehr hören, da soll wenigstens eine Stimme Einspruch erheben:

Wagner war ein Antisemit.

Mir ist klar, dass jetzt ein Sturm der Entrüstung losbricht. Gerade jetzt: Wehret den Anfängen!

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Nichts stößt auch gutwilligen, intelligenten Lesern dieses Blogs so auf wie die Rede von der „linken Republik“. Mehr oder weniger deutlich wird mir gesagt, dass ich hier, bei evtl. vorhandener Stimmigkeit beschriebener Details, doch über´s Ziel hinaus geschossen hätte. Deutschland – von Linken beherrscht? Oder soll gar behauptet werden, alle würden oder seien – Linke? Und schließlich: Was ist mit der Ausländerfeindlichkeit in ostdeutschen Dörfern? Sei die etwa Ausdruck eines linken Antirassismus´? Mitnichten.

Wir beginnen heute, wie so oft, mit einer Binsenweisheit: Links gibt es nur mit Rechts zusammen. Man muss den Differenzenkalkül von Spencer Brown nicht studiert haben, um das einzusehen.
Nun können wir die Differenz durch das Beibringen von Indizien entfalten: In den letzten 10 Jahren hat sich kein einziges konservatives Thema durchgesetzt: Energiewende, Homo-Ehe, Multi-Kulti und Dialog der Kulturen, Agenda 2010 als Integrationsprojekt für Unterschichten, Finanztransaktionssteuer, Gender mainstreaming, Managergehälter…
Nirgendwo ist die vereinigte Linke gescheitert. Der Weg in die totale Gleichheit bis hin zur Aufweichung der Währung ist längst beschritten.
Man kann diese Diagnose treffen unabhängig davon, wo die eigenen politischen Präferenzen liegen. Ich bspw. wäre der Letzte, der nicht zugeben würde, dass ihm einiges in dieser Aufzählung sehr gut passt.

Nein, der NSU ist kein Gegenargument.
Auch die Rechten werden links. Der Sympathisantensumpf des NSU betreibt Selbstverwirklichung, Party, frönt der Zerstörungslust im Schutze der Nacht; Anarchie, Grenzverwischung allerorten.
Im Sinne eines verquasten Verständnisses von Volk und Nation werden alle Autoritäten (erzieherische, rechtliche, polizeiliche) lachend verachtet. Nicht nur in den angestammten Revieren der Herrschaftsfreiheit ist man gegen – Zwänge.

Wenn rechtsradikale Gewalttäter heute linken Sozialarbeiterslang sprechen und ihre Taten schwer existenzialistisch in die Nähe ultimativer Selbstbestimmung rücken, dann hat hier ganz offensichtlich nicht der Nazi-Opa mit schnarrender Stimme gesiegt, der dem Enkel den blonden Scheitel nochmal mit Spucke befestigt. Wenn die anabolika-dicken Ostzonenjungs und ihre breitmöpsigen Schneckchen im HipHop-Ningelsound darüber klagen, wie groß die soziale Kälte hierzulande sei, dann hat das mit „rechts“ nun einmal nichts zu tun. Ein ganzes Land dudelt wohlfrisierten AntiRa-Punkrock – und nichts wird besser, menschenfreundlicher.

Wieder und wieder höre ich: Das sei doch nur die Form, die Nazis hätten sich all das eben camouflagemäßig angeeignet, ihre Ideologie sei nach wie vor Ausgrenzung und Vernichtung. Wenn die Antifa sprüht: „Wir kriegen euch alle“ und auch gleich dazu sagt, was sie, nachdem sie die Bösen gekriegt hat, mit ihnen zu tun gedenkt: „Unser Sport – Nazimord“, dann gilt das dieser Republik als Dummerjungen-Streich, dann kann man beim besten Willen Ideologie nicht entdecken. Ausgrenzung, Vernichtung? Na, wer wird denn gleich…
Ja, was um Himmels willen soll denn der Inhalt dieses NSU sein? Traut man denn bspw. den zugepiercten, nicht wirklich durchalphabetisierten Freien Kräften allen Ernstes zu, eine Volksgemeinschaft mit Disziplin, Autorität, harter Arbeit, Blut und Boden, „deutscher Mutterschaft“ usw. usf. zu schaffen? Traut man ihnen auch nur – Landwirtschaft zu? Und wer jetzt mit ihrer körperlichen Gefährlichkeit kommt: Alle Kriminellen sind gefährlich. Und als solche sollten sie bekämpft werden, nicht als Monster irgendeiner Vergangenheit. Die scheitern doch daran, sich ihr eigenes Essen zu kochen! Sie sind zur Volksgemeinschaft so unfähig wie linke Lesekreisler zum Kommunismus! Wenn die Leistungen kapitalistischer Globalisierung (McDonalds, Fertigpizza, Red Bull, Unterhaltungselektronik), die man hüben und drüben so wortreich verabscheut, spärlicher tröpfeln, gehen die doch alle in die Knie und bauen eben keine schwer arische Selbstversorgung mit eigener Viehhaltung auf. Sie werden sich mit den lokalen Punks verbünden, Supermärkte plündern, die nächste Woche verschlafen und darauf hoffen, dass in der kommenden irgendjemand wieder irgend etwas herstellt. Meine Güte!

Vielleicht können sich einige meiner Kritiker mit mir so einigen: Nicht die Linken haben gesiegt, auch nicht die Linke, wohl aber: das Linke. Und zwar flächendeckend = total = auf ganzer Linie.
Wer heute vernünftig links sein will, sollte sich bemühen, nicht dadurch zu verblöden, dass seine Umgebung ihn immer schon versteht. Er sollte Ausschau halten nach substanziellen Widersprüchen. Technik: All das, was zweifellos gerecht und humanistisch ist, in Frage zu stellen und sich dann an die Widerlegung der Gegenargumente zu machen.
Ein Beispiel: Gehört eine erkämpfte Lohnerhöhung von 5 +x % bei einer Inflationsrate von 1,8% auf die Seite linker Emanzipation oder auf die Seite des liberal- bzw. rechtskonservativen „Weiter so“? Aufgabenstellung: Bringe je vier Gründe pro und contra bei und wichte sie gegeneinander! Gehe insbesondere auf die Komplexe „Dritte Welt“ und „Ökologie“ ein!
Eine solche Erörterung wäre allerdings substanzieller als alles, was auf den ideologischen Verschiebebahnhöfen dieses Landes bereit gestellt wird.

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Niklas Luhmann meinte, ab 1968 durfte man über den Rasen laufen (148). Doch ab 1989 musste man es. Ab dem Jahr 2000 sind jegliche Grünflächen für emanzipatorische Selbstverwirklichung bestimmt. Es entsteht Plenumsbedarf, wenn man nicht wenigstens kifft. Auf dem Rasen kommt man zusammen, um zu dummer Musik zu tanzen oder sich die Birne wegzuknallen.

Einst tobte rechts der höhnisch lachende Gewalttäter, rabiat, patzig, aus allen Nähten platzend vor Energie, links ging der klassenbewusste Arbeiter seinem Tagwerk nach und sann in der Freizeit bei trocken Brot auf Revolution. Heute nistet rechts verknöcherter Zynismus, links lacht die reine Unschuld. Die rechte Ikone ist nun das kantige Gesicht, Mundwinkel nach unten oder spöttisch verzerrt, der Blick unbeirrt fest auf den Horizont geheftet; ein Mann tut, was er tun muss, davon bringt ihn nichts ab. Links: Das freche, doch süße Kind, so unschuldig, so unberechenbar, so radikal, sprudelnd vor Leben und Lust. Ich möchte heute gar nicht davon anfangen, in welcher Republik wir leben, wenn Erwachsene in Massen „Harry Potter“-Filme gucken, ich möchte nur darauf deuten, dass in der linken Liebe zum Kindlichen etwas verborgen liegen könnte: Schau nur, die großen Augen des lustigen kleinen Kerls auf dem Flugblatt, der gerade ein Hakenkreuz zerschlägt, wie schön sie sind.
Alles sei hier so unverdorben, so direkt – die Willkür, die hier herrscht, könne so wenig böse sein, wie ein Kind, sie sei einfach bloß das Spontane, das jedem Kind nun mal eigen sei. Wer wollte den Wildfang schon runterputzen, wenn der nur seinem Herzen folgt – er ist eben so! Links ist das Bedürfnis, Willkürhandeln mit institutioneller Rechtfertigung auszustatten – dass das nur praktikabel für Menschen ist, die sich durchzusetzen verstehen, ist keiner weiteren Erörterung wert. Man rechnet eben einfach nur mit starken Menschen.

P.S.: Da mache ich mich nun über die linken Hysteriker lustig, die, Demokratiekritik hin, Kommunismus her, den drohenden faschistischen Terror mit einer Stimme für den grundsoliden Herrn Jung verhindern wollten und dann wähle ich selber sowas von links.
Nun ja, das kommt davon, wenn man nicht Luhmanns Vorschlag befolgt, einfach irgend etwas auf dem Wahlzettel anzukreuzen, damit irgendetwas passieren kann.

Luhmann, Niklas: 1968 – und was nun? in: Universität als Milieu (Hrsg.: André Kieserling), Bielefeld, 1992

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Am 27. Januar steht das emanzipatorische Leipzig wie ein Mann gegen die finstere Reaktion in Gestalt von Horst Wawrzynski. Der nämlich will unsere Stadt tot und leer machen.
Der Schriftzug macht deutlich, wem die Hauptsorge gilt: Sprayern, die dann unsere Wände nicht mehr quietschbunt malen dürfen, wenn Brutalo-Horst erst mal durchgreift. Ansonsten möchte man gern Drogenabhängige schützen – und zwar nicht vor den Drogen (deren Gebrauch man sich links nur als „selbstbestimmt“ vorstellen kann), sondern vor denen, die einmal probieren wollen, ob nicht eine entschiedenere Gangart gegen „User_innen“ möglicherweise noch mehr Erfolge beim Lebenretten hat, als das Gewährenlassen im öffentlichen Raum.

Schlotternde Linksradikale verhinderten damals durch Anti-Stoiber-Kampagnen bekanntlich den offenen Faschismus in Deutschland. Heute in Leipzig geht es nun schon darum, die Voraussetzungen für Emanzipation zu schaffen:- Dreckig und unsicher muss Leipzig werden, pardon: bunt und kreativ, bzw. lebendig und voll. Die Nazivergleiche überschlagen sich und natürlich kommt die Logik wieder mal nicht mit: Horst sei Versager sprühen unsere schwer lebendigen Sprayer auf seine Plakate – er greift also nicht richtig durch? Opfer!

Freuen Sie sich mit mir und Herrn Jung auf die Leihstimmen von linksaußen. Es geht ums Ganze. Leipzig – eine einzige große Party: Laut, wild, schmutzig, weit und breit keine Polizei in Sicht.

Wie dumm.

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Es gibt keine Alternative zu den Abläufen am nächsten Tag – zu Aufstehen, Essenbeschaffung, Essen und Ruhen, zum Tätigsein für Andere, zur Sicherung des Eigenen, kurz: zum Aufrechterhalten all dessen was macht, dass das Leben auch am nächsten Tag stattfinden kann. So kann man auch Heideggers Bemerkung auf Hannah Arendts Frage verstehen: “Was ich mache? Immer das Selbe.” Er meint: Was bleibt mir übrig? Das Leben will geführt werden.

Ewige Wiederkehr des deutschen Wahns, glaubte eine kritisch-theoretisch verhetzte Linke interpretieren zu müssen und bemäntelt damit doch nur ihre pubertäre Teddy-Begeisterung für Bruch, Riss und Negation.
Das „ganz Andere“ ist der Tod.

Wie schön aber ist es, wenn die Liebenden auch morgen noch beisammen sind, wenn auch morgen die Sonne aufgeht, wenn Musik erklingt, wenn einen auf Arbeit und in der Kneipe dieselben Leute bei gleichbleibend guter Gesundheit begrüßen und unsere Bitte immer wieder gehört wird:
„Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld.“

Denn: Wenn es morgen kracht und es im Dienste der Menschheitsbefreiung zunächst keine medizinische Versorgung, keine Polizei, keine Umweltstandards und gefüllten Supermärkte mehr gibt, sondern lediglich das Entzücken über den Anbruch des „ganz Anderen“, dann werden das am Besten die Jungen, Starken, Gewitzten verkraften, die Männer, nicht die Frauen, die Schläger, nicht die Behinderten, die Schönen, nicht die Entstellten. Kurz: Das Personal jeder faschistischen oder kommunistischen Massenbewegung.

Das hätte ich in diesem Blog schon x-mal gesagt? Mag sein. – „Was ich mache? Immer das Selbe.“

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