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Posts Tagged ‘Krise’

Europa sei doch so viel mehr als der Euro und die ohne Zweifel bedauerlichen Schwierigkeiten, die jetzt auf wirtschaftlichem Gebiet in der Eurozone bestimmend sind.
So argumentieren merkwürdigerweise gerade diejenigen, die Merkels Satz „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa.“ dauernd im Munde führen. Einmal ist also Währungspolitik völlig unbedeutend (Kunst! Frieden! Aristoteles! Aufklärung!), das andere Mal hängt an einer Währung Europa selbst. Ja, was denn nun? Wenn sie einmal ökonomisch werden wollen, reden sie läppisch von der Erleichterung für Touristen, die bei europäischen Auslandsreisen nun nicht mehr Geld tauschen müssten. Meine Güte! Die Schöngeister aus dem Feuilleton könnten doch bitte das tun, wovon sie etwas verstehen: Uns von Aristoteles berichten und aufzeigen, dass Völkerverständigung, Frieden, Handel gerade nicht an einer gemeinsamen Währung hängen. Und wenn sie gewitzt wären, könnten sie sich bemühen, gerade in dieser Zeit ein gänzlich anderes Bild von Europa zu zeichnen, länderübergreifende Koalitionen von Menschen vorzustellen, denen dieser ganze Wachstumskram zum Halse heraus hängt und die nicht wollen, dass ganz Europa so arbeitsam unentspannt wie Deutschland in die Zukunft hetzt.

Aber nein: Ökonomisches Desinteresse, zugegebene oder geleugnete Unkenntnis, Stolz auf mathematische Unbildung, aber massenhaft guter Wille und Friedensliebe prägen das Klima, in dem vom Euro gesprochen wird.
Über ökonomische Themen soll man mit ökonomischen Argumenten reden. Frieden, wachsender Wohlstand und Handel in Europa können mit einer gemeinsamen Währung nichts zu tun haben, wie die vergangenen Jahrzehnte deutlich zeigen. Man muss nicht AfD-Sympathisant sein, um wahrzunehmen, dass selten nach 1945 so viel Hass und Zwietracht auf unserem Kontinent herrschten, wie nach der Einführung einer gemeinsamen Währung.

Wie könnte man über den Euro substanzhaltig streiten? Das wird nicht ohne die „Theorie der optimalen Währungsgebiete“ abgehen und da wird man auf historische Vergleiche von Währungsunionen nicht verzichten können. Dem von sozial-links vorgebrachten Gedanken, eine Wiedereinführung der D-Mark würde wegen des massiven Aufwertungsdrucks den deutschen Export extrem beschädigen und so Arbeitsplätze kosten, ließe sich von neoliberal-rechts mit historischen Beispielen begegnen, dass die DM gegenüber Südwährungen mehrmals stark aufgewertet hätte, die Exporte aber keineswegs in ähnlichem Umfang eingebrochen wären. Dies könnte seinerseits wieder von links durch besondere historische Umstände, die beizubringen wären, erklärt werden.
So ähnlich könnte es gehen, aber nein: Redet man über die Euro-Krise ist heute die Rede von „unserer besonderen historischen Verantwortung“ und dem „sensiblen deutsch-französischen Verhältnis“.

„Europa ist so viel mehr als nur der Euro.“ heißt in gutem Deutsch: „Ich habe keinerlei Ahnung von Währungspolitik und bin stolz darauf.“

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man weiß ja nie genau, wann die Krise zurückkehrt, ob und wenn ja wann sie so richtig schlimm wird, dass Ihr noch einmal etwas zu tun kriegt.
Wenn Ihr also anfangt zu planen, könntet Ihr es da so einrichten, dass alles ein wenig nach Porto aussieht?

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Ich würde mich verpflichten, meine subversive Tätigkeit gegen Eure Gesellschaft auf ein kaum mehr wahrnehmbares Minimum zu beschränken, wenn Ihr mir diese hübsche blau gekachelte Hütte da im Vordergrund mit dem durchgehenden Balkon anweisen würdet.
Ach, Ihr hattet gar nicht vor, neue Sachen zu bauen, sondern gedachtet, vielmehr alles so zu übernehmen, wie es ist? Und dieses Häuschen da habt Ihr auch schon für Euch und die verdientesten Genossen der Revolution reserviert? Dachte ich’s mir doch.

„Der Kampf geht weiter.“

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Nachts auf dem Weg nach Hause. Vorbei an einer Kleingarten-Siedlung. Hinter der sauber geschnittenen Hecke: laute Party; eine lustig bunte Lampionkette ist an der Laube befestigt.
Einige der Gäste werden tanzen, andere über Arbeitsscheue wettern, die dritten fordern, dass man bei Nazis und Kinderschändern kurzen Prozess machen sollte. Wieder andere werden einander bestätigen, dass sie in der DDR jedenfalls genug zu essen hatten (obzwar sie auch jetzt keinen gänzlich unterernährten Eindruck machen) und die Gruppe da hinten ist schon bei Trinkspielen mit kleinen Flaschen angekommen.
Musik: „Die Toten Hosen“. Ah, das passt.

Der Zurückgebliebene kratzt sich am Kopf: Die „Toten Hosen“ sehen sich noch heute als Punks, mithin als Leute, die „ihr eigenes Ding machen“, Konventionen gering schätzen und ein eher lockeres Verhältnis zu Recht und staatlicher Gewalt pflegen. Ganz so „fast“ leben sie nicht und „young“ sterben können sie auch nicht mehr, dennoch: Sie sind gegen Nazis, deutschen Ordnungssinn, trinken durchaus Bier und spielen schnellen, gepflegten Deutschrock, in dem sie die üblichen Wahrheiten der „Progressiven“ verkünden: Saufen gut, Nazis schlecht, Vorurteile blöde, Liebe ’ne gute Sache, Jugendgewalt Reaktion auf soziale Probleme, Heuchelei echt übel, Fußball olé olé olé, oft geht’s im Leben schief, aber wir steh’n immer wieder auf….

Kleingärtner als inkarniertes Spießigkeitsklischee müssten mit der Unterminierung ihrer Ordnung der Dinge ein Problem haben, Wühlmäuse sollten nichts gegen es sein. Haben sie aber nicht. Sie müssten linksradikale Umtriebe wittern, tun sie aber nicht. Wenigstens einer von ihnen könnte doch das Gesungene mit dem eigenen Leben vergleichen und gewisse Diskrepanzen feststellen?! Aber warum sollte er, bloß weil irgendein Verrückter des vergangenen Jahrtausends nicht mehr mitkommt, sich dafür aber schwer reaktionär vorkommt, wenn er in der Postmoderne der Moderne nachtrauert.
Ja, auch die Postmoderne kennt Gärten in der Stadt und deren Pächter sind – im Rahmen der guten Sitten – genauso ausgeflippt wie die Ehemals-Punks, sie schätzen den Suff, die Partyübertreibung, bunte Haare und sexuelle Freizügigkeit.

Wer jetzt irgendwen auf irgendwas festlegen will -bspw. darauf, dass das zustimmende Gegröhle von der Schönheit des In-den-Tag-Hineinlebens sich doch auch irgendwie in der eigenen Lebensführung niederschlagen müsste- wird, wenn er überhaupt noch verstanden wird, sicherlich mit dem Kult-Einwand abgespeist: Alles so schön verrückt hier, aber eigentlich sind wir anders; das Peinlichste ist das Beste, hier lacht der Linke über den Judenwitz und der Konservative singt Ernst Busch. Das ist doch das Tolle, mach dich locker, guck mal über’n Tellerrand, sind hier nicht alle so verbiestert logisch wie Du!

Nun denn, um den Wahnsinn auf den Begriff zu bringen, reden wir – systemtheoretisch – von „Ausdifferenzierung“; Spenglerianer dürfen Oswalds Kulturen-Tafeln zu Rate ziehen und an deren jeweiligen Enden nachlesen, wie es Zivilisationen (= den Verfallsformen der Kultur) so ergeht: „starrer Formenschatz“, „Ohnmacht“, „Massenwirkung“, „provinziales Kunstgewerbe“, „geschichtsloses Erstarren“, „langsames Heraufdringen urmenschlicher Zustände in eine hochzivilisierte Lebenshaltung“ (ab S. 70).
Alles geht deshalb so wunderbar glatt und andererseits herrlich durcheinander, weil alle Beteiligten die Technik des geschmeidigen Systemreferenzwechsels gelernt haben. Sie wissen nicht nur, wann sie gezwungen sind, sich unterzuordnen und wann, wo sie locker sein dürfen, sondern – viel wichtiger – wo und wann Übertreibung geregelt geboten ist und wann es cool ist, gehorsam zu sein.

Je starrer die Lebensführung wird, desto mehr will man sich von einst nicht-traditionalen Kulten ausborgen. Würde man sich Existierendes, noch Fremdes nicht aneignen wollen, hieße das ja, Grenzen anzuerkennen, zu wissen, wo der eigene Bezirk aufhört, der des anderen beginnt. Doch jede Grenze wird hier einfach verlacht, nicht einmal angegriffen. Wer Grenzen zieht, will anderen etwas verbieten, ist mindestens Spaßbremse, wahrscheinlich aber Faschist.

Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes: Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte, dtv, München, 1988 (9. Auflage)

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Ein Evergreen links-emanzipatorischer Kritik am bösen Reformismus ist die Verhöhnung der Finanztransaktionssteuer, früher Tobin-Tax genannt.

Die Steuer bringe überhaupt nichts, so der Tenor von Linksaußenrevoluzzern über die marxistische Wertkritik bis hin zur neoliberalen Ökonomik.
Es ginge in der gegenwärtigen Krise des Kapitalismus nun mal um das Stocken der Wertverwertung; nicht Börsenzockerei sei das Problem, sondern mangelnde Arbeitsquantenaufhäufung auf dem gesellschaftlich gesetzten Produktivitätsniveau. Bestenfalls naiv, schlimmstenfalls brandgefährlich sei, mit Vorschlägen zur Besteuerung von Finanztransaktionen vermeintlich unproblematisch Reichtum abschöpfen und diesen gewünschten Verwendungen zuleiten zu wollen. Ehe das System der abstrakten Reichtumsproduktion nicht abgeschafft sei, würde sich auch nichts an den schlechten Verhältnissen ändern. Nicht das Tun der Spekulanten sei schuld an der Misere.

Ok, das sicher nicht. Aber doch wohl ist die Dynamik, die durch die Spekulation gesetzt ist, ein wesentlicher Krisentreiber. Und deswegen braucht es eine weltweite Bewegung gegen die totale Spekulation und für eine konkrete Reichtumsabschöpfung.

Nein, ganz und gar nicht, wird uns eingewendet. Denn die ganze Vorstellung sei reiner Zirkulationismus, der die auf dem Wert beruhende, also kapitalistische, Produktionsweise selbst nicht antaste. Das Geld und dessen Verteilung hielten wir für schuld, wo es doch offenkundig im Gebälk der Produktionsweise selbst knirsche. Und woher denn die ganzen Massen anlagewilligen Geldes so kämen, wenn nur die Verteilung und nicht die Produktion des Reichtums das Problem wäre, na…?!

Nun gut, auch das zugestanden, so bliebe mindestens doch das sozialreformerische Potenzial der Steuer bestehen. Man könnte Dinge fördern, die zuvor eben so gar nichts vom Kuchen abbekommen hätten.
Als Zugabe für meinen Opponenten hier noch ein Argument für ihn: Die Tobin-Steuer agiert – logisch – auf der Finanzseite. Bekommt der Staat so Geld in die Hand, ist nicht ausgeschlossen, dass über die Entlastung des Staatshaushaltes ein großer Teil davon genau an diejenigen zurück fließt, in deren Tun man mäßigend eingreifen wollte.

Demnächst ein Vorschlag für das Anzapfen der Spekulation jenseits purer (und damit immer: missbrauchbarer) staatlicher Umverteilung. Dieser wird gleichzeitig den Vorteil haben, ohne Ressentiment gegen Spekulanten auszukommen und nicht der Illusion des „Geld ist genug da“ aufzusitzen.

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Vor einiger Zeit verstarb der wertkritische Publizist Robert Kurz. Bekannt wurde er v.a. durch seine Bücher „Der Kollaps der Modernisierung“ und „Schwarzbuch Kapitalismus – Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft“. Die von ihm maßgeblich mitbegründete Theorie – eine Kritik der Grundkategorien des Kapitalismus: Arbeit, Wert, Ware, Geld, Staat, die in einer Zusammenbruchstheorie kulminiert – wurde lange Zeit durch die „Gruppe Krisis“, später dann durch das Projekt „EXIT“ ausgearbeitet.
Sein Hauptanliegen war m.E. das Auf- und Durcharbeiten. Er hatte die Vorstellung, dass jeder Blödsinn auf der Seite der Linken Verwesungsprodukt ihrer Geschichte sei. Deshalb gelte es, die alten Texte neu zu sichten, kritisch zu durchleuchten und alles, was vor der Kategorialkritik nicht bestehen kann, ohne Sentimentalität abzuräumen. Der Weg sollte frei sein für eine Linke, die aus ihrer Geschichte gelernt hat. Mir hat diese Haltung sehr gefallen.

Ich kannte Robert Kurz von einigen Seminaren, wir haben einige Male mit einander gesprochen. Zwei meiner Texte hat er mir bei solchen Gelegenheiten in Grund und Boden kritisiert und das durchaus zu Recht.

Aufgewühlt hat ihn der Clash mit den Antideutschen. Kurz hat hier publizistisch gewütet und er hat – wie so oft – Recht behalten. Die meisten seiner schlimmen Übertreibungen, über die wir damals den Kopf schüttelten, wurden von der Realität wahr gemacht. Die Erbärmlichkeit der Adorno-traurigen, kunstsinnigen und doch so kriegslüsternen Jünglinge kannte keine Grenzen. Mir bog später die menschliche Niedertracht der Leipziger Ableger, einer Kamarilla, die nichts konnte, außer Adorno, die nicht wusste und wissen wollte, was eine Leistungsbilanz ist und was an Börsen passiert, bei, was von der „antideutschen Ideologie“ zu halten ist.
Kurz hat den antideutschen Wahnsinn früh karikiert und mit aller Wucht dagegen angeschrieben. Zu früh und zu einseitig, wie er einige Zeit später zugab: Der Anti-Imperialismus hätte zum selben Zeitpunkt und mindestens mit der selben Intensität gezüchtigt werden müssen. Er hat das später mit der ihm eigenen Sprachgewalt nachgeholt.
Nun sind die Antideutschen überflüssig geworden: Ihr Deutschenhass hat sich in den bundesrepublikanischen Mainstream eingegliedert. Die Linkspartei wird israelsolidarisch, ihre jüngeren Mitglieder haben´s ganz entschieden mit Luxus, Glitter, Hedonismus – deutsche Gründlichkeit und Tiefe haben abgewirtschaftet und mit ihnen die Anstrengung des Lesens und gründlichen Durcharbeitens. Weder Mainstream- noch Restlinke wollen die harten Fakten zu Gesicht bekommen, sich mit Wirtschaftsdaten beschäftigen, mit Einwanderungszahlen belasten.

Nahezu nichts hat seine Kritik ausgespart – auch nicht die Wertkritik. Immer wieder kritisierten er und seine Mitstreiter frühere Positionen, berichtigten, verwarfen, bauten Neues ein – so bspw. das Wert-Abspaltung-Theorem von Roswitha Scholz. Als seine Gruppe drohte, lebensphilosophisch-gefühlige Alltagsbegleitung für konsumkritische Gut-Linke zu liefern, zog er die Notbremse und rief „EXIT“ ins Leben – es sollte wieder näher heran gehen an die Kritische Theorie.
In Gesprächen hat er zuletzt Vorbehalte sogar gegen das „Manifest gegen die Arbeit“ geäußert. Man habe da fast offene Türen eingerannt. Arbeitskritik verkäme heute immer mehr zur theoretischen Aufhübschung eigener Faulheit. Jedes Feuilleton sei ja heute „arbeitskritisch“. Eine befreite Gesellschaft aber würde sowohl Muße, als auch konzentrierteste Anstrengung kennen.

Ich sagte „nahezu“:
Zwar nahm er die Linke „mit eingeschränkter Alltagskompetenz“ unter Dauerbeschuss, doch er wollte immer ein Linker bleiben. Soviele grundlegende Differenzen in der Aufklärungskritik auch destruiert wurden, sowenig irgendeine herrschende gesellschaftliche Kategorie als überzeitlich anerkannt wurde – die Differenz links/rechts schien in Stein gemeißelt. Dabei war doch gerade sie offen erkennbar ein historisch junges Produkt. Kurz hätte sich mit Klauen und Zähnen dagegen gewehrt, dass es auf der Seite der Rechten für das Verständnis der gegenwärtigen Gesellschaft etwas zu holen gäbe. Diese Aufgabe müssen nun andere erledigen.

Robert Kurz war ein knarziger Rabauke, der noch die heißblütigsten Youngsters in die Tasche steckte – in der Leidenschaft der Kritik, wie beim Saufen. Und er war – auch wenn er das nicht gern hören würde – so etwas wie ein Grandseigneur des Geistes. Er gebot souverän über die hohe Philosophie, wie über die Niederungen der Volkswirtschaftslehre. Seine Kritik war bei aller Härte kein persönliches Runtermachen, sondern vom Bestreben geleitet, das Richtige siegen zu sehen.

Am Ende – die Linke. Es gibt nun keinen mehr, der auf sie aufpasst. All überall Sternchen, Glitter, 1 Milliarde Geschlechter und die Gier nach einem anstrengungslosen Leben auf anderer Leute Kosten. Alles wird Linkspartei, Klassenkampf oder Bellizismus – in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen.

Robert Kurz ist tot. Was für ein Verlust.

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Griechenland muss weniger sparen. Mit dem Sparen hat es zwar noch gar nicht angefangen, doch was macht das schon. Vom wahrscheinlich schon völlig demoralisierten Jörg Asmussen wird hinzugefügt: Die erhofften Erleichterungen dürften nicht zur Abweichung von den „grundsätzlichen Zielen“ führen.
Ach was?!
Ich für meinen Teil weiche von meinem „grundsätzlichen Ziel“, Tennō von Japan zu werden, nicht ab. Nun ja, ich möchte in Deutschland bleiben, habe mit Japan nichts am Hut und werde wohl auch nicht ganz unkompliziert in die kaiserliche Familie der japanischen Erbmonarchie aufgenommen werden. Doch das Ziel bleibt. Ich werde mich anstrengen. Versprochen.

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Soviel Krise war selten. Demnächst fangen sie im Feuilleton an, über Profitmasse und Profitrate zu diskutieren. Sogar ein paar notorische Antifa-Schläger aus Berlin widmen ihr eine Zeitung.

Die Wertkritik, meine theoretische Heimat zu linksradikalen Zeiten, war damals lebensweltlich schwer vermittelbar. Ein paar Früh-Prekarisierte hatten Lunte gerochen und von denen wieder ein paar gingen zum Bücherlesen über. Ermutigt von ein paar wenigen Studenten und Hängengebliebenen, zu denen ich gehörte. Unser linksradikales Umfeld konnte herzlich wenig damit anfangen: Gut gepolstert von bildungsbürgerlichen Eltern, hin und her pendelnd zwischen einem hingeschlamperten Studium und diversen Lesekreisen konnte man von Krise wenig spüren. Jetzt aber ist das Studium irgendwie abgeschlossen oder abgebrochen – ein paar Leute retten sich in einschlägige Umerziehungsinstitute, ein paar trinken weiter im Glauben an eine respektable Karriere in der Politik-/Medien-/Kulturwissenschaft. Wieder andere werden Kunden der Agentur – aus Phlegma, nicht aus Widerstand. Und treten dort – nach den ersten unhöflichen Behandlungen – relativ schnell dem Gedanken an die finale Krise näher. Schadenfreude ist meine Sache nicht. Sie würde angesichts meines Lohnzettels auch von selbst verfliegen. Und zudem trifft mich peinlich die Erinnerung an eigene geistige Ausfälle und selten dumme Formulierungen – und da ist es kein Trost, dass ich nahezu der Einzige bin, der zugibt, damals vollständig falsch gelegen zu haben. All das, von dem wir annahmen, es hinge der Zusammenbruch daran (Wertmasse usw.), ist für das reale Leben der Menschen relativ gleichgültig. Und all das, was tatsächlich zunächst klein geschossen, danach vollständig verwirrt und schließlich abgeräumt wird, lässt sich kaum mit polit-ökonomischen Mitteln analysieren (bspw. die Stellung von Menschen zur Natur, die sie selbst sind und die Haltung zu Konsum und Verzicht).

Es wäre gut gewesen, wenn ich damals ein paar intelligente Argumente gegen die Kurzsche Krisentheorie gehört hätte. Leider waren nur Gemeinplätze im Angebot (immer wieder gern erinnere ich mich an den Spruch eines mit street creds nur so überhäuften Szene-Hansdampfs: „Börse ist zu 98% Psychologie.“).
Und immer, immer wieder die Leute, die „die Partei“ ersetzt haben und für´s „immer Recht“ haben zuständig sind: Thomas Ebermann bspw., linksradikales Urviech und Kasperkopp, dessen einzige Fähigkeit ist, eine Zeitung richtig herum zu halten und aus ihr mit Brummbär-Stimme vorzulesen. Solche Leute, die ihre Ignoranz als Standfestigkeit verkaufen, wird es immer geben. Klüger wird man durch sie nicht – nur verbohrt.
Die Griechenland-Krise lässt ganz links immer wieder die selben Bilder sehen: Alle fühlen sich bestätigt. Alle verweisen auf dieselben Nachrichten und niemand blickt durch. Nur Lautstärke und die Wucht des Auftretens eigener Anhänger beschert einem die süße Illusion eigener Relevanz. Revolution, Transformation, Aufhebung des Kapitalismus werden nicht kommen – die Linke hat ihre Schuldigkeit längst getan und dieses Land in eine antirassistisch-multikulturelle Konsumrepublik verwandelt, in der alles Abstruse erlaubt ist, sofern es vor „unser aller Wohlstand“ halt macht. Und das können Genderaktivist_innen und die Markenfetischisten der Antifa durchaus garantieren.

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