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Posts Tagged ‘Werte’

natürlich können Sie nichts für die Projektionen, die die Bagagen von ganz links und ganz rechts mit Ihnen veranstalten. Freiheitskämpfer, Hochverräter … In Wirklichkeit sind Sie ein Computerbastler, der auch so aussieht und vermutlich schwer darunter litt.
Die Mädchen wollten keinen mit der Ausstrahlung „gut in Mathematik“ und so beschlossen Sie, Gernegroß, ein bissel mitzuspielen in der weiten Welt der hohen Politik, die für Sie wie für jeden Dummbratz hüben und drüben aus ganz, ganz viel undercover besteht. Über ihren Geheimnisverrat haben Sie einen größeren Haufen humanitäre Soße gekippt. Nun ja, wer’s mag. Nun aber ist dieses ganze Spiel nicht so gelaufen, wie Sie sich das vorstellten und man ist Ihnen auf die Schliche gekommen. Sie wollten weg und hofften auf die Solidarität der Welt, die ebenfalls annehmen sollte, dass Geheimdienste keinerlei geheime Sachen machen, sondern Musterbeispiele basisdemokratischer Transparenz abgeben müssten. Zumindest die Computerknallos aus aller Herren Länder mit ihrem aufgeblasenen Individualitätspathos und dem Graswurzelgedöns „viele Kleine gegen mächtige Apparate“ sind ja tatsächlich auf Ihrer Seite:- sie haben so gar nichts zu verbergen und das darf um Gottes Willen niemand wissen.
Und jetzt kommt der Übergang von lächerlich-naiv zu scheußlich-erbärmlich.
Unter anderen diese Länder der so richtig freien Welt kamen in die engere Wahl für Sie, nachdem die finstere USA und der Polizeistaat UK die Freiheit so übel aufs Spiel gesetzt hatten: China, Polen, Kuba, Venezuela, Ecuador. Schließlich wählten Sie Russland, das Land, in dem ein albernes Präsidentenfake pro Tag vier Wunder mit freiem Oberkörper vollbringt und im Übrigen drei mal pro Woche Schwule von der hernach dreckig grinsenden Polizei zusammengeschlagen werden. Das wird Ihr demokratisches Bedürfnis befriedigen – für freien Datenverkehr und den Schutz elementarer Bürgerrechte ist Russland seit Jahren, was sag ich, seit Jahrzehnten bekannt.

Sie armer Irrer haben mir gefühlte fünftausend NSA-Witze beschert, einer schaler als der andere. Das können Sie nicht wieder gutmachen.
Aber versuchen, Snowden, könnten Sie’s.
Wissen Sie was? Geh’n Sie kacken auf dem dreckigsten Klo, das Russland zu bieten hat und kommen Sie da möglichst lange nicht mehr raus. Lassen Sie den Laptop vor der Tür und nehmen Sie sich halt ein wenig Lektüre mit: Carl Schmitt würde ich vorschlagen oder Oswald Spengler.

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Man ist vielerlei Verrücktheiten von mir gewöhnt, also muss ich mir gar nicht so oft anhören: Wie kann man nur?!
Nämlich: Als Schwuler sich katholisch taufen lassen.
Nicht so oft, doch es kommt vor.

Wie immer ist auch hier hilfreich, die Systemreferenzen auseinander zu halten: Von der katholischen Kirche erwartet man kein bestärkendes Grußwort zum CSD und von der Schwulenszene weder Welterklärung noch Heil. Klar ist aber auch, dass die Performance der Katholischen Kirche kränkend für Schwule ist. Umgekehrt feiern die Profischwulen ihren Antiklerikalismus.
Doch bleiben wir bei der Kirche: Nur noch hardcore-Nazis und die una sancta catholica et apostolica ecclesia lehnen praktizierte Homosexualität kategorisch ab. Was hat der Durchschnittsschwule bei ihr zu suchen?
Mir würde bspw. einfallen: Das Heil. Und: Einen Ankerpunkt des Irdischen im Überirdischen.
Wem so etwas wichtig ist, der ist dabei, wer nicht, der nicht. Soviel second order cybernetics muss sein, auch wenn sie ihrerseits als „postmodern“ beobachtet werden kann.

Nun lässt sich durchaus mit guten Gründen die Ansicht vertreten, dass die Katholische Kirche nicht immer in ihrer Geschichte glühende Kämpferin für Toleranz war. Ja, so ist das nun einmal mit dem Wahrheitsanspruch. Und der Leidenschaft. Die sind ziemlich unbedingt. (Den Vorkämpfern für Emanzipation gilt diese Unbedingtheit bekanntlich als Tugend, zu der sie sich gern bekennen. Und auch sie wissen ja ziemlich genau, was anderen frommt.) Jenseits innerchristlicher Überzeugungen möchte ich diejenigen fragen, die an der Katholischen Kirche Flexibilität und Eingehen auf menschliche Bedürfnisse vermissen: Wollen wir wirklich nichts mehr in der Gesellschaft dulden, das einem Zug der Zeit widerspricht? Hat es nicht auch etwas Tröstendes, dass wenigstens eine Institution im Deutschland des beginnenden 21. Jahrhunderts so aus der Zeit gefallen erscheint bzw. in einer anderen Zeit aufgehoben, dass wenigstens etwas ewiggestrig sein will? Und: Sind deutsche Gutmenschenkatholiken wirklich für das ekelhafte Paktieren der russischen Orthodoxen mit den dortigen Schwulenfeinden verantwortlich, weil auch sie glauben, dass die Welt durch Jesus Christus erlöst wurde?

Zur anderen Seite der Medaille: Wer als Schwuler Teil der Kirche sein will, hat die Akzeptanz des eigenen Begehrens durch Andere tiefer gehängt, nicht unbedingt dieses selbst.
Und: Wer die 40 hinter sich gelassen hat, kommt für schwules Partyleben sowieso nicht mehr in Frage. Ein anderes als Partyleben gibt es für „Otto Bewegtschwul“ nicht – der „Rest“ (also: das richtige Leben) ist seit eh und je privat und wird durch Bürgerrechte geschützt. Mit 30 ist man für die Schwulenszene bekanntlich tot. Und ich würde gern darüber streiten, wessen Menschenfeindlichkeit größer ist: die der jugendwahnsinnigen Szeneschwuppen oder die der Katholischen Kirche. Für die einen ist man einigermaßen überflüssige Biomasse, für die andere immerhin menschliche, erlösungsbedürftige Seele. Die Todesbesessenheit der Barebacker, das Herabschauen auf lärmende „Bälger“ und ihre dummen Eltern, die sich das antun, die erbarmungslosen Witze über Altern und körperliche Unzulänglichkeiten, das freudige Aufgehen im Konsum und der feste Wille, jeden Modetrend auch mit 50 noch mitzumachen – lächerlich, aus diesen menschlichen Schwächen ein Bekenntnis zu machen. All das ist durchaus vergebungsfähig, aber wohl kaum prämierbar.
Wer jemals die fetisch-schwulen Underground-Parties der 90er in unserer schönen Hauptstadt besucht hat und hinterher nicht auf irgendeiner Droge hängen geblieben ist, kann nur noch lachen über die quietschbunte We-are-familiy-Kulisse. Selten habe ich so viel Menschenverachtung und Flirt mit dem Nazismus erlebt, wie dort.

Wir wollen uns sortieren: Schwul zu sein ist eine Gabe, die einem keine Art von Blödmännern (inkl. Pius-Brüdern) ausreden kann. Wenn man selbst daran glaubt, dass es eine Wahrheit gibt, die der Zeit und ihren jeweiligen Begleitumständen widerspricht, man selbst aber identitär mit einem dieser Begleitumstände verwachsen ist, dann ergibt sich durchaus ein logisches Problem.
Doch eine adornitisch geprägte Linke müsste mir eigentlich den Ausweg aus dieser Unlogik weisen können. Wann immer sie mit ihrer Dialektik nicht weiterkam, galt es ja: den Differenzen stattzugeben und Widersprüche auszuhalten. Diesmal bin ich dabei.

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Hier und jetzt geschieht das Große, das, was uns übersteigt, gegen das wir kleine Würmchen nur sind. Wie froh wären wir, für dieses Große einen bescheidenen Beitrag leisten zu können. Hoffentlich werde ich nicht von Erschütterung überwältigt.

Wer kann in dieser Zeit noch so denken und empfinden?
Hingabe, Ergebung, Überwältigtsein, bedingungslose Hochschätzung – das alles wird der Überredungskunst von Nazi-Ästhetik zugeschlagen.
Man könnte sich -Spenglers Diagnose unseres Zeitalters im Hinterkopf- damit arrangieren, träten an deren Stelle nüchterne Überlegung, Prüfung aller Aspekte an einer komplizierten Sachlage, Vorsicht im Abwägen. Doch triumphieren: Respektlosigkeit, dümmliches Gewitztsein und die Generation für Generation durchtradierten Floskeln aus dem Elternhaus über die komplett egoistischen Menschen, die immer schon falsch waren – verkündet von Leuten, die Wälzer über Steuerspartricks fast auswendig hersagen können.

Wer gilt dieser Zeit als der Gute?
Die Helden der Neuzeit kämpfen nicht mehr gegen das Böse, sondern gegen den Dreck (allgemein: der Großstadt, spezieller: der Kriminalität); die Jugendkulturen nach ’45 wollen nicht mehr geistige Wirkung in die Gesellschaft hinein, sondern zielen auf Provokation von allem, was nicht so ist wie sie. Muten Hängengebliebene ihnen das Eintreten für bestimmte Ziele oder auch nur die Begründung ihres eigenen So-Seins zu (das kann einer linken Jugendkultur auch durch einen orthodoxen Marxisten widerfahren, der meint, dass man seine Lebenskraft doch für etwas Wichtiges und Großes einsetzen müsse), wird ihnen bedeutet, sie verstünden gar nicht, worum es ginge.
Hingerissen-Sein ist ihrem Leben dysfunktional, es würde sie der schnellen Reaktion auf echte oder vermeintliche Angriffe berauben.
Beim großen Feuerwerk lacht die Jugend über die in den Himmel starrenden Menschen: „Toll, ’ne Rakete!“.
Es gibt nahezu kein Sinn mehr für musikalische Wucht. So wird nicht-elektronische Musik für den Konzertsaal (= „Klassik“) von jungen Leuten zunehmend pauschal als überkandidelt, peinlich gestelzt empfunden. Sie hören keine unterschiedlichen Stimmungen mehr (traurig, fröhlich, kraftvoll, tänzerisch, edel, vulgär…). Hören sie Geigen und Blechbläser, dann ist das für sie eine Art alter Film und damit eine Mischung aus langweilig und traurig. Nicht wenige Leute, sogar jenseits der 30, sind mir begegnet, die schlimmsten, nervtötenden Techno als zum Tanzen anregend empfanden, einen Strauß-Walzer allerdings als getragen, allzu feierlich und sehr bald als deprimierend.

Nirgendwo macht diese Nivellierungswalze halt: Wer dem Staat freiwillig dient (weil dieser womöglich gar eine Idee verkörpern könnte), sich an Vorschriften und Verkehrsregeln hält, ist dumm, wer an Liebe glaubt, naiv, wer eine Idee für größer hält, als sein eigenes kleines Hirn, ist schuld an zukünftigen Gemetzeln. Meine Güte, als ob es jenseits des Islams und psychischen Störungen noch Fanatismus gäbe…
Das Große, Schöne, das Erhabene, vor dem man vergehen will, kurz: das, womit man nicht fertig wird, hat nicht einmal mehr eine Jugendbewegungsnische.

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Ich zuckle mit meinem Rad die Straße entlang. Am Rand immer mal wieder jemand, der schwer genervt mit den Augen rollt, von einem Bein aufs andere trippelt und mich durch Kopfnicken zum Schnellerfahren veranlassen will. Schließlich möchte der Wartende über die Straße.
Obwohl ich noch ein ganzes Stück entfernt bin, wartet er dort, weil ihm seine Eltern eingeschärft haben, nach links und rechts zu sehen, die Fahrzeuge durchzulassen und dann zu gehen. Sie haben ihm nicht beigebracht, die Entfernung abzuschätzen und zu kalkulieren, ob man die Überquerung u.U. noch vor dem sichtbaren Fahrzeug schaffen könnte.
Stammleser wissen, wie es weitergeht:- ich muss das ganze ein bisschen aufblasen. Die jungen Leute haben Kontingenzbewusstsein im Übermaß, die mittelalten, noch DDR-sozialisierten Menschen leiden daran Mangel. Dass sich im Alltag keine Illustrationen von Idealtypen darbieten, sondern je neue Situationen, die je neu gewürdigt werden müssen, überfordert viele schon im Straßenverkehr. Die einmal beigebrachte Regel wird angewendet – auch wenn es keine Ampeln und Autos mehr gibt oder Straßen von oben nach unten führen: Es wird gewartet, bis die Fahrzeuge durch sind. Die Entscheidung darf keine Grauzonen und Verhandlungsbereiche kennen, neue Erfahrungen und das Schaffen neuer, ihrerseits verbesserbarer Heuristiken, wird ausgeschlossen.
Das Alltagsleben ist wenig mehr als ein Anwendungsfeld elterlicher Befehle.

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Nichts stößt auch gutwilligen, intelligenten Lesern dieses Blogs so auf wie die Rede von der „linken Republik“. Mehr oder weniger deutlich wird mir gesagt, dass ich hier, bei evtl. vorhandener Stimmigkeit beschriebener Details, doch über´s Ziel hinaus geschossen hätte. Deutschland – von Linken beherrscht? Oder soll gar behauptet werden, alle würden oder seien – Linke? Und schließlich: Was ist mit der Ausländerfeindlichkeit in ostdeutschen Dörfern? Sei die etwa Ausdruck eines linken Antirassismus´? Mitnichten.

Wir beginnen heute, wie so oft, mit einer Binsenweisheit: Links gibt es nur mit Rechts zusammen. Man muss den Differenzenkalkül von Spencer Brown nicht studiert haben, um das einzusehen.
Nun können wir die Differenz durch das Beibringen von Indizien entfalten: In den letzten 10 Jahren hat sich kein einziges konservatives Thema durchgesetzt: Energiewende, Homo-Ehe, Multi-Kulti und Dialog der Kulturen, Agenda 2010 als Integrationsprojekt für Unterschichten, Finanztransaktionssteuer, Gender mainstreaming, Managergehälter…
Nirgendwo ist die vereinigte Linke gescheitert. Der Weg in die totale Gleichheit bis hin zur Aufweichung der Währung ist längst beschritten.
Man kann diese Diagnose treffen unabhängig davon, wo die eigenen politischen Präferenzen liegen. Ich bspw. wäre der Letzte, der nicht zugeben würde, dass ihm einiges in dieser Aufzählung sehr gut passt.

Nein, der NSU ist kein Gegenargument.
Auch die Rechten werden links. Der Sympathisantensumpf des NSU betreibt Selbstverwirklichung, Party, frönt der Zerstörungslust im Schutze der Nacht; Anarchie, Grenzverwischung allerorten.
Im Sinne eines verquasten Verständnisses von Volk und Nation werden alle Autoritäten (erzieherische, rechtliche, polizeiliche) lachend verachtet. Nicht nur in den angestammten Revieren der Herrschaftsfreiheit ist man gegen – Zwänge.

Wenn rechtsradikale Gewalttäter heute linken Sozialarbeiterslang sprechen und ihre Taten schwer existenzialistisch in die Nähe ultimativer Selbstbestimmung rücken, dann hat hier ganz offensichtlich nicht der Nazi-Opa mit schnarrender Stimme gesiegt, der dem Enkel den blonden Scheitel nochmal mit Spucke befestigt. Wenn die anabolika-dicken Ostzonenjungs und ihre breitmöpsigen Schneckchen im HipHop-Ningelsound darüber klagen, wie groß die soziale Kälte hierzulande sei, dann hat das mit „rechts“ nun einmal nichts zu tun. Ein ganzes Land dudelt wohlfrisierten AntiRa-Punkrock – und nichts wird besser, menschenfreundlicher.

Wieder und wieder höre ich: Das sei doch nur die Form, die Nazis hätten sich all das eben camouflagemäßig angeeignet, ihre Ideologie sei nach wie vor Ausgrenzung und Vernichtung. Wenn die Antifa sprüht: „Wir kriegen euch alle“ und auch gleich dazu sagt, was sie, nachdem sie die Bösen gekriegt hat, mit ihnen zu tun gedenkt: „Unser Sport – Nazimord“, dann gilt das dieser Republik als Dummerjungen-Streich, dann kann man beim besten Willen Ideologie nicht entdecken. Ausgrenzung, Vernichtung? Na, wer wird denn gleich…
Ja, was um Himmels willen soll denn der Inhalt dieses NSU sein? Traut man denn bspw. den zugepiercten, nicht wirklich durchalphabetisierten Freien Kräften allen Ernstes zu, eine Volksgemeinschaft mit Disziplin, Autorität, harter Arbeit, Blut und Boden, „deutscher Mutterschaft“ usw. usf. zu schaffen? Traut man ihnen auch nur – Landwirtschaft zu? Und wer jetzt mit ihrer körperlichen Gefährlichkeit kommt: Alle Kriminellen sind gefährlich. Und als solche sollten sie bekämpft werden, nicht als Monster irgendeiner Vergangenheit. Die scheitern doch daran, sich ihr eigenes Essen zu kochen! Sie sind zur Volksgemeinschaft so unfähig wie linke Lesekreisler zum Kommunismus! Wenn die Leistungen kapitalistischer Globalisierung (McDonalds, Fertigpizza, Red Bull, Unterhaltungselektronik), die man hüben und drüben so wortreich verabscheut, spärlicher tröpfeln, gehen die doch alle in die Knie und bauen eben keine schwer arische Selbstversorgung mit eigener Viehhaltung auf. Sie werden sich mit den lokalen Punks verbünden, Supermärkte plündern, die nächste Woche verschlafen und darauf hoffen, dass in der kommenden irgendjemand wieder irgend etwas herstellt. Meine Güte!

Vielleicht können sich einige meiner Kritiker mit mir so einigen: Nicht die Linken haben gesiegt, auch nicht die Linke, wohl aber: das Linke. Und zwar flächendeckend = total = auf ganzer Linie.
Wer heute vernünftig links sein will, sollte sich bemühen, nicht dadurch zu verblöden, dass seine Umgebung ihn immer schon versteht. Er sollte Ausschau halten nach substanziellen Widersprüchen. Technik: All das, was zweifellos gerecht und humanistisch ist, in Frage zu stellen und sich dann an die Widerlegung der Gegenargumente zu machen.
Ein Beispiel: Gehört eine erkämpfte Lohnerhöhung von 5 +x % bei einer Inflationsrate von 1,8% auf die Seite linker Emanzipation oder auf die Seite des liberal- bzw. rechtskonservativen „Weiter so“? Aufgabenstellung: Bringe je vier Gründe pro und contra bei und wichte sie gegeneinander! Gehe insbesondere auf die Komplexe „Dritte Welt“ und „Ökologie“ ein!
Eine solche Erörterung wäre allerdings substanzieller als alles, was auf den ideologischen Verschiebebahnhöfen dieses Landes bereit gestellt wird.

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Hermann Schmitz definiert Wohnen als „Kultur der Gefühle im umfriedeten Raum“ (Bd. III,4, S. 258 ff), es ermöglicht etwas durch Abgrenzung (Bd. I, S. 145).
Das Thema: Eröffnung von Komplexität durch Reduktion von Komplexität zeigt sich auch und gerade im Volks- bzw. Regionalcharakter, der individuelle Prägungen, Ausformungen erst ermöglicht. Ihnen kontrastieren die puren abgründigen Erregungen, die krassen Erlebnisse und heute so gut angesehenen „Grenzerfahrungen“. In ihnen wird man zurückgeworfen auf etwas, das durchaus allen Menschen ohne Ausnahme eigen ist, den ultimativen Trumpf des Antirassismus. Wir wollen nicht vergessen, worin dieser Urgrund besteht: in „primitiver Gegenwart“ (Schmitz), die uns festbannt in die äußerste Enge von Ich-Dieses-Sein-Hier-Jetzt, etwas, was uns v.a. in Angst und Schreck zugänglich ist.
Ohne historische und situative Vermittlung wird alles elementar, ohne Abstandnehmen, zu dem bereit stehende Artefakte einladen, ist immer alles gleich neu, vorurteilslos.

Die globale Wissenschaftsmode, die die einheitlich Sprechenden und Denkenden etabliert haben, ist ein großer Schritt auf dem Weg zu totaler Voraussetzungslosigkeit. Traditionen, ja auch nur Usancen haben kein eigenes Gewicht mehr. Jeder muss sich mit jedem Anderen über alle Probleme jederzeit widerspruchsfrei verständigen können und immer wieder neu wird die einzige Voraussetzung gemacht, die noch sein darf: Dass es weiter keine Voraussetzungen zu geben habe.

Aber uns ist klar: Erst wenn man von wenigstes halbwegs Eingeweihten in wenigstens bestimmten Hinsichten in nie ganz vorhersehbarem Maße verstanden wird, ist das eigene Tun nicht beliebig, nicht voll-kontingent, erst dann lohnt es doch, zu kommunizieren. Überraschungen, wahrhaft Neues kann doch nur der würdigen, dessen Sicht auf die Welt in einer für ihn selbst kaum durchschaubaren Mischung aus (Vor-)urteilen geprägt ist. Nur, wo es Vorlieben und Abneigungen gibt, ist nicht alles lieblos, nüchtern.

Wie beschränkt ist der alt-sächsische Humor. Es gibt ihn immer noch, er ist eine Umgangsform, gebraucht von immer weniger Menschen, verachtet von den Weltläufigen, die nur noch englisch können. Keine geleckte, falsche, überall zu habende, schwer ausgewogene, in jeder Hinsicht „gerechte Sprache“, sondern zwischenmenschliches Terroir. Zwei Beispiele:
An der Supermarktkasse fällt mir das Kleingeld herunter. Die Kassiererin bot zuvor an, mir auch den großen Schein abzunehmen, aber ich will partout die vielen Münzen loswerden. Nun suche ich auf dem Boden. Die Kassiererin reckt den Kopf etwas vor, beobachtet mich gutmütig lächelnd und kommentiert: „Na, sie beschdehn awer ooch druff…“.
Das zweite stammt von der wunderbaren Lene Voigt: Ein Kunde kauft einen Käse – der Händler bemerkt, dass der mit einem anderen zusammengepappt ist und will die beiden mit dem Messer trennen. Doch da greift der Kunde ein:

„Ich nähmse alle beede mit,
Se sin so scheen verwachsen.
Mir dätr färmlich weh, där Schnitt!“
Sowas gibbt’s bloß in Sachsen.

(240)

Das Gefühl dafür, dass etwas Bestimmtes nur in Sachsen möglich ist, wird in wenigen Jahrzehnten niemandem mehr eingehen.

Elende, die meinen, dass ich das verschmerzen muss…

Schmitz, Hermann: System der Philosophie, Bd. I: Die Gegenwart, Bonn, 1964
Schmitz, Hermann: System der Philosophie, Bd. III, 4: Das Göttliche und der Raum, Bonn, 1977
Voigt, Lene: De beeden Gäse, S. 239 f in: Mir Sachsen, Leipzig, 2009

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Seit längerem bemühe ich mich darum, die Stärke, nicht die Zielrichtung meiner Kritik darauf abzustimmen, wie weit ich mit meiner Person im Alltagsleben auch wirklich dafür einstehen kann. Man kann sich weit aus dem Fenster lehnen, wenn man schwindelfrei ist, oder wenn einem am eigenen guten Leben nicht sonderlich viel liegt, oder auch, wenn man zuviel durcheinander gesoffen hat und das offene Fenster fürs eigene Bett hält.

Er will es kaum leugnen und verbergen kann er es schon gar nicht: Der Schreiber dieses Blogs hegt einige Sympathien für kluge Rechte. An der linken Republik regt ihn weniger das Links-Sein auf, als die unglaubliche Dummheit und Weltfremdheit ihrer Wortführer und Nachbeter – gemixt mit als selbstverständlich vorausgesetzten moralischen Wertungen, deren Kontingenz man sich nicht vorstellen mag. Es liegt auf der Hand: Die linke Republik muss man kritisieren, man muss Beispiele finden und versuchen, an ihnen darzutun, dass und wie sie für das Ganze stehen.

Doch es wäre heuchlerisch, würde keine Erwähnung finden, wie skrupulös die Feuerkraft eingestellt wird.
Heute nur ein Beispiel (ich könnte Ähnliches am Natur- bzw. Heimatschutz zeigen): Die sog. „Homolobby“. Rechts wird sie zunächst als gegeben vorausgesetzt und danach als Familienzerstörerin gebrandmarkt; über Queer und gender mainstreaming zersetze sie die Reproduktionsfähigkeit des deutschen Volkes.

Stimmt schon: Es gibt so etwas wie Verbandsfunktionäre, Medienvertreter, den plappernden intellektuellen Mittelbau; alle liegen sehr auf einer Linie. Immer gleicher soll alles werden: Jede Art Menschen soll jederzeit in jedes Land für jede beliebige Zeit kommen dürfen; jede Art von Sexualität ist jederzeit immer schon gerechtfertigt; niemand soll intelligenter oder weniger intelligent als der Andere sein – zur Not müssen eben Intelligenzbegriffe angepasst werden. Das alles ist widerlich und falsch und wird am besten mit Arnold Gehlens Theorie unterschiedlicher Moralen, deren Vermischung eben von Übel sei, kritisiert: Das, was für einander nahestehende Kleingruppen passt, kann man nun einmal nur unter Gefahr für die Gesellschaft selbst den Massen nahelegen.
Um zum Beispiel zurück zu kommen: Wenn ich mit meinen schwulen Freunden und Bekannten diskutiere, zeigen die Meisten eine ausgesprochene Abneigung gegen Kind und Kleinfamilie. Auch mir sind beide sehr fremd, doch spätestens wenn man beginnt, eine Theorie um diese Abneigung herum zu stricken, nimmt das Übel seinen Lauf. Zuweilen muss ich die große Trommel nehmen: Sie selbst wären nicht da, hätte nicht irgendjemand an Heterosexualität irgendetwas Erstrebenswertes gefunden.

Dümmliches, menschenfeindliches Ressentiment aber ist es, wenn von rechts in moralischer Absicht ein nicht behinderter heterosexueller Weißer die allgemeine Verweichlichung und Degeneration beklagt. Wäre er sich darüber im Klaren, dass er schlicht Lobbyarbeit für seinesgleichen betreibt, wäre dagegen in einer Demokratie nichts einzuwenden. Und durchaus schön ist es zu nennen, wenn er die Kleinfamilie vorlebt, seine Kinder vernünftig erzieht und wenn seine Frau wie eine Frau aussieht.
Doch er zielt auf mehr: Er neidet den Linken ihr Talent zum Sozialingenieur und möchte selbst der Oberbastler werden. Motto: Da muss man doch was machen können. Zurück in die Klos? Niemals darf Homosexualität Variante menschlicher Sexualität, sondern muss Abirrung sein, kein Text darf aufs Pejorative verzichten – bei kreuz.net wurde das geradezu zur Manie, da gab es keine Schwulen oder Homos, nur Homo-Gestörte.

Worauf ich hinaus will: Kritik wird maßlos und unwahr, wenn die Behandlung ihres Gegenstandes zur völligen Erklärung größerer Dinge (wie bspw. Gesellschaft) missbraucht wird.
Wir wollen hier „im Maße“ der Lebbarkeit Kritik üben und sind besonders neugierig auf Gegenargumente, die uns am jeweiligen Gegenstand dartun, dass wir dies und jenes innerhalb (!) unseres Polemikradius‘ übersehen haben.
Wir wollen noch Komplexität offen halten aus dem leicht verächtlich wirkenden Grund, weil ihre allzu schnelle Reduktion zu sehr ins eigene Leben eingreift. Zu dieser Verächtlichkeit bekennen wir uns.

Ist das inkonsequent? Und wenn ja: Kann die Wertewahl der Differenz Konsequenz/Inkonsequenz zuweilen von der Sache gefordert sein, wie m.E. hier und gerade nicht seinerseits über die Behandlung der Sache entscheiden? Und wie sieht eine Reform der Gesellschaft in menschenfreundlicher Absicht von dieser Warte aus?

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