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Posts Tagged ‘Linkspartei’

Pilze suchen:
Das Kind kriegt gesagt, es solle nicht da suchen, wo alle suchen, da finde es ja nichts mehr: am Weg, an besonders gut zugänglichen Stellen, auf hellen, offenen Flächen. Da sei doch längst alles abgegrast. (Das Kind kratzt sich am Kopf: Aber das wissen doch auch die Anderen, niemand sucht doch dort, wo alle wissen, dass alle dort suchen?)

Das Kind wird also in den tiefen Wald geschickt und verheddert sich im Gestrüpp. Dort ist es dunkel und ein Haufen Zeug liegt am Boden herum. Es würde seine Verzweiflung vermehren, wüsste es, dass viele essbare Pilze am Weges- bzw. Waldrand wachsen, dass es also da, wo es sich leichter läuft auch größere Chancen hätte, kurz: dass es vorhin mit seiner Wahl ganz richtig gelegen hatte. War ja klar, hier in dem doofen Wald findet man natürlich nichts.

Die Eltern sind gerade noch in Sichtweite. Sie haben mehr Glück, sie verlassen sich aufs Gefühl: Ah, hier sieht’s doch nach Pilzen aus… Und da drüben am Totholz wird man bestimmt auch fündig. Leider konnten sie dem Kind ihr Gefühl für landschaftliche Anmutungen (noch?) nicht vermitteln. Es hält den Blick stur auf den Boden gerichtet und scannt Quadratmeter für Quadratmeter. Ohne Erfolg.

Wieder Andere als die obigen Anderen wissen von der Vorliebe einiger Speisepilze für Wegränder und wissen auch, dass diese oft begangen und abgesucht werden. Sie wissen sogar noch, dass der besondere Status von Wegrändern bei Pilzsammlern einigermaßen bekannt ist und – laufen „nicht nur obwohl, sondern auch und gerade weil“ (N. Luhmann) die Ränder ab.
Und tatsächlich: Sie finden etwas. Wenn auch nur soviel, dass sie ausreichend zufrieden (Wir haben es schon richtig gemacht!) und ausreichend unzufrieden (Wir hätten es aber noch besser machen können!) sein können.

Soweit ein grober Überblick über rationales Planen beim Sammeln von Pilzen. Es ist natürlich ein Trost, dass die meisten gesellschaftlichen Probleme sehr viel weniger komplex sind als die Pilzsuche. Selbstverständlich hat es der Planer bei so etwas leicht Überschaubarem wie Ökonomie, Demographie, Außenpolitik einfacher, als der durchschnittliche Pilzsammler. Jener hat im Gegensatz zu diesem ja auch alle Einzelaspekte gesichtet und nicht nur vorgeblich passende Ausschnitte des Problems.
Und doch kann ich die Volljährigkeit kaum abwarten – dann kann mich kein noch so wohlmeinender Planer mehr adoptieren. Und dahin schicken, wo es nun ganz sicher besser wird.

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Europa sei doch so viel mehr als der Euro und die ohne Zweifel bedauerlichen Schwierigkeiten, die jetzt auf wirtschaftlichem Gebiet in der Eurozone bestimmend sind.
So argumentieren merkwürdigerweise gerade diejenigen, die Merkels Satz „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa.“ dauernd im Munde führen. Einmal ist also Währungspolitik völlig unbedeutend (Kunst! Frieden! Aristoteles! Aufklärung!), das andere Mal hängt an einer Währung Europa selbst. Ja, was denn nun? Wenn sie einmal ökonomisch werden wollen, reden sie läppisch von der Erleichterung für Touristen, die bei europäischen Auslandsreisen nun nicht mehr Geld tauschen müssten. Meine Güte! Die Schöngeister aus dem Feuilleton könnten doch bitte das tun, wovon sie etwas verstehen: Uns von Aristoteles berichten und aufzeigen, dass Völkerverständigung, Frieden, Handel gerade nicht an einer gemeinsamen Währung hängen. Und wenn sie gewitzt wären, könnten sie sich bemühen, gerade in dieser Zeit ein gänzlich anderes Bild von Europa zu zeichnen, länderübergreifende Koalitionen von Menschen vorzustellen, denen dieser ganze Wachstumskram zum Halse heraus hängt und die nicht wollen, dass ganz Europa so arbeitsam unentspannt wie Deutschland in die Zukunft hetzt.

Aber nein: Ökonomisches Desinteresse, zugegebene oder geleugnete Unkenntnis, Stolz auf mathematische Unbildung, aber massenhaft guter Wille und Friedensliebe prägen das Klima, in dem vom Euro gesprochen wird.
Über ökonomische Themen soll man mit ökonomischen Argumenten reden. Frieden, wachsender Wohlstand und Handel in Europa können mit einer gemeinsamen Währung nichts zu tun haben, wie die vergangenen Jahrzehnte deutlich zeigen. Man muss nicht AfD-Sympathisant sein, um wahrzunehmen, dass selten nach 1945 so viel Hass und Zwietracht auf unserem Kontinent herrschten, wie nach der Einführung einer gemeinsamen Währung.

Wie könnte man über den Euro substanzhaltig streiten? Das wird nicht ohne die „Theorie der optimalen Währungsgebiete“ abgehen und da wird man auf historische Vergleiche von Währungsunionen nicht verzichten können. Dem von sozial-links vorgebrachten Gedanken, eine Wiedereinführung der D-Mark würde wegen des massiven Aufwertungsdrucks den deutschen Export extrem beschädigen und so Arbeitsplätze kosten, ließe sich von neoliberal-rechts mit historischen Beispielen begegnen, dass die DM gegenüber Südwährungen mehrmals stark aufgewertet hätte, die Exporte aber keineswegs in ähnlichem Umfang eingebrochen wären. Dies könnte seinerseits wieder von links durch besondere historische Umstände, die beizubringen wären, erklärt werden.
So ähnlich könnte es gehen, aber nein: Redet man über die Euro-Krise ist heute die Rede von „unserer besonderen historischen Verantwortung“ und dem „sensiblen deutsch-französischen Verhältnis“.

„Europa ist so viel mehr als nur der Euro.“ heißt in gutem Deutsch: „Ich habe keinerlei Ahnung von Währungspolitik und bin stolz darauf.“

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Niklas Luhmann meinte, ab 1968 durfte man über den Rasen laufen (148). Doch ab 1989 musste man es. Ab dem Jahr 2000 sind jegliche Grünflächen für emanzipatorische Selbstverwirklichung bestimmt. Es entsteht Plenumsbedarf, wenn man nicht wenigstens kifft. Auf dem Rasen kommt man zusammen, um zu dummer Musik zu tanzen oder sich die Birne wegzuknallen.

Einst tobte rechts der höhnisch lachende Gewalttäter, rabiat, patzig, aus allen Nähten platzend vor Energie, links ging der klassenbewusste Arbeiter seinem Tagwerk nach und sann in der Freizeit bei trocken Brot auf Revolution. Heute nistet rechts verknöcherter Zynismus, links lacht die reine Unschuld. Die rechte Ikone ist nun das kantige Gesicht, Mundwinkel nach unten oder spöttisch verzerrt, der Blick unbeirrt fest auf den Horizont geheftet; ein Mann tut, was er tun muss, davon bringt ihn nichts ab. Links: Das freche, doch süße Kind, so unschuldig, so unberechenbar, so radikal, sprudelnd vor Leben und Lust. Ich möchte heute gar nicht davon anfangen, in welcher Republik wir leben, wenn Erwachsene in Massen „Harry Potter“-Filme gucken, ich möchte nur darauf deuten, dass in der linken Liebe zum Kindlichen etwas verborgen liegen könnte: Schau nur, die großen Augen des lustigen kleinen Kerls auf dem Flugblatt, der gerade ein Hakenkreuz zerschlägt, wie schön sie sind.
Alles sei hier so unverdorben, so direkt – die Willkür, die hier herrscht, könne so wenig böse sein, wie ein Kind, sie sei einfach bloß das Spontane, das jedem Kind nun mal eigen sei. Wer wollte den Wildfang schon runterputzen, wenn der nur seinem Herzen folgt – er ist eben so! Links ist das Bedürfnis, Willkürhandeln mit institutioneller Rechtfertigung auszustatten – dass das nur praktikabel für Menschen ist, die sich durchzusetzen verstehen, ist keiner weiteren Erörterung wert. Man rechnet eben einfach nur mit starken Menschen.

P.S.: Da mache ich mich nun über die linken Hysteriker lustig, die, Demokratiekritik hin, Kommunismus her, den drohenden faschistischen Terror mit einer Stimme für den grundsoliden Herrn Jung verhindern wollten und dann wähle ich selber sowas von links.
Nun ja, das kommt davon, wenn man nicht Luhmanns Vorschlag befolgt, einfach irgend etwas auf dem Wahlzettel anzukreuzen, damit irgendetwas passieren kann.

Luhmann, Niklas: 1968 – und was nun? in: Universität als Milieu (Hrsg.: André Kieserling), Bielefeld, 1992

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Burkhard Jung von der SPD, Amtsinhaber und Favorit ist ein schwer sympathischer, integrierender Mann, den man guten Gewissens wählen kann. In guter Erinnerung ist mir seine Teilnahme an einer israelsolidarischen Kundgebung. Gegen ihn spricht die geplante Verschandelung des Lindenauer Hafengeländes – der Wahnwitz würde Leni Riefenstahl mächtig inspirieren. Um der Demokratie willen sollte man ihn auf keinen Fall wählen, denn er wird sowieso gewinnen.
Horst Wawrzynski für die CDU, ehemaliger Polizeichef, law-and-order-Mann ist zu gönnen, dass er respektabel abschneidet. Gerade wegen des gärenden Unmuts im linksradikalen Milieu, das ihn hasst wie die Pest. Für die Schnapsidee, die Bundesgartenschau in den Leipziger Auenwald zu holen, muss er allerdings bestraft werden; gewinnen soll er durchaus nicht.
Barbara Höll, ausgewiesene Haushaltsexpertin von der Linkspartei, steht für mich zum einen für fortdauerndes Engagement für HIV-Positive und die HIV-Prävention, zum anderen dafür, dass sie einmal bei einer Veranstaltung (vermutlich) gegen ihre eigene Überzeugung eine arbeits- und wachstumskritische Position zur Geltung brachte und daraufhin viel Schelte von den anwesenden Fortschrittsverrückten einstecken musste.

Ich möchte hier und heute allerdings Reklame machen für Herrn Feiertag, im Wahlkampf etwas krawallschachtelig unterwegs. Er ist ein gutwilliger Öko-Realo und hat hörenswerte Ideen zu Stadtplanung und Umweltpolitik: Einer der Hauptpunkte seines Wahlprogramms ist der fahrscheinlose ÖPNV. Feiertag spricht wenigstens von teilweiser Autofreiheit in Leipzig und ist klar gegen die Zulassung von Motorbooten im Auenwald. Darüber hinaus hat er die mangelnde Bürgerbeteiligung bei der Lindenauer-Hafen-Planung kritisiert. Wie es im Piraten-Umfeld so üblich ist, gibt er des öfteren zu, in bestimmte Dinge noch nicht eingearbeitet zu sein, verspricht aber, sich schlau machen zu wollen. Sehr sympathisch das.
Er hat keine Chance. Erwägen Sie doch wohlwollend, ob Sie am 27. Januar nicht ihm seine Stimme geben wollen.

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Ihre Zahl sinkt, erfahre ich. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass man sowas heute „selbst organisiert“ nennt. „Illegal“ klingt hier so wie eine Musikbezeichnung – heute geh´ ich zur Illegal-Party.
Dass es in einer Rechtsordnung keine illegalen Parties geben darf, dass ihre Organisatoren zur Verantwortung gezogen gehören – kein Gedanke daran: Oh, wie bedauerlich, die bunten illegalen Parties werden seltener. Es finden sich auch der eine und die andere Abgeordnete, für die „Kultur“ und „draußen“ und „Party“ dermaßen zusammen pappen, sprich „gang und gäbe“ sind, dass die Rechtmäßigkeit schon keine Frage mehr ist. Vielleicht gründen wir eine Initiativgruppe? Berufen wenigstens mal ein Plenum ein – für unser Recht auf Illegalität? Das wir uns von diesem Scheiss Staat noch lange nicht nehmen lassen?!
Meine Nerven, was für eine erbärmliche Jugendkultur – nicht einmal mehr die Illegalität soll unrechtmäßig sein.
Man nimmt sich den Platz, den man will, der eine oder andere besonders Bekloppte presst noch eine dumme politische Message ins Partygeschehen. Konsum soll nicht sein, Ökologie schon. Am Ende des Aufbruchs in die Natur ist die Landschaft herunter gewirtschaftet und die großen Jungs sind glücklich.
Das Treiben der Kreativbagage in Leipzig, die so sehr gegen Gentrifizierung ist, dass sie sie einfach selbst in die Hand nimmt, lebt von Exklusivität – man muss davon durch andere Gleichgesinnte erfahren. Die Hürden sind hoch wie bei kaum einem anderen Amüsement. Im ZEIT-Artikel zum Thema liest man: „Kennen und gekannt werden hilft, wer fremd ist, fällt schnell auf. Das gibt Sicherheit. Auch die Sicherheit, beim nächsten Mal wieder dabei sein zu dürfen.“ So werden auf linksalternativ für gewöhnlich die Verhältnisse in den als nazistisch gebrandmarkten ostdeutschen Dörfern beschrieben.
Man muss sich von mir aber nicht verunsichern lassen, gegen Kritik kann man sich schnell immunisieren, bspw. so: Ich könne ja gar nicht wissen, wovon ich rede, schließlich gehörte ich ja nicht dazu. Wäre ich damals bei XYZ dabei gewesen, wüsste ich, dass alles viel freier und so gar nicht abgeschlossen zugegangen wäre. Kurz: Dagegen könnte ich erst als zustimmender Besucher sein.
Draußen herum zu lärmen, allem und jedem mit dummer Musik auf den Geist zu gehen, die Natur mit Abfall zu überhäufen und die Vögel mit Lichtverschmutzung zu peinigen, ist zu einem Menschenrecht geworden. Nur Miesepeter können etwas dagegen haben.

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Vor einiger Zeit verstarb der wertkritische Publizist Robert Kurz. Bekannt wurde er v.a. durch seine Bücher „Der Kollaps der Modernisierung“ und „Schwarzbuch Kapitalismus – Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft“. Die von ihm maßgeblich mitbegründete Theorie – eine Kritik der Grundkategorien des Kapitalismus: Arbeit, Wert, Ware, Geld, Staat, die in einer Zusammenbruchstheorie kulminiert – wurde lange Zeit durch die „Gruppe Krisis“, später dann durch das Projekt „EXIT“ ausgearbeitet.
Sein Hauptanliegen war m.E. das Auf- und Durcharbeiten. Er hatte die Vorstellung, dass jeder Blödsinn auf der Seite der Linken Verwesungsprodukt ihrer Geschichte sei. Deshalb gelte es, die alten Texte neu zu sichten, kritisch zu durchleuchten und alles, was vor der Kategorialkritik nicht bestehen kann, ohne Sentimentalität abzuräumen. Der Weg sollte frei sein für eine Linke, die aus ihrer Geschichte gelernt hat. Mir hat diese Haltung sehr gefallen.

Ich kannte Robert Kurz von einigen Seminaren, wir haben einige Male mit einander gesprochen. Zwei meiner Texte hat er mir bei solchen Gelegenheiten in Grund und Boden kritisiert und das durchaus zu Recht.

Aufgewühlt hat ihn der Clash mit den Antideutschen. Kurz hat hier publizistisch gewütet und er hat – wie so oft – Recht behalten. Die meisten seiner schlimmen Übertreibungen, über die wir damals den Kopf schüttelten, wurden von der Realität wahr gemacht. Die Erbärmlichkeit der Adorno-traurigen, kunstsinnigen und doch so kriegslüsternen Jünglinge kannte keine Grenzen. Mir bog später die menschliche Niedertracht der Leipziger Ableger, einer Kamarilla, die nichts konnte, außer Adorno, die nicht wusste und wissen wollte, was eine Leistungsbilanz ist und was an Börsen passiert, bei, was von der „antideutschen Ideologie“ zu halten ist.
Kurz hat den antideutschen Wahnsinn früh karikiert und mit aller Wucht dagegen angeschrieben. Zu früh und zu einseitig, wie er einige Zeit später zugab: Der Anti-Imperialismus hätte zum selben Zeitpunkt und mindestens mit der selben Intensität gezüchtigt werden müssen. Er hat das später mit der ihm eigenen Sprachgewalt nachgeholt.
Nun sind die Antideutschen überflüssig geworden: Ihr Deutschenhass hat sich in den bundesrepublikanischen Mainstream eingegliedert. Die Linkspartei wird israelsolidarisch, ihre jüngeren Mitglieder haben´s ganz entschieden mit Luxus, Glitter, Hedonismus – deutsche Gründlichkeit und Tiefe haben abgewirtschaftet und mit ihnen die Anstrengung des Lesens und gründlichen Durcharbeitens. Weder Mainstream- noch Restlinke wollen die harten Fakten zu Gesicht bekommen, sich mit Wirtschaftsdaten beschäftigen, mit Einwanderungszahlen belasten.

Nahezu nichts hat seine Kritik ausgespart – auch nicht die Wertkritik. Immer wieder kritisierten er und seine Mitstreiter frühere Positionen, berichtigten, verwarfen, bauten Neues ein – so bspw. das Wert-Abspaltung-Theorem von Roswitha Scholz. Als seine Gruppe drohte, lebensphilosophisch-gefühlige Alltagsbegleitung für konsumkritische Gut-Linke zu liefern, zog er die Notbremse und rief „EXIT“ ins Leben – es sollte wieder näher heran gehen an die Kritische Theorie.
In Gesprächen hat er zuletzt Vorbehalte sogar gegen das „Manifest gegen die Arbeit“ geäußert. Man habe da fast offene Türen eingerannt. Arbeitskritik verkäme heute immer mehr zur theoretischen Aufhübschung eigener Faulheit. Jedes Feuilleton sei ja heute „arbeitskritisch“. Eine befreite Gesellschaft aber würde sowohl Muße, als auch konzentrierteste Anstrengung kennen.

Ich sagte „nahezu“:
Zwar nahm er die Linke „mit eingeschränkter Alltagskompetenz“ unter Dauerbeschuss, doch er wollte immer ein Linker bleiben. Soviele grundlegende Differenzen in der Aufklärungskritik auch destruiert wurden, sowenig irgendeine herrschende gesellschaftliche Kategorie als überzeitlich anerkannt wurde – die Differenz links/rechts schien in Stein gemeißelt. Dabei war doch gerade sie offen erkennbar ein historisch junges Produkt. Kurz hätte sich mit Klauen und Zähnen dagegen gewehrt, dass es auf der Seite der Rechten für das Verständnis der gegenwärtigen Gesellschaft etwas zu holen gäbe. Diese Aufgabe müssen nun andere erledigen.

Robert Kurz war ein knarziger Rabauke, der noch die heißblütigsten Youngsters in die Tasche steckte – in der Leidenschaft der Kritik, wie beim Saufen. Und er war – auch wenn er das nicht gern hören würde – so etwas wie ein Grandseigneur des Geistes. Er gebot souverän über die hohe Philosophie, wie über die Niederungen der Volkswirtschaftslehre. Seine Kritik war bei aller Härte kein persönliches Runtermachen, sondern vom Bestreben geleitet, das Richtige siegen zu sehen.

Am Ende – die Linke. Es gibt nun keinen mehr, der auf sie aufpasst. All überall Sternchen, Glitter, 1 Milliarde Geschlechter und die Gier nach einem anstrengungslosen Leben auf anderer Leute Kosten. Alles wird Linkspartei, Klassenkampf oder Bellizismus – in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen.

Robert Kurz ist tot. Was für ein Verlust.

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Volk = Pöbel = Mob. Die Linke an sich? Nicht viel besser. So denkt man bei „konkret“. Auch große Teile der eigenen Leserschaft werden als durchaus „unter Niveau“ vorgestellt.
„konkret“, das heimliche Leitmedium der linken Republik (ja, schrecklich, schon wieder so eine Verschwörungstheorie) ist ein atemberaubend dummes Besserwisser-Blatt von Verschwörungstheoretikern, die Verschwörungstheoretiker kritisieren, weil sie der falschen Verschwörungstheorie anhängen.

Zusammen gehalten wird die Textproduktion durch einen Kult der Verdächtigung. Dem biologischen Alter nach erwachsene Menschen betreiben Recherche-Antifa gegen ihre gesamte Umwelt – auch die eigene Verwandtschaft, der sozial wirksame Bereich des öffentlichen Dienstes und die eigenen Kollegen werden nicht ausgespart. Man recherchiert einander hinterher und bekommt des öfteren heraus, dass Autor xyz in der Zeitschrift abc eigentlich nicht hätte schreiben dürfen, schließlich sei abc längst schon unheilbar deutsch. Überhaupt: Alles, was einem am eigenen Leben im hier und jetzt missfällt, gilt als – deutsch. Öffentlichkeitswirksame Proteste oder aber ihr Ausbleiben – in Deutschland ist alles deutschverseucht. Das Volk, der große Lümmel, kann es den Kritikern von „konkret“ nie recht machen, schert es sich doch einen feuchten Kehricht um den Demowegweiser, den „konkret“ ihm zur Verfügung stellt. Nicht um die Bezwingung Deutschlands, sondern um Sachverhalte des täglichen Lebens – bspw. den Ort eines Bahnhofs – ist es ihm zu tun. Und also wird übelgenommen.

Man muss einmal gelesen haben, wie kindlich sich die schreibenden Antideutschen freuen können, wenn sie wieder irgend einem durchschnittlichen Feuilletonisten nachgewiesen haben, dass er „kein deutsch kann“, nur weil ihm gerade wieder einmal ein Satz zu lang geworden ist. Die ganze Beckmesser-Brigade von „konkret“ ist in den großen Redaktionen dieses Landes nicht untergekommen und nimmt somit schon wieder übel. „Der Fuchs und die Trauben“ ist notgedrungen ihr Lebenskonzept. Nur dass die Trauben nicht nur sauer, sondern auch hochgiftig sein sollen. Glücklicherweise nimmt ihnen das von den Weinliebhabern niemand ab.

Hauptjob dieser Mainstreamantideutschen ist der Widerspruch.
Es ist gleichgültig, wieviele Megatonnen Dialektik (d.h. Unlogik) bei ihrem Geschäft verbraucht werden – die wächst ihnen immer wieder nach. Am deutschenfeindlichen Stammtisch dürfen die Themen nicht ausgehen – daher die Lust am geradezu gnatzigen sich-selbst und einander-Widersprechen. Diese Kumpane des Hinterzimmerbiertischs, die sich vor nichts mehr ekeln, haben gut gelernt, in Emotion zu machen. So wird also viel geschrien, geweint, auf den Tisch gehauen, es werden Türen geworfen und Freundschaften, die nie bestanden, endgültig gekündigt. Kein Schlager aus dem Psychotiker-Repertoire des Volksverhetzers bleibt unbenutzt. Im Rückblick ist es so unglaublich widerlich.

Wenn ihr jeweiliger Opponent die Stimme hebt, kommt man ihm mit Adorno: „Wer denkt, ist in aller Kritik nicht wütend…“. Werden sie selbst ausfällig und ihr Gegenüber hat den Adorno-Trumpf gerade nicht auf der Hand, nennen sie es „Kritik im Handgemenge“ und schieben den Marx nach: „Die Kritik ist keine Leidenschaft des Kopfes, sie ist der Kopf der Leidenschaft.“

„An den rauhen Ton, der hier herrscht“ („konkret“ über „konkret“), gewöhnte man sich erschreckend schnell. Und schon bald konnte man neue Leute fürs Wahnsystem werben und ihnen den Unterschied zwischen der Judäischen Volksfront und der Volksfront von Judäa erklären.

Ein Orwellsches Paralleluniversum, bevölkert von abgewichsten Strategen, die alles sein wollen, nur keine „herkömmlichen“ Linken. Auf Veranstaltungen spielen sie mit dem Charme des unrasierten Bombenlegers und die wohlfrisierten Linkspartei-Schneckchen (emanzipatorischer Bauart!) fallen kompanieweise drauf rein.

Hoffen wir, dass uns der Ton nicht schon in Fleisch und Blut übergegangen ist und dass uns möglichst viele Dinge im Leben wichtiger sind, als Recht zu haben.

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