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Posts Tagged ‘Rückschritt’

Was haben wir wieder gelacht über die dumme Schnarchnasen-Angela, für die das Internet „Neuland“ ist. Und dann vereinnahmt sie auch noch „uns alle“. „Für uns alle Neuland“ – haha die ist ja gut.
Kann ja sein, dass sich Mutti und ihre grauen, langweiligen Buchkonservativen mit der bunt-kreativ-anarchischen Welt nicht auskennen, doch wir, ha, wir können zwar keine Zeile Goethe auswendig, aber wir „zocken“, chatten und labern in Foren jedermann mit unserer Allerweltsmeinung zu – wir sind ganz vorne dran.

In der Tat, vornehmlich die Medienvolltrottel können sich erregen über die Kanzlerin, die selbstverständlich völlig recht hat.
Dieses neue Medium, mit dem die Verblödung in bisher ungeahnte Höhen treibt, ist für die Mehrheit der Leute nicht länger als 20 Jahre – für die meisten allerdings erst seit wenig mehr als 10 Jahre verfügbar.
Das ist neu, allerdings. Es sei denn, man gehört zu den Hohlbratzen des Fortschritts, denen die Kohle zum day trading fehlt und die deshalb an jeder technischen Neuerung ein paar Sekunden nach Einführung herumspielen müssen.
Neu, weil durch andere Medien nicht erfordert, ist der spezifische Umgang mit Datenschutz, neu sind die Probleme der flächendeckenden Gewährleistung der Versorgung, gänzlich neu ist die andere Form von Rechtssicherheit. Und ja: All das sind Probleme, um die sich Staaten und ihre Regierungen kümmern müssen.

Natürlich sind es nicht die Probleme der Knöpfchendrücker, Quatschprogrammierer und App-Fetischisten, die mit der begeisterten Werbung für Netzkrimskrams die Welt jeden Tag ein bisschen schlechter machen. Aus der Tatsache, dass sie sich als Konsument eine einfachere Sicht auf die neuen (!) Techniksachen leisten können, folgern sie, es könne gar keine andere Sicht als diese beschränkte geben.
Jede RTL 2- Unterschichtenfamilie ist ein angenehmerer Umgang als diese dressierten Cyber-Affen.

Auch und gerade als jemand, der publizistisch nichts geworden ist und sich deswegen hier austoben muss, rufe ich in die Runde:

Internetpack, Du stinkst!

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Die Leserzahl dieses Blogs sinkt kontinuierlich.
Woran liegt das? Ich denke, mein engeres und weiteres Umfeld wird nun wissen, wie der Hase läuft und hat weniger Bedarf nach immer neuen Illustrationen für die Verkommenheit der radikalen Linken. Schließlich kann nicht jeder solange für Erkenntnisse benötigen wie ich, schon klar. Und: Man muss auch nicht alle vier Tage aufschreiben, wie blau der Himmel, wie nass das Wasser ist. Vielleicht auch hat sich mein Lustverlust, was die Regelmäßigkeit des Schreibens angeht, in der Qualität der Texte niedergeschlagen.

Ich stelle die Sinnfrage und beantworte sie so:
Die Erscheinungsweise der Beiträge wird unregelmäßiger. Und: Ich werde in Zukunft nicht ganz anders in den Wald, aber doch mit leicht modulierter Stimme in andere Wälder hineinrufen…
Thematisch soll die Linke in den Hintergrund rücken – für jemanden, der von depressiven Verstimmungen geplagt wird, liegt das ja durchaus nahe. Das Exit-Programm ist nicht länger Schwerpunkt.
Natürlich wäre es schön, könnte ich in Robert-Kurz-Manier sagen: „Ich für meinen Teil bin nun mit den Linken fertig.“ Das stimmt immer noch nicht, doch der Wahnsinn ist in einige recht handliche Stücke zerhauen worden, mit denen sich umgehen lässt oder besser: die sich umgehen lassen.

Die zu kurz gekommenen Bereiche sollen mehr Aufmerksamkeit bekommen, Stichworte: Natur, Lebenswelt, Phänomenologie, Fortschritt/Rückschritt.
Das würde nun zwar die letzten Leser vergraulen, gäbe es da nicht das Thema „Demenz“. Bei den Suchanfragen, die mich im letzten Jahr erreichten, zeigt sich hier ein echter Leidensdruck. (Wer ein Gefühl für Demenz und den manchmal passenden, manchmal unpassenden Umgang mit ihr bekommen will, schaut in einen Blog, der von einer sehr engagierten und talentierten Pflegekraft betrieben wird: dements.)
Auch ich werde hier ein paar hobbytheoretische Auswälzungen dessen bringen, was mir in meiner Arbeit mit Demenzkranken so auffällt.

Es wird also noch weit abseitiger zugehen, als bisher schon.
Ich empfinde das nicht geradezu als einen Mangel.

Auf ein neues Altes…

Holger

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Konsens bei den Fortschrittlichen im Lande: Die Technik ist nicht schuld. Technikkritik ist konservativ, deutsch, tendenziell faschistisch. Sicherlich, es gebe schlimme Auswirkungen technischer Erfindungen, doch die Verantwortung dafür trügen nun mal die Menschen, die sich in bestimmten gesellschaftlichen Verhältnissen so und nicht anders verhielten.

Nun sind unsere modernen Aufgeschlossenen aber selbst mit sich uneins: Amerika empfehlen sie den Verbot von Schusswaffen, gäbe es diese nicht mehr frei zu kaufen, würde auch die Zahl der Getöteten sinken. Ach, die Schuld hängt jetzt doch am Ding? Und ich dachte, das Verhalten der Menschen sei das Problem, nicht die Waffe als solche? Das sei ja nun spitzfindig, wendet man mir ein, eine Waffe gäbe es nur zum Töten. Und überhaupt: Ich solle doch bitte nicht mit so abseitigen Beispielen kommen.

Beim Auto ist wieder alles in Ordnung:
Die Verkehrstoten gehen aufs Konto der mangelnden Vorsicht der Leute beim Fahren; wer in Analysierlaune ist, führt die vielleicht noch auf die kapitalistische Arbeitshetze zurück, dann ist aber auch Schluss. Keinesfalls wohnt der Form dieses Fortbewegungsmittels als solchem die Zerstörung inne.
Zwei meiner Kollegen im Gespräch: Man möchte sich den Spaß am Autofahren nicht durch Automatikgetriebe verderben lassen. In ihrem engeren Umfeld ist die erwachsene Tochter einer Kollegin bei einem Frontalzusammenstoß getötet worden. Die Chefin dieser Kollegin hat nach einem Unfall längere Zeit im Koma verbracht. Der Sohn einer Putzfrau ist in psychologischer Behandlung, weil er einen Menschen angefahren hat; dessen Prognose ist noch unklar.

Man muss sich eben vorsehen.

Ich gucke verwundert. Sie gucken verwundert zurück. Ein Lachen löst alles auf – ich bin eben der Öko. Dass ich manchmal so begriffsstutzig bin, wird mir nicht weiter übelgenommen.

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Ein Kollege verliert seinen Sohn bei einem Frontalzusammenstoß mit einem entgegenkommenden Wagen. Er bricht zusammen. In den Wochen danach hat er selbst einen Autounfall in der Innenstadt, in Bahnhofsnähe. Er ist lange arbeitsunfähig und kommt nur mühsam mit der Unterstützung durch Medikamente wieder auf die Beine. Selbstverständlich, dass ich mir für lange Zeit meine Polemik gegen Autos und den modernen Großstadtverkehr, für die ich bei den Kollegen berüchtigt bin, sparen werde. Doch der Kollege kommt selbst auf mich zu: Er hätte sein Verhalten jetzt geändert – am Bahnhof jedenfalls würde er nicht mehr vorbeifahren. Es gebe ja auch andere Wege. Sicherlich, die gibt es, stimme ich ihm zu und hoffe, dass meine Verständnisbekundung echt wirkt.

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Dieser Herrschaft des Fortschritts würde ich eine – zugegeben ökofaschistische – Arbeitsorganisation entgegensetzen, die – da können sie jeden Adorno-Anhänger und insbesondere die kommunistischen Obskurantisten unter ihnen fragen – natürlich im Endeffekt darauf hinaus läuft, dass zunächst AIDS-Kranke keine Medikamente mehr kriegen, danach die Inquisitionsprozesse wieder installiert werden und wir letztendlich alle wieder auf Bäumen leben.

Hier also mein Vorschlag.
Für die Bearbeitung solcher Grünflächen werden in der Arbeitsagentur Mitarbeiter angeworben (es darf kein Zwang ausgeübt, keine Kürzung angedroht werden) und zwar zu folgenden Konditionen:

  • die Arbeitszeit beträgt 25 Wochenstunden,
  • als Arbeitsgerät werden Sensen, Sicheln, Harken und Schubkarren ausgegeben (der zusätzliche Einsatz benzin- oder strombetriebener Geräte ist nicht zulässig),
  • es gibt 3 Pflichtpausen pro Tag,
  • der Lohn beträgt 800 €/Monat,
  • zu den Arbeitsaufgaben gehört: am Ende des bearbeiteten Abschnitts beschreibt jeder Arbeitnehmer die Landschaft bzw. einen Teilaspekt in ihr in selbst gewählter Form, mit selbst gewählten Mitteln (wiederum: ohne jeglichen Einsatz von Benzin, Strom oder anderer fossiler Brennstoffe).

Die Finanzierung erfolgt über den Wegfall von Hartz IV-Leistungen, die Ersparnis an technischem Gerät und Brennstoffen, evtl. verbleibende Lücken werden durch Mittel aus der sog. Reichensteuer gefüllt.

Rückschritt zum Überleben.

P.S.: Damit sich niemand allzuviel Mühe beim Entlarven machen muss: In diesem Artikel finden sich ökofaschistische Ideologie, verkürzte Kapitalismuskritik, romantische Sehnsucht des deutschen Spießers nach der heilen Welt, das antisemitische Motiv „ehrliche Arbeit gegen seelenlose Geldmacherei“, die „Idiotie des Landlebens“ (Marx/Engels) und schlimmster Kulturtraditionalismus, der sämtliche Errungenschaften moderner Kunst ignoriert.

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Die Morgensonne kraucht gerade über die Hänge des Elsterfluttbettes in der Nähe der Lauer. Zwei Arbeiter sind damit beschäftigt, auf diesen Hängen Gras zu mähen. Einer ist mit einem Elektrokarren ausgerüstet, der andere mit einem knatternden, stinkenden, vermutlich benzinbetriebenen Mäher.

Ein paar hundert Meter vor und nach ihnen liebliche, sanfte Landschaft, Halme wiegen sich im Wind.

Die beiden schuften, doch natürlich ist hier viel zu viel zu tun, sie werden heute nicht, morgen nicht und auch die ganze Woche nicht rumkommen. Bis zum Horizont im Süden reicht das Gras.
Logisch, dass die beiden für die steigende Sonne keinen Blick haben, sie stehen in Lärm und Qualm. Und doch mitten in der Natur.

Auf meinem Rückweg vom See sehe ich, dass die beiden ein Stück weiter gekommen sind. Es ist heiß geworden. Unverdrossen tuckert der Benzinmäher.
Der wunderbare Fortschritt, der uns das Leben verschönert, indem er dafür sorgt, dass wir nicht mehr auf Bäumen leben müssen, sondern vielmehr – unten angekommen – psychoanalytische Werke lesen dürfen, hat den beiden auch ihre so hilfreichen Geräte an die Hand gegeben. Zur Arbeitserleichterung.

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sagen geknickt die, die merken, dass sie sich bei langfristigen Verpflichtungen finanziell verhoben haben und ein gutes Einkommen zur Deckung ihres speziellen Bedarfs nicht mehr ganz ausreicht. Man möge Mitleid, wenigstens Verständnis zeigen für ihre Probleme des gehobenen Lebenswandels. Fortlaufende Ratenzahlungen, gestiegene Benzinpreise, Öko-Aufschläge – die Anschaffung des Drittwagens oder der Zweitgarage ist dadurch akut gefährdet. Man ist so unfroh mit den eigenen Beinklötzen, dass man die zu ihrer Refinanzierung notwendigen Zuflüsse innerlich schon als Abgaben oder Strafgeld bucht. Geld gilt ihnen als Spaßgenerator, der eingesetzt werden könne, wenn alle anderen Lebensbedingungen, man weiß nicht wie, gesichert sind.
Müssen für´s tägliche Klein-Klein des großen Fußes etwas mehr Mittel aufgewendet werden, stellt sich schlechte Laune ein. Und flugs sind die „kleinen Leute“ zur Hand, diejenigen, „um die sich die Politiker sowieso nicht kümmern“ und die „auf das Auto nun einmal angewiesen sind“. Eine Gemeinheit sei das, „uns so zu schröpfen“.

Kosten, liebe Wohlstandsopfer, sind Preise, Preise, die ihr zur Aufrechterhaltung eures völlig irrsinnigen Konsums einst gerechtfertigt und also bezahlbar fandet. Für die Anschaffung eurer Telekom-Aktien, Eigenheime und ohrenbetäubenden Dreckschleudern kann niemand anderes, außer ihr selbst.
Wer solcherlei äußert, gilt als unerwachsen, als jemand, der die wirklichen Probleme des Lebens noch nicht kennen gelernt hat, der also gar nicht mitreden sollte, wenn´s ums Geld geht, unfähig, wirtschaftliche Zwangslagen nachzuvollziehen. Mitreden jedoch muss er wieder, wenn der Empathieteil eingeläutet wird. Hier gilt es, sich hinein zu versetzen in die von allzu relativer Armut Gebeutelten, auch wenn man selbst ca. ein Drittel ihres Einkommens zur Verfügung hat.

Mal gar nicht relativ: Gemessen am ökologischen Zerstörungspotenzial von 500 € pro Monat und Person ist unser aller Lohn entsetzlich hoch. Wer immer hier von „zivilisatorischen Standards“ schwafelt, ist nichts als obszön.

Bitte, liebe Konsumheinis, natürlich dürft ihr im Kapitalismus kaufen, kaufen, kaufen dass die Schwarte kracht.
Und klar ist auch, dass es nicht in meiner (oder der ähnlich regressiver Leute) Macht steht, die Marktwirtschaft plötzlich stationär werden zu lassen, das ist wahr. Von der Kapitallogik selbst ganz abgesehen, könnten entsprechende Bewegungen keinen Tag das ideologische Trommelfeuer der Neoliberalen („fortschrittsfeindlich!“), Adorniten („verkürzte Kapitalismuskritik!“) und Alt-Linken („kein Verzicht auf die ganze Bäckerei!“) aushalten.

Nur:- Jammert nicht auch noch, wenn jemand Geld sehen will.
Das wäre schön.

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