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Posts Tagged ‘schwul’

Liebe Familienschützer, Ihr habt’s doch so mit dem Abendland, oder?! Ich ja auch. Das wäre schon mal was Gemeinsames. Nun denn: Schon mal was von Oswald Spengler gehört und dessen Untergangsprognose? Ja, Herr Sarrazin, dass Sie Bescheid wissen, weiß ich ja, aber die restlichen Figuren, die da mit Ihnen auf dem Power-Heten-Kongress rumstanden und irgendwas für Kinder und Familie turnten, ob die mal irgendeine Zeile von ihm zu Gesicht kriegten? Ich bin mir nicht sicher. Ein Seitenmotiv in dessen Hauptwerk: Untergangszeiten werden an sich selbst irre, ihnen gehen die Selbstverständlichkeiten, die Unhinterfragbarkeit gewachsener Formen flöten, das Unwichtige wird ihnen zum Problem, das Wichtige lassen sie fallen, sie blasen Nichtigkeiten zur Haupt- und Staatsaktion auf, vertändeln die Zeit mit l’art pour l’art und der weitschweifigen Widerlegung des Offensichtlichen.

Wenn um Heterosexualität herumtheoretisiert wird, ist sie eben nicht mehr selbstverständlich. Wie verrückt seid Ihr eigentlich?
Ich will es Euch erklären: Jemand möchte reich werden. Also geht er hart arbeiten und spart dass es knackt oder aber er legt eine Erbschaft gut an bzw. plant einen Banküberfall. Er veranstaltet mit Sicherheit keinen Kongress darüber, dass andere, als er, arm sein sollten!
Anderes Beispiel: Jemand möchte ein Eigenheim haben. Nach Eurer Logik müsste er jetzt losgehen und seinen Mitmenschen die Häuser unterm Arsch wegsprengen.

Herrjeh, Ihr habt’s mit Familie? Dann gründet eine! Macht halt Kinder, dass es raucht! Ran an die Bouletten!
Wie verzagt, lebensuntüchtig und -willig, wie wenig, nun ja, heterosexuell seid Ihr, dass Ihr denkt, es könne so etwas wie „Homo-Propaganda“ überhaupt wirken?
Meine Güte, ich bin auch kein großer Fan des Adoptionsrechts; ich weiß wie elend frauenfeindlich Schwule und männerfeindlich Lesben sein können. Auch ich hänge, wie Ihr, der Vorstellung an, es wäre gut, bei partnerschaftlicher Kinderaufzucht irgendwie zwei Pole zu haben. Und ja, Ihr habt ja Recht, dass die Ideologie des Gender Mainstreaming per Geschlechterleugnung diese Pole nicht sehen will und das für essentialistisch hält. Das alles gehört kritisiert, sicherlich.

Nur: Es werden doch nicht mehr Kinder geboren und vernünftig erzogen, wenn gesetzlich festgelegt ist, dass Homos kein Recht auf Adoption haben. Oder soll dieses Verbot etwa ein Anreiz zur Wahl des heterosexuellen Weges sein? Aber so verrückt können ja nicht einmal die von Euch so gehätschelten russischen Betonfrisur-Damen denken, oder bin ich da zu naiv? Wenn ich mich in meinem schwul/lesbischen Umfeld so umsehe – da hat niemand das verstärkte Bedürfnis nach Adoption, außer vielleicht einer einzigen Lesbe, die das Problem aber wie eh und je durch die Samenspende eines befreundeten schwulen Paares lösen wird.

Einst taten Heten das, was sie am besten konnten: Kinder machen und vernünftig erziehen. Heute hofft Ihr, die Ihr auf keinen Fall Schwulies sein wollt, dass der Kauf einer Karte für den Compact-Kongress von der Geschichte als Beitrag zur Abwendung der demographischen Katastrophe in Deutschland verbucht wird. Ihr seid der Untergang des Abendlandes.

Wer so gar keinen Bock auf großfamiliären Alltag hat, muss nicht zu den -durchaus ehrlichen- Protestierern draußen vor die Halle gehen.
Er kann auch einfach mal den Mund halten. Ein Rat, den wir den Wutbürgern um den größten Ex-Antideutschen aller Zeiten schon immer mal geben wollten.

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Das auf Straßengangster gemodelte HipHop-Nölbrötchen will Anerkennung (vulgo: Respekt). Meine schwulen und lesbischen Brüder und Schwestern wollen sie gar vom Staat – dafür, dass sie ebenso wertvolle und großartige Dinge tun (nämlich: Zusammenleben) wie die neben ihnen herlaufenden Heten. Sie wollen anerkannt werden gerade in ihrem So-Sein, nicht als selbstverständlich hingenommen, nein: anerkannt. Weshalb nur?
Liberal ist das nicht. Wäre man das, wäre man darauf bedacht, in Ruhe gelassen zu werden, nebeneinander her leben zu können, Anerkennung also nur von dem zu erwarten, den man ihrer Spendung für wert hält. Meine Nerven – zu meiner Zeit („Opa erzählt vom Krieg“) haben Punks darauf geschissen, von denen, die sie anschnorrten, anerkannt zu werden. Heute soll der gebefreudige, aber gerade auch der ablehnende Bankangestellte ein irgendwie warmes Gefühl zum Ausdruck bringen für den wunderbar ollen, bunten Suffpunk, sonst heult der sich in der nächsten Obdachlosenzeitung gleich wieder aus über die Kälte der modernen Gesellschaft.
Refugees, die die Linke (egal welcher ideologisch differenzierten Herkunft – heute sind wir alle wieder AntiRa) in diesem Lande pauschal welcome heißt, vermissen den Respekt – nur merkwürdigerweise suchen immer mehr ihn in ausgerechnet diesem Land, wo ein solcher Mangel an Anerkennung herrschen soll.

Ich erkenne weder den Bombenleger, den Kleinkriminellen, den Islamisten, noch den Steuerhinterzieher oder den Dorfnazi in ihrem So-Sein an. Und ich wünsche nicht, von ihnen anerkannt zu werden. Sie alle sollten sich Anerkennung von ihresgleichen beschaffen – oder sich eben ändern. Von mir kann man die Einhaltung der Gesetze erwarten, nicht mehr, nicht weniger.

Mit sich modifizierendem Sinn fürs Private (hören Sie diesen Fortschrittler dazu) steigt offenbar das Bedürfnis dafür, nun von allem und jedem, der einem so auf der Straße oder im Web entgegenkommt, anerkannt zu werden. Einst gab es uns und die Anderen. Wir achteten auf uns und waren uns gut, die Anderen sollten unbedrängt ihr’s machen dürfen, auf ihre Weise:- vielleicht war die ja besser als unsere, mit Sicherheit aber ihnen angemessen, sonst hätten sie sie ja nicht gewählt. Doch wer werden wollte wie wir, musste Farbe bekennen, eine Zeitlang dabei sein, etwas bieten und war eines Tages – anerkannt.

Nur in einem Klima, in dem reflexartig alles Abweichende immer schon anerkannt wird, kann bspw. ein solch alberner Gedanke, der Neubau einer Moschee hätte irgend etwas mit bunt-toleranter Vielfalt zu tun, überhaupt entstehen. Keine Frage: Wer Abweichendes nicht existieren lassen will, gehört in die Schranken gewiesen. Nur: „Anerkennung“ ist nun einmal nicht ohne Inflationierung der Sache hinter dem Begriff und den Verlust jeder Art von (Selbst-)Achtung forderbar, sie ist eine Kategorie freiwilliger Gewährung von und für Kleingruppen.

Arnold Gehlen diagnostizierte das Problem schon recht früh unter den Oberbegriffen der „Hypermoral“ und „Moralhypertrophie“ (183). Was in kleinen, überschaubaren Zusammenhängen aus Gründen funktioniert, funktioniert aus eben diesen Gründen in großen nicht. Eine „Mehrheit moralischer Instanzen“ (38) ist für eine Mehrheit von Lebenslagen zuständig, nicht eine Instanz für alle.
Nur in einem Umfeld, in dem man für Anerkennung tätig zu sein hat, in dem sie also recht schnell versagt werden kann und in dem sie von bestimmten für bestimmte Menschen in bestimmter (und nur dieser!) Hinsicht erwiesen wird, können sich Menschen gedeihlich entfalten. Der Staat ist kein Freundeskreis, das Wohngebiet keine Familie.
Das miese Kalkül des Humanitarismus wird von Arnold Gehlen 1969 so beschrieben:

Die Handlungen und Gedanken der Menschen, ihre Bosheiten, Tugenden und Laster, Künste und Spiele, Klugheiten und Narrheiten – nichts wird von der Geltung ausgenommen, außer allein die Behauptung und Haltung, die erkennen läßt, daß irgendetwas nicht gelten soll – wer das sagt, hat „Vorurteile“ und kommt nicht in Betracht. Der politische Nutzen dieses Ethos ist eklatant, er besteht in der Chance, vom künftigen Sieger verschont zu werden, wenn man es ihm beibringen kann; über den unmittelbaren Kassennutzen braucht man kein Wort zu verlieren.

(143f.)

Wenn die Welt nun schon einmal so ist wie sie ist, dann sollten wenigstens die Falken nicht noch ihr schlechtes Gewissen und die Tauben ihre Mordlust hätscheln (vgl. 143, 102).

Gehlen, Arnold: Moral und Hypermoral – Eine pluralistische Ethik, Athenäum, Frankfurt am Main und Bonn, 1969

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Neulich: Erinnerung an einen, der die Schlechtigkeit der Welt um ein erhebliches Quantum vermehrte.

Er war ein linksradikaler, arroganter Vollpfosten; immer schwer systemkritisch angezogen, steckte er doch bis zum Hals im akademischen Sumpf. Sein Antifa-Gerümpel hat ihm schon vor Jahren an der Universität genützt, nicht geschadet. X war ein queerer Akademiker der hardcore-Sorte, salbaderte von Diskursen, dass es nur so rauchte, kannte die Philosophie rauf und runter, widerlegte schon seit Jahren Adorno. Der Glanz seiner Klugheit wurde durch das Bekenntnis zu ökonomischer Ahnungslosigkeit nur noch strahlender.
(Damit wir hier nicht ins Ressentiment abdriften: Es gibt sympathische Linke, sympathische queere Menschen und sympathische Akademiker und wahrscheinlich gibt es auch sympathische linke, queere Akademiker – er gehörte zu den üblen, unsympathischen, scheußlichen, schlechten).
Dieser Mensch nun war merkwürdigerweise auf dem Tripp, er könne und müsse Mitglied der Arbeiterklasse sein. Sein Lebtag hatte er nur unverständliche Bücher gelesen und die übrige Zeit darauf verwendet, sich abwechselnd als Frau, Skinhead und Punk anzuziehen. Eigenartigerweise war seine Lieblingsbeschäftigung, anderen vorzuwerfen, zu gewählt zu sprechen, zu abgehoben vom Volke zu sein, was er mit einem ungeheuren, unverdaulichen Wortschwall, indem es von Diskursen und Narrativen nur so wimmelte, belegte.

Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob er nicht lediglich eine sehr gelungene, sehr böse Parodie auf diese ganzen universitären Knallchargen sein wollte. Vielleicht wollte er sein bewusstes Leben dazu verwenden, eine einzige große Performance in postmoderner Verarschung aufzuführen und sich so zu reproduzieren? Doch „rum wie ’num“: Eine grandios stabile Gesellschaft ist das, die Typen wie X verkraftet und eine unglaublich späte Zivilisation (spengleristisch gesprochen) ist es, die sein Zeug auch noch drucken lässt.

Christliche Einflugschneise: An solchen Leuten hat sich Verzeihung, Barmherzigkeit, Geduld zu bewähren. Wir versuchen, unseren Blutdruck im Zaum zu halten, ihm seine scheußlichen Traktate nicht übelzunehmen. Dass linke Stiftungen ihm Geld geben, ist ihr Problem, dass er es geschlechtlich uneindeutigen Veganer_innen in der dritten Welt wahrscheinlich nicht spendet, sondern für weitere dumme Bücher verbrät, seins.

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Man ist vielerlei Verrücktheiten von mir gewöhnt, also muss ich mir gar nicht so oft anhören: Wie kann man nur?!
Nämlich: Als Schwuler sich katholisch taufen lassen.
Nicht so oft, doch es kommt vor.

Wie immer ist auch hier hilfreich, die Systemreferenzen auseinander zu halten: Von der katholischen Kirche erwartet man kein bestärkendes Grußwort zum CSD und von der Schwulenszene weder Welterklärung noch Heil. Klar ist aber auch, dass die Performance der Katholischen Kirche kränkend für Schwule ist. Umgekehrt feiern die Profischwulen ihren Antiklerikalismus.
Doch bleiben wir bei der Kirche: Nur noch hardcore-Nazis und die una sancta catholica et apostolica ecclesia lehnen praktizierte Homosexualität kategorisch ab. Was hat der Durchschnittsschwule bei ihr zu suchen?
Mir würde bspw. einfallen: Das Heil. Und: Einen Ankerpunkt des Irdischen im Überirdischen.
Wem so etwas wichtig ist, der ist dabei, wer nicht, der nicht. Soviel second order cybernetics muss sein, auch wenn sie ihrerseits als „postmodern“ beobachtet werden kann.

Nun lässt sich durchaus mit guten Gründen die Ansicht vertreten, dass die Katholische Kirche nicht immer in ihrer Geschichte glühende Kämpferin für Toleranz war. Ja, so ist das nun einmal mit dem Wahrheitsanspruch. Und der Leidenschaft. Die sind ziemlich unbedingt. (Den Vorkämpfern für Emanzipation gilt diese Unbedingtheit bekanntlich als Tugend, zu der sie sich gern bekennen. Und auch sie wissen ja ziemlich genau, was anderen frommt.) Jenseits innerchristlicher Überzeugungen möchte ich diejenigen fragen, die an der Katholischen Kirche Flexibilität und Eingehen auf menschliche Bedürfnisse vermissen: Wollen wir wirklich nichts mehr in der Gesellschaft dulden, das einem Zug der Zeit widerspricht? Hat es nicht auch etwas Tröstendes, dass wenigstens eine Institution im Deutschland des beginnenden 21. Jahrhunderts so aus der Zeit gefallen erscheint bzw. in einer anderen Zeit aufgehoben, dass wenigstens etwas ewiggestrig sein will? Und: Sind deutsche Gutmenschenkatholiken wirklich für das ekelhafte Paktieren der russischen Orthodoxen mit den dortigen Schwulenfeinden verantwortlich, weil auch sie glauben, dass die Welt durch Jesus Christus erlöst wurde?

Zur anderen Seite der Medaille: Wer als Schwuler Teil der Kirche sein will, hat die Akzeptanz des eigenen Begehrens durch Andere tiefer gehängt, nicht unbedingt dieses selbst.
Und: Wer die 40 hinter sich gelassen hat, kommt für schwules Partyleben sowieso nicht mehr in Frage. Ein anderes als Partyleben gibt es für „Otto Bewegtschwul“ nicht – der „Rest“ (also: das richtige Leben) ist seit eh und je privat und wird durch Bürgerrechte geschützt. Mit 30 ist man für die Schwulenszene bekanntlich tot. Und ich würde gern darüber streiten, wessen Menschenfeindlichkeit größer ist: die der jugendwahnsinnigen Szeneschwuppen oder die der Katholischen Kirche. Für die einen ist man einigermaßen überflüssige Biomasse, für die andere immerhin menschliche, erlösungsbedürftige Seele. Die Todesbesessenheit der Barebacker, das Herabschauen auf lärmende „Bälger“ und ihre dummen Eltern, die sich das antun, die erbarmungslosen Witze über Altern und körperliche Unzulänglichkeiten, das freudige Aufgehen im Konsum und der feste Wille, jeden Modetrend auch mit 50 noch mitzumachen – lächerlich, aus diesen menschlichen Schwächen ein Bekenntnis zu machen. All das ist durchaus vergebungsfähig, aber wohl kaum prämierbar.
Wer jemals die fetisch-schwulen Underground-Parties der 90er in unserer schönen Hauptstadt besucht hat und hinterher nicht auf irgendeiner Droge hängen geblieben ist, kann nur noch lachen über die quietschbunte We-are-familiy-Kulisse. Selten habe ich so viel Menschenverachtung und Flirt mit dem Nazismus erlebt, wie dort.

Wir wollen uns sortieren: Schwul zu sein ist eine Gabe, die einem keine Art von Blödmännern (inkl. Pius-Brüdern) ausreden kann. Wenn man selbst daran glaubt, dass es eine Wahrheit gibt, die der Zeit und ihren jeweiligen Begleitumständen widerspricht, man selbst aber identitär mit einem dieser Begleitumstände verwachsen ist, dann ergibt sich durchaus ein logisches Problem.
Doch eine adornitisch geprägte Linke müsste mir eigentlich den Ausweg aus dieser Unlogik weisen können. Wann immer sie mit ihrer Dialektik nicht weiterkam, galt es ja: den Differenzen stattzugeben und Widersprüche auszuhalten. Diesmal bin ich dabei.

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In der Nähe des Anfangs der Emanzipation vom Geschlechterzwang machten mehrere Leute die Beobachtung, dass Frauen vieles von dem, was bisher nur Männer taten genauso gut bzw. besser konnten. Frauen sollten fürderhin in diesen Hinsichten mit den Männern völlig gleichberechtigt sein.
In einem nächsten Schritt sollte es nichts mehr geben, was Frauen nicht so gut wie Männer und auch nichts, was Frauen besser können. Beobachtete man quantitative Unterschiede bezüglich einzelner Tätigkeiten, dann lagen denen die Kriterien einer patriarchalen Gesellschaft zugrunde, waren somit ungültig. Doch es gab durchaus noch Männer – das waren nämlich die, die so untaugliche Kriterien zum Zweck des eigenen Machterhalts produzierten.
Heute wird die Geschlechterdifferenz selbst zur Disposition gestellt. Es muss etwas hinter der Unterscheidung von Geschlechtern und ihrer hartnäckigen Behauptung liegen, meint Queer und kommt auf „Macht“. Das ist so süß harmlos und sich logisch torpedierend (denn dann wird die Bezeichnung „Männer“ ja lediglich durch „Machthabende“ ersetzt), dass man sich fast schon wieder gutmütig zurück lehnen könnte.

Und doch: Ich trauere dem Differenzfeminismus hinterher – Frauen waren einst anders als Männer.
Frauen sollen heute exakt das gleiche können wie Männer, sollen sich genauso anziehen, auf keinerlei geschlechtsspezifische Verhaltensweisen wert legen, ihr Gefühlsleben soll vom männlichen nicht abweichen (alles andere wäre Benachteiligung). Weist jemand auf körperlich erfahrbare Unterschiede hin, wird er mit dem Schlagwort „soziale Konstruktion“ abgespeist: Nichts ist Deine Erfahrung wert, Du bist von der Gesellschaft reingelegt worden.

Einst waren Frauen anders, mussten sich also durchsetzen und das sie Ausmachende in die Waagschale der Auseinandersetzung werfen. Mit der damit einhergehenden latenten Männerfeindlichkeit konnte ich gut leben. Warum führen wir uns auch so auf? Jetzt hauen die Frauen eben zurück. Geschieht uns ganz recht.
Es war doch offensichtlich, dass Frauen anders aussahen und der
Differenzfeminismus wollte uns Männern beibiegen, dass wir das gefälligst zu akzeptieren hätten und dabei nahelegen, dass unsere Lebensqualität Nutzen davon haben könnte, solche weiblichen Qualitäten zu würdigen.

Doch nun: Ich kenne keine Geschlechter mehr, ich kenne nur noch Menschen!
Jedes Schwulencafe‘ wird von bizarr angetunteten Heten verstopft, die unglaublich lieb zueinander sind, einander ausreden lassen und dauernd anfassen müssen. Sie denken, die Frauen (ja, merkwürdig: die Queer-Bubies scheinen zu erkennen, was Frauen sind) mögen das und leider haben sie damit recht.

Und alle, alle fragen sich: Was steckt dahinter? Männer und Frauen, das kann doch nicht natürlich sein?! Wir sind doch alle Menschen und sollte ich nicht auch alle Menschen lieben können – ganz ohne Vorbehalt und Diskriminierung? Sicherlich, irgendetwas wird man schon ohne jede Unterscheidung anfangen können – Liebe wird es nicht sein.

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Seit längerem bemühe ich mich darum, die Stärke, nicht die Zielrichtung meiner Kritik darauf abzustimmen, wie weit ich mit meiner Person im Alltagsleben auch wirklich dafür einstehen kann. Man kann sich weit aus dem Fenster lehnen, wenn man schwindelfrei ist, oder wenn einem am eigenen guten Leben nicht sonderlich viel liegt, oder auch, wenn man zuviel durcheinander gesoffen hat und das offene Fenster fürs eigene Bett hält.

Er will es kaum leugnen und verbergen kann er es schon gar nicht: Der Schreiber dieses Blogs hegt einige Sympathien für kluge Rechte. An der linken Republik regt ihn weniger das Links-Sein auf, als die unglaubliche Dummheit und Weltfremdheit ihrer Wortführer und Nachbeter – gemixt mit als selbstverständlich vorausgesetzten moralischen Wertungen, deren Kontingenz man sich nicht vorstellen mag. Es liegt auf der Hand: Die linke Republik muss man kritisieren, man muss Beispiele finden und versuchen, an ihnen darzutun, dass und wie sie für das Ganze stehen.

Doch es wäre heuchlerisch, würde keine Erwähnung finden, wie skrupulös die Feuerkraft eingestellt wird.
Heute nur ein Beispiel (ich könnte Ähnliches am Natur- bzw. Heimatschutz zeigen): Die sog. „Homolobby“. Rechts wird sie zunächst als gegeben vorausgesetzt und danach als Familienzerstörerin gebrandmarkt; über Queer und gender mainstreaming zersetze sie die Reproduktionsfähigkeit des deutschen Volkes.

Stimmt schon: Es gibt so etwas wie Verbandsfunktionäre, Medienvertreter, den plappernden intellektuellen Mittelbau; alle liegen sehr auf einer Linie. Immer gleicher soll alles werden: Jede Art Menschen soll jederzeit in jedes Land für jede beliebige Zeit kommen dürfen; jede Art von Sexualität ist jederzeit immer schon gerechtfertigt; niemand soll intelligenter oder weniger intelligent als der Andere sein – zur Not müssen eben Intelligenzbegriffe angepasst werden. Das alles ist widerlich und falsch und wird am besten mit Arnold Gehlens Theorie unterschiedlicher Moralen, deren Vermischung eben von Übel sei, kritisiert: Das, was für einander nahestehende Kleingruppen passt, kann man nun einmal nur unter Gefahr für die Gesellschaft selbst den Massen nahelegen.
Um zum Beispiel zurück zu kommen: Wenn ich mit meinen schwulen Freunden und Bekannten diskutiere, zeigen die Meisten eine ausgesprochene Abneigung gegen Kind und Kleinfamilie. Auch mir sind beide sehr fremd, doch spätestens wenn man beginnt, eine Theorie um diese Abneigung herum zu stricken, nimmt das Übel seinen Lauf. Zuweilen muss ich die große Trommel nehmen: Sie selbst wären nicht da, hätte nicht irgendjemand an Heterosexualität irgendetwas Erstrebenswertes gefunden.

Dümmliches, menschenfeindliches Ressentiment aber ist es, wenn von rechts in moralischer Absicht ein nicht behinderter heterosexueller Weißer die allgemeine Verweichlichung und Degeneration beklagt. Wäre er sich darüber im Klaren, dass er schlicht Lobbyarbeit für seinesgleichen betreibt, wäre dagegen in einer Demokratie nichts einzuwenden. Und durchaus schön ist es zu nennen, wenn er die Kleinfamilie vorlebt, seine Kinder vernünftig erzieht und wenn seine Frau wie eine Frau aussieht.
Doch er zielt auf mehr: Er neidet den Linken ihr Talent zum Sozialingenieur und möchte selbst der Oberbastler werden. Motto: Da muss man doch was machen können. Zurück in die Klos? Niemals darf Homosexualität Variante menschlicher Sexualität, sondern muss Abirrung sein, kein Text darf aufs Pejorative verzichten – bei kreuz.net wurde das geradezu zur Manie, da gab es keine Schwulen oder Homos, nur Homo-Gestörte.

Worauf ich hinaus will: Kritik wird maßlos und unwahr, wenn die Behandlung ihres Gegenstandes zur völligen Erklärung größerer Dinge (wie bspw. Gesellschaft) missbraucht wird.
Wir wollen hier „im Maße“ der Lebbarkeit Kritik üben und sind besonders neugierig auf Gegenargumente, die uns am jeweiligen Gegenstand dartun, dass wir dies und jenes innerhalb (!) unseres Polemikradius‘ übersehen haben.
Wir wollen noch Komplexität offen halten aus dem leicht verächtlich wirkenden Grund, weil ihre allzu schnelle Reduktion zu sehr ins eigene Leben eingreift. Zu dieser Verächtlichkeit bekennen wir uns.

Ist das inkonsequent? Und wenn ja: Kann die Wertewahl der Differenz Konsequenz/Inkonsequenz zuweilen von der Sache gefordert sein, wie m.E. hier und gerade nicht seinerseits über die Behandlung der Sache entscheiden? Und wie sieht eine Reform der Gesellschaft in menschenfreundlicher Absicht von dieser Warte aus?

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Die Tatsache allein, dass es in politisch radikalen Projekten, Häusern, Gruppen usw. Generationen gibt, es sich somit von selbst versteht, dass jeder nur eine begrenzte Zeit dabei sein kann, macht all das vollständig unwahr. Es kann bei dem ganzen Gesellschaftsveränderungszinnober nicht um die Sache gehen, sondern lediglich um ein Gefühl, dessen Stärke vom Alter abhängig ist. Leute aber, die nichts weniger als die Änderung der Welt von einem Gefühl abhängig machen, sind gefährlich.
Dass Menschen über 40 nur mit schwerer psychischer Schädigung in solchen Projekten überleben, dass man jenseits dieser Grenze nur noch die Rolle als Nerd-Fanatiker oder verzweifelter Drogenpunk besetzen kann, kühlt die Begeisterung fürs ganz andere Leben keineswegs ab. Soll jugendlicher Elan halbwegs konsistent dargestellt werden, braucht es die Darstellung von Echtheit und Einfalt. Umso peinlicher, wenn das eigene Erscheinungsbild dem nicht entspricht.

Eine mir bekannte Ausnahme will ich nicht verschweigen: Die linksradikal geprägte Schwulenbewegung. Es gab vor Jahren einmal ein Projekt linker Schwuler (damals hatte man es noch nicht so mit „queer“, man war schlicht schwul oder trans), das wurde plötzlich aus dem freizeitrevolutionären Wolkenkuckucksheim vertrieben. Die Erdung in der Realität war hart und brutal: AIDS. Plötzlich stellte sich das Problem der Betreuung und Pflege eigener Genossen. Das Alter war vorzeitig eingetreten. In einem Film sehe ich die einst so schönen leeren Gesichter, die vom Feuer der Revolution eben nur ausgeleuchtet wurden wie ein x-beliebiges Produkt in der Werbung, plötzlich sorgenzerfurcht und abgekämpft. Der Alltag zerrte an den Nerven, die Party war vorbei. In Windeseile musste man erwachsen werden – Ernstfall.

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