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Posts Tagged ‘Konsum’

man weiß ja nie genau, wann die Krise zurückkehrt, ob und wenn ja wann sie so richtig schlimm wird, dass Ihr noch einmal etwas zu tun kriegt.
Wenn Ihr also anfangt zu planen, könntet Ihr es da so einrichten, dass alles ein wenig nach Porto aussieht?

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Ich würde mich verpflichten, meine subversive Tätigkeit gegen Eure Gesellschaft auf ein kaum mehr wahrnehmbares Minimum zu beschränken, wenn Ihr mir diese hübsche blau gekachelte Hütte da im Vordergrund mit dem durchgehenden Balkon anweisen würdet.
Ach, Ihr hattet gar nicht vor, neue Sachen zu bauen, sondern gedachtet, vielmehr alles so zu übernehmen, wie es ist? Und dieses Häuschen da habt Ihr auch schon für Euch und die verdientesten Genossen der Revolution reserviert? Dachte ich’s mir doch.

„Der Kampf geht weiter.“

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natürlich können Sie nichts für die Projektionen, die die Bagagen von ganz links und ganz rechts mit Ihnen veranstalten. Freiheitskämpfer, Hochverräter … In Wirklichkeit sind Sie ein Computerbastler, der auch so aussieht und vermutlich schwer darunter litt.
Die Mädchen wollten keinen mit der Ausstrahlung „gut in Mathematik“ und so beschlossen Sie, Gernegroß, ein bissel mitzuspielen in der weiten Welt der hohen Politik, die für Sie wie für jeden Dummbratz hüben und drüben aus ganz, ganz viel undercover besteht. Über ihren Geheimnisverrat haben Sie einen größeren Haufen humanitäre Soße gekippt. Nun ja, wer’s mag. Nun aber ist dieses ganze Spiel nicht so gelaufen, wie Sie sich das vorstellten und man ist Ihnen auf die Schliche gekommen. Sie wollten weg und hofften auf die Solidarität der Welt, die ebenfalls annehmen sollte, dass Geheimdienste keinerlei geheime Sachen machen, sondern Musterbeispiele basisdemokratischer Transparenz abgeben müssten. Zumindest die Computerknallos aus aller Herren Länder mit ihrem aufgeblasenen Individualitätspathos und dem Graswurzelgedöns „viele Kleine gegen mächtige Apparate“ sind ja tatsächlich auf Ihrer Seite:- sie haben so gar nichts zu verbergen und das darf um Gottes Willen niemand wissen.
Und jetzt kommt der Übergang von lächerlich-naiv zu scheußlich-erbärmlich.
Unter anderen diese Länder der so richtig freien Welt kamen in die engere Wahl für Sie, nachdem die finstere USA und der Polizeistaat UK die Freiheit so übel aufs Spiel gesetzt hatten: China, Polen, Kuba, Venezuela, Ecuador. Schließlich wählten Sie Russland, das Land, in dem ein albernes Präsidentenfake pro Tag vier Wunder mit freiem Oberkörper vollbringt und im Übrigen drei mal pro Woche Schwule von der hernach dreckig grinsenden Polizei zusammengeschlagen werden. Das wird Ihr demokratisches Bedürfnis befriedigen – für freien Datenverkehr und den Schutz elementarer Bürgerrechte ist Russland seit Jahren, was sag ich, seit Jahrzehnten bekannt.

Sie armer Irrer haben mir gefühlte fünftausend NSA-Witze beschert, einer schaler als der andere. Das können Sie nicht wieder gutmachen.
Aber versuchen, Snowden, könnten Sie’s.
Wissen Sie was? Geh’n Sie kacken auf dem dreckigsten Klo, das Russland zu bieten hat und kommen Sie da möglichst lange nicht mehr raus. Lassen Sie den Laptop vor der Tür und nehmen Sie sich halt ein wenig Lektüre mit: Carl Schmitt würde ich vorschlagen oder Oswald Spengler.

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Was haben wir wieder gelacht über die dumme Schnarchnasen-Angela, für die das Internet „Neuland“ ist. Und dann vereinnahmt sie auch noch „uns alle“. „Für uns alle Neuland“ – haha die ist ja gut.
Kann ja sein, dass sich Mutti und ihre grauen, langweiligen Buchkonservativen mit der bunt-kreativ-anarchischen Welt nicht auskennen, doch wir, ha, wir können zwar keine Zeile Goethe auswendig, aber wir „zocken“, chatten und labern in Foren jedermann mit unserer Allerweltsmeinung zu – wir sind ganz vorne dran.

In der Tat, vornehmlich die Medienvolltrottel können sich erregen über die Kanzlerin, die selbstverständlich völlig recht hat.
Dieses neue Medium, mit dem die Verblödung in bisher ungeahnte Höhen treibt, ist für die Mehrheit der Leute nicht länger als 20 Jahre – für die meisten allerdings erst seit wenig mehr als 10 Jahre verfügbar.
Das ist neu, allerdings. Es sei denn, man gehört zu den Hohlbratzen des Fortschritts, denen die Kohle zum day trading fehlt und die deshalb an jeder technischen Neuerung ein paar Sekunden nach Einführung herumspielen müssen.
Neu, weil durch andere Medien nicht erfordert, ist der spezifische Umgang mit Datenschutz, neu sind die Probleme der flächendeckenden Gewährleistung der Versorgung, gänzlich neu ist die andere Form von Rechtssicherheit. Und ja: All das sind Probleme, um die sich Staaten und ihre Regierungen kümmern müssen.

Natürlich sind es nicht die Probleme der Knöpfchendrücker, Quatschprogrammierer und App-Fetischisten, die mit der begeisterten Werbung für Netzkrimskrams die Welt jeden Tag ein bisschen schlechter machen. Aus der Tatsache, dass sie sich als Konsument eine einfachere Sicht auf die neuen (!) Techniksachen leisten können, folgern sie, es könne gar keine andere Sicht als diese beschränkte geben.
Jede RTL 2- Unterschichtenfamilie ist ein angenehmerer Umgang als diese dressierten Cyber-Affen.

Auch und gerade als jemand, der publizistisch nichts geworden ist und sich deswegen hier austoben muss, rufe ich in die Runde:

Internetpack, Du stinkst!

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Eine feine Initiative gibt es da: Pfand gehört daneben.

Dieses Land, das nennenswerte Armut nicht kennt, in dem sich jedoch weinerliche Anspruchshaltung, Naturverachtung und hedonistische iVerblödung als Kampf um soziale Gerechtigkeit tarnen hat also wieder eine neue Gemeinschaftsaufgabe: Für Prekarisierte die Pfandflaschen gut einsammelbar bereitzustellen.

In Arbeitsagentur-Projekten für unterprivilegierte Jugendliche ist es zumeist üblich, dass die Teilnehmer ihre leeren Flaschen wenigstens beim diensthabenden Sozialpädagogen abgeben, damit sie nicht auf dem Hof landen, ans Abgeben hat da noch nie jemand gedacht.

An meinem Lieblingsplatz am Fluss sammle ich also, wie gefordert, Flaschen ein. Leider gibt es hier keine Papierkörbe, neben die ich sie stellen könnte, damit sie zwei Tage später von leicht dicklichen, aber schwer systemkritischen Wut-/Alterta-Hanswürsten zerschlagen werden könnten, die sich wiederum einen Tag später für das wunderbare „Pfand gehört daneben“-Projekt engagieren. Ich muss sie also mit nach Hause nehmen – schlicht und einfach, weil ich nicht will, dass auch noch dieser Uferabschnitt verschandelt wird von den Suffköppen der vergangenen Nacht.

In diesem – glücklicherweise!- wohlabgesicherten Land wollen die Jugendlichen (links oder rechts oder unpolitisch ist eh schon egal) amerikanische Gangster-Rapper sein und fangen beim ersten unfreundlich blickenden Fallmanager der „Arbeitsagentur“ an zu weinen; ihre Eltern verlegen sich aufs role model Mittelmeer-clochard.
Dort allerdings, in den bei uns als Urlaubsziel so beliebten Mittelmeer-Ländern, ziehen nicht wenige hardcore-prekär zerlumpte Gestalten riesige Plastiksäcke mit Pfandflaschen durch die Straßen der Großstadt – Tag und Nacht. Jeder, der sie mal gesehen hat, käme sich in der Tat schäbig vor, im Supermarkt mit einer Pfandflasche aufzulaufen. Die Leute stellen sich auch mal neben einen und warten bis man ausgetrunken hat – man gibt ihnen die Flasche und zieht weiter. Und merkwürdig: Trotz der Klischees vom leicht schmuddligen, Komm ich heut‘ nicht, komm ich morgen-Südländer, der Regeln im öffentlichen Raum nicht kenne, sieht man kaum Glasscherben auf Fahrradwegen und Gehsteigen.

Hier allerdings: Depravierte Jugendlichen, die in ihren Markenklamotten, umgeben von Unterhaltungselektronik, gerade dem Hungertod entgegensehen. Sie sind froh über jede Flasche, die auf Fahrradwegen zerschlagen werden kann. Sonst haben sie ja nichts, wofür sie ihre Energie einsetzen können, weil: „Scheiss System, die da oben werden immer reicher und wir hier….“

Es ekelt mich an.

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Junge hübsche Punks, geschlechtlich nicht geradezu überbestimmt, die auf das Cover jedes neumodischen Hochglanzmagazins passen. Weder Schulschwänzer, noch Arbeitsbummelanten, nein: Studienanfänger. Recht bald wird etwas mit Medien gemacht. Ihre Praktikumsarbeit: Eine Reportage über die Punks ihrer Heimatstadt. Multimedial.
Heute versichern sie sich gegenseitig darin, wie hässlich, abgeranzt und fertig sie sind. Morgen engagieren sie sich gegen Ausgrenzung von irgendwem – wenn sie rechtzeitig aus den Federn finden. Sie sind lieb zueinander und umarmen sich viel, schubsen ist schwierig wegen Sexismus. Bestimmt haben sie schon mal ein hässliches Wort zu irgendeinem Polizisten gesagt. Am herrschenden System ist schlimm, dass sich nicht alle alles kaufen können. Deswegen muss es weg, weil: Alles für alle und zwar sofort.

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Nein, keine Angst: Nicht die Dreck-Fressen-Härte ist gemeint und auch nicht das dumme Gewäsch verbitterter Alter, die meinen, dass Armee noch keinem geschadet hätte.

Gemeint ist der Verlust alltäglicher Beherrschung.
Alles muss bequem auszuführen und immer zu Hand sein. Noch Anfang der 90er Jahre wurde man in den Lesesaal der Bibliothek nicht eingelassen, wenn man eine Wasserflasche mit sich führte. Man durfte nicht essen, nicht trinken, nicht lärmen, keine Musik hören, nein, auch nicht mit dem Walkman! Heute ist klar: Wir müssen andauernd trinken und da es in einer aufgeklärt-humanistischen Gesellschaft schließlich auf den Menschen und nicht auf die Bücher ankomme, fällt jenes jahrhundertealte Verbot. Ebenso ist kommunikative Kompetenz, emotionale Intelligenz von hoher Wichtigkeit – also muss man quatschen, kichern, SMS verschicken wann und wo einem etwas in den Sinn kommt – ja, auch in Lese- und Konzertsaal. Wer anderes will, wer Einschränkung und Beherrschung fordert, ist unentspannt und sollte sich mal locker machen. Die Kehrseite des schönen Anspruchs, dass der Mensch im Mittelpunkt stehen solle.

Bei einer Tagung berichtete eine Psychotherapeutin von einer unglücklichen Studentin, die bei ihr in Behandlung sei. Diese erzählte ihr eines Tages niedergeschlagen, gestern schon wieder „keine Lust“ gehabt zu haben, an der Diplomarbeit zu schreiben. Und die Therapeutin fragte sich: Woher kommt die merkwürdige Vorstellung, dass man auf jede Tätigkeit Lust haben müsse? Mangelnde Lust gilt als ernsthaftes Hindernis, das ernsthaft beseitigt gehört, nicht als läppischer Defekt, über den man sich mit einem Ruck hinwegsetzt.

Doch merkwürdig: Je mehr das Weicheitum um sich greift, umso beliebter werden „Grenzerfahrungen“ und auch der „Jackass“-Kult fand nicht etwa in Zeiten irgend eines Nachkriegs statt.
Vielleicht ist das die Spitze weichlicher Anmaßung: Die Härte soll zuhanden sein, wie irgendein Gebrauchsgegenstand – auch ihre Anwendung darf dem Bedürfnisaufschub nicht unterliegen.

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Hereinkommen muss man aus eigener Kraft; der Livrierte reißt lediglich die Tür auf, wenn man wieder hinaus will aus Leipzigs neuester Einkaufsmeile, den „Höfen am Brühl“. Das Gesinde soll es warm haben bei der Arbeit. Es lacht, als wäre es sehr froh, uns endlich wieder los zu sein. Wir können es ihm nicht verdenken.

Drinnen die übliche Tapetenmusik. Ostdeutsche Rentner stapfen missmutig durchs große-weite-Welt-Ambiente.
Weihnachtsdekoration ohne jede Chance, eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen. Das Goldgefunkel ist nicht nur nicht das tiefe Gelb früherer Heime zur Weihnachtszeit – es will nicht einmal mehr so erscheinen. Jeder Bezug zu einem Wunder-Geschehen ist getilgt. Das Gold hat hier Kettenform, flackert dort stroboskopartig und illustriert da hinten eine SM-ähnliche Szenerie.

Die Liesen hinter den Tresen der edel sein sollenden Boutiquen plappern den selben Unfug von „cool“ und „toll“ und „geil“ wie überall. Das ist nicht schlimm und soll auch nicht Anlass zu verschärftem Kulturpessimismus sein – sie sind bloß ganz nah dran am Kunden. Der würde sich nicht verstanden fühlen, wenn dort freundliche Menschen mit Geschmack stünden.

Wir sitzen da mit krummem Rücken auf stylishen Hockgelegenheiten und schlecken Frozen Yoghurt. Neben uns ragen kerzengerade pappartige Aloe-Verschnitte aus dem Industriesubstrat. Gegenüber die allerdings atemberaubende Scarlett Johansson mit einem Mund, als wollte sie uns küssen. Für kurze Zeit vergessen wir die Schmerzen im Rücken.

Weihnachten kommt in erster Linie als leichtbekleidete, verführerisch blickende Dame mit rotem Mützchen vor. „Fest der Liebe“ mag immer noch stimmen – nur eben mit der Bedeutung, die der Liebe in Sex-Shops gegeben wird: Liebesspielzeug, Liebesstellung.

Der Stern von Bethlehem wird symbolisiert durch eine Anzahl von Sowjetsternen in den Farben der linken Republik – pink und lila. Die Freude der abgemagerten Emos darob kennt keine Grenzen.

Wir tappern durch ein Paradies des Als-Ob, auf das keiner von uns verzichten will. Alles viel zu groß hier für uns kleine Leute und doch so armselig im Vergleich zu einer richtigen Stadt.
„Na, geschafft?!“ scheint das Gesicht des beflissenen Türaufreißers zu fragen und zum ersten Mal lächeln wir.

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