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Posts Tagged ‘Nation’

Mit den Jungs im allzu engen Märchenwald.
Es war schwer, sie mal zusammenzubringen, immer stromern alle an unterschiedlichen Enden herum. Man glaubt gar nicht, wie weitläufig so ein enger Wald sein kann. Ein großer Graben taucht auf. A bemüht sich, B und C, die etwas schwach auf den Beinen sind, zu überreden: „Dahinter wird’s erst richtig schön. Das schafft ihr schon. Ist doch für uns alle besser, wenn wir hinter dem Graben vereint die liebliche Landschaft erkunden können. Dieses ewige Klein-Klein hier, das haben wir innerlich doch längst hinter uns gelassen.“
D, der alte Schwarzseher, warnt: „Jeder sieht doch, dass der Graben zu breit ist. Hört doch auf mich! Was um Himmels willen ist denn hier so unerträglich, dass es einen solchen Sprung ins Ungewisse rechtfertigt? Habt Ihr hier drüben schlecht gelebt?“ A schimpft ihn einen Reaktionär, der einfach nicht weiterdenken könne und wolle, der die Zeichen der Zeit nicht erkannt habe, der den Menschen ihr Recht auf eine liebliche Landschaft vorenthalten wolle.

B zögert, tritt auf der Stelle, C richtet den Blick auf die liebliche Landschaft hinter dem Graben, der jetzt wie ein Abgrund wirkt. „Natürlich – Vorwärts! Schluss mit mit dieser Beschränkung auf unseren Wald, wir müssen nur alle Kräfte anspannen!“ B springt und landet im Graben, C ihm nach, er kann sich mit den Händen am gegenüberliegenden Rand festkrallen und strampelt aus Leibeskräften. Beide schreien herzzerreißend. A, der Macher blickt um sich und sucht, alle verfügbaren Kräfte zu sammeln. Merkwürdigerweise kommt er auf D. Der rodet gerade ein Stück des Waldes, wer weiß, was der damit schon wieder will.

„Wir müssen helfen. D, was ist?! Mach mit! Du kannst Dich doch nicht verweigern. Ja, ja, sicherlich, der Sprung war falsch. Aber jetzt sind doch wir alle gefordert! Es geht doch um uns, als Gemeinschaft, die Gemeinschaft aller Waldbewohner! Wenn einem der Sprung nicht glückt, geht Dich das genauso an, wie ihn selbst! Wir, wir …. wir alle sind doch der Märchenwald….“

D kratzt sich verwundert am Kopf und überlegt, ob es in diesem Wald vielleicht noch ein paar andere, weniger verrückte Bewohner geben könnte.

***

Am 22. September ist Bundestagswahl. Im Gegensatz zu früher gibt es diesmal keine Wahlempfehlung. Vielleicht nur eins: „Alternativlos“ ist in der Politik überhaupt nichts. Wer Alternativlosigkeit für eine eigene politische Entscheidung reklamiert, will sie als gottgegeben verkaufen; er handelt im schlimmen Sinne anti-politisch und will das, was Politik ausmacht, die Suche nach Alternativen, ihre Implementierung, Prüfung, Verwerfung oder Weiterverwendung, suspendieren. Es kann nie schaden, nach Alternativen Ausschau zu halten.

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Nicht zu verharren in seinem Mief, nicht genug an seinem unmittelbaren Umfeld zu haben, sondern Grenzen zu sprengen, keine übermäßige Scheu vor Unbekannten zu haben, zugunsten des Anderen vom Eigenen abzusehen, über sich hinauszugehen – lauter gute linke Absichten. Die Praxis besteht in zur Schau getragenem Missmut und einer Patzigkeit, die zwar nach adornitischer Traurigkeit aussehen will, aber einfach nur flegelhaft ist. Man kommt weniger als der deutsche Normalbürger aus der Knete und geht stur den Weg, der für einen vorgesehen ist: Ein paar Jahre ausprobieren im Projekt, dananch Studium zu Ende bringen, an der Uni landen oder irgendeinen Verein mit Staatsknete aufziehen. Wer immer dem, was man als Linker seit Jahr und Tag eben tut, in die Quere kommt, hat nicht nur ein Problem. Bestenfalls setzt es die Einladung zu einem Lesekreis. Schlimmstenfalls ist man aus allen Zusammenhängen ausgeschlossen, ehe man überhaupt drin war.

Wie es anders geht, zeigt bspw. die Katholische Kirche:
Integration und Universalismus unabhängig von Verdiensten zu gewähren und sich geschehen zu lassen – diese Praxis einer guten Gesellschaft üben die Christen jeden Sonntag ein: in der Eucharistiefeier. Ländergrenzen spielen im Angesicht des HERRN keine Rolle, nicht nur transnational, transkontinental ist die Einheit einer Gemeinde hergestellt. Und es geht um nicht weniger als das Leben.
Wie verzweifelt müssen diejenigen sein, die der Katholischen Lehre Unlogik vorwerfen – als ob sie je logisch sein wollte! Wann immer die Emanzipation marschiert, wird das Wunder entlarvt, darf das Schöne nicht sein. Wir sind einstweilen „solidarisch mit Metaphysik im Augenblick ihres Sturzes“.

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Urlaubsplanung auf Arbeit: Die Chefin fragt nach meiner Präferenz für die Urlaubsverteilung im nächsten Jahr.
Ich äußere also meine Wünsche (gezähmt nur durch die Zahl der Tage und die Vorgabe, dass es einen Hauptteil mit zwei ununterbrochenen Wochen zu geben habe): So, wie ich es gern hätte, wie es mir angenehm ist, ohne Rücksicht auf die Vorstellungen der anderen. Schon öfter, auch bei der allmonatlichen Dienstplanung, wurde mir in unterschiedlichem Tonfall deutlich gemacht, dass es so nicht ginge: Ich müsse doch an die anderen denken, wüsste ich nicht bspw., das Frau XYZ so gern am Freitag frei hat? Und hier an dieser Stelle schließlich, könnte ABC noch einen Tag als Brückentag nehmen und einen längeren Ausflug mit den Kindern machen.
Meine Erwiderung: Ich wurde nach meiner Vorliebe gefragt; meine Vorliebe, wenn es um den Komplex Arbeit/Freizeit geht, sehe aber genauso aus, wie ich es gesagt hätte. Zudem: Meine freie Zeit sei ja genau die Arbeitszeit der anderen und umgekehrt. Die Dienstplangestaltung selbst liege nicht in meiner Macht. Die Anderen seien die Anderen, die hätten ihre Interessen, ich meine. Für den Bau eines vernünftigen Dienstplans müssten geäußerte Interessen zunächst aufeinanderprallen können – ehe Kompromisse gefunden, Zugeständnisse gemacht werden könnten. Und schließlich gebe es da noch den Kampf. Erst wenn klar sei, dass es überhaupt Beteiligte mit (!) Interessen gebe, könne man entscheiden, ob jemand aus welchen Gründen immer geschont werden soll oder ob ein suboptimaler Urlaubszeitraum das Verzanken mit den Kollegen wert ist. Doch dort, wo sich nur in Ausnahmefällen die eigenen Interessen mit denen der Anderen decken, kommt eine Planungsgrundlage nie und nimmer zustande, wenn alle allen Anderen von vornherein wohltun wollen. Neid, Patzigkeit, Ressentiment entstehen so – die Rollen des notorischen Verzichters bspw. und auch die der Eiskalten, die immer die Kinderkarte spielt. Wer aber eigene Interessen nicht formulieren mag, hält miese ad-hoc-Wursteleien für das non plus ultra menschlichen Zusammenlebens. Bis er auf einen Fremden trifft, der einmal nicht so rücksichtsvoll ist.

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Der Kommunismus scheitert am Kreisverkehr. Die Menschen sind nicht erst überfordert mit der Regelung gesamtgesellschaftlicher Produktion und Verteilung. Es genügt, diese Mischung aus Dummheit, Überraschung und Frechheit am Kreisverkehr wahrzunehmen, um jegliche Hoffnung auf Ausgleich, Abstimmung, Rücksichtnahme fahren zu lassen. Sie wollen sich nicht damit belasten, wer wann blinken, wer wann warten muss und wer fahren darf. Im Zweifel fährt man selbst und hofft auf die Bremsen der anderen.

Sollten dennoch ein paar kommunistische Inseln entstehen, wird deren Bevölkerung allerdings recht bald ertrinken, wie schon einmal gezeigt.

Wir brauchen eine Gesellschaft, in der der Mensch im Mittelpunkt steht? Ja, wo steht er denn heute?! Von der „übermenschlichen“ Wissenschaft ist dem Menschen nicht nur der Kontakt, sondern schon der Blick zu allem ihn Übersteigenden (um nicht von Transzendenz reden zu müssen), verstellt worden. Er ist nun Maß aller Dinge geworden und verwüstet seitdem das, wovon er lebt.

Wer seine ausrangierten Möbel in die Natur wirft, verfolgt sein Bedürfnis nach angenehmem Wohnen; er hat es mit ihnen nicht mehr ausgehalten und entledigt sich ihrer. Die mit Emanzipation Befassten können damit schlicht kein Problem haben, sie müssten nämlich die Freiheit unseres Entsorgers böse beschneiden. Keine Frage: Er hat Wohnungskultur nie nötig gehabt, er würde besser in einer – meinetwegen beheizten – Höhle wohnen. Doch er hat sich selbst verwirklicht, die Dinge ohne Hilfe einer knechtenden Staatsmacht geregelt.
Wir spitzen zu: Der Mensch ist in genau dem Zeitpunkt ganz zu sich und seinen Bedürfnissen gekommen, in dem er wieder zum Tiere wird. Wenn keine höheren Mächte mehr „halluziniert“ werden, wenn „klar“ ist, dass es Gott mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht gibt, wenn Nationen und Geschlechter „Konstrukte“ sind und jede Einengung (= Formgebung im Sinne von Spencer Brown) zugunsten von Emanzipation und „Selbstbestimmung“ abgeschafft werden muss, dann tritt die Barbarei die Tür ein.

P.S.: Wir reden weiter für die Reform: Wem nach „Gutes tun“ zumute ist, der unterschreibt diese Petition gegen die Verschandelung des Leipziger Auwaldes durch Motorboote.

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Nur mit dem Volk also, nicht gegen es? Aber zeigt nicht die Geschichte, wie mit dem Nationalgefühl auch dessen Übersteigerung ihren Anfang nahm und Millionen Tote in zwei Weltkriegen produzierte?
In Westeuropa am Anfang des 21. Jahrhunderts – an dem durchaus noch Kriege geführt werden – derart zu argumentieren, zeugt von geradezu putziger Realitätsverleugnung.
Tut doch nicht so, als ob es heute – noch einmal: in der westlichen Massendemokratie am Beginn des 21. Jahrhunderts! – um den Heldentod ginge! Als ob irgend jemand auch nur verstehen würde, was gemeint ist, wenn einer die Zumutung stellte, sich für etwas, was man nicht selbst gemacht hat, zu opfern! Das mag islamistisch verhetzten Studenten plausibel sein, aber doch nicht der konsumhedonistischen Unterschicht im Westen! Nahezu das einzige, was beim Thema „Volk und Nation“ heute noch gefordert werden kann: die Beschimpfung der Soldaten in Afghanistan zu unterlassen.

Während der Fußball-WM wollten zwei jüngere Verkäuferinnen bei „Penny“ nicht nur an sich selbst, sondern auch an mir probeweise die schwarz-rot-goldene Gesichtsbemalung anwenden. Nach meiner Ablehnung hielten sie mich für schüchtern, die eine fügte hinzu: „Ah O.K., anderer Style…“. (Style, nicht Stil!) Sie kommen gar nicht darauf, dass meine Reaktion irgendetwas mit Politik zu tun gehabt haben könnte. Sieht so „Volksgemeinschaftsideologie“ aus?

Deutsch-Sein, wird man mir einwenden, sei aber so harmlos nicht, es ginge doch nicht nur um die Pflege irgend einer kulturellen Tradition oder um den nationalen Anstrich irgendeiner Feier, sondern sei immer mit Ausgrenzung der nicht-Deutschen verbunden, mit der klaren Abschottung derjenigen, die als allein zugehörig markiert werden. Meine Antwort: Dieses Schicksal teilt das „Deutsche“ mit jedem Begriff – nämlich eine Differenz zu sein. Wer nicht wenigstens links ist, wird in linksradikalen Plena wohl nicht sitzen, in linksradikalen Blättern nicht publizieren dürfen. Hart geht´s zu. Man wird sich schon ändern müssen, um eine neue Identität annehmen zu können. Und die Kriterien für diese Änderung? Nehmen wir die hier:
„…deutsch wird, wer sich uns Deutschen so sehr anähnelt, dass binnen ein, zwei Generationen in Sprache, Mentalität, Identität, historischer Identifizierung, Rechtsempfinden und Zustimmung zur politischen Ordnung kein gravierender Unterschied zu den autochthonen Deutschen mehr besteht.“
Diesen grundvernünftigen Satz, dessen Quelle ich nicht ohne Not angeben möchte, weil sonst die Abwehrreflexe den letzten Rest Überlegung ersetzen, sollte man doch unterschreiben können.
Unproblematische Identitätswechsel gibt es nicht. Eben sowenig wie eine Freiheit, die nichts kostet. Freiheit ohne Ordnung ist der Tod, die Freiheit der Lebenden findet als gestaltete und geschützte statt. Als solche ist sie an ihren Schutzherrn gebunden. Wer alles selbst wählen möchte, hat gar keine Kriterien mehr, die ein Wollen überhaupt noch bestimmen können. Er kann nur noch die leere Form, die Totalität:- die Willkür wollen. Damit hat er das Heft des Handelns schon aus der Hand gegeben.

Wer aber vom Volk nicht reden will, sollte auch vom guten Leben schweigen.

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Wenn nichts mehr sein soll, außer der je eigenen Individualität, hat auch diese keine Substanz mehr. Niemand macht sich selbst allein – das Material jeglicher Selbstbildung ist vorgegeben, man hat es in Teilen hinzunehmen, in Teilen sich selbst anzueignen, durchzubilden, doch niemals zu erfinden oder zu ignorieren (Goethe lesen!).
In eine Landschaft wird man hinein geboren, ebenso wie in ein biologisches Geschlecht und in eine Kultur- oder auch Abstammungsgemeinschaft – das Volk. Das kann im Einzelfall schiefgehen und man kann dieses Schiefgehen trotzig annehmen oder an ihm leiden – aber eben durch die Notwendigkeit einer Stellungnahme zu diesem abweichenden Verlauf macht sich die Normalform der Vollmensch-Werdung geltend. Man kann das Gefühl haben, eigentlich ans Mittelmeer zu gehören, eigentlich ein anderes Geschlecht zu besitzen, man kann an seinem Volk leiden oder durch Betonung anderer Unterscheidungen (Klasse, gemeinsame Interessen) sich über dessen Schranken hinwegsetzen. Doch der heutige „emanzipatorische“ Umgang mit Vorgegebenem besteht darin, in der Manier von Kleinkindern sich die Augen zuzuhalten und sich daran zu freuen, dass das, was man nicht sieht, verschwunden ist.

Halten wir fest: Wir werden in etwas uns Vorgegebenes hinein geboren. Dieses Etwas hat man nicht um seine Hilfe gebeten, doch es gewährt sie trotzdem, indem es davon ausgeht, dass allen von uns am Leben in bestimmter Form (also nicht am bloßen Vegetieren) liegt. Für diese Ordnungsleistung kann es seinerseits Anerkennung fordern.
Radikale Demokratie, Emanzipation, Befreiung von gesellschaftlicher Herrschaft brechen sich an Böckenförde. Werden diese Furien losgelassen, wird es nichts mehr geben, was auch nur minimale Ordnung noch garantieren könnte. Sie werden nicht rasten, bis sie jede gefühlsmäßige Verbundenheit in einem Kollektiv, jedes Bewusstsein von kultureller Gemeinsamkeit, aus dem sich das unbedingt Hinzunehmende speist, zersetzt haben.

Man kann nicht gegen das Vorgegebene, sondern nur mit ihm etwas veranstalten. Bei Strafe des Untergangs. Und der beträfe dann nicht nur die „repressiven Konstrukte“ Volk und Nation, sondern keineswegs zuletzt das heißgeliebte Individuum.

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Unabhängig davon, ob identifizierbare genetische Gemeinsamkeiten der Deutschen noch vorhanden sind, wie eine bestimmte Anthropologie behauptet, oder ob wir lediglich Kulturgemeinschaft sind, die in größerer Nähe oder Ferne zu anderen steht – „wir sind ein Volk“.

Links ist u.a., den eigenen common-sense-Gewissheiten nicht zu trauen, sondern nahezu jede nicht hinterfragte Mehrheitsüberzeugung, jede aufsteigende Regung, die einen mit der Masse verbinden könnte, zu dekonstruieren.
Wir Weitgereiste wissen doch, dass wir alle – rechts, links, unpolitisch – woanders die Fremden sind. Dass wir in der Fremde uns fremde Völker und Nationen erleben. Viel früher als der zivilgesellschaftliche Antirassismus, der von Völkern nicht reden mag, bringt Karl Valentin auf den Punkt, was für alle gilt: „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.“ Aber da ist er es dann auch.
Dort, wo es in für jeden Menschen wesentlichen Punkten (Sprache, Mythen, Bräuche, Reproduktion, öffentliche Usancen) nicht so ist wie hier, ist er – der Fremde: Der, der erst einmal nicht dazu gehört, der hofft, dass man ihm mit Freundlichkeit und Interesse begegnet, ihn wenigstens duldet. Wir sehen angesichts bestimmter kultureller Manifestationen hier das Unverständnis in den Augen von Touristen oder kürzlich Zugereisten und wir wissen, dass wir ähnlich aussehen, wenn wir in eine entfernte Gegend reisen.
Die Touristen hier und wir Touristen dort haben eine gemeinsame Identität: Wir sind Fremde.

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Die Linkliste wurde erneut geändert. Diesmal gibt´s keine weitschweifige Begründung. Nur soviel:- Die Auswahldifferenz bleibt interessant/uninteressant, nicht: korrekt/unkorrekt, links/rechts, gut/schlecht, fortschrittlich/reaktionär oder irgendeine andere.

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