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Posts Tagged ‘Umwelt’

Wir müssen ein patriarchalisch sorgendes Verhältnis zum Tier einnehmen, denn nur wir (nicht die Tiere!) haben einen Begriff samt Vorstellung von einer intakten Natur. Rücksichtslose Naturausbeutung verträgt sich gut mir radikaler Tierrechtlerei. Beide wollen den Menschen aus der Natur herausnehmen – als ganz Anderes soll er den totalen Zugriff auf sie haben oder gar nichts von ihr nutzen. Das widerspricht aber der menschlichen Natur, die sich die Umwelt -wegen des Instinktmangels (Gehlen)- aneignen muss (!). Ein Fan der Aufklärung muss man nicht sein, wenn man es zu dumm findet, „sich an der Aufklärung einfach vorbeizuschwindeln“ (179). Der Einwand heutiger Fortschrittler, nur die aufgeklärte Neuzeit kenne überhaupt so etwas wie schützenswerte Natur ist eben nur als Einwand gegen die Idyllisierung der Natur richtig. Als Leugnung von Natur bleibt er so steindumm, wie er im Munde irgendwelcher postmodernen Studentinnen eben klingt.
So, wie wir heute besser wissen müssen als das Tier, was für es und seine Art gut ist, uns um dieses Wissen also nicht nicht kümmern dürfen wie frühere Zeiten, ebenso müssen wir uns heute einer so schwierigen Frage stellen, wieviel Natur sein soll, wieviel von uns also gelassen werden soll (darauf weist Gernot Böhme immer wieder hin).

Verständlich zu machen ist das heute kaum.
Die großen Städte werden voller und voller, als sollten Spenglers Voraussagen in allen Einzelheiten bestätigt werden. In den Cafés der Malls liest man „Landlust“ und kommt und kommt nicht darauf, sich einmal der selten bequemen Natur auszusetzen. Vegan oder Mäckens, gern auch „und“. Natur ist das Wunderbare, Unschuldige, das uns aber dauernd etwas verbieten will; wir bemühen uns ja, aber mal muss man sich auch was gönnen können. Irgendwas ganz Unkorrektes, hihi.
Wahrscheinlich hilft nicht nur gegen den großen Schwachsinn, sondern auch gegen die kleinen Borniertheiten – der Waldgang.

von Weizsäcker, Christine: Skizzen zum Entwurf einer Landwirtschaftsphilosophie, in: Scheidewege 22, Baiersbronn, 1992/93

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KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Die Flockenblume reckt und streckt sich. Das erscheint mir so wegen der betonten Länglichkeit und Spitzigkeit der Blütenblätter. Doch eben dadurch verschwimmt mir dieses Recken auch schnell zum Flattern und dies bald wieder zurück zum Recken. Mir kommt das Sommer-Klischee in die Quere. Im Sommer flattert schließlich alles lässig vor sich hin. Im Winter ist alles Vorhandene im Recken erstarrt.
Der Dichteeindruck, den der Schnee auf den Ästen wirkt, ist viel mächtiger, als der von (Blüten-)Blattwerk mitten im Sommer. Nicht obwohl, sondern weil der Hintergrund im Winter sich weniger abhebt, als im Sommer. Weiß/grau-weiß gegen grün/blau-violett. Sogar die Abweichung steht im Winter noch zum Gesamteindruck, während im Sommer chaotische Konkurrenz herrscht („Grün und Blau / schmückt die Sau“). Soldatisch ist der Wald gestimmt – jedes Ästchen an seinem Platz, jede weiße Vorhut da, wo sie hingehört: an der Spitze bzw. obenauf. Die Flockenblume ist auf eigene Rechnung unbekümmert und versucht, so viel schweifend-flatternd in Besitz zu nehmen wie möglich.

Die Über-Fülle der Verzweigungen im Schneewald, die die Substanz des Raumes ausfüllen zu wollen scheint, hat als funktionales Pendant bei der Flockenblume: die relativ große Häufigkeit relativ langer Blütenblätter. Sowohl der Dichtigkeitseindruck der scheinbar flatternden Blütenblätter als auch die krasse Tiefenwirkung des Schneewaldes fließen aus dem Effekt des kleinsten Zwischenraums. Die quantitative Wucht der kleinen Zwischenräume baut uns den größten Raum. Man kommt gar nicht nach mit dem „Tiefe-Sehen“ und schließt auf weit größeren Materieumfang als „eigentlich“ (doch was bedeutet das hier?) vorhanden ist.

„Draw a distinction“ in einem „unmarked space“ – immer und immer wieder und ein „universe“, das da mit der ersten Unterscheidung schon „comes into being“, wird reicher und reicher, hier: immer verästelter (Zitate: George Spencer Brown). Wer’s bombastischer liebt, darf auch an Sein und Seiendes bei Heidegger denken – die Verzweigungen im unmarkierten Raum machen die Größe und Voraussetzungsgewalt dessen was ist deutlich.

Dichte, Tiefe, Räumlichkeit sind keine ausreichenden Raumverhältnisbeschreibungen, wenn die Flockenblume so locker-dicht und der Schneewald auf so starre Weise weit sein kann.

Spencer Brown, George: Laws of Form, George Allen and Unwin Ltd., London, 1969

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Eine feine Initiative gibt es da: Pfand gehört daneben.

Dieses Land, das nennenswerte Armut nicht kennt, in dem sich jedoch weinerliche Anspruchshaltung, Naturverachtung und hedonistische iVerblödung als Kampf um soziale Gerechtigkeit tarnen hat also wieder eine neue Gemeinschaftsaufgabe: Für Prekarisierte die Pfandflaschen gut einsammelbar bereitzustellen.

In Arbeitsagentur-Projekten für unterprivilegierte Jugendliche ist es zumeist üblich, dass die Teilnehmer ihre leeren Flaschen wenigstens beim diensthabenden Sozialpädagogen abgeben, damit sie nicht auf dem Hof landen, ans Abgeben hat da noch nie jemand gedacht.

An meinem Lieblingsplatz am Fluss sammle ich also, wie gefordert, Flaschen ein. Leider gibt es hier keine Papierkörbe, neben die ich sie stellen könnte, damit sie zwei Tage später von leicht dicklichen, aber schwer systemkritischen Wut-/Alterta-Hanswürsten zerschlagen werden könnten, die sich wiederum einen Tag später für das wunderbare „Pfand gehört daneben“-Projekt engagieren. Ich muss sie also mit nach Hause nehmen – schlicht und einfach, weil ich nicht will, dass auch noch dieser Uferabschnitt verschandelt wird von den Suffköppen der vergangenen Nacht.

In diesem – glücklicherweise!- wohlabgesicherten Land wollen die Jugendlichen (links oder rechts oder unpolitisch ist eh schon egal) amerikanische Gangster-Rapper sein und fangen beim ersten unfreundlich blickenden Fallmanager der „Arbeitsagentur“ an zu weinen; ihre Eltern verlegen sich aufs role model Mittelmeer-clochard.
Dort allerdings, in den bei uns als Urlaubsziel so beliebten Mittelmeer-Ländern, ziehen nicht wenige hardcore-prekär zerlumpte Gestalten riesige Plastiksäcke mit Pfandflaschen durch die Straßen der Großstadt – Tag und Nacht. Jeder, der sie mal gesehen hat, käme sich in der Tat schäbig vor, im Supermarkt mit einer Pfandflasche aufzulaufen. Die Leute stellen sich auch mal neben einen und warten bis man ausgetrunken hat – man gibt ihnen die Flasche und zieht weiter. Und merkwürdig: Trotz der Klischees vom leicht schmuddligen, Komm ich heut‘ nicht, komm ich morgen-Südländer, der Regeln im öffentlichen Raum nicht kenne, sieht man kaum Glasscherben auf Fahrradwegen und Gehsteigen.

Hier allerdings: Depravierte Jugendlichen, die in ihren Markenklamotten, umgeben von Unterhaltungselektronik, gerade dem Hungertod entgegensehen. Sie sind froh über jede Flasche, die auf Fahrradwegen zerschlagen werden kann. Sonst haben sie ja nichts, wofür sie ihre Energie einsetzen können, weil: „Scheiss System, die da oben werden immer reicher und wir hier….“

Es ekelt mich an.

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Nichts stößt auch gutwilligen, intelligenten Lesern dieses Blogs so auf wie die Rede von der „linken Republik“. Mehr oder weniger deutlich wird mir gesagt, dass ich hier, bei evtl. vorhandener Stimmigkeit beschriebener Details, doch über´s Ziel hinaus geschossen hätte. Deutschland – von Linken beherrscht? Oder soll gar behauptet werden, alle würden oder seien – Linke? Und schließlich: Was ist mit der Ausländerfeindlichkeit in ostdeutschen Dörfern? Sei die etwa Ausdruck eines linken Antirassismus´? Mitnichten.

Wir beginnen heute, wie so oft, mit einer Binsenweisheit: Links gibt es nur mit Rechts zusammen. Man muss den Differenzenkalkül von Spencer Brown nicht studiert haben, um das einzusehen.
Nun können wir die Differenz durch das Beibringen von Indizien entfalten: In den letzten 10 Jahren hat sich kein einziges konservatives Thema durchgesetzt: Energiewende, Homo-Ehe, Multi-Kulti und Dialog der Kulturen, Agenda 2010 als Integrationsprojekt für Unterschichten, Finanztransaktionssteuer, Gender mainstreaming, Managergehälter…
Nirgendwo ist die vereinigte Linke gescheitert. Der Weg in die totale Gleichheit bis hin zur Aufweichung der Währung ist längst beschritten.
Man kann diese Diagnose treffen unabhängig davon, wo die eigenen politischen Präferenzen liegen. Ich bspw. wäre der Letzte, der nicht zugeben würde, dass ihm einiges in dieser Aufzählung sehr gut passt.

Nein, der NSU ist kein Gegenargument.
Auch die Rechten werden links. Der Sympathisantensumpf des NSU betreibt Selbstverwirklichung, Party, frönt der Zerstörungslust im Schutze der Nacht; Anarchie, Grenzverwischung allerorten.
Im Sinne eines verquasten Verständnisses von Volk und Nation werden alle Autoritäten (erzieherische, rechtliche, polizeiliche) lachend verachtet. Nicht nur in den angestammten Revieren der Herrschaftsfreiheit ist man gegen – Zwänge.

Wenn rechtsradikale Gewalttäter heute linken Sozialarbeiterslang sprechen und ihre Taten schwer existenzialistisch in die Nähe ultimativer Selbstbestimmung rücken, dann hat hier ganz offensichtlich nicht der Nazi-Opa mit schnarrender Stimme gesiegt, der dem Enkel den blonden Scheitel nochmal mit Spucke befestigt. Wenn die anabolika-dicken Ostzonenjungs und ihre breitmöpsigen Schneckchen im HipHop-Ningelsound darüber klagen, wie groß die soziale Kälte hierzulande sei, dann hat das mit „rechts“ nun einmal nichts zu tun. Ein ganzes Land dudelt wohlfrisierten AntiRa-Punkrock – und nichts wird besser, menschenfreundlicher.

Wieder und wieder höre ich: Das sei doch nur die Form, die Nazis hätten sich all das eben camouflagemäßig angeeignet, ihre Ideologie sei nach wie vor Ausgrenzung und Vernichtung. Wenn die Antifa sprüht: „Wir kriegen euch alle“ und auch gleich dazu sagt, was sie, nachdem sie die Bösen gekriegt hat, mit ihnen zu tun gedenkt: „Unser Sport – Nazimord“, dann gilt das dieser Republik als Dummerjungen-Streich, dann kann man beim besten Willen Ideologie nicht entdecken. Ausgrenzung, Vernichtung? Na, wer wird denn gleich…
Ja, was um Himmels willen soll denn der Inhalt dieses NSU sein? Traut man denn bspw. den zugepiercten, nicht wirklich durchalphabetisierten Freien Kräften allen Ernstes zu, eine Volksgemeinschaft mit Disziplin, Autorität, harter Arbeit, Blut und Boden, „deutscher Mutterschaft“ usw. usf. zu schaffen? Traut man ihnen auch nur – Landwirtschaft zu? Und wer jetzt mit ihrer körperlichen Gefährlichkeit kommt: Alle Kriminellen sind gefährlich. Und als solche sollten sie bekämpft werden, nicht als Monster irgendeiner Vergangenheit. Die scheitern doch daran, sich ihr eigenes Essen zu kochen! Sie sind zur Volksgemeinschaft so unfähig wie linke Lesekreisler zum Kommunismus! Wenn die Leistungen kapitalistischer Globalisierung (McDonalds, Fertigpizza, Red Bull, Unterhaltungselektronik), die man hüben und drüben so wortreich verabscheut, spärlicher tröpfeln, gehen die doch alle in die Knie und bauen eben keine schwer arische Selbstversorgung mit eigener Viehhaltung auf. Sie werden sich mit den lokalen Punks verbünden, Supermärkte plündern, die nächste Woche verschlafen und darauf hoffen, dass in der kommenden irgendjemand wieder irgend etwas herstellt. Meine Güte!

Vielleicht können sich einige meiner Kritiker mit mir so einigen: Nicht die Linken haben gesiegt, auch nicht die Linke, wohl aber: das Linke. Und zwar flächendeckend = total = auf ganzer Linie.
Wer heute vernünftig links sein will, sollte sich bemühen, nicht dadurch zu verblöden, dass seine Umgebung ihn immer schon versteht. Er sollte Ausschau halten nach substanziellen Widersprüchen. Technik: All das, was zweifellos gerecht und humanistisch ist, in Frage zu stellen und sich dann an die Widerlegung der Gegenargumente zu machen.
Ein Beispiel: Gehört eine erkämpfte Lohnerhöhung von 5 +x % bei einer Inflationsrate von 1,8% auf die Seite linker Emanzipation oder auf die Seite des liberal- bzw. rechtskonservativen „Weiter so“? Aufgabenstellung: Bringe je vier Gründe pro und contra bei und wichte sie gegeneinander! Gehe insbesondere auf die Komplexe „Dritte Welt“ und „Ökologie“ ein!
Eine solche Erörterung wäre allerdings substanzieller als alles, was auf den ideologischen Verschiebebahnhöfen dieses Landes bereit gestellt wird.

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Konsens bei den Fortschrittlichen im Lande: Die Technik ist nicht schuld. Technikkritik ist konservativ, deutsch, tendenziell faschistisch. Sicherlich, es gebe schlimme Auswirkungen technischer Erfindungen, doch die Verantwortung dafür trügen nun mal die Menschen, die sich in bestimmten gesellschaftlichen Verhältnissen so und nicht anders verhielten.

Nun sind unsere modernen Aufgeschlossenen aber selbst mit sich uneins: Amerika empfehlen sie den Verbot von Schusswaffen, gäbe es diese nicht mehr frei zu kaufen, würde auch die Zahl der Getöteten sinken. Ach, die Schuld hängt jetzt doch am Ding? Und ich dachte, das Verhalten der Menschen sei das Problem, nicht die Waffe als solche? Das sei ja nun spitzfindig, wendet man mir ein, eine Waffe gäbe es nur zum Töten. Und überhaupt: Ich solle doch bitte nicht mit so abseitigen Beispielen kommen.

Beim Auto ist wieder alles in Ordnung:
Die Verkehrstoten gehen aufs Konto der mangelnden Vorsicht der Leute beim Fahren; wer in Analysierlaune ist, führt die vielleicht noch auf die kapitalistische Arbeitshetze zurück, dann ist aber auch Schluss. Keinesfalls wohnt der Form dieses Fortbewegungsmittels als solchem die Zerstörung inne.
Zwei meiner Kollegen im Gespräch: Man möchte sich den Spaß am Autofahren nicht durch Automatikgetriebe verderben lassen. In ihrem engeren Umfeld ist die erwachsene Tochter einer Kollegin bei einem Frontalzusammenstoß getötet worden. Die Chefin dieser Kollegin hat nach einem Unfall längere Zeit im Koma verbracht. Der Sohn einer Putzfrau ist in psychologischer Behandlung, weil er einen Menschen angefahren hat; dessen Prognose ist noch unklar.

Man muss sich eben vorsehen.

Ich gucke verwundert. Sie gucken verwundert zurück. Ein Lachen löst alles auf – ich bin eben der Öko. Dass ich manchmal so begriffsstutzig bin, wird mir nicht weiter übelgenommen.

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Burkhard Jung von der SPD, Amtsinhaber und Favorit ist ein schwer sympathischer, integrierender Mann, den man guten Gewissens wählen kann. In guter Erinnerung ist mir seine Teilnahme an einer israelsolidarischen Kundgebung. Gegen ihn spricht die geplante Verschandelung des Lindenauer Hafengeländes – der Wahnwitz würde Leni Riefenstahl mächtig inspirieren. Um der Demokratie willen sollte man ihn auf keinen Fall wählen, denn er wird sowieso gewinnen.
Horst Wawrzynski für die CDU, ehemaliger Polizeichef, law-and-order-Mann ist zu gönnen, dass er respektabel abschneidet. Gerade wegen des gärenden Unmuts im linksradikalen Milieu, das ihn hasst wie die Pest. Für die Schnapsidee, die Bundesgartenschau in den Leipziger Auenwald zu holen, muss er allerdings bestraft werden; gewinnen soll er durchaus nicht.
Barbara Höll, ausgewiesene Haushaltsexpertin von der Linkspartei, steht für mich zum einen für fortdauerndes Engagement für HIV-Positive und die HIV-Prävention, zum anderen dafür, dass sie einmal bei einer Veranstaltung (vermutlich) gegen ihre eigene Überzeugung eine arbeits- und wachstumskritische Position zur Geltung brachte und daraufhin viel Schelte von den anwesenden Fortschrittsverrückten einstecken musste.

Ich möchte hier und heute allerdings Reklame machen für Herrn Feiertag, im Wahlkampf etwas krawallschachtelig unterwegs. Er ist ein gutwilliger Öko-Realo und hat hörenswerte Ideen zu Stadtplanung und Umweltpolitik: Einer der Hauptpunkte seines Wahlprogramms ist der fahrscheinlose ÖPNV. Feiertag spricht wenigstens von teilweiser Autofreiheit in Leipzig und ist klar gegen die Zulassung von Motorbooten im Auenwald. Darüber hinaus hat er die mangelnde Bürgerbeteiligung bei der Lindenauer-Hafen-Planung kritisiert. Wie es im Piraten-Umfeld so üblich ist, gibt er des öfteren zu, in bestimmte Dinge noch nicht eingearbeitet zu sein, verspricht aber, sich schlau machen zu wollen. Sehr sympathisch das.
Er hat keine Chance. Erwägen Sie doch wohlwollend, ob Sie am 27. Januar nicht ihm seine Stimme geben wollen.

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Ihre Zahl sinkt, erfahre ich. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass man sowas heute „selbst organisiert“ nennt. „Illegal“ klingt hier so wie eine Musikbezeichnung – heute geh´ ich zur Illegal-Party.
Dass es in einer Rechtsordnung keine illegalen Parties geben darf, dass ihre Organisatoren zur Verantwortung gezogen gehören – kein Gedanke daran: Oh, wie bedauerlich, die bunten illegalen Parties werden seltener. Es finden sich auch der eine und die andere Abgeordnete, für die „Kultur“ und „draußen“ und „Party“ dermaßen zusammen pappen, sprich „gang und gäbe“ sind, dass die Rechtmäßigkeit schon keine Frage mehr ist. Vielleicht gründen wir eine Initiativgruppe? Berufen wenigstens mal ein Plenum ein – für unser Recht auf Illegalität? Das wir uns von diesem Scheiss Staat noch lange nicht nehmen lassen?!
Meine Nerven, was für eine erbärmliche Jugendkultur – nicht einmal mehr die Illegalität soll unrechtmäßig sein.
Man nimmt sich den Platz, den man will, der eine oder andere besonders Bekloppte presst noch eine dumme politische Message ins Partygeschehen. Konsum soll nicht sein, Ökologie schon. Am Ende des Aufbruchs in die Natur ist die Landschaft herunter gewirtschaftet und die großen Jungs sind glücklich.
Das Treiben der Kreativbagage in Leipzig, die so sehr gegen Gentrifizierung ist, dass sie sie einfach selbst in die Hand nimmt, lebt von Exklusivität – man muss davon durch andere Gleichgesinnte erfahren. Die Hürden sind hoch wie bei kaum einem anderen Amüsement. Im ZEIT-Artikel zum Thema liest man: „Kennen und gekannt werden hilft, wer fremd ist, fällt schnell auf. Das gibt Sicherheit. Auch die Sicherheit, beim nächsten Mal wieder dabei sein zu dürfen.“ So werden auf linksalternativ für gewöhnlich die Verhältnisse in den als nazistisch gebrandmarkten ostdeutschen Dörfern beschrieben.
Man muss sich von mir aber nicht verunsichern lassen, gegen Kritik kann man sich schnell immunisieren, bspw. so: Ich könne ja gar nicht wissen, wovon ich rede, schließlich gehörte ich ja nicht dazu. Wäre ich damals bei XYZ dabei gewesen, wüsste ich, dass alles viel freier und so gar nicht abgeschlossen zugegangen wäre. Kurz: Dagegen könnte ich erst als zustimmender Besucher sein.
Draußen herum zu lärmen, allem und jedem mit dummer Musik auf den Geist zu gehen, die Natur mit Abfall zu überhäufen und die Vögel mit Lichtverschmutzung zu peinigen, ist zu einem Menschenrecht geworden. Nur Miesepeter können etwas dagegen haben.

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