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Posts Tagged ‘Israel’

Vor einiger Zeit verstarb der wertkritische Publizist Robert Kurz. Bekannt wurde er v.a. durch seine Bücher „Der Kollaps der Modernisierung“ und „Schwarzbuch Kapitalismus – Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft“. Die von ihm maßgeblich mitbegründete Theorie – eine Kritik der Grundkategorien des Kapitalismus: Arbeit, Wert, Ware, Geld, Staat, die in einer Zusammenbruchstheorie kulminiert – wurde lange Zeit durch die „Gruppe Krisis“, später dann durch das Projekt „EXIT“ ausgearbeitet.
Sein Hauptanliegen war m.E. das Auf- und Durcharbeiten. Er hatte die Vorstellung, dass jeder Blödsinn auf der Seite der Linken Verwesungsprodukt ihrer Geschichte sei. Deshalb gelte es, die alten Texte neu zu sichten, kritisch zu durchleuchten und alles, was vor der Kategorialkritik nicht bestehen kann, ohne Sentimentalität abzuräumen. Der Weg sollte frei sein für eine Linke, die aus ihrer Geschichte gelernt hat. Mir hat diese Haltung sehr gefallen.

Ich kannte Robert Kurz von einigen Seminaren, wir haben einige Male mit einander gesprochen. Zwei meiner Texte hat er mir bei solchen Gelegenheiten in Grund und Boden kritisiert und das durchaus zu Recht.

Aufgewühlt hat ihn der Clash mit den Antideutschen. Kurz hat hier publizistisch gewütet und er hat – wie so oft – Recht behalten. Die meisten seiner schlimmen Übertreibungen, über die wir damals den Kopf schüttelten, wurden von der Realität wahr gemacht. Die Erbärmlichkeit der Adorno-traurigen, kunstsinnigen und doch so kriegslüsternen Jünglinge kannte keine Grenzen. Mir bog später die menschliche Niedertracht der Leipziger Ableger, einer Kamarilla, die nichts konnte, außer Adorno, die nicht wusste und wissen wollte, was eine Leistungsbilanz ist und was an Börsen passiert, bei, was von der „antideutschen Ideologie“ zu halten ist.
Kurz hat den antideutschen Wahnsinn früh karikiert und mit aller Wucht dagegen angeschrieben. Zu früh und zu einseitig, wie er einige Zeit später zugab: Der Anti-Imperialismus hätte zum selben Zeitpunkt und mindestens mit der selben Intensität gezüchtigt werden müssen. Er hat das später mit der ihm eigenen Sprachgewalt nachgeholt.
Nun sind die Antideutschen überflüssig geworden: Ihr Deutschenhass hat sich in den bundesrepublikanischen Mainstream eingegliedert. Die Linkspartei wird israelsolidarisch, ihre jüngeren Mitglieder haben´s ganz entschieden mit Luxus, Glitter, Hedonismus – deutsche Gründlichkeit und Tiefe haben abgewirtschaftet und mit ihnen die Anstrengung des Lesens und gründlichen Durcharbeitens. Weder Mainstream- noch Restlinke wollen die harten Fakten zu Gesicht bekommen, sich mit Wirtschaftsdaten beschäftigen, mit Einwanderungszahlen belasten.

Nahezu nichts hat seine Kritik ausgespart – auch nicht die Wertkritik. Immer wieder kritisierten er und seine Mitstreiter frühere Positionen, berichtigten, verwarfen, bauten Neues ein – so bspw. das Wert-Abspaltung-Theorem von Roswitha Scholz. Als seine Gruppe drohte, lebensphilosophisch-gefühlige Alltagsbegleitung für konsumkritische Gut-Linke zu liefern, zog er die Notbremse und rief „EXIT“ ins Leben – es sollte wieder näher heran gehen an die Kritische Theorie.
In Gesprächen hat er zuletzt Vorbehalte sogar gegen das „Manifest gegen die Arbeit“ geäußert. Man habe da fast offene Türen eingerannt. Arbeitskritik verkäme heute immer mehr zur theoretischen Aufhübschung eigener Faulheit. Jedes Feuilleton sei ja heute „arbeitskritisch“. Eine befreite Gesellschaft aber würde sowohl Muße, als auch konzentrierteste Anstrengung kennen.

Ich sagte „nahezu“:
Zwar nahm er die Linke „mit eingeschränkter Alltagskompetenz“ unter Dauerbeschuss, doch er wollte immer ein Linker bleiben. Soviele grundlegende Differenzen in der Aufklärungskritik auch destruiert wurden, sowenig irgendeine herrschende gesellschaftliche Kategorie als überzeitlich anerkannt wurde – die Differenz links/rechts schien in Stein gemeißelt. Dabei war doch gerade sie offen erkennbar ein historisch junges Produkt. Kurz hätte sich mit Klauen und Zähnen dagegen gewehrt, dass es auf der Seite der Rechten für das Verständnis der gegenwärtigen Gesellschaft etwas zu holen gäbe. Diese Aufgabe müssen nun andere erledigen.

Robert Kurz war ein knarziger Rabauke, der noch die heißblütigsten Youngsters in die Tasche steckte – in der Leidenschaft der Kritik, wie beim Saufen. Und er war – auch wenn er das nicht gern hören würde – so etwas wie ein Grandseigneur des Geistes. Er gebot souverän über die hohe Philosophie, wie über die Niederungen der Volkswirtschaftslehre. Seine Kritik war bei aller Härte kein persönliches Runtermachen, sondern vom Bestreben geleitet, das Richtige siegen zu sehen.

Am Ende – die Linke. Es gibt nun keinen mehr, der auf sie aufpasst. All überall Sternchen, Glitter, 1 Milliarde Geschlechter und die Gier nach einem anstrengungslosen Leben auf anderer Leute Kosten. Alles wird Linkspartei, Klassenkampf oder Bellizismus – in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen.

Robert Kurz ist tot. Was für ein Verlust.

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heißt Vatti denken. Meine Lieblingsrechten protestierten schon im August 2008 gegen die Verlogenheit von SS-Günni, doch damals war er in der linken Republik ja noch der Gute. Da war er Auschwitz-Günter, antifaschistische Instanz. Die, die damals seinen schlichten Spruch auf Transparente pinselten, werden ihm jetzt eilfertig vorwerfen, er sei zur Rechten = Nazis gewechselt. Es wird Ihnen egal sein, dass er von Klaus Staeck und Wolfgang Gehrcke verteidigt wird – gewiss keine intelligenten Leute, aber doch in jedem Fall links. Sie werden nicht wahrhaben wollen, dass Grass geblieben ist, was er nach 45 durchgängig war – ein linker Pinscher. Ein verantwortungsloses Plappermaul, das unter dem Zwang der Intellektuellen steht: Zu allem und jedem etwas sagen zu müssen, nicht schweigen zu können/dürfen/wollen. Nicht einmal zu Mahmoud Ahmadinejad. Der taucht auch auf in seinem Gedicht und er kommt schlecht weg. Denn der iranische Präsident lässt es durchaus an friedenssicherndem Engagement fehlen. Schließlich ist er bloß „Maulheld“. Er tönt nur – statt zu schaffen. Wie Vatti damals in der SS-Division „Frundsberg“.

Grass ist ebenso wie die notorischen Berufsbetroffenen der linken Republik, die mit ihrem Engagement für krebskranke, hungernde Tiere in der 3. Welt den Tag herumbringen, durch nichts besonders qualifiziert zur Abgabe von Statements zur Weltpolitik – er schreibt halt einfach mittelmäßige Bücher vor sich hin. Aber jeder, der irgend etwas zwischen zwei Buchdeckel pressen lässt, gilt ja in dieser Republik als moralische Instanz, Mahner gegen das große Verhängnis. Und solange man sich von diesen „Mundwerksburschen“, die sich „für den ihnen fehlenden Zugang zu den Sachen durch Humanitarismus schadlos halten“ (A. Gehlen) zum Denken dummer Gedanken verleiten lässt, solange werden Grass & Co. die linke Republik mit Propagandamaterial versorgen können.

Stilfragen spielen dabei keine Rolle mehr: „Mit letzter Tinte“ schreibt er sein schludriges Propagandagedicht gegen Israel – das ist so äffisch, so läppisch, wie man nur links schreiben kann. Rechts wäre Beherrschung, Überwindung, links ist immer „Wut und Trauer“.

Dass der wirkmächtige Antisemitismus von links kommt und seine Quelle eben nicht im konservativen Weltbild hat, dass er für die Juden nur das Allerbeste will und natürlich mit Israel „verbunden“ ist (so wie Mörder und Mordopfer eben verbunden sind), davon wird die linke Republik nicht reden. Die älteren Feingeister werden sein Gedicht als Entgleisung des Geschmacks werten, die jüngeren Heißsporne der Recherche-Antifa haben längst Google angeworfen, um Connections von Grass zu „rechtsoffenen“ Gruppen heraus zu bekommen.

Dieses schlechte, ideologische Prosastück, das ein Gedicht sein will, weil Grass aus all seinem Tun Kunst gepresst sehen möchte, hat den einen und einzigen Zweck, dass Vatti nicht mehr als SS-Mann, sondern als „Überlebender“ wahrgenommen wird.
Als vom Therapeuten verordnete Anstrengung ist so etwas völlig in Ordnung. Nur leider müssen „Intellektuelle“ die Welt mit ihrem Gedankenmüll behelligen.

Das Gedicht von Günter Grass „Was gesagt werden muss“

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Links wird die Leitdifferenz des Deutschen als „Ergebung/Vernichtung“ ausgemacht. Beides läuft auf den Tod hinaus, der den Deutschen immer Lösung sei. (Diejenigen mit philosophischen Aspirationen rühren hier noch gern Heideggers „Sein zum Tode“ hinein, obwohl das nun gar nichts damit zu tun hat. Doch davon demnächst mehr.)
Die Kontrastposition werde durch das „Leben als Kampf“ gehalten, Vorbild: das Alte Testament. Von hier ist es nur noch ein Katzensprung zur Ableitung, dass es prima und immer zu begrüßen sei, wenn israelische Heranwachsende mit der Waffe in der Hand gegen die „antisemitische Internationale“ kämpfen. (So zumindest die Hinzufügung der carhartt-behosten Zivis deutscher Mittelschichtsherkunft, die auch gerne gegen irgendetwas kämpfen würden, wenn auch nicht in echt.)

Mag sein, dass die anprangernde Rede vom „unheilvollen alttestamentarischen Prinzip“ und der „Spirale der Gewalt“ antisemitisch ist. Fakt ist, dass die ganze anti-israelische Bagage irgendwelcher Friedenskreise sich dieser Topoi bedient. Doch m.E. sollte man sich nicht so pseudo-aufgeklärt verteidigen, wie die o.g. Jünglinge tun – an der Gegengewalt ist doch nicht zu loben, dass durch sie die Geschichte offen gehalten wird. Und die Verteidigung eines Landes gegen Terror kann doch auch nicht Gegenstand von philosophisch getöntem Lob oder Tadel sein.
Vielmehr ist es doch in sich ungemein tröstlich, dass Gewalt immer Gegengewalt erzeugen könnte, die Gewalt also eben nicht triumphieren muss, dass der Gewalttätige vielmehr bis zuletzt vorm Stärkeren zu zittern hat.
Christoph Türcke: „Andererseits ist Gegengewalt auch gegen Gewalt.“

Können Sie, lieber Leser, jetzt ermessen, wie groß die Liebe desjenigen sein muss, der auf die ultimative Gewalt nie gewalttätig antwortet, sondern den Gewalttäter gleich mit erlöst?

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Nein, unsere emanzipatorischen unter den Genossen finden nichts dabei in einer Partei zu sein, die ihnen nicht gefallen kann. Ihre Unlogik, den festen Willen zum Dumm-Sein und Mitmischen tarnen sie als Unverzagtheit, als Verantwortungsgefühl für das Gute, gegen die Finsterlinge. Sie lassen sich nicht unterkriegen – nicht von den verachteten Zonis, den „Arbeitswahnsinnigen“ und von der Logik schon gar nicht. Niemand wütet stärker gegen die eigenen Parteimitglieder, als die „emanzipatorische“ Jugend.
Leicht haben sie´s (mit der Logik) wahrlich nicht: In der Flottenpartei der Höger und Paech sind sie irgendwie für Israel.
Als erklärte Aufklärungsfreunde machen sie eine Veranstaltung mit einem geschworenen Aufklärungsfeind – und finden nichts dabei.
Die Parteiführung gedenkt der Weltkriegstoten, die Splitterjugend bejubelt alliierte Bombardements, scheiß doch drauf, ja, das ist nicht logisch, das ist pluralistisch. (Nebenbei: Nein, das meint Gotthard Günther mit der „polykontexturalen Gesellschaft“ nicht.)
Die Alten loben an der DDR die Abwesenheit von Drogen, die Jungen vertilgen soviel auf einen Ritt, als wollten sie gleich heute DDR-Verhältnisse wieder herstellen.
Werden auf einer Demonstration Polizisten als Bastarde beschimpft, gegen die nur „fight back“ helfe, läuft die Leipziger Bewegungsliese von der Linkspartei vorn mit – ihr doch egal, dass der Ordnungsbürgermeister aus ihrer Partei kommt.
Immer immer geht es irgendwie ums große Ganze, in dem wir uns irgendwie einig sind. Nur worin das besteht, weiß keiner. Dabeisein ist alles.

Kommt vielleicht einer der wenigen noch verbliebenen freischaffenden Freudo-Adorniten mal auf die Idee, diese sehr spezielle Menschengruppe mit psychoanalytischen Mitteln zu untersuchen? Nein? Dacht´ ich mir´s doch – der Psycho-Pathologisierung anheim fallen Leute rechts von der CDU, nicht links von der SPD.

Da fällt mir zum Schluss doch noch eine Gemeinsamkeit der linkssozialistischen Generationen ein: Gelesen wird nicht. Theorie findet nicht statt. Die Alten gehen sammeln und die jungen – layouten. Herrlich – so gibt es immer mehr Geld für immer schönere und dümmere Flyer. „Wunderbar ist das alles“ (Loriot).

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Unser Gastautor, der hier bisher seine Position zu „Tokio Hotel“ darlegte, in dem er darüber schrieb, was die Band mit gesellschaftskritischen Ansichten am Hut haben könnte, findet: Ja, das ist wichtig. Psychotherapie, Logik, Redlichkeit und Triebabfuhr seien ausgesprochen nützliche Angelegenheiten, weswegen er auch seinen Text an eine Leipziger Polit-Gruppe aus dem Jahre 2003, die eine Veranstaltung mit dem Bahamas-Redakteur Justus Wertmüller durchführte, hier für mitteilenswert hält. Die vielen Zeilen hätten die Leipziger damals nicht interessiert. Der Autor hätte das Ding bis zur Peinlichkeit angepriesen – ohne Erfolg. Die Leute wären froh gewesen, wenn er wieder von anderem geredet hätte. Gerade die, die sich die harte Trennung aus Berlin organisiert hätten, wollten hinterher ganz dringend kuscheln. Ob das heute wohl anders sei?
Er hätte im Übrigen die Beobachtung gemacht, dass die einst bei Wertmüllers Invektiven dummfroh vor sich hinblökenden Schafe heute die Ersten seien, die diesem am liebsten Redeverbot erteilen würden. Ja, wie sich die Zeiten ändern. Die früheren Antideutschen sind den Schafen wohl doch zu substanziell geworden; und nun, da das linke Gewissen gefährdet ist, wird der ganze universitäre, deutschenfeindliche Zinnober, mit dem es sich auf Steuerzahlerkosten so herrlich leben lässt, von denen, die ihn einst ins Werk setzten, auch noch widerrufen. Wie unübersichtlich das alles ist.

Ach, eins soll ich noch ausrichten: Wer an Politquark nicht interessiert ist, möge sich den Text bitte ersparen. Und dieser schlimme Emo-Ton sei ihm heute peinlich.

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An die Mitglieder der Antideutsch-Kommunistischen Gruppe Leipzig,
22. Juni 2003

im Gegensatz zu Sören Pünjer, Robert Kurz, Justus Wertmüller und Franz Schandl bin ich bekennender Anhänger auch des falschen Friedens. Für mich lässt sich polemisch gut tösen und hinterher socializing pflegen. Man setzt gegenseitig ein „Mindestwohlwollen“ (Türcke) voraus und „gut is“; inhaltliche Differenzen werden in Texten ausgetragen oder dienen zur Frotzelei am Kneipentisch (Das alles haben wir oft und gern gegenseitig gemacht –ob es nun gegen die Apokalyptiker ging, die jeden Regenguss als ökologische Endkrise interpretieren würden oder gegen die antideutschen Fleischfresser, für die jeder vegan food Verrat an der Über-Zivilisation des Kommunismus´ sei- und nichts ist daran zu beanstanden). Wir haben es gut gebacken bekommen, die Sphären zu trennen und spätestens bei den ersten alkoholischen Getränken die heftigsten Dissense in Nebel oder Dunkel verschwinden lassen. Mit Eurer Wertmüller-Veranstaltung (das zu Protokoll: der Wertmüller hat nicht das Podium geentert, sondern Ihr habt ihn eingeladen und seid ihm bei der Veranstaltung nicht –mit Sören zu reden- übers Maul gefahren) habt Ihr, die AKG, deutlich gemacht, dass ein „Mindestwohlwollen“ uns gegenüber nicht mehr vorausgesetzt werden kann. Gleichzeitig wundert Ihr Euch darüber, dass ich mich Euch gegenüber reserviert verhalte und Euer Wundern wundert nun wieder mich. Dennoch: Ich möchte versuchen, mich zu erklären.
Der folgende streckenweise schwer weinerliche, mindestens uncoole Text (doch dieses Adjektiv ist angesichts der Coolness, der emotionalen Reduziertheit unter heutigen Linken ja fast schon wieder elendes Eigenlob) spricht definitiv nur pro domo – so sehr pro domo, dass man den Eindruck haben könnte, ich nähme mich um Klassen zu wichtig. Kann schon sein, trotzdem war’s mir ein Bedürfnis, ihn zu schreiben. Ist mir egal, ob Ihr ihn lächerlich oder verachtenswert findet – ich schreibe auf, was längst in anderem Rahmen hätte gesagt werden müssen. Dieser Text hat einen anderen Ton, als der für Mackerchens so anziehende des Justus Wertmüller. Kein Kampf „Mann gegen Mann“ also, kein „Wettbewerb“, sondern der definitiv letzte Versuch, bei Euch –jedem/jeder Einzelnen von Euch- Reflexion auszulösen über das, was Ihr/was Euch –jeder/jede Einzelne von Euch- da treibt.
Die durch Eure Texte irrlichternden sadomasochistischen Anwandlungen (1. Ihr liebt ja die kräftezehrenden Spiele – Ihr in der Pose des gestrengen Herrschers, vor dem alle zittern, des Unerbittlichen, der willkürlich straft, aber in selten Fällen auch tröstet, dessen Hass-Intensität unberechenbar ist und der deswegen hündisch angehimmelt wird; 2. ein Beispiel ist auch der niedersausende „Bahamas-Hammer“, der hate speech von Wertmüller gegen den incipito-Artikel von Thomas Goertz, in dem Ihr auf geradezu peinliche Weise gefeiert werdet – man bindet die Leute eben durch immer höhere Anforderungen an sich und verweigert ihnen die Liebe, wenn sie nicht auch die letzten Durchgeknalltheiten absegnen; 3. in diesem Hass auf eine Bewegung, die nicht völlig konform, in der nicht noch das letzte Restchen Differenz ausgerottet ist, zeigt sich eben auch Selbsthass [Fromm lesen]; 4. hierher gehört auch Sörens Rede dass man die Linke vor sich hertreiben müsse), diese Anwandlungen machen kommunistische Kritik im real life nicht gerade leichter; von der Belastung der menschlichen Beziehungen nicht zu schwiegen: gerade davon soll hier geredet werden.
Es wird euch nicht verborgen geblieben sein, dass andere Mitglieder der WKL sich vollkommen aus der antideutschen Szene herausziehen/herausgezogen haben bzw. noch nie starken Kontakt zu Euch und Eurem Umfeld pflegten, so dass sie auch keinerlei Probleme mit offenen/halb offenen/zugeschlagenen Türen haben können. Da geht es mir anders (irgendwie gehörte ich ja doch mal zu diesem Laden, nämlich zu Zeiten, als er gegen Deutschland war und noch nicht von den „Nasen“ der „Bahamas“ übernommen); also möchte ich Euch mit genau dieser Weinerlichkeit behelligen – getreu dem Motto eines bunthaarigen Freundes: „Ich kenne keinen Stolz.“
Viele von Euch sind mir herzlich egal. Wir kennen uns nicht, reden nicht miteinander – und das ist auch gut so. Dennoch gibt es ein paar wenige Leute, die mir ans Herz gewachsen sind und zu denen ich den Kontakt nicht verlieren möchte. Diejenigen werden schon wissen, dass sie gemeint sind. Dennoch ist dieser Brief auch für alle anderen bestimmt, die sich Euch zugehörig fühlen, oder mit Euch sympathisieren. Dies ist kein offener Brief, kein Abrechnungspapier o.ä., sondern der Versuch, ein paar menschliche Beziehungen zu retten. Kaum Krisengerede, keine Kriegskritik werden sich in ihm finden, sondern der Versuch einer Klärung, ob persönliche Kontakte weiterhin möglich sind, oder nicht. Mit einiger Sicherheit träfe dieser Brief auf die Missbilligung meiner GenossInnen, doch das ist wohl deren Problem. (Die einfachen Kursivsetzungen sind –von mir umgewidmete- Teile von Wertmüllers Aussagen auf der Veranstaltung.)

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In diesen Tagen freut man sich an kleinen Dingen, bspw. daran, dass die Einreisebestimmungen des Staates Israel nicht von Sören gemacht werden, dass jene also Nazis und anderen Antisemiten und nicht Wertkritikern den Zutritt zu Israel verwehren. (Irgendwie unterscheiden die israelischen Weicheier da immer noch. Da müsste doch mal der „Bahamas“-Hammer reinhauen…) – Man muss gegen die rasende antideutsche Gleichmacherei gar nicht die säkularen Schwulen der Sheinkin-Street ins Feld führen – es reicht schon, das Personal des Tel Aviver Ben-Gurion-Flughafens zu erwähnen, das allemal besser zwischen Freunden und Feinden Israels zu unterscheiden weiß, als die verbalradikalen Adornofälscher, die sich „antideutsch“ schimpfen. Denn Israel ist glücklicherweise ein Rechtsstaat und keine Vorhölle antideutschen Tugendterrors. So sehr hat es selbst unsereins noch mit der bürgerlichen Zivilisation, dass er sie allemal antideutschem „Kommunismus“ vorzieht.

Faschistische Gefahren

„Niemand hat dich als Faschisten bezeichnet“, wird mir von Euch bedeutet, um business as usual treiben zu können. Nun denn, zitieren wir mal zurück: „Die Ankündigung gegen jeden Krieg zu sein, liebe Kurzianer, liebe Leser von Incipito und sonstwas, das ist die Ankündigung, bei der nächsten faschistischen Großkundgebung für den Frieden in Deutschland mitzumachen.“ (Wertmüller) Fast hätte ich das Organ publizistischen Feinsinns beleidigt, fast hätte ich verschuldet, dass der Justus Wertmüller wieder nächtelang nicht hätte schlafen können, weil ich ihm ein grobes Fehlurteil unterstellt hätte. Sören hätte zwar „unmenschlich“, „barbarisch“ in den Raum gebellt, doch Wertmüller selbst hätte sich eingestehen müssen, jemandem Unrecht getan zu haben. Doch glücklicherweise lese ich ganz genau nach und muss nun zugeben, dass ich mich geirrt habe, dass also ein Dementi fällig ist: Es wurde nur gesagt, dass man auf eine faschistische Großkundgebung gehört, nicht, dass man ein Faschist ist. Tut mir leid, soll nicht wieder passieren.
Die aberwitzigsten Konstruktionen werden gebaut, um so weitermachen zu können, wie bisher: „Krisis“ als faschistische Gefahr zu bezeichnen hieße ja nicht, sie als „Faschisten“ zu benennen, sondern zu diagnostizieren, sie seien gefährdet, Gedankengut des Faschismus´ zu übernehmen. Geht´s noch?! Also noch mal ausdrücklich: Eine Antifa-Demo richtet sich gegen die „faschistische Gefahr“ der NPD, eines Nazi-Tagungszentrums, einer national befreiten Zone… – sie richtet sich nicht dagegen, dass die NPD oder die national befreite Zone von faschistischem Gedankengut gefährdet ist! Also lasst solche sophistischen Kindereien in Zukunft stecken!

Kritik und Keifen

Seit ich, Wertmülleristen, Euren „Herrn und Meister“ kennenlernen durfte, sehe ich das US-Militär wieder in milderem Licht und bin ich froh, dass Israel auf die USA und nicht auf Leute wie ihn angewiesen ist. Kein US-Militär hält so nervtötende Vorlesungen über Publizistik wie er. In denen doziert er über Situationen, „wo kein Ziel mehr erkenntlich ist, wo die Kritik der Betrachtung oder der sogenannten Analyse weicht und die Polemik zur Beschimpfung wird…“ und kann doch im Grunde immer nur sich selbst meinen. So bspw. wenn er gegen „Paul und Paula Wursthaar“ hetzt, das alte Bahamas-Ressentiment also wiederkäut, das vom Stalinismus der eigenen Herkunft zeugt, eine pure Beschimpfung ohne kritischen Anspruch, eine dümmliche Beschreibung ohne irgendeinen emanzipatorischen Gehalt, peinlich wie jedes Herumreiten auf Äußerlichkeiten, in der Tendenz zum Draufhauen ermunternd. „Ihr wisst schon, die aus der Volksküche“ – etwas Deutscheres, als dieses beflissene Ranschmeißen an die Ressentiments der wohlfrisierten Linken ist schwer denkbar, dieses zwinkernde Anschluss-an-die-Masse-Suchen so ekelhaft, dass man weglaufen möchte. Nun werdet Ihr wieder zetern, dass das eine faschistische Parallelisierung sei und ich werde eilen, Euch zu beteuern, dass ich mit dem obigen Aufzeigen des Auseinanderfallens von eigenem Anspruch und dem, den man an andere stellt (Beschimpfung contra Polemik), Kritik geübt habe. Es bleibt also alles beim alten. Ihr werdet eben nicht gescheit.

Nach meiner szeneintern geäußerten Bestürzung darüber, dass anscheinend niemand sich an den Exzessen Wertmüllers stört, hörte ich allseits „Na, dann hat die Kritik doch getroffen.“ – Wenn ein kleiner Junge auf der Straße zu einem „Blödmann“ sagt, trifft einen das auch und man hält sich nicht für „kritisiert“. Etwas zerbricht in einem und doch gibt es so gar keinen Grund, denn dieser kleine Junge ist eben so viel schwächer als man selbst. Es ist nun mal keine Kritik, sondern faktenfreie Flegelei, die die Welt wieder ein bisschen schlechter gemacht hat, als sie ohnehin ist, wenn der Wertmüller hetzt: „Ist dieser Satz der Entwicklungshilfeministerin Wieczorek-Zeul nicht das Motto jenes wirklichen ‚Spiels ohne Grenzen‘, das Deutschland auf seiten von barbarischen Mördern gegen die Zivilisation austrägt, also immer auch mit Wertkritikern, und dessen ersten Waffengang zum Glück zusammen mit Saddam Hussein verloren hat?“ Da der Wertmüller nichts belegt, gibt es eben auch nichts zu widerlegen, gegen denjenigen, der mit dem Ressentiment reist kann man sich nur schützen, versuchen, dass andere, die von der „Krisis“ noch nichts gelesen haben, stark bleiben und an der Quelle überprüfen, was der „Bahamas“-Pöbel da rufmordet. Ihr habt’s doch sonst so mit bürgerlichen Errungenschaften – es hätte Euch auffallen können, dass im Umgang mit einem solchen Satz –einer intellektuellen Splitterbombe- nicht die kommunistische Kritik entscheidet, sondern das Strafgesetzbuch.

Ein Beispiel, wie vor lauter Keifen auch das letzte Restchen Konsistenz im eigenen Lager über Bord geht, bieten die „sexuellen Metaphern“. Diese sind der Freiburger Feinfühligkeitsfraktion in Kurz´ Text „Das Spiel ist aus“ doch so übel aufgestoßen, von Wertmüller werden sie umstandslos übernommen („am Arsch vorbei“, „angepisst“, „herauspressen“; auch der niedersausende „Bahamas-Hammer“ gehört hierher) – und niemand regt sich auf. Täte man es, würde sicher wieder nur das zeternde Hintergrundrauschen von Sören zu vernehmen sein: „unmenschlich“. Kann man Leute, die darauf spekulieren, dass sich schon niemand an die Texte der eigenen Fraktion erinnern wird, wirklich ernst nehmen?
Wenn es um Angriffe gegen die eigene Position geht, ist man freilich hellhöriger. Sören explodiert, dass man gefälligst mal genau belegen müsse, wo die „Bahamas“ behauptet hätte, die USA würden im Irak die Zivilisation herbeibomben. So haben sie es nicht gesagt, meinetwegen – weder „Bahamas“-, noch „Krisis“-Artikel lerne ich auswendig. Es genügt, die „Bahamas“-Erklärung „Zur Verteidigung der Zivilisation“ zu lesen, es genügt, sich zu Gemüte zu führen, wie dort die „antiamerikanischen Feinde von Globalisierung und Zivilisation“ bekämpft werden, um den Schluß zu ziehen, „Bahamas“-Autoren sähen in Kampfjets der USA Verteidiger der Zivilisation. (Im Übrigen habe ich keine Lust mehr, „Bahamas“-Texte auszulegen – und schon gar nicht jemandem gegenüber, dem es egal ist, ob jetzt finale Krise ist oder nicht, der die ganze „Krisis“-Literatur für beknackten Schwachsinn hält und an deren Stelle die Lektüre politikwissenschaftlicher Aufsätze setzt. Vielleicht will der Sören mit solchem –nun wirklich beknackten- Zeug ja doch mal in der Redaktion der PHASE 2 laden – ausreichend abgedreht ist es ja. Da bleibe ich einstweilen dogmatisch – bei Marx.) Von welcher Art jede Zivilisation ist, macht Horkheimer am Ende der „Dialektik der Aufklärung“ klar: „Man kann nicht den Schrecken abschaffen und Zivilisation übrigbehalten.“

Wertmüller schwatzt davon, dass das Abwägen von Kosten und Nutzen gegen den irrationalen Wahn stünde; er bezieht sich affirmativ darauf, dass das Prinzip des Etwas-aus-sich-Machens von den USA verkörpert werde (und somit gegen die islamische Hölle von selbstgewählter Dummheit und Primitivität stünde). Er weiß nicht, wovon er redet; er möchte es sich offensichtlich nicht mal von den eigenen klügeren Leuten aus Freiburg erklären lassen, was er da in den Raum hineingeplappert hat. Wertmüller tut so, als sei das Taxieren nach Kosten und Nutzen nicht das Allerschlimmste überhaupt („instrumentelle Vernunft“ noch mal nachlesen!). Ihr seid mittlerweile so weit, dass man an Euch ausdrücklich die Frage richten muss: Wisst Ihr wenigstens noch, wie das genannt wird, was es nötig hat, „etwas aus sich zu machen“, weil es nur im sich-Machen ist?

Ihr habt die Stirn, im persönlichen Gespräch damit zu kokettieren, dass das eben eine „Bahamas-Veranstaltung“ gewesen sei; Sven sagt mir allen Ernstes, es sei nun mal nicht Art der AKG, Fehler zuzugeben. Jetzt mal ganz langsam. (Das folgende ist weder Vergleich, noch gar Gleichsetzung, sondern Veranschaulichung – schließlich bin ich nicht Wertmüller.) Englische „Friedensaktivisten“, die in Israel sich vor die –Häuser von Palästinensern abreißenden- Bulldozer gesetzt haben, berichten auf irgendeinem Anti-Imp-Podium über ihren „Widerstand“ gegen die israelische Armee und die fruchtbaren Gespräche mit Yassir Arafat. Es gibt Proteste. Die Veranstalter zeigen sich verwundert – niemand habe im Vorfeld behauptet, es werde allzu israelfreundlich und arafatfeindlich zugehen. – Was ich meine: Ihr könnt doch nicht die Über-Chuzpe haben, Euren Gegnern (die wir sind! – und das wissen wir alle sehr genau, spätestens seit Eurem „Die Linke macht Staat“) zuzumuten, sie würden Eure „Strategie“ in der Beurteilung mildernd berücksichtigen. Wenn ich mal in Wertmüller-Sprech verfallen darf: Ihr wusstet sehr genau, was passiert, wenn Ihr diese Krawallschachtel einladet. Hinterher kalt lächelnd klarzumachen, dies sei halt eine „Bahamas“- und keine AKG-Veranstaltung gewesen (wie Marci tat), ist schon ein starkes Stück. Ihr habt den hierher geholt und seine rufmörderischen Ausfälle mild-zufrieden lächelnd begleitet. Und Ihr, die Ihr sowas gemacht habt, steckt da mit drin!

Ticketmentalität

Was anderes als „blinde Subsumtion“, „Stereotypie des Denkens“ (als Vorlage nur noch von Totalitäten zu denen man sich bekennen, oder die man ablehnen müsse) ist es, wenn Wertmüller sagt:
„Die Regierung Sharon auf eine Ebene mit Islamisten zu stellen, das schafft nur ein deutscher Linker. Eine derartig gnadenlose Barbarei findet man wirklich nur in der Wurstküche in Nürnberg beim Kurz…“
Kurz ist Feind, weil anti-antideutsch, demzufolge macht er alles (annehmen oder ablehnen – nichts dazwischen!) das, was unsere Feinde auch machen, jeder Artikel aus Nürnberg ist also das gleiche wie ein palästinensischer Sprengsatz. Nicht redet Wertmüller von Artikeln, denen Barbaren etwas abgewinnen könnten, Aussagen, die Barbarei (gewollt oder ungewollt – Ideologiekritik, you know?) befördern, nicht von mangelnder Distanz zu Barbaren, sondern von „Barbarei“. Und die muss getilgt, mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden – anderenfalls nähme er sich nicht ernst. – In der Auseinandersetzung mit Euch „Ideologiekritikern“ (denjenigen, die ausschließlich das analysieren, von dem sie glauben, dass es die Leute denken) ist man geneigt, die Realität zu vernachlässigen. Das soll Euch diesmal nicht gegönnt sein. Unabhängig davon, dass der Ideologiekritiker herausbekommen hat, dass für Kurz Sharon mit Islamisten auf einer Ebene steht (hat Sören an dieser Passage dazwischengerufen und von seinem Herrn und Meister einen Beleg verlangt?) schreibt Kurz im „Weltordnungskrieg“ (153): „Auf keinen Fall kann es für eine emanzipatorische, antikapitalistische Position um eine ‚Äquidistanz‘ zu Israelis und Palästinensern in dem Sinne gehen, dass bloß auf die komplementäre Barbarisierung … verwiesen wird. Das wäre deswegen zu kurz gegriffen, weil durch einen derartigen Krisen-Positivismus die Funktion des weltweiten Antisemitismus und damit die besondere Bedeutung des Staates Israel ausgeblendet würde.“
Doch sowas ist Euch natürlich egal und einem Wertmüller erst recht (Verzeiht diesen erneuten Wertmüller-Sprech…).

Was anderes als der „urteilslose Vollzug des Urteils“ (im Sinne des Fehlens jeglichen Abwägens) ist es, wenn er dekretiert:
„Die Ankündigung gegen jeden Krieg zu sein, liebe Kurzianer, liebe Leser von Incipito und sonstwas, das ist die Ankündigung, bei der nächsten faschistischen Großkundgebung für den Frieden in Deutschland mitzumachen. Das ist genau das.“ (Der letzte Satz, den man in einer Vortragssituation nun mal so dahinsagt, könnte fast als Definition der „blinden Subsumtion“ gelten.)

Was anderes, als „Wut auf die Differenz“ ist es, wenn Wertmüller einer Gruppe, die formuliert „Weder treiben uns die regressiven Friedensmassen in die Position der Bellizisten, noch die Antideutschen zur Montagsdemo mit ATTAC.“ unterstellt:
„Sie sagten nur, sie hätten sich nicht mit Volk und Regierung solidarisiert, sie sprachen nur komischerweise das gleiche wie Volk, Regierung und NPD, genau das gleiche, insbesondere die Kurzianer…“?

Zwar wisst Ihr sehr genau, woraus ich hier zur Beurteilung des Wertmüller zitiert habe, dennoch spreche ich noch mal offen aus, was der Schluss aus diesen Passagen ist:
Justus Wertmüller ist der Verkäufer des antideutschen Tickets.

Wer auf kritisches Denken nicht verzichten will, muss die Ticketmentalität loswerden. Sven hat einen Artikel geschrieben, in dem er sich von der Wertmüller-Hetze lossagt (freilich leider ohne irgendwelche Kritik an der antideutschen Ideologie zu üben). In Hannes regt sich wenigstens Unwohlsein gegen das Regredieren von Kritik zu Ticket-Stumpfsinn. Deswegen sei er hier noch mal angesprochen: Wie hältst Du es in dieser AKG aus, Du, der Du mir in einem Gespräch mal sagtest, dass man nach der „Bahamas“-Erklärung, in der die „Krisis“ zur faschistischen Gefahr wurde, „längst“ hätte „aufschreien“ (sic!) müssen?! Was machst Du jetzt – nachdem nicht die „Krisis“, sondern die WKL (von denen Du ja doch einige persönlich kennst) als „barbarische Mörder“ bezeichnet werden?!

Das paranoid geschlossene Weltbild muss verteidigt werden, koste es was es wolle. Wer inhaltliche Kritik vorträgt, dem werden Formalia erwidert (Bruhns Denunziation der sexuellen Metaphern bei Kurz), wer Formalia beanstandet, bekommt von Euch zu hören, man dürfe doch nicht vernachlässigen, was inhaltlich gesagt worden sei. Wiederum: geht’s noch?! Merkt Ihr nichts? Merkt Ihr nicht, dass man mit dieser Haltung nicht Kritik betreiben kann, weil man immer schon alles weiß, weil man „weiß“, dass demjenigen, der gegen die (den Inhalt verseuchende) Form redet, der „richtige“ Inhalt unangenehm ist und derjenige, der inhaltlich kritisiert, wegen falscher Form nicht ernstzunehmen ist? Um mit dieser Masche weitermachen zu können, müsst Ihr nichts mehr lesen und keine Nachrichten mehr schauen, in jener hat sich die Furcht vor jeder Realanalyse perfekt abgedrückt. Ihr könnt einfach die nächsten zehn Flugblätter auf Halde legen, könnt also das machen, was Ihr so gerne den Krisenbastlern vorwerft. Diese miesen Tricks hätten bei Karl Kraus nicht verfangen – in der Leipziger Linken verfangen sie um so besser.

Rationalität

Bei aller Aufklärungskritik – auf Rationalität kann in der unfreien Gesellschaft nun mal nicht verzichtet werden.

Wertmüller: „Die Ankündigung gegen jeden Krieg zu sein, liebe Kurzianer, liebe Leser von Incipito und sonstwas, das ist die Ankündigung, bei der nächsten faschistischen Großkundgebung für den Frieden in Deutschland mitzumachen“. Das ist rein sinnfreies Plappern. Doch der Wertmüller leidet an sowas nicht – er presst einfach zwei Sachverhalte in einen Ableitungszusammenhang und unterstellt die Prämisse („gegen jeden Krieg zu sein“) als oberstes Gut seiner Feinde. Noch so ´n paar Dinger? Bitte: Die Ankündigung für diesen Krieg zu sein, das ist die Ankündigung, beim nächsten Massaker der US-Army mitmischen zu wollen. Und noch eins: Die Ankündigung, gern Eierkuchen zu essen, das ist die Ankündigung beim nächsten Pfannkuchenbacken mitzumachen. Frei nach Wertmüller: So ähnlich geht antideutsche Kritik.

„Ausgekochte Mitmacher“ seien „Krisis Halle/Leipzig“, „deutschnationale Mitmacher“ bezeichnen die „Bahamas“ als „Bellizisten“. Die „Krisis“ steht –und das ist nachzulesen- für eine transnationale Aufhebungsbewegung, die alle Staaten bis auf einen (Israel) als Feinde der Emanzipation begreift (Staatskritik, you know). Das lässt sich im „Weltordnungskrieg“ nachlesen und steht selbst beim Schandl. Ganz ohne Weinerlichkeit gefragt: Wie bezeichnet man nach dieser o. g. Art „Kritik“ den PDS-Mann und dessen Diagnose „Ihr werdet doch alle vom Mossad bezahlt!“, wie die Angreiferin von Andreas´ Israelfahne und wie die Nazis, die die Irak-Fahne schwenken? Doch vielleicht rede ich auch gegen die Wand und Ihr seht wirklich keine Unterschiede mehr? Dann allerdings greift uns doch gefälligst auch an und schreibt nicht ellenlange Pamphlets! Es ist für Euch einfach unlogisch, mit Lili, Glatzenmartin, mir und allen anderen der WKL noch irgend was reden zu wollen. Nicht ich, die Moral oder irgendein Gefühl verlangt hier nach Auflösung dieses Widerspruchs, sondern die Logik! Nehmt Euch doch bitte ernst; Ihr seid erwachsene Menschen, keine Kinder, keine Entmündigten!

Ihr: „Auch Teil der Leipziger Verhältnisse sind die sich selbst als linksradikal verstehenden Gruppen, die uns um einiges näher sind als der Volksmob und die im Unterschied zu sogenannten radikalen Linken in anderen Städten begriffen haben, dass die Kritik der Friedensbewegung und die Solidarität mit Israel eine Notwendigkeit sind. Gerade wegen dieser Nähe darf eine Kritik aus kommunistischer Sicht an ihnen nicht ausbleiben.“

Jetzt der Wertmüller: „Leipzig ist eine Stadt (und das ist jetzt nicht mehr vom Amerikaner), deren linke Szene stolz darauf ist, dass keine Berliner Verhältnisse in ihr herrschen. Sie meinen damit wohl, dass man sich als Mainstream-Linker brav mit den Antideutschen auseinandersetze, statt sie zu boykottieren; dass man nicht mit Raumverboten, Kontaktsperren und Bedrohungen reagiere, sondern mit Argumenten. Dass also alle Linken, auch die Antideutschen, in Leipzig gemeinsam an einem Ziel arbeiten, oder irgend etwas in der Richtung. Das möchte ich doch aber arg bestreiten. Berlin hat den Vorteil gegenüber Leipzig, dass die Verhältnisse geklärt sind. Dass auf jeden der sich anmaßt, in der antideutschen Domäne den amerikafeindlichen Pazifisten zu machen der Bahamas-Hammer niedersaust; dass man dort gut damit lebt, von deutschnationalen Mitmachern, ‚Bellizist‘ genannt zu werden und dass es so viele Gerüchte über die Antideutschen gibt, dass man wie von selbst an der Quelle überprüft, was der Pöbel da rufmordet, also die Bahamas einfach liest. (…)
Sie sagten nur, sie hätten sich nicht mit Volk und Regierung solidarisiert, sie sprachen nur komischerweise das gleiche wie Volk, Regierung und NPD, genau das gleiche, insbesondere die Kurzianer…“.-
Meine Nerven, der spricht Euch direkt an und Ihr bekommts nicht mit! Jeder logisch denkende Mensch hätte jetzt ein Problem, nur Ihr scheint keins zu haben.
Selbst Sören hat’s ja seit einiger Zeit mit der zweiwertigen Logik in seinen „Bahamas“-Artikeln (allerdings bekommt er sie in den falschen Hals: „Gegen den Krieg“ schließt eben nur „für den Krieg“ aus und nicht „gegen die Friedensbewegung“. Hässliche Sache das, hab ich aber nicht erfunden.)

Tausende Tote seien von den friedenssüchtigen Deutschen beschworen worden, quasi aus Häme, weil man aus verdruckstem oder gar offenem Anti-Imperialismus den Menschen im Irak die Befreiung durch die USA nicht gönne. Ich weise in der Diskussion darauf hin, dass die AKG also eine ähnlich lautende Passage in ihrem Flugblatt („Völkerfreundschaft…“) einmal erklären sollte. Resümee bis hierhin: Man setzt die „Tausenden Toten“ zur (berechtigten oder unberechtigten) Denunziation der Friedensbewegung ein. Auf meine Bemerkung gibt es einen gemurmelten Einwurf Wertmüllers dahingehend, dass es die (Tausenden Toten) ja auch gegeben habe. Wer auf rationale Argumentation Wert legt, muss hier stutzen – man kann nicht bei anderen anprangern, womit man selbst argumentiert. Das verlangt die Logik! Es tut mir wirklich leid (nicht rhetorisch!), das sagen zu müssen, doch wer so agiert, redet wie Sektenangehörige, wie Leute, die nicht widerlegt werden können, weil für sie die „Grenzen der Aufklärung“ erreicht sind, weil sie ein unangreifbares System gebastelt haben, weil jeder aufgedeckte Widerspruch in ihm ein Beleg für dessen verschachtelte Wahrheit ist, die andere nur nicht sehen könnten, weil sie eben eiskalte, zynische Mitmacher sind.

Zu Eurem jüngsten Papier

„An die Freunde der kommunistischen Kritik“ richtet Ihr Euer bislang kürzestes Papier. Merkt Ihr nicht, dass die sich nicht mehr angesprochen fühlen können? Welches Interesse sollten WKL und BgR bzw. auch Freunde kommunistischer Kritik an BgR und WKL haben, wenn diese längst Freunde des NS sind (So unterscheidet Sören in seinem Brief bzgl. der „Krisis“ ja nur noch zwischen „mutmaßlichen NSlern“ und einem „Freundeskreis des NS“)? Was sind die Grundaussagen Eures Papiers hinsichtlich der WKL? Die Grundaussagen sind: 1. dass die Formulierung „Yussuf Wertmullah“ Teil der Sprache von Faschisten ist, 2. Wertmüller „plump“ beleidigt hätte, 3. der Fakt nicht stimmt, dass sich alle mit den Friedensdemonstranten und nicht auch einige mit Eurem Transparent gemein gemacht hätten, 4. nicht jedes wertkritische Posting nationalsozialistisch sei.

ad 1)
Dieser nicht sehr originelle Sprachwitz (dessen Quelle übrigens nicht die „Blätter des iz3w“ ist, wie Wertmüller behauptet, aber das ist ja auch egal – Es wird eben gelogen, gelogen, gelogen, ohne Ende.) war wohl der Aufhänger für Wertmüllers Ausfälle. Was stört ihn? Seid Ihr wirklich so blöd, nicht zu merken, worauf dieser Witz zielt? (Wertmüller ist es, aber Ihr auch?) Ist es nicht vielleicht rassistische Projektion, hinter Yussuf und –mullah einen antisemitischen islamistischen Attentäter zu vermuten? Es sei also noch mal erklärt, dass „Mullah“ einen islamischen Geistlichen bezeichnet, der es geschafft hat, eine Gruppe von Gläubigen um sich zu scharen. Die –jawohl- böse und kalkulierte Beleidigung „Yussuf Wertmullah“ geht also dahin zu behaupten, Wertmüller sei Gelehrter, Apologet des Werts (das zielt auf seine Apologetik von bürgerlichen Errungenschaften, Zivilisation, „normaler“ Verwertung) – und zwar mit Anhängern (Bahamas/ISF). Nur: Genau das hat niemand beanstandet. Stürme der Entrüstung kommen erst wegen der farbigen arabischen Einkleidung des Namens auf, die –wie gesagt, nicht allzu originell- damit spielt, dass Wertmüller ja erklärter Feind des Islam ist. Es schnappt so lediglich der anti-islamische Reflex ein – ohne Rücksicht auf den Inhalt folgt man den Signalen „Yussuf“ und „Mullah“. Sagt selbst: Ist das kritisches Denken?

ad 2)
Das Papier macht den Eindruck, Ihr würdet uns gegen die „plumpe Beleidigung“ von Wertmüller in Schutz nehmen. Mit Beleidigungen kann ich leben; wer von so jemandem wie Wertmüller nicht unter Feuer genommen wird, macht was falsch. Trotzdem – lesen wir bei Euch noch mal genau nach: „Wertkritische und nationalsozialistische Postings jedoch in eins zu setzen, wie es Justus Wertmüller tat, ist so unvermittelt wie falsch. Eine solche Äußerung ist keine Kritik sondern eine plumpe Beleidigung…“. Wen also haut Ihr mit Eurer Äußerung raus? Wertkritische Postings. Und kein einziges WKL-Mitglied. Da Ihr und Euer Sören es doch sonst so mit Sprache habt und auch Justus Wertmüller angeblich vor lauter Skrupeln bzgl. der treffendsten Formulierung kaum mehr irgendeine Zeile zustandebringt, da Ihr also Freunde des genauen Ausdrucks seid, sei Euch die Rede Wertmüllers noch mal zitiert: „Wen ich meine ist schnell gesagt: das Bündnis gegen Rechts, die Krisis-Gruppe Halle/Leipzig – ein ganz übler Laden. Kann man allein daran sehen: Wer meine Person als ‚Yussuf Wertmullah‘ bezeichnet, hat erstens von den ‚Blättern des IZ3W‘ abgeschrieben, die haben’s erfunden und ist zweitens ungefähr so toll wie die Teilnehmer am offen faschistischen Open Posting von Indymedia.“. Er redet von der Ähnlichkeit der Wertkritiker mit Teilnehmern am faschistischen Open Posting und Ihr weist die „plumpe Beleidigung“ von – Postings zurück. Ganz unironisch und voll sportlicher Anerkennung: Eine sprachliche Meisterleistung ist das, eine „saubere Arbeit“.

ad 3)
Diesen kleinen Triumph werde ich Euch wohl gönnen müssen. Die Beteuerung meinerseits, wegen der Israelfahnen dort gewesen zu sein, ist schwer zu untermauern. Der Fehler, hinter diesem Transparent im „Nazi-Style“ (wie einige Tomorrow-Jugendliche immerhin noch bemerkten) gestanden zu haben, ist nun mal bezeugt und nichts macht diese Schmach ungeschehen. Das einzige, was ich versprechen kann, ist: Es wird nicht wieder vorkommen.

ad 4)
Natürlich nicht: Der Bruhn bezeichnet sich ja auch als „wertkritisch“ – zumindest erklärt er, gegen Wert, Ware, Geld, Arbeit, Staat zu sein. Ihr macht also in Eurem Statement deutlich: Nicht jeder, der gegen die fünf Teufel agiert, ist nationalsozialistisch. Das sei schließlich nur die „Krisis“, nicht die ISF.

Fazit: Ihr habt Euch die Mühe mit diesem Text nicht umsonst gemacht, keine Minute der Überlegung war verschwendet. Er tritt nach und das auf eine so unnachahmlich gutmenschelnde Art, dass niemand mehr Einwände zu machen sich traut. Euer Geheule, wieviel heftigen Auseinandersetzungen Ihr Euch gestellt habt, um in Eurer Gruppe zwischen Hard- und Softcore zu vermitteln, ist mir egal. Euer Text spricht für sich und ist das Gegenteil einer Entschuldigung für die vernichtungswahnsinnigen (dieser Vorwurf wird in Meles Artikel begründet) Exzesse des Wertmüller.

Kritisieren, Helfen, Mitmachen

Immer irrer und schriller klingen die Anklagen, Sören kann gar nicht mehr anders als zu zetern: „unmenschlich“, „barbarisch“, „übers Maul“, „Schwachsinn“. Im Pathos werden seine Handlungsanweisungen zu Befehlen: Man solle, wie das CDU-Mitglied Max Horkheimer, auch im Kleinen helfen und sich nicht auf die Unveränderbarkeit des großen Ganzen herausreden. Sein Herr und Meister allerdings redet uns gegenüber vom Gegenteil: von „ausgekochte(n) Mitmachern“. Erneut gefragt: Geht´s noch? Wo bleibt denn jetzt die zweiwertige Logik? Sind Mitmacher diejenigen, die absegneten, was ohnehin passierte, nämlich die Bombardierung des Irak oder sind Mitmacher die wertkritischen Stubenhocker, die im Kleinen nicht helfen wollten, nicht mal mit einer ganz kleinen Bombe? Oder aber waren die Stubenhocker nicht vielleicht auch in Berlin zu finden, hat Justus Wertmüller weder in einem Kampfjet gesessen, noch Verwundete verbunden oder mindestens im Irak beim Wiederaufbau geholfen, sondern in seinem verkackten Berlin rumgehockt und Texte geschrieben? War es nicht so, dass wir alle uns so verhalten haben, wie der bewegungsverliebte Robert Kurz, der –demonstrierende Schüler raushauend- schrieb: „Egal, ob ‚irgendwo weit hinten in der Dritten Welt‘ ein paar Städte eingeäschert werden, die linken Kriegsgegner und die ‚linken‘ Bellizisten treffen sich urgemütlich zum gemeinsamen Räsonnement über die ‚verkürzte Kapitalismuskritik’…“, nämlich so, dass wir irgendwas geschrieben haben, was keinem Israeli, keinem Iraki, einfach niemandem geholfen hat?
Packen der Robert Kurz und der Sören, statt bloß zu schwatzen, jetzt also tatkräftig mit an – beim Wiederaufbau, beim Verwundete-Verbinden, beim Geldsammeln? Oder sitzen sie nicht vielleicht doch lieber weiter in den Häusern von Nürnberg und Berlin rum und schreiben Texte? Die Prognose: Da uns alle mit den Boutiquen von New York mehr verbindet, als mit den Ruinen von Kabul, wird weder Robert Kurz, noch der Sören zur „kleinen Hilfe“ schreiten. Vielmehr wird Sören weiter alle als „barbarisch“ verfolgen, die seiner popligen Theoretikermeinung nicht folgen und genau diese „Praxis“ mit dümmlichem Ärmelhochkrempel-Pathos als „kleine Hilfe“ verkaufen.

Lebenshilfe für Sören

Für Sören habe ich keine Strafe, sondern eine Empfehlung parat: Kratze dein Geld zusammen, kauf dir ein Flugticket und flieg nach Tel Aviv. Bleib dort einfach mal einen Monat – und sprich nicht mit Linken, nicht mit Likud-Leuten, Kibbuz-Aussteigern/-Mitgliedern, Friedensbewegten, sondern geh baden, shoppen, tanzen! Rede mit normalen Leuten! Ganz normalen unpolitischen Leuten! Sie werden Dir Deine deutsche Räsonnierwut nicht vorhalten, sondern sich über sie lustig machen, sie werden vielleicht einen ultra-orthodoxen Verwandten der Familie erwähnen, an den Du sie erinnerst, den sie nicht mehr verstehen, da er nur noch studiere und das offenkundig Lebenswerte (schä ha olam jafäh – dass die Welt schön ist, singt Ivri Lider) nicht mehr sehen will. Statt dessen sähe er nur überall Feinde, Abweichler, Unernsthafte. Ja, es kann sein, dass in eben diesem Augenblick in der nächsten Hauptstraße die Bombe hochgeht. Doch – genau diese Aussicht geht in die Lebenslust der Bewohner Tel Avivs ein und verführt nur eine winzige Minderheit zum radikalen Zetern und zum Abschließen gegenüber dieser Welt (bzgl. dieser Tendenzen schreibt Robert Kurz im „Weltordnungskrieg“ natürlich Unsinn). Ich will zuspitzen: Wenn es denn überhaupt Antideutsche geben sollte, dann sitzen sie in einem Panzer der IDF oder feiern am Strand von Tel Aviv. Die Antwort auf Heideggersches Denken ist nicht, aus einem Adorno-Aufsatz die Invektiven gegen die „Krisis“ als Freunde nationalsozialistischer Barbarei herzuleiten, sondern: Gasmaskenparties in den Kellern von Tel Aviv (die haben wirklich stattgefunden – zu Zeiten als ein Angriff Saddams am wahrscheinlichsten war). Das heisst, die deutsche Ideologie vor die Flinte zu nehmen. Wenn du das nicht einsehen kannst, dann versacke doch in Deinem Sumpf aus Verschwörungstheorie (die Unterstellung, hinter meiner vorgetragenen Position könnten ganz andere Interessen stehen) Psychoanalyse und Politikwissenschaft!

„Leipziger Verhältnisse“

Die „Leipziger Verhältnisse“ (ich kann’s bald nicht mehr hören) sind längst aufgekündigt – von oben quasi, von denen, die sie nicht mehr nötig haben, von Euch. So werden bspw. die theorieinteressierten carhartt-Jugendlichen wohl längst verinnerlicht haben, dass die Sorge um die natürlichen Lebensgrundlagen faschistisch ist (Schreibt doch gelegentlich mal einen Text über das verharmlosende dieser Ansicht – die ökologische Frage ist selbstverständlich nicht faschistisch, sondern nationalsozialistisch!). Euer Flugblatt „Die Linke macht Staat“, in dem Ihr das mit den WKL macht, was Euer Wertmüller allen anderen bzgl. ihres Umgangs mit der AKG vorwirft, nämlich, noch nicht einmal zu zitieren, sondern bestenfalls falsch wiederzugeben, dieses Flugblatt also hat diese Aufkündigung deutlich gemacht. Nun ist das nicht schön, sondern traurig, doch niemand (weder ihr, noch wir) hat behauptet, dass Wertkritik tägliches Frohlocken oder Antideutsch-Sein Zuckerschlecken bedeutet. Soweit geht das schon in Ordnung. Wer keinen Bock hat, zu zitieren, lässts eben sein und käut jahrealte Ressentiments wieder. Ziemlich erbärmlich, aber eben nicht schuftig. Kritik wird damit zwar ein Schatten ihrer selbst, doch ist das nicht mein Problem – Ihr habt schließlich Erfolg mit diesem Zeug und gegen Erfolg lässt sich schwer argumentieren.

Einige bestimmte „antideutsche Basis-Ideologeme“ (Trenkle) habe ich mir erarbeitet und werde die weiter gegen Euch verteidigen. So viel Geld ist allemal in der Theorie-Kriegskasse des Krisenbastlers, dass er es nicht nötig hat, nach Ticket-Schnäppchen Ausschau zu halten. Mit Euch als Gruppe bin ich fertig. Es gibt nun mal wichtigeres zu tun, als mit einer Art Teufelsscholastik den Adorno wieder und wieder zum Bellizisten zurechtzuhauen – bspw. den Zusammenhang zwischen Finanzmarktentwicklung und Sozialabbau neu aufzurollen, bspw. sich darüber klarzuwerden, was die jüngsten Deflationswarnungen wirklich bedeuten. (Ich weiss doch, was Ihr im Kopf habt: DAX rauf oder runter, Inflation/Deflation, Kollaps des Ökosystems alles egal – wichtig ist, unpolitische Schüler wegen der Blödheiten auf dem ersten Transpi ihres Lebens als Antisemiten zu enttarnen. Wir haben das alles ja x-mal diskutiert). – Bleibt „das Persönliche“. Ganz und gar nicht sicher sein kann ich mir darüber, welche Überraschungen Ihr noch parat habt. Schon deswegen muss ich die Kontakte mit Euch auf ein Minimum beschränken, bis deutlich geworden ist, ob Ihr uns, die WKL und damit mich, die wir uns ja zu den „nürnbergerischen … Gemeinschaftswerken“ (Kriegskritik, Diagnose der finalen Krise, Aufklärungskritik, transnationale Aufhebungsbewegung) bekennen, „bekämpfen“ werdet „wie jede andere faschistische Gefahr auch“ (3. Kommandoerklärung der „Bahamas“). Noch mal: Das ist nicht Selbstmitleid, sondern die Rettung der zweiwertigen Logik. Es nützt nichts, ich muss mit Euch weiterhin in Lesekreis und Redaktionstreffen auskommen, mir wird das peinlich sein, aber irgendwie wird’s schon gehen.

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Einer, der mit einem Monarchisten befreundet war, der bestimmt schon mal mit einem JU-Mitglied gefickt hat und zu jemandem herzliche Beziehungen pflegt, der sich nur beim Besuch von Friedensdemos (nicht aber sonst) das Tragen des Palituchs verbietet –einem Wursthaar-Gunnar in jeder Beziehung-, so einer ist nicht in der Position, ohne jede Begründung die Sympathie, die er in der Vergangenheit für gewisse antideutsche Kommunisten empfand, zu Lüge oder Missverständnis herabzustufen.
Nach wie vor kann ich nicht glauben, dass Ihr die Wertmüllersche Infamie, dass wir nicht solidarisch mit Israel sein könnten („Bei Kurzianern stelle ich nur die Behauptung auf, für Israel und seine Bedrohung haben die doch kein Interesse, die nicht. Sie befinden sich also …[ weil, wenn man die Zivilisation für ein barbarisches Verbrechen hält, dann hat man natürlich so seine eigene Haltung zu Israel.]…“), unterschreibt; immer noch denke ich, dass wir uns gegenseitig die Sorge um Israel abnehmen. Das wäre mal was Gemeinsames.
Zwar scheint es so, als ginge es verdammt asymmetrisch zu, was den Willen zu Kommunikation angeht, doch wie gesagt: Ich kenne keinen Stolz. – Gar keinen? Oh doch, ein Restchen hat sich trotz Peacerattitüde in meiner Seele gehalten und so bleibt mir nur folgender Schluss:

Seit der Veranstaltung mit Wertmüller ist klar: Das Spiel ist aus. Ich traue Euch allerdings immer noch zu, dass Ihr kommunistische Kritik von rufmörderischer Hetze unterscheiden könnt und so entdecke ich bei näherer Betrachtung durchaus noch ein paar Tage Nachspielzeit, hier ein Stündchen, dort ein Stündchen – es sieht nicht so aus, als würde sich das zu einer vollen Woche addieren lassen, aber immerhin…
Ihr –ob als Gruppe oder Einzelpersonen- seid also aufgerufen, Euch vor all denen, die als linke Szene gelten, von den üblen Pöbeleien auf dieser schmählich dummen Veranstaltung, in der Art, wie Sven es vorgemacht hat, zu distanzieren. Beschwichtigungen, Ausflüchte und die Beteuerung, dass man persönlich ja ganz nett sei (In Leipzig gibt man sich tolerant. Man kann ja über alles reden.), sind mir zu wenig und auch allgemeine Betrachtungen mit umfangreichen Adorno-Zitaten über Umgangsformen, die Waffe der Kritik und die ach so schrecklichen Verhältnisse, in denen man gerade den nächststehenden am meisten wehtun muss, werden da nicht ausreichen. Doch ist auch weder ein Einschwenken auf Friedenskurs, noch die Zurücknahme irgendeiner inhaltlichen Kritik an wertkritischen Positionen, noch gar ein Bekenntnis zur Diagnose der finalen Krise gefordert (da wäre Euch die Ablehnung allzu leicht gemacht), sondern das, was auch in finstersten Krisenzeiten im Umgang zwischen Kommunisten nicht verschüttet werden darf: menschlicher Anstand.

Download des Briefes

An die Freunde der kommunistischen Kritik

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Ein Hooligan (im wirklichen Leben in einem antirassistischen Verein beschäftigt), gerade weinend, weil er mit einer bestimmten „antisemitischen Äußerung“ einer Bekannten „nicht umgehen kann“. Diese hatte, etwas naiv, gefordert, die Reichen „mal ordentlich zu besteuern“ und so einige der ökologischen Folgeschäden von Zivilisation und Kultur zu sanieren.
Seine Freundin, ein schwer auf femme fatale geschminktes Schneckchen, engagiert sich neben dem hauptberuflichen Antirassismus noch in einer Antilookism-Initiative.
Beide kritisieren das „Konstrukt Nation“ aufs Schärfste, sind aber für Israel, gegen Deutschland und ein bisschen für Amerika (so lange sie noch nicht da waren). Als Nationenkritiker_innen (die Schreibweise „NationenkritikerInnen“ ist seit neuestem sexistisch!) führen sie auf Demonstrationen sehr gern die Fahnen der Alliierten mit sich – den Widerspruch halten sie dialektisch aus, obwohl und weil sie auch dem Poststrukturalismus einiges abgewinnen können.
Religionskritik ist ihnen absolut notwendig, wegen Islam. Christentum ist aber auch voll Scheiße wegen Inquisition und so und außerdem, weil da autoritäre, uncoole Säcke von vorgestern gegen das emanzipatorische Durch-die-Gegend-Ficken sind. Judentum ist aber Klasse, weil da noch der Messias kommt (der ja bekanntlich für Kommunismus steht – schwer vermittelt, Walter Benjamin und so) und dann auch irgendwie wegen Auschwitz.
Geld ist total Scheiße, aber unter 2000 € wollen sie früh dann doch nicht aufstehen.
Deutschland wollen sie abschaffen, wegziehen aber nicht.

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Judith Butler hat den Zivilcourage-Preis des großen CSD in Berlin abgelehnt. Der CSD sei ihr zu kommerziell und außerdem zu wenig anti-rassistisch.

Die Literaturwissenschaftlerin an zwei Universitäten, die nebenbei noch mit unglaublichem Geschwurbel in Buchform ihre an sich schon üppigen Einkünfte aufbessert, wünscht offenbar, nur armen (also innerlich bereiten) Leuten ihr links-islamisches Evangelium zu verkündigen. Doch die findet sie an diesem Tag nicht – nur ein paar wenige Leute vor der Bühne applaudieren.
Die geistlich wie pekuniär Armen, denen Butlers Solidarität gilt, veranstalten vielmehr seit einigen Jahren immer wieder einen sog. Transgenialen CSD, das alternative Rühr- und Gegenstück zum bösen, bösen Kommerz der schwul-lesbischen „RassistInnen“. Einer seiner Organisatoren stellt klar, was noch wichtiger war, als das anti-kommerzielle Ressentiment der Großverdienerin und es gibt keinen Grund, ihm zu misstrauen:
„Butler habe abgelehnt, weil der CSD mit Organisationen zusammenarbeite, die aus Sicht der Kreuzberger Aktivisten rassistisch – sprich: islamfeindlich – sind…“.

(Hier der O-Ton des Wahnsinns.)

Diese Gaga-Tante nun, die mit dem Dekonstruieren der Geschlechtsidentität leider Gottes nicht bei den bärtigen Männern ihrer geliebten Hisbollah beginnt, dient einer nicht geringen Anzahl von Linken zur Ikone – der Kreuzberger Transgeniale CSD, in der Vergangenheit immer wieder durch antizionistische bis antisemitische Ausfälle auf sich aufmerksam machend, ist in der Tat ihr Milieu. Auch dieses Jahr gibt es wieder ein Verbot von Nationalfahnen und auch dieses Jahr hat man dabei weniger Burundi und Norwegen im Blick, als vielmehr den einzigen Staat im Nahen Osten, in dem Schwule und Lesben unbehelligt leben können.

Auf dem Mini-CSD in Kreuzberg kommt alles zusammen, was zusammen gehört:
Der maoistische Aktivist,
die anti-zionistische Fummeltrine (die ganz genau so aussieht, wie die im großen CSD und sich lediglich durch ihren Hass auf Israel von ihr unterscheidet),
der abgerissene Wagenburg-Hippiepunker, der der Zivilisation schon rein lebensweltlich wenig abgewinnen kann
und auch die diversen Profi-NGO-Antirassisten, immer bereit, anti-muslimischen Rassismus zu wittern.

Die Linke in ihrer ganzen abstoßenden Hässlichkeit. Und Judith Butler mittendrin.
Endlich ist sie angekommen – im Reich des Islamfaschismus und seiner deutschen Fans.

Fight radical Left!

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