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Posts Tagged ‘Verzeihung’

Neulich: Erinnerung an einen, der die Schlechtigkeit der Welt um ein erhebliches Quantum vermehrte.

Er war ein linksradikaler, arroganter Vollpfosten; immer schwer systemkritisch angezogen, steckte er doch bis zum Hals im akademischen Sumpf. Sein Antifa-Gerümpel hat ihm schon vor Jahren an der Universität genützt, nicht geschadet. X war ein queerer Akademiker der hardcore-Sorte, salbaderte von Diskursen, dass es nur so rauchte, kannte die Philosophie rauf und runter, widerlegte schon seit Jahren Adorno. Der Glanz seiner Klugheit wurde durch das Bekenntnis zu ökonomischer Ahnungslosigkeit nur noch strahlender.
(Damit wir hier nicht ins Ressentiment abdriften: Es gibt sympathische Linke, sympathische queere Menschen und sympathische Akademiker und wahrscheinlich gibt es auch sympathische linke, queere Akademiker – er gehörte zu den üblen, unsympathischen, scheußlichen, schlechten).
Dieser Mensch nun war merkwürdigerweise auf dem Tripp, er könne und müsse Mitglied der Arbeiterklasse sein. Sein Lebtag hatte er nur unverständliche Bücher gelesen und die übrige Zeit darauf verwendet, sich abwechselnd als Frau, Skinhead und Punk anzuziehen. Eigenartigerweise war seine Lieblingsbeschäftigung, anderen vorzuwerfen, zu gewählt zu sprechen, zu abgehoben vom Volke zu sein, was er mit einem ungeheuren, unverdaulichen Wortschwall, indem es von Diskursen und Narrativen nur so wimmelte, belegte.

Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob er nicht lediglich eine sehr gelungene, sehr böse Parodie auf diese ganzen universitären Knallchargen sein wollte. Vielleicht wollte er sein bewusstes Leben dazu verwenden, eine einzige große Performance in postmoderner Verarschung aufzuführen und sich so zu reproduzieren? Doch „rum wie ’num“: Eine grandios stabile Gesellschaft ist das, die Typen wie X verkraftet und eine unglaublich späte Zivilisation (spengleristisch gesprochen) ist es, die sein Zeug auch noch drucken lässt.

Christliche Einflugschneise: An solchen Leuten hat sich Verzeihung, Barmherzigkeit, Geduld zu bewähren. Wir versuchen, unseren Blutdruck im Zaum zu halten, ihm seine scheußlichen Traktate nicht übelzunehmen. Dass linke Stiftungen ihm Geld geben, ist ihr Problem, dass er es geschlechtlich uneindeutigen Veganer_innen in der dritten Welt wahrscheinlich nicht spendet, sondern für weitere dumme Bücher verbrät, seins.

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Warum liebt Gott den reuigen Sünder (bspw. im verlorenen Sohn)? Weil dieser offensichtliche Glaubensbestätigung ist. Der Sünder würde nicht bereuen, wenn er nicht an Vergebung bei dem glauben würde, vor dem er bereut. Gut handeln kann man aus unterschiedlichen Motiven, schlecht handelt man meist aus Rücksichtslosigkeit (inkl. Gewinn- und Gefallsucht) oder gar nur aus Gleichgültigkeit. Schlechtes zu bereuen aber ist logisch nur möglich, wenn man von einer Instanz entweder Strafe oder Vergebung erwartet. Existenz und Macht dieser Instanz werden durch die Reue sichtbarer ausgedrückt – die Instanz wird vom Sünder als eine aktiv handelnde wahrgenommen, die einem die Notwendigkeit der Rücksichtnahme wieder klar machen konnte. Der bloß gut Handelnde hat sich u.U. nie eine schmerzhafte Änderung seines Verhaltens zugemutet – deshalb wird für den verlorenen Sohn, der wider Erwarten zurückkehrt, ein Fest ausgerichtet und nicht für den, der dumpf und sicher nicht frohlockend Tag für Tag beim Vater seiner Arbeit nachging.
Barmherzigkeit übt sich am Abweichler, am Widerwärtigen. Der Dulder ist schon stark genug.

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Sagen Sie mal, Mely Kiyak, trifft Sie sowas eigentlich? Die Profi-Migrantenschnepfe mit „extrem wenig Ahnung“ und unförmiger Brille um die große Meise, die da hinter Ihrer hübschen Stirn nistet, nicht auffallen zu lassen?
Eine, die Thilo Sarrazin eine „lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur“ genannt hat, die sich also der untersten Kategorie der NS-Euthanasiesprache bedient, kann man die noch beleidigen?
Selbstverständlich steht die linke Republik zu Ihnen – auch und gerade nach Ihrem wunderbaren Entschuldigungscoup: „Wenn ich den physiologischen Hintergrund gekannt hätte, hätte ich das Bild nicht gewählt. Ich bedauere das sehr!“ Das ist großartig. Wer also erkennbar anders spricht, nur schwer lachen kann und ein Auge halb zugekniffen hält, darf dann und genau dann in Nazimanier nicht beleidigt werden, wenn dies Folgen einer Tumoroperation sind. Handelt es sich um psychische Tics, angeborene Schäden oder Ergebnisse schlimmer Erfahrungen im Laufe eines Lebens, ist jemand, der in Migrations- und wirtschaftspolitischen Fragen mit Ihnen, Kiyak, nicht übereinstimmt, selbstverständlich immer noch eine „lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur“.

Als „flachgewichst“ beschimpften Sie übrigens einen Ihrer Leser, der ebenfalls mit Ihnen nicht einer Meinung war. Und diese Vokabel kennen wir aus der Schulhofsprache migrantischer Jugendlicher. Von denen und nur von denen beziehen Sie Ihre Vorstellungen von gesellschaftlicher Auseinandersetzung. Und deswegen „bedauere ich“ meine Formulierung in der Überschrift „sehr“. Sie, Kiyak, haben kein Format, Sie sind ja doch nur eine gewöhnliche Radauliese der linken Antira-Republik.

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Meine Güte, was für eine Theorie:- Das identifizierende Denken beklagen und dann auf jeder dritten Seite „in Wahrheit“ schreiben! (Ist die mit dem Zeitkern gemeint? Also die, die irgendwann auch mal falsch ist?) Man führt die „Wirklichkeit“ im Munde, als hätte man direkten Draht zum Schöpfer. Was das falsche, was das wahre ist, ist seit Hegel keinem mehr so klar gewesen, wie den Frankfurter Meisterdialektikern. Angesprochen auf diesen recht robusten Zugriff auf die Realität, geben ihre heutigen Adepten zu, man selbst käme ja auch nicht aus dem identifizierenden Denken heraus („Denken heißt identifizieren.“) – müsse dies nur eben dialektisch gegen sich selbst wenden. Ach was. Darauf muss man erst einmal kommen: Wie man das Zugeben eines schlechten Gefühls in den Dienst vollendeter Hemmungslosigkeit beim Theoretisieren stellen kann. Dem bombastischen Wortgeklingel lässt sich bestenfalls der Ratschlag entnehmen, sich der Grenzen des eigenen Denkens bewusst zu sein. Das aber beherzigten die Klugen schon vorher. Und schlossen daraus, dass sich in dieser Welt „die Wahrheit“ wohl keinem ganz schenkt. Diese ganzen rhetorischen Verrenkungen, dieses Vorführen bizarrer Denkfiguren, die Selbstgeißelung darstellen, überdecken, dass Wahrheit die Erfindung eines Lügners ist (Heinz v. Foerster). Wahrheit allein führt zu Folterung und Massenmord. Wer nicht irrt, hat alles Recht, die Gegner müssen „dumm oder schlecht“ sein, wie der gar nicht mal so kluge Bertolt Brecht schreibt.

Doch was können wir tun? Wir Unsicheren?
Ich schlage vor: Geschichten erzählen und Vertrauen dadurch schaffen, dass unser Leben auf irgendwie menschenfreundliche Weise zu unseren Geschichten passt. In dieser Hinsicht brauchen wir auch die Wahrheit – als regulative Idee: Streben nach dem, was man als vernünftig und gut ansieht, was nicht Täuschung ist. So bleibt uns unbenommen, wenn Wahrheit und Barmherzigkeit wie so oft kollidieren, uns auf die Seite der Barmherzigkeit zu schlagen.
Gegen den Wahrheitsterror zu sein, heißt nicht, Bezüge auf eine (wie immer selbst konstruierte) Wirklichkeit mit Richtigkeitsunterstellung fürderhin zu unterlassen. Die Geschichten des Lebens werden erst dann richtig gut, wenn sich alle nach Kräften um das kümmern, was sie für Realität halten. Das totalitäre Gefasel vom „unwahren Ganzen“ überlassen wir den „ganz Anderen“.

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Wir können die vielfältigen Motive unheilvollen Handelns nicht in ihrer Gänze kennen, also auch nicht würdigen. Mit Verzeihung setzt man sich somit am sichersten dem Irrtum nicht aus, behält am sichersten nicht Unrecht.
Wer darf zurechtweisen? Die Geistlichkeit und der Markt (beide erklären den Gehandelt-Habenden, was sie getan haben und dass sie getan haben, was vorbestimmt war).
Katholisch: Anti-esoterisch. Nichts musste aus irdischen Gründen so kommen wie es kam, nichts rollt ab, es gibt nichts erkennbar Vorbestimmtes, nur Glauben an das unerkennbar Vorbestimmte. Damit ist das ganz Andere auf Erden immer möglich. Die uneinsehbare Vorsehung ist Ermutigung zum Handeln, nicht seine Entmutigung. Und wenn alle das verinnerlicht haben, muss es fast so sein, dass jeder sich wenigstens einmal irrt und Verzeihung nötig hat, will er nicht in irdischen Dingen gänzlich passiv bleiben.

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Links wird die Leitdifferenz des Deutschen als „Ergebung/Vernichtung“ ausgemacht. Beides läuft auf den Tod hinaus, der den Deutschen immer Lösung sei. (Diejenigen mit philosophischen Aspirationen rühren hier noch gern Heideggers „Sein zum Tode“ hinein, obwohl das nun gar nichts damit zu tun hat. Doch davon demnächst mehr.)
Die Kontrastposition werde durch das „Leben als Kampf“ gehalten, Vorbild: das Alte Testament. Von hier ist es nur noch ein Katzensprung zur Ableitung, dass es prima und immer zu begrüßen sei, wenn israelische Heranwachsende mit der Waffe in der Hand gegen die „antisemitische Internationale“ kämpfen. (So zumindest die Hinzufügung der carhartt-behosten Zivis deutscher Mittelschichtsherkunft, die auch gerne gegen irgendetwas kämpfen würden, wenn auch nicht in echt.)

Mag sein, dass die anprangernde Rede vom „unheilvollen alttestamentarischen Prinzip“ und der „Spirale der Gewalt“ antisemitisch ist. Fakt ist, dass die ganze anti-israelische Bagage irgendwelcher Friedenskreise sich dieser Topoi bedient. Doch m.E. sollte man sich nicht so pseudo-aufgeklärt verteidigen, wie die o.g. Jünglinge tun – an der Gegengewalt ist doch nicht zu loben, dass durch sie die Geschichte offen gehalten wird. Und die Verteidigung eines Landes gegen Terror kann doch auch nicht Gegenstand von philosophisch getöntem Lob oder Tadel sein.
Vielmehr ist es doch in sich ungemein tröstlich, dass Gewalt immer Gegengewalt erzeugen könnte, die Gewalt also eben nicht triumphieren muss, dass der Gewalttätige vielmehr bis zuletzt vorm Stärkeren zu zittern hat.
Christoph Türcke: „Andererseits ist Gegengewalt auch gegen Gewalt.“

Können Sie, lieber Leser, jetzt ermessen, wie groß die Liebe desjenigen sein muss, der auf die ultimative Gewalt nie gewalttätig antwortet, sondern den Gewalttäter gleich mit erlöst?

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Das Christentum hat der liebe Gott der Welt nun ganz gewiss nicht gebracht. Gott hat in Jesus „einen Menschen angenommen“ (Ratzinger), er kommt nicht als Lehrer apersonaler Heilsgewissheiten, geschweige denn als Schreckensmacht. Christ-Sein heißt – im Gegensatz zu anderen Religionen, denen es bspw. auf das „Nichts“, die „Unbegreiflichkeit“ oder Unterwerfung ankommt – die Person zu ehren. Weil in Jesus die Gottesgleichheit steckt, steckt sie auch in jeder menschlichen Person. Gott hat damit nicht nur einen, sondern den Menschen angenommen, nicht nur Menschengestalt, wie ein x-beliebiger Dämon, zur Täuschung beispielsweise. Gott weiß also, dass wir Menschen auf Erden es nicht ganz einfach haben – er hat ja in sich erlebt (und erlebt es immer wieder) wie es ist, zu verlieren – gegen die Gescheiterten.

Herr Jesus Christus, Du bist stark, Du kannst auf die paar kümmerlichen Stärken der Schwachen schauen. Du hast es nicht nötig, ihre Schwäche auszunutzen. Du hast es nicht einmal nötig, den Stolz der Schwachen vorzuführen. Herr, erbarme Dich.

Ratzinger, Joseph: Einführung in das Christentum, Vorwort

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